Naturwissenschaftliche Wochenschrift BEGRÜNDET VON H. POTONI^ HERAUSGEGEBEN VON Prof Dr H. MIEHE NEUE FOLGE. 17. BAND (DER GANZEN REIHE 33. BAND) JANUAR — DEZEMBER 1918 MIT 268 ABBILDUNGEN IM TEXT JENA VERLAG VON GUSTAV FISCHER 1918 Alle Rechte vorbehalten. Register. I. Größere Originalartikel und Sammelberichte. Arldt, Th., Primitive Formen und Ent- wickluDgsgebiete. 573. Auerbach, F., Zur physiologischen Opiik. 59g. Brehm, V., Das Nannoplankton. 49. Bretscher, K., Der Gesang der Vögel. 409. Bretschneider, Fr., Vergleichende Untersuchungen an Gehirnen als Beitrag zur Phylogenie der Arthropoden. 665, Br US soff, A., Über die sogenannte Fragmentation der Actinomyceten- Hy- phen. 249. Büttel- Reppen, H. v. , Beiträge zur Physiologie, Biologie und Psychologie der Honigbiene. 585. Dewitz, J., Über die Entstehung der braunen Farbe gewisser Schmetterlings- kokons. 685. Dietrich, W. O. , Ober eine neue Mastodon-Rekonstruktion. 369. Ebner, R., Asymmetrie bei Insekten. 233- Eckard t, W. R., Wie ist die Lösung des Klimaproblems der permokarbonen Eiszeit möglich? Ii;3. Eckard t, W. R., Über das Klima der diluvialen Eiszeit und der Interglazial- Zeiten. 553. Eichwald, E. , Neuere Forschungen über Fermente. 393. Eitel, W, Warum ist der regelmäöige (platonische) Zwölf- und Zwanzigfläch- ner in der Kristallwelt unmöglich? 304. Eitel, W., Die Erscheinungen der pleo- chroitischen Höfe und ihre Bedeutung für die Bestimmung des absoluten Alters der Gesteine. 633. Fischer, H, Zur Phylogenie des Blatt- grünfarbstoffes. 161. Fischer, K. , Der jährliche Gang der Beziehungen zwischen Niederschlag, Ab- fluß, Verdunstung und Versickerung im Landklima Mitteleuropas. 265. Franz, V., Die Funktion des "Daumens ain Vogelflügel. 200. Frickhinger, H. W., Bekämpfung der Mühlenschädlinge mittels Blausäure. 710. Frickhinger, H. W. , Die Bisamratte in Böhmen. 65, 83. Fuhrmann, Impfung und Unempfänglich- keit (Immunität). 17. Häußler, E. P., Über den Begriff der Reinheit bei Enzymen, ihre Benennung und die Wege, ihre chemische Struktur zu ermitteln. 145. Heller, H., Das Chlorophyll. 545. Hennig, E., Meine Stellungnahme zum Wünschelrutenproblem. 227. H o f f m e i s t e r , C, Über Meteorbeobach- tungen. 121. Ho ffme ister, C. , Falsche Himmels- erscheinungen. 342. Hoffmeister, C., Planet 191SDB, ein merkwürdiges neues Glied des Sonnen- systems. 326. Hoffmeister, C, Einige Bemerkungen über die neuen Sterne. 681. Karsten, G., Zur Frage der Eisheiligen. 569- Katscher, L. , Gedenkblatt zu August Foreis 70. Geburtstag. ';43. Killermann, S. , Zur Geschichte der Ananas und Agave. 497. Klinckowstroem, C. Graf von , Zur Wünschelrutenfrage. 137. Kranz, W., Zum Problem der Wünschel- rute. 22. Kranz, W., Nochmals zum Problem der Wünschelrute. 504, 513. Kräusel, R., Welche Ergebnisse liefert die Untersuchung tertiärer Pflanzen- reste ? 209. Krebs, W., Korrespondierende Kata- strophen auf der Sonne und in der Atmosphäre I917. 7. Kfizenecky, J., Über den Einfluß des intermittierenden Hungerns auf das Wachstum. 377. Kuhn, K., Die Ablenkung von Licht- strahlen im Gravitationsfeld. 164. Kuhn, K. , Das Spektrum der elektro- magnetischen Wellen. 649. Kühn, O. , Die Ruheperiode der Holz- gewächse. 6. Küster, E., Über die Aufgaben und Er- gebnisse der Entwicklungsmechanik der Pflanzen. 193. Lambrecht, K., Riesenvögel und Zwerg- elefanten. 225. Lambrecht, K., Die vorzeitlichen Vögel. Linke, P. F., Die Empfindung als rein psychologischer Begriff. 337. L u c k s , R., Fin weiterer Beitrag zur Frage der Schwarzwurzelfütterung bei der Seidenraupenzucht. 381. Lüttschwager, H., Der Gesang der Vögel vom entwicklungsgeschichtlichen Standpunkt betrachtet. 430. March, A. , Erforschung des Atom- innern. 537. Müller, K., Sitzung der Vereinigung für angewandte Botanik in Hamburg am 24. September 19 iS. 724. Müll er- Freie nf eis, R. , Die physio- logischen Korrelate von Lust und Un- lust. 441- Neger, F. W., Resupination bei dorsi- ventralen und isolateralen Pflanzenorga- Nienburg, W. , Neue Wege der phy- logenetischen Pflanzenan.itomie. I05. Pander, H., Wandlungen der Tier- und Pflanzenwelt des Rheins. 481. Prochnow, O., Physiologische Selbst- beobachtungen beim Fliegen. 399. Rabes, Zoologisches aus der Jagdlite- ratur. 150. Ram ann, E. , Der Einfluß des Bodens aut Siedelung und Staatcnbildung und Kulturentwicklung. S. 705. Reh, L, Blausäure zur Bekämpfung von Ungeziefer. 628. Rei Singer, L. , Kurzer Rückblick auf die bisherigen Resultate der totalen und halbseitigen Großhirnexstirpation bei Säugetieren. 625. Sander, Hj., Mumifikation und Radio- aktivität. 593. Schaedel, A. , Bericht zur Frage der Weiterverbreitung der Malaria im Be- reiche der Festung Mainz. 572. Schmitt, €., Insekten als Blattminierer. 721. Seh ol ich, K., Warme und kalte Luft- massen in der Atmosphäre. 596. Schutt, K., Die Brown'sche Bewegung. 32'- Schutt, K., Über Röntgenspektroskopie. 611. Strauß V. Waldau, P., Einige Notizen über die Wirkung außerordentlicher Dürre im Waterberg-Distrikt von Trans- vaal, Südafrika. 33. Thellung, A., Neuere Wege und Ziele der botanischen Systematik , erläutert am Beispiele unserer Getreidearten. 449, 465. Thienemann, A., Lebensgemeinschaft und Lebensraum. 281. 295. Tschermak, A v. , Der gegenwärtige Stand des Mendclismus und die Lehre von der Schwächung der Erbanlagen durch Bastardierung. 609. Vierk Otter, P., Über Radioaktivität. 425. Viets, K., Über Wassermilben. 177. Weber, Fr., Die Permeabilität der Pflan- zenzellen. 8q. Will er, A., Das Reizleitungssystem im Herzen der Wirbeltiere. 697. Zaun ick, R., Die neueren und neuesten Arbeiten über die Frühgeschichte des Alkohols. I. Ziep recht, E., Der Kalkstickstoff. 112. II. Kleinere Original- mitteilungen. D a i b e r , T h.. Biologische Beobachtungen aus der Umgebung von Göppingen (Württemberg). 56. ;> s s 4 :i Register. D ennert, E., Zweckmäßigkeit oder Nutz- mäßigkeit? 415. Epstein, L. H. , Geologisches aus der näheren und weiteren Umgebung von Montreux. 315. Fischer, H., Weiteres vom gabeligen Leinkraut, Sileiie di chotoma. 140. F r a n z , V., Amphibienbeobachtungen. 580. Haenel, Zur physiologischen Mechanik der Wünschelrute. 313. Klinckowstroem, Graf, Nachbemer- kung. 314. Krebs, W., Übereinstimmende Gesetz- mäßigkeit bei den großen Erd- und Sonnen-Katastrophen 1917. 139. Krebs, W., Porlarlichter am Tage und in niederen Breiten. 186. Lützow, Frhr. v., Beobachtung über den Instinkt bei weißen Mäusi^n und Ver- suche darüber, ob derselbe durch Er- fahrung verstärkt werden kann. 579. Mentz, Zur Erklärung des Vogelflugs. 578. Neger, Keimungshemmende und kei- mungsfördernde Stoffwechselprodukte. 141. Neger, Traumanastie des Geranium roberiiamim. 314. Neger, Honigtau und Honigtauregen. 576. Weise, Einige Beobachtungen über die Wünschelrute. 372. Zimmermann, A., Ein Beitrag zur Be- gattungsfrage der Schnecken. 95. III. Einzelberichte. A. Zoologie, Anatomie, Allgemeine Biologie, Vererbjungslehre. Armbruster, L., Bienenzucht. 717. Armbruster, L., Experimentum crucis theoriae mendclianae. 42. Bolle, J. , Neue Futterpflanze für den Edelseidespinner. 662. Breßlau, E., und Glaser. Fr., Die Sommerbekämpfung der Stechmücken. 331- Buddenbrock, W. v. , Der Flug der Insekten zur Flamme. 29. V. Buttel-Reepen, Neue Fundstätte der Biene Andrena fulva Schrck. 447. Buttel-Reepen, H. v. , s. Verhöff 644. Buchner, O., Größenextreme bei unseren Land- und Süßwassermollusken. 245. Bücher, H., Neuzeitliche Heuschrecken- bekämpfung in Kleinasien. 190. Correns, C. , Ein Fall experimenteller Verschiebung der Geschlechtsverhält- nisse. 458. Demoll, Die Anziehung der Insekten durch das Licht. 1 15. Demoll, R., Vom Fliegen der Käfer. 376. Dewitz, Künstliche Aufhebung des Spinnens der Arthropoden. 550. Dewitz, J., Über die Braunfärbung ge- wisser Kokons. 100. Dietz, P. A., Meer und Süßwasser in der Phylogenese der Fische. 174. Doflein, F., Die Malariamücken Maze- doniens. 190, I Doflein, Teilung von Amoeba proteus. I 549- I Europäisches Steinwild. 329. Franz, V., Wiederkehrende Tertiärzeit? 58. [Franz, V., Altes und Neues über die Anpassung von Seetieren an Süßwasser und umgekehrt. 645. Gericke,H., Atmung der Libellenlarven. 533- Geweihe, Färbung. 40. Goetsch, W., Versuche an Hydra. 403. Göldi, Bedeutung der Stubenfliege für die menschliche Gesundheit. 403. Graswik, H., s. Israel. JGrimpe, G., Die Tüpfelhyäne. 256. Hase, A., Bekämpfung der Bettwanze i mit Blausäure. 438. Haempel, O., Hallstätter See. 730. Heikertinger, Die Bienenmimikry von Eristalis. 643. Heikertinger, Das Gift der „Spani- schen Fliege". I02. Heß, C, Farbensinn der Vögel und die Lehre von den Schmuckfarben. 116. Hobmai er, M., Biologie und Bekämp- fung der Gastrusfliege. 420. Hohltaube. 115. Israel, W., Ungewohntes im Vogelleben. lOl. Janicki und Rosen, Entwicklungs- zyklus des breiten Bandwurms(Dibothrio- cephalus latus L. 130. Jensen-Haarup, A. C., Brutpflege bei einer Wanze. 258. J o k 1 , A., Der Netzhaut anliegende, linsen- förmige Gebilde. 714. Kirch hoff, D. , Das Kamel und seine Zucht in Afrika. 215. Kor ff, K., Schädigungen durch Erd- raupen. 100. Krauße, A., Können die Fische hören? 389. Lilienthal, G., Einfluß der Flügelform auf die Flugart der Vögel. 390. L o o s , K. , Maikäferbekämpfung und Vogelwelt. 189. Lutz, H., Die Drüsenzellen der Schnecken- leber. 257. Mertens, Eine merkwürdige Fangheu- schrecke. 28. Müller, R. T., Zur Biologie und physi- kalischen Chemie eines Phyllopoden. 717. Nachtsheim, H., s. Armbruster. Naturschutz in der Schweiz. 474. Pascher, Das stammesgeschichtliche Ver- hältnis zwischen Flagellaten und Rhizo- podcn. 41. Pascher, Quallenähnliche Flagellaten. 130. Pascher, A., Die rhizopodiale Entwick- lung der Flagellaten. 387. Petersen, C. G. J. , Meeresboden der dänischen Meeresteile und seine Be- wohner. 691. P 1 a t e , Vererbungsstudien an Mäusen. 729. Plehn, M., Fettmengen in dem Körper unserer Süßwasserfische. 43. P 1 e h n , M., Die wirtschaftliche Bedeutung der Fischzucht. 715. Prell, H., Kennzeichen, Lebensweise und Bekämpfung unserer wichtigsten Stech- schnaken. 490. Reichenow, s. Rörig. Rhumbler, L. , Formeldarstellung für Insektenbiologien. 623. jRoemer, Th, s. Armbruster. Rörig und Reichenow, Die Säuge- tiere und Vögel des Urwaldes von 1 Bialowies. 492. Rosen, s. Janicki. Rosenbaum, W., Insekten in höheren Luftschichten. 437. Ruud, G., Zur Histologie der Haut von Chiraaera. 732. Schief ferdecker. Sauerstofforte und Reduktionsorte im Organismus. 677. Schmitt, C, und Stadler, H. , Neue Beobachtungen über den Kuckucksruf. I 403- Schmitz, H. , Biologische Beziehungen I zwischen Dipteren und Schnecken. 26. Schweppenburg, Frhr. v., Deutsches ; Vogelleben. 1S8. ; Speck, J. , Oberflächenspannungsdiffe- renzen als eine Ursache der Zellteilung. 530- Spemann, Entwicklungsmechanik des j Wirbeltierauges. 677. 'stadier, H., s. Schmitt, C. Stellwaag, F., Cyanwasserstoff gegen den Traubenwickler. 622. Stellwaag, Das Massenauftreten des Rebstechers in der Rheinpfalz im Früh- jahr 1917. 389. Szymanski, J. S. , Landinsekten in Wassersnot. 678. Szymanski, Der biologisch richtige Verlauf des Lernvorgangs bei weißen Mäusen. 276. Szymanski, Taktile Tiere. 58. Teich mann, E. R., Bekämpfung der Wachsmotte mit Blausäure. 438. Teichmann, Bekämpfung der Fliegen- plage. 645. Teichmuschel, Zirkulation. 43. Verhoeff, K. W. , Morphologie und I Biologie der Carabus-Larven. 214. Verhoeff, C, und Buttel-Reepen, H. V., Soziale Züge bei solitären Bienen. 644. Veröffentlichungen der Deutschen Gesell- schaft für angewandte Entomologie. 329. Vogel, R., Wie kommt die Spreizung und Schließung der Lamellen des Mai- käferfühlers zustande? 495. Wasmann, E. , Absolute Rotblindheit der kleinen Stubenfliege. 43S. Wilhelmi, Giftigkeit der Mießmuschel. 702. Wolterstorf f, Neueres zur Lebensweise und Psychologie der Frösche. 373. Zimm er mann , H., Die Kohlwanze. 99. B. Botanik, Bakteriologie, Landwirtschaft. Bach mann, E. , Kalklösende Algen, kalklösender Pilz. 24. Bai lau d, M., Ersatzmehle in Frankreich. 530. Berthold, E., Verhalten der Bakterien im Gewebe der Pflanzen. 256. Buder, J., Die phototaktischen Reak- tionen der Mikroorganismen. 217. Currie, J., s. Neger. Fisch mann, Wert des Laubheus. 624. Gassner, O., s. Molisch. Härder, s. Karsten. 334. Hauri, Anatomische Untersuchungen an Polsterpflanzen. 386. Heinricher, Die Erzeugung von Hexen- besen durch die Zwergmistel. 659. Register. Heinricher, E., s. Molisch. Jordi, E., Die Selbstentzündung der Heuslöcke. 332. Karsten, G., Härder, Licht, Zell- teilung und Keimung. 334. Karsten, G., Kompaßpflanzen. 659. Kavina, s. Leick. Lindner, Joh. , s. Neger. Leick, E. , Blütenbiologische Unter- suchungen. 47. Miehe, H,, Die Bakteriensymbiose der Ardisia. 215. Molisch, H., Panaschüre. il. Molz, E. und Naumann, A., Zwei ge- fährliche Kartoflelschädlinge. 296. Neger, F. W., Biologie und Systematik der Pilze. 9. N i e n b u r g , M., Die Flechtensymbiose. 82. Nißle, Unterscheidung und Nutzbar- machung einzelner Kolistämme für die Bekämpfung anderer pathogener Darm- bakterien. 61. Otto, H., s. Neger. Pousild, Erforschung der Pflanzenwelt Nordgrönlands. 548. Richter, O., Über das Erhaltenbleiben des Chlorophylls in herbstlich verfärbten und abgefallenen Blättern durch Tiere. 4S. Sandstede, H., Neues Exsikkatenwerk über Cladonia. 566. Schiffner, Phylogenie der Lebermoose. 421. Schotte, G., Die Lärche und ihre Be- deutung in der schwedischen Forst- wirtschaft. 255. Stälfelt, G., Bewegungen der Spalt- öffnungen. 458. Stark, P., Kontaktreizbarkeit im Pflanzen- reich. 24. Steinecke, Formationsbiologie der Al- gen. 400. Tom, Gh., s. Neger. Vöchting, H., Die umgekehrte Pflanze. 656. C. Physiologie, Medizin, Psychologie. Behandlung von Kriegswunden mit Sonnen- licht. 277. Berns torff, Über die Krätze in der Türkei während des Krieges. 207. d e 1 C a m p o , E., s. M ü 1 1 e r , H. Fürth, Fische als Überträger von Infek- tionskrankheiten. 61. Hammer, G. , Fremdkörper im Ver- dauungstraktus. 86. Herzog, G., Mikroskopischer Befund nach einem Fall von Pilzvergiftung. 44. Hess, C, Altersstar. 623. Hirsch, Chr., Arbeitsrhythmus der Ver- dauungsdrüsen. 421. Klostermann, s. Schmidt. Kollmann, J., Die Ungarn. 155. Kopec, St., Lokalisationsversuche am zentralen Nervensystem der Raupen und Falter. 462. Küttner, H., Transplantation aus dem Affen und ihre Dauererfolge. 44. Lapicque und Legendre, Mangel an Brotgetreide auch in Frankreich. 25. Laveran, A., Malariakrankheit im nord- westlichen Frankreich. 252. Lipschütz, Über die Abhängigkeit der Körpertemperatur von der Pubertäts- drüse. 27. Lipschütz, A., Differenz in der Körper- temperatur zu Gunsten des Weibchens. Z05. Lipschütz, A., Zur allgemeinen Physio- logie des Wachstums. 404. Moede W., und Piorkowski, C, Psychologische Prüfung von Schul- kindern. 619. Müller H. und del Campo, E., Eine neue Funktion der Thymusdrüse. 461. Naumann, E. , Gang der Totenstarre. 254. Ollp, Wünschelrute. 57. Pfaundler, M. , Körpermaßstudien an Kindern. 510. Piorkowski, C., s. Moede. Pirquet, Die Beziehungen zwischen Körpergewicht und Umsatz. 202. ■Schmidt, Über den Wert der Pilze als Nahrungsmittel. 26. Scholta, s. Schmidt. [Schulz, H., Einfluß des Genusses einer i geringen Menge von Alkohol auf die j Reaktionsgeschwindigkeit. 206. ISchwarz C, und Wiechowski, W., Beiträge zur Kenntnis der Nierentätig- keit. 240. Steinitz, E., Wandernde Kugel. 623. Stepp, Bazillenträger. 590. Stern, W., Über eine psychologische Prüfung an Straßenbahnführerinnen. 230. Thoms, H., Über deutsches Opium. 60. Turcsson, Auftreten von Pilzen im Verdauungskanal des Menschen. 388. D. Geologie, Hydrographie, Paläontologie. Ammon, L. v., Tertiäre Vogelreste von Regensburg und die jungmiocäne Vogel- welt. 642. Andree, K., Über Sedimentbildung am Meeresboden. 220. Andree, K., Vorkommen und Herkunft des Schwerspates am heutigen Meeres- boden. 618. Antevs, E., Fehlen resp. Vorkommen der Jahresringe in paläo- und meso- zoischen Hölzern usw. 385. Bey schlag. Über die Veränderlichkeit der Form der Erzlagerstätten. 732. Blomquist, E. , Neue Bestimmungen über die Verdunstungsgröße freier Wasseroberflächen. 549. D a h m s , P., Gewinnung und Verwendung von Geschiebeblöcken im Ordensstaate Preußen vor 500 Jahren. 360. De ecke, W., Färbungsspuren an fossilen Molluskenschalen. 84. Enquist, Fr., Der Einfluß des Windes auf die Verteilung der Gletscher. 170. Erdmannsdörffer,0. H., Schieferung und Schichtung in kristallinen Schiefern. 660. Friedensberg, F., Kalivorkommen und Kaligewinnungsversuche in den Vereinig- ten Staaten von Nordamerika. 229. Geyer, D. , Die Mollusken des schwä- bischen Lößes in Vergangenheit und Gegenwart. 459. Grupe, O. , Über jüngeren und älteren Löß im Flußgebiet der Weser. 169. Halle, T. G., A fossil sporogoniura from the lower devonian. 459. Jablonsky, Zur fossilen Flora Ungarns. ' Keilhack, K., Die großen Dünengebiete Norddeutschlands. 167. ' Keller, Exakt nachweisbarer Eingriff des Menschen in den natürlichen Kreislauf des Wassers. 629. Königsberger, J. , Alpine Mineral- lagerstätten. 591. K o ß m a t , F r., Studienreise in den Kreisen Milrovica, Novipazar und Prijepolja, Altserbien. 45. Kraiß, A. , Ülgebiet der Wietze in der Lüneburger Heide. 290. Kranz, W., Bodenfiltration usw. 563. Kudielke, E. , Manganerze im Erz- gebirge. 292. Linstow, O. V., Gegenwärtige Boden- bewegungen bei Bückeburg, Göttingen usw. 688. Nopcsa, Baron F., Riesenwuchs und Aussterben der Dinosaurier. 290. Petraschek.W., Grundlagen der Mon- tanindustrie im Königreich Polen. 156. P f e i f f e r , W., Gipskeuper in Süddeutsch- land. 508. Pilz, R.i Erzlagerstätten in der Gegend von Arghana Maden. 531. Ramann, Bodenfragen. 675. Riedel, A. , Beiträge zur Paläontologie und Straligraphie des deutschen Oberen Muschelkalks. 23S. Salomon, W., Der Wasserhaushalt der Erde. 508. Sapper, K., Katalog der geschichtlichen Vulkanausbrüche. 166. Schreiber, K., Deutsche Platinlager- stätten. 5!3. Soergel, W., Der Steppeniltis Foetorius Eversmanni Less. aus dem oberen Tra- vertin des Travertingebieles von Weimar. 460. Stille, H., Injektivfaltung. 674. Stolley, E., Über einige Ceratiten des deutschen Muschelkalkes. 239. Stromer, E., Säge des Pristiden On- chopristis numidus und über die Sägen j der Sägehaie. 46. i W e t e k a m p , Die erratischen Blöcke der Mark Brandenburg als Naturdenkmäler. 367. Wolff, F. v. , Deutschlands Goldlager- stätten. 434. Zimmermann, Die geologischen Eigen- j Schäften des Bober-Katzbach-Gebirges j usw. 405. j E. Geographie. Archambault, M., Forschungsreisenach Neukaledonien. 391. Thurnwald, R. , Geographische und ethnographische Forschungen inDeutsch- Neu-Guinea. 477. i Die Größe Perus. 391. I I F. Völkerkunde, Anthropologie. ! Karsten, R. , Ursprung der Verzierung bei den Indianern Südamerikas. 293. K oll mann. Zur Anthropologie der Ju- den. 98. Furlong, Indianerterritorien in Süd- amerika. 462. P o e c h , Anthropologische Untersuchungen an russischen Kriegsgefangenen. 333. Schulz, H. , Einfluß alkoholischer Ge- I tränke auf die Reaktionszeit. 154. S t u h 1 m a n n , Bevölkerung Arabiens. 565. G. Astronomie. Berberich, Verringerung der Helligkeit der Kometen. 173. Campbell, Helligkeitsschwankungen bei Planeten. 592. Campbell, Rätselhaftes Verhalten der Nebel. 694- C h a r 1 i e r , Anschauungen vom Bau des Universums. 133. Curtis, Studium der Nebelflecken. 621. Einstein, Kosmologische Betrachtungen zur allgemeinen Relativiiätstheorie. 328. Innes, « Centauri. 173. Jeffreys, Kosmogonie des Sonnen- systems. 646. Kohlschütter, A., Neuer veränder- licher Stern 6. Größe. 727. Mecking, L., Die elfjährige Periode der Sonnenflecken als klimatischer Faktor. 347. Nicholson, Die äußersten Monde des Jupiter. 622. Pease undShapley, Symmetrieachsen in Sternhaufen. 621. Shapley, s. Pease. Slipher, Grüne Nordlichtlinie. 621. We gener, A. , Der Meteoritenfall vom 3. April 1916 in Hessen 206. Winnecke, Meteorschwarm. 661. Wolf, Entdeckung eines kleinen Planeten. 328. Wolf er, A., Sonnenflecken -Maxiraum. 727. Der neue Stern im Adler. 660. Parallaxe eines Nebels. 647' Sternparallaxe. 661. H. Physik, Meteorologie. Benedict, E., s. Senftleben. Bückin g, Hörbarkeit des Kanonen- donners. 292. Defant, A., Neue Methode zur Ermitt- lung der Eigenschwingungen von abge- schlossenen Wassermassen. 365. Dessauer, F., Neuer Hochspannungs- transformator usw. 418. Eckard t, W. R., Luftdruck und Regen- fall im Mitlelmeergebiet. 728. Ehrenhaft, Zur Physik des millionstel Zentimeter. 15. G e r d i e n , H., Struktur des Windes. 243. Haeuser, J., Wolkenbruch von Nürn- berg am 3. Juli 1914- 82. Hellmann, G., Die Bewegung der Luft in den untersten Schichten der Atmo- sphäre. 417. Heß V., und Kofi er, M. , Durch- dringende Strahlung. 277. Heß, V., und Schmidt, W., Verteilung radioaktiver Gase in der Atmosphäre. 402. Hesselbe rg, Th., Stabilität in der Atmosphäre und im Meere. 478. Hof wimmer, F., und He ekel, F., Berechnung der Explosionstemperatur von Explosivstoffen usw. 244. Kasperowicz, W., Ein galvanischer Unterbrecher. 463. Kofier, M., s. Heß, W. Kölzer, J. , Die Witterung in Polen unter dem Einfluß der Zugstraße Vb. 463- Koppen, W., Nebelbildung über Land und Meer. 243. March, H. W., s. Sommerfeld. Meißner, O., Seismographen. 346. Meißner, O., Seegang in Norwegen und die mikroseismische Bewegung. 630. Nölke, Fr., Anomalien in der Ausbrei- tung des Schalles. 62. Richarz, F., Brockengespenst. 706. V. Ry bczin ski, W., s. Sommerfeld. Schaf fers, V., Abnormer Verlauf der Schallstrahlen. 242. Schmidt, H. , Lenardsche Theorie der Dampfkondensation auf Nebelkernen. 678. Senftleben, H., und Benedict, Eine Methode zur Bestimmung der Tempe- ratur leuchtender Flammen. 4Ö3. Senftleben, H., und Benedict, E., Optische Konstanten und Strahlungs- gesetze der Kohle. 365. Sommerfeld, A., Drahtlose Telegra- phie. 12. Stark, Joh. , Das- Nordlichtspektrum. 435- Suchtey, K., Brockengespenst. 706. Vegard, L., Atombau auf Grundlage der Röntgenspektren. £31. War bürg, E. , Rationelle Lichteinheit. 6qo. Wicchowsky, W., s. Schwarz, C. Wiese, B. , Kälteeinbruch vom 7. zum 8. Februar 1917. 728. Wintz, H., Röntgenröhren. 231. Drahtlose Verbindung zwischen den Ver- einigten Staaten und Japan. 218. I. Chemie, Mineralogie. Bergt, W., Die Stellung des Pyroxen- granulites im System der Eruptivgesteine. 528. Bornemann, K,s. Stutzer. Eggert, J., und Schimank, H., Ein regelwidriger Sprengstoff. 529. Groß, W, s. Stutzer. Groß mann, H. , Versuche zur Lösung der Stickstofftrage im feindlichen Aus- land. 172. Grün, A., Die Symmetrie des Rotkupfer- erzes. 528. N e u m a n n , B., Schwarzer Schwefel. 348. Scherrer, P., Die Kristallform des Alu- miniums. 219. Schimank, H., s. Eggert, J. Stettbacher, A., Chemische Spreng- stoffmöglichkeiten. 368. Stocklossa, G., Natur des Wassers in den Zeolithen. 564. Stutzer, F., Groß, W., Bornemann, K., Magnetische Eigenschaften der Zink- blende. 533. Thoms, H., Die Beschleunigung der Dialyse durch Gleilung. 219. IV. Bücherbesprechungen. Ähren s, W. , Alles und Neues aus der Unterhaltungsmathematik. 6S0. Andree, K., Über die absolute geolo- gische Zeitrechnung im allgemeinen und ihre Förderung durch die fortschreitende Kenntnis der Tiefscesedimente im be- sonderen. 513. Arldt, Th. , Germanische Völkerwellen und die Besiedelung Europas. 143. Auerbach, F., Ernst Abbe, sein Leben, sein Wirken, seine Persönlichkeit. 222. Auerbach, F., Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. 260. Bauer, H. , Physik der Röntgenologie. 335- Bär, J., Die Vegetation des Val Onser- none. 582. Berg, A. , Ätherströmungs- und Äther- slrahlungshypothese usw. 568. Berger, Fr., Biene, Honig und Wachs. 135- Besser, H., Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ost-Afrika. 64. Biedermann, R., Sprengstoffe. 318. B ö 1 s c h e , W., Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur. 735. Bölsche, W., Neue Welten. 31. Bucky, G. , Die Röntgenstrahlen und ihre Anwendung. 5 II. Bugge, G. , Strahlungserscheinungen, Ionen, Elektronen und Radioaktivität. 446. Büsgen, M., Bau und Leben unserer Waldbäume. 260. B r e s t e r , A., Explication des phenomenes solaires les plus importants. 335. Brunies,S.,Der Schweizerische National- park. 279. Christen, Th., Die menschliche Fort- pflanzung. 175. C lassen, W. , Die deutsche Landwirt- schaft. 439. Conwentz, H., Merkbuch für Natur- denkmalpflege und Verwandte Bestre- bungen. 734. Dannenberg, P., Zimmer- und Balkon- pflanzen. 87. Davis, W. M., und O e s t e r r e i c h , K., Praktische Übungen in physikalischer Geographie. 440. Defant, A., Wetter und Wettervorher- sage. 552. DemoU, R., Die Sinnesorgane der Ar- thropoden usw. 30. Diels, L., Pflanzengeographie. 552. D o V e , K. , Wirtschaftsgeographie von Afrika. 117. Escherich, K., Die Ameise. 30. Fischer, E., L. Fischer's Tabellen zur Bestimmung einer Auswahl von Thallo- phyten und Bryophyten. 606. Foerster, H., Bäume in Berg und Mark usw. 704. Foerster, K., Vom Blütengarten der Zukunft. 446. Frech, P., Allgemeine Geologie 1, II, IV. 496. Fricke, Eine neue und einfache Deu- tung der Schwerkraft. 703. Frickhinger, H. W., Die Mehlmotte. 582. Froelich, H., Der Strablungsdruck als kosmisches Prinzip. 222. Froriep, A. v. , Schädel, Totenmaske und lebendes Antlitz des Hoffräuleins Luise von Göchhausen. 260. Gaupp, E. , August Weisraann, sein Leben und sein Werk. 16. G o e b e 1 , K., Organographie der Pflanzen. 663. Gulik, D. van, De Wichelroede. 136. Gutzeit, E., Die Bakterien im Haushalt der Natur und des Menschen. 703* Gürich, G., Das Erdöl in Nord West- deutschland. 407. Haeckel, E., Kristallseelen. 247. Hartmann M. , und Schilling, C, Die pathogenen Protozoen. 259. Registe Hauser, K., uod Segall, A., Zoologie in Fragen, Antworten und Merkversen. 1 735- Hanneke, P., Das Arbeiten mit kleiner Kamera. 445. Hanneke, P., und König, W., Photo- graphischer Notiz- Kalender für das Jahr 191S. 350. Hedin, Sv. , Bagdad, Babylon, Ninive. 704. Heim, A., Geologie der Schweiz. 495. H e 1 m h o 1 1 z , Drei Vorträge über Goethe. .36. : Hennig, H., Der Traum, ein assoziativer Kurzschluß. 695. j Heß, R., Der Forstschutz. 318. H i n s e 1 m a n n , E., Unveränderlichkeit oder Veränderlichkeit der Lage der Erdachse? 335. Höfer, H. Edler von Hcimhalt, Die geothermischen Verhältnisse der Kohlenbecken Österreichs. 135. Huberrisser, G., Anleitung zum Photographieren. 64. Jahrbuch der Urania uad astronomischer Kalender für 1918. 87. Karny, Tabellen zur Bestimmung ein- heimischer Insekten. 407. Klinckowstroem, Graf C. v.. Neues von der Wünschelrute. 606. Kohlschütter, Prof. Dr. V., Nebel, Rauch und Staub. 734. Kohlschütter, V., Die Erscheinungs- ! formen der Materie. 278. ' Köhler, \V., Intelligenzprüfungen an Anthropoiden. I. 733. König, W., s. Henneke, P. Koppe, M., Die Bahnen der beweglichen Gestirne im Jahre 1918. 335. Kreibig, J. K. , Die Sinne des Men- schen. 318. Kühn, A. , Anleitung zu tierphysiologi- schen Grundversuchen. 223. Kükenthal, W., Leitfaden für das Zoologische Praktikum. 534. Lange, W., Die funktionelle Anpassung usw. 261. Langen maier, Th., Lexikon zur alten Geographie des südöstlichen Äquatorial- afrika. 518. Lecher, E., Lehrbuch der Physik für Mediziner, Biologen und Psychologen. 223. Lindau, G., Die höheren Pilze (Basidio- myceten). 223. Lindow, M, Differentialrechnung. 680. Lipschütz, A. , Probleme der Volks- crnährung. 446. Lipschütz, A. , Über den Einfluß der Ernährung auf die Körpergröße. 479. Löscher, F., Leitfaden der Landschafts- Photographie. 424. Luckey, P. , Einführung in die Nomo- graphie. 680. Männchen, P., Geheimnisse der Rechen- künstler. 680. Meyer, R., Victor Meyer. 317. Meinhof, C, Afrikanische Märchen. 536. Miehe, H., Allgemeine Biologie. 248. Migula, Rost- und Brandpilze. 350. Molisch, H., Ptlanzenphysiologie. 258. Müller, A., Referenzflächen des Him- mels und der Gestirne. bSo. Müller, K., Rebschädlinge und ihre neuzeitliche Bekämpfung. 571. Nagler, C, Am Urquell des Lebens. 583- Nordenflycht, G. Frhr. v., Das Deut- sche Waid werk. 261. Fax, F., Wandlungen der schlesischen Tierwelt in geschichtlicher Zeit. 16. Pirquet, Chr. Frhr. v., System der Er- nährung. 31. Praesent, H., Polen, Bibliographischer Leitfaden. 279. Raehlmann, E., Goethe's Farbenlehre. 222. Ramann, E., Bodenbildung und Boden- einteilung. 447. Ramsay, W., und Rudorf, G., Edel- gase. 219. Reves, B., Geschichte des Seelenbegriffs und der Seelenlokalisation. 245. Richter, J., Böttger's Praktische Anlei- tung zur Kultur der wichtigsten Öl- gewächse. 663. Riß, Unsere wichtigsten wildwachsenden Heil-, Gewürz- und Teepflanzen. 583. Rotth, A., Grundlagen der Elektrotech- nik. 408. Rothe, K. C, Vorlesungen über allge- meine Methodik des Naturgeschichts- Unterrichts. 662. Rudorf, G., s. Ramsay. Sachs, A., Repetitorium der allgemeinen und speziellen Mineralogie. 446. Sarasin, Fr., Neu-Caledonien und die Loyalty-Inseln. 144. Schlick, M. , Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik. 258. Schmidt, M., Die Aruaken. 142. Schneider, R. , Tabellen zur statisti- schen Wettervorhersage für Nicderöster- rcich. 349. Schriften zur Psychologie der Berufseig- nung und des Wirtschaftslebens. 606. Schulze, F. A., Große Physiker. 320. Schweinfurth, G. , Im Herzen von Afrika. 43g. Siebert, Fr., Der völkische Gehalt der Rassenhygiene. 223. Siemens, H. W. , Die biologischen Grundlagen der Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik. 261. Silbermann, Th., Der Weltanfang und die Bildung von Energien und Stoffen. 260. Simmel, E., Kriegsneurosen und „psy- chisches Trauma". 519. Solch, J., Beiträge zur eiszeitlichen Tal- geschichte des Sieirischen Randgebirges. 535- Spranger, Edm. , Begabung und Stu- dium. 221. Sprengel, Chr. K. , Die Nützlichkeit der Bienen und die Notwendigkeit der Bienenzucht, von einer neuen Seite dar- gestellt. 703. Stadimann, Der Wellkrieg und die Naturwissenschaften. 63. Stehli, G., Aus der Bibel der Natur. 606. Stern pell, W. , Licht und Leben im Tierreich. 662. Stentzel, A. , Jesus Christus und sein Stern. 519. Sterzel, J. T., Die organischen Reste des Kulms und Roiliegenden der Gegend von Chemnitz. 582. StoU, A., s. Willstätter. Thonner, F., Anleitung zum Bestimmen der Familien der Blütenpflanzen. 262 Trendelenburg, W., Stereoskopische Raummessung an Röntgenaufnahmen. 176. Tschudi, Fr. V., Biographien und Tier- zeichnungen aus dem Tierleben der Alpenwelt. 43S. Voss, A., Der Botanikerspiegel. 135. Wagner, P., Lehrbuch der Geologie und Mineralogie. 63. Walther, Joh., Vorschule der Geologie. 511. Warming, E., und Graebner, F., Lehrbuch der ökologischen Pflanzen- geographie. 479. Wieleitner, H., Der Begriff der Zahl. 695. Wiesent, J. , Repetitorium der Experi- mentalphysik. 479. Willstätter, R., und StoU, A., Unter- suchungen über die Assimilation der Kohlensäure. 603. Wunderlich, E., Polen, Geographischer Bilderatlas. 279. Wunderlich, E., Oberflächengestaltung des Norddeutschen Flachlandes. 278. Ylppö, A., PH-Tabellen. 317. Zacher, F., Geradflügler Deutschlands und ihre Verbreitung. 551. Zade, A., Der Hafer. 422. Zimmer, C, Anleitung zur Beobachtung der Vogelwelt. 445. Zuntz, N., Ernährung und Nahrungs- mittel. 176. V. Anregungen und Antworten. Astrologie im 20. Jahrhundert. 32, 158. Automobilrad, Die stillstehenden Speichen desselben. 408. Berichtigungen. 104, 280, 512, 624, 632, 720. Berichtigung zum Aufsatz „Brasilianische Säugetiere und Vögel". 88. Berichtigung zum Artikel „Das Nanno- plankton". 279. Beobachtung. 120. Bomben, Fallgeschwindigkeit. 648. Bombe , Kann sie im Luftr.aum schneller fallen als in der Luftleere? 447. Bolanikerspiegel. 303. Botanische Beobachtungen auf östlichen, westlichen und südlichen Kriegsschau- plätzen im Jahre 1917. 262. Botanisches vom östlichen Kriegsschau- platz. 159. Deutsche Gesellschaft für angewandte Entomologie. 536. Dohle, Anhänglichkeit. 280. Druckfehler. 448, 584. Druck- und Wärmemesser der Zukunft. 8S. Entgegnung Kritzinger und Bemerkung Riem. 376. Entladungspotential und Schlagweite. 448. Exstirpaliü lienis seu splenis. 512. Fasergewinnung, einheimische. 264. Flamingos, Zug. 607. Fliegen, Physiologische Selbstbeobachtung Jabci. 664. Fliegen, Vertilgung. 279. Forschungsanstalten. 352. Fronltiere und Eiappentiere. 160. Geschützfeuer und Wetterlage. 103. Insekten, fossile. 607. Jupiter, Schatten in seinem Licht. 464. Jupiter, Schattenwurf. 136. Kanonendunner. 191. Katastrophe auf der Sonne und in der Atmosphäre 1917. 191. Register. Katzen, Intelligenz bei. 191. Käfer, Flug. 448. Käferflug 5S3. Kampfgase, Empfindlichkeit der Tiere da- gegen. 160. Keramelberg, Naturbeobachtungen am. 60S. Kröten, Abnormer Mageninhalt. 664. Kurland, Flora. 15S. Libellenwanderungen. 32. Luftwellen als Schlieren sichtbar. 32. Mastodon - Rekonstruktion, Erwiderung. 704. Meisen, Elterninstinkt. 263. Menschenaffen, fossile. 464. Menschenaffen, ihre Rassen und Arten. 480. Mikroskopische Technik, Ersatzmittel. 608. Multiplikationsverfahren, russisches. 102, 512. Nepenthes, Insektenfang. 304. Nordseefischerei und Krieg. 264. Nosema apis. 1 19. Ornithologische Kriegsnotizen 1917. 263. Planeten , Sichtbarkeit bei Sonnenschein. 119. Polarlichter am Tage und Girren. 336. Reismelde, Anbauversuche. 448. Rheinspiegel, Oszillation. 104. Schallcrscheinungen , merkwürdige im Felde. 120. Scheinhermaphroditismus bei Fischen. 120. Schmarotzerwürmer, Literatur. 88. Schmetterlingsschuppen, Chemie ihrer Farbstoffe. 448. Schnecken, Begattung. 424. Seefelder bei Reinerz. 119. Singzikaden. 351. Skolopender, Giftwirkung. 719. Stenzel, Zur Beurteilung seines Buches. 696. Störche, Familienleben. 103. Sträucher und Bäume im laublosen Zu- stande, Bestimmung derselben. 191, 392, 583- Süßwasserfische, ausländische in deutschen Gewässern. 280. Tierwanderungen, Literatur. 736. Triel. 719. Trilobiten, Biologie. 607. Venusbeobachtungen. 352. Waldschnepfe, strengere Schonvorschriften. 136. Wespenbeobachtungen. 632. Wespen, Magenuntersuchung. I20. Wiederholungsgefühl. 648. Wildrosen. 424. Wölfe in Ostpreußen 1917. 103. Wörterbuch wissenschaftlicher Namen von Tieren und Pflanzen und wissen- schaftlicher Fachausdrücke. 88. Wünschelrute. I03, 512. Zoologische Gesamtwerke, illustrierte. 88. Zweckmäßigkeit oder Nutzmäßigkeit. 648. VI. Abbildungen. Acereus ornatus. Ibo. Aepyornis maximus. 363. Agave, alte Abbildung. 502. Alebra albostriella. 233. Ananas, alte Abbildungen. 499, 500. Apis mellifica. 235. Apus, Gehirn. 669. Archaeoptery.x, Rekonstruktion. 355. Arrhenurus caudatus. 179. .■\rrhenurus bruzelii. 180. Aurosphaera echinata. 55. Avena fatua, sativa, byzantinica, sterilis. 454. 455- Bettwanze. 330. Bisamratte. 66, 67, 70. Bisamratte , Karte der Verbreitung in Böhmen. 65. Bisamratte, Winterburgen. 68, Bisamrattenbau. 68. Bisamratlenfallen. 77, 78. 79. Bisamrattenröhren. 69, 70, 75, 76. Bucculatrix frangulella, Gangminen. 722. Calciosolenia Grani. 53. Calopteryx splendens. 235. Campodca, Gehirn. 670. Capritermes talpa. 236. Carabidion australe. 234. Carcharodon, Zahn. 522, 523. Chrysarachnion. 837. Chrysococcus dokidophorus. 54. Coccolithophora pelagica. 522. Coccoliihophoriden. 50. Corydia nuptialis. 237. Crucigena Tetrapedia. 54. Cyclolella bodanica. 54. Cyclops strenuus mit einem Procercoid von Dibothriocephalus latus. 132. Dialomeenschlamra. 524. Dibothriocephalus latus, Entwicklungs- stadien. 131, 132, 133. Dichroskopische Lupe. 634. Diornis maximum, Skelett. 362. Discosphaera. 522. Eidechse, Herz. 698. Eleklroskop. 425. Empusa fasciata, Larve. 29. Falken. 201. Flußmuschel, von Bisamratte angenagt. 74. Forficula auricularia. 234. Gastornis Edwardsi, Skelett. 358. Gcfäßbündel , an der Stelle des Über- ganges der Wurzel in den Sproß. 106, 107, 108, HO, III, 112. Glaukonitsand. 521. Glazialgeschiebe im Globerinenschlaram. 527- Globigerina balloides. 523. Globigerinenschlamm. 523. Gymnodinium tenuissimum. 50. Halopappus adriaticus. 52. Helicogena pomatia, Riesen- und Zwerg- form. 245. Hemithyrsocera histrio. 238. Heterodinium kofsidi. 49. Hesperornis, Rekonstruktion. 357. Ichthyornis victor, Skelett. 357. lulus, Gehirn. 669. Krebs, von Bisamratte angenagt. 74. Lauterborniclla elegantissima, 54. Lepidofaphcs ulmi. 238. ! Lepisma, Gehirn. 671. 1 Limnaea palustris, Zwerg- und Riesen- I form. 245. Limulus, Gehirn. 668. Liogryllis campestris. 235. Listroscelis ferruginea. 236. Lithocelletis, ßlasenminen. 723. Lyonetia clerkella, Gangmine u. Puppen- wiege. 721. Mastodon, Rekonstruktionen. 370. Manganknolle. 524. Meringosphaera mediterranea. 53. Myxochrysis, Entwicklungsfolge. 388. Nepticula centifoliella, Gangminen. 722. Nereis, Gehirn. 666. Nosema apis. 1 19. Oecanthus pellucens. 351. Oedipoda miniata. 235. Orchestes fagi, Minen. 723. Paranauphoeta shelfordi. 235. Peripatus, Gehirn. 666, 667. Periplaneta americana. 234. Phillipsitkristalle. 524. Phororhacos inflatus, Skelett. 360. Phytomiza nigra, Gangminen. 723. Piona nodata. 178, 179. Platycleis roeselii. 238. Pleochroitische Höfe. 634, 635, 636. Pteropodenschlamm. 523. Radiolarienschlamm. 524. Resupinierte Blätter. 183, 184, 1S5. Rhabdosphaera. 522. Riesenstrauße. 225, 226. Rohrweihe. 202. Ruckvogel. 227. Saperda carcharias. 235. Säugetierherz. 699. Schnecke, 12 Stadien der Kopulation. 96, 97, 9S. Seidenraupenkokon, Querschnitte. 383, 384. Selachier, Herz. 697, 698. Skorpion, Gehirn. 668. Stechfliege. 331. Stubenfliege. 331. Stylopyga orientalis. 233. Syracosphaera cornifera. 53. Szimnoyt. 227. Taphroderes distortus. 236. Termes speciosus. 236. Tetrastrum alpinum. 54. Tettigonia caudata. 238. Thylopsis Ihymifolia. 234. Tischeria, Minen. 722, 723. Tomocerus flavescens. 671. Tricondyla aptera. 236. Tropidoderus childreni. 237. Uferbruch, verursacht durch die Bisam- ratte. 76. Urvogel. 354. Vergaser für Blausäureräucherung. 7^^- Vogelherz. 698. Weidensteckling, umgekehrter. 657, 658. Welwilschia mirabilis. 37. Wietzer Ölgebiet, Tektonik. 291. Wünschelruten. 504, 505. 506. Xylocopa micans. 235. VII. Literaturlisten. 16, 48, 120, 160, 224, 234, 264, 296, 304, 320, 376, 392, 496, 512, 520, 536, 568, 584, 680, 720, 736. G. Pätzsche Buchdr. Lippcrl & Co. G. H., Naumburg a. d. S. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sonntag, den 6. Januar 1918. Nummer 1. Die neueren und neuesten Arbeiten über die Frühgeschichte des Alkohols. [^fachdn.ck verboten.] Von Rudolph Zaunick in Dresden. Die „Alkoholfrage" bewegt heutzutage weite Kreise und läßt die Meinungen hart aufeinander- platzen. Doch den Historiker der Naturwissen- schaften beschäftigt eine andere Alkoholfrage: das Problem der Frühgeschichte dieses StoiTes. Zwei Theorien standen sich lange Zeit schroff gegenüber. Einmal die Ansicht, daß arabische Alchemisten die Destillation des Weines erfunden hätten. Zum anderen die Meinung, daß im mittel- alterlichen Südeuropa die Wiege der Alkoholdar- stellung zu suchen sei. Besonders in unserem Jahrzehnt hat man diesen historischen Unter- suchungen Raum gegeben, und die Chemiko- historik, die Arabistik und die klassische Philologie waren und sind eifrigst bestrebt, in das geschicht- liche Dunkel hineinzuleuchten. Jetzt, wo eine weiter unten näher zu besprechende Akademie- abhandlung Hermann Degerings vorliegt, die meines Erachtens einen peripetischen Punkt in den wechselnden Anschauungen über die Ent- deckung des Alkohols darstellt, ist es wohl be- rechtigt, kurz über den Inhalt der in den letzten fünf Jahren in rascher P"olge hinausgetretenen Arbeiten über die Frühgeschichte des Alkohols zu berichten. Völlig abgerückt ist man von der zuletzt durch Davidsohn') aufrechterhaltenen Annahme, daß die prähistorischen Kelten lange Zeit vor Christi Geburt den „Branntwein", also auch die Kunst der Destillation gekannt hätten. Insbesondere schrieb er den Basken die Erfindung des Whisky zu und hielt dessen Namen für eine Verballhornisierung des Provinznamens Viskaya. Davidsohns über- kühne Darlegungen unterzog sofort Edmund O. von Lippmann'-) einer sorgfältigen kritischen Nachprüfung, wobei er zu dem Ergebnis kam, daß des Schweden Deduktionen weiter nichts enthalten „als eine einzige Kette von Irrtümern und Miß- verständnissen". Von der Wissenschaft ist jedenfalls die keltophile Theorie endgültig zu den Akten gelegt, und hoffentlich richtet sie in der populären Literatur nicht noch lange Verwirrung an, wie es Arbeiten dieser Natur leider fast stets zu tun pflegen. Es kommen also bei der Problemstellung tat- ') J. A. Davidsohn, I Übersetzt aus dem Schwedischi Internationale Monatsschrift zu und Bekämpfung der Trinksitt kritisches Referat von S c h e n k , in : Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften XII (1913), S. I02f. -1 Edmund O. von Lippmann, Zur Geschichte der Destillation und des Alkohols. In: Chemiker-Zeitung XXXVll (1913). Nr. I, S. 1—2. — Auch trefflich referiert von H. Peters, in: Mitt. z. Gesch. d. Med. u. d. Naturw. XII (1913), S. 29S. ie Erfindung d( n von E ugenii Erforschung de ■n, 1912, Heft i Destillation. Hoffmann. Alkoholismus — Ein un- sächlich nur zwei Theorien für uns in Frage, näm- lich die, welche ich schon eingangs gestreift habe. Da der Ausdruck „Alkohol" arabischen Ursprunges ist, so lag nichts näher, als auch die Erfindung des Alkohols und damit der Destillation bei den arabischen Chemikern zu suchen. Johann Friedrich Gmelin, der 1797 seine dreibändige „Geschichte der Chemie" begann, mag da zunächst genannt sein. ^) In unseren Tagen ist es vor allem Hermann Schelenz, der mehrfach *) für die Araber eingetreten ist. Vorher hatte aber schon Marcellin Berthelot, ^) der sich die größten Verdienste um die erste Auf- hellung der ganzen Frage erworben hat, nach- gewiesen, daß der Name „Alkohol" bis zum 18. Jahrhundert bei den Arabern keineswegs den Weingeist, sondern Essenz oder Sublimat bedeutet, d. h. einen fein pulverisierten oder sublimierten Stoff, z. B. das zum Schminken gebrauchte Schwefelantimonpulver. Wieder war es v. Lippmann, der die For- schungen Berthelots selbständig fortgesetzt und ergänzt hat und der nun in zwei Aufsätzen *) diese und andere Angaben von Schelenz kritisch unter die Lupe nahm. Er stellte auf der Grund- lage eines sicheren historischen Fundamentes fest, „daß der arabischen Wls^5enschaft der Weingeist nicht bekannt war, und daß der Alkohol als ,arabische Erfindung' zu streichen ist." Wann und wo wurde aber dann der Alkohol zuerst dargestellt ^ L i p p m a n n beantwortete zu- nächst den zweiten Teil dieser Frage dahin, „daß die Entdeckung des Weingeistes aller Wahrschein- lichkeit nach in Italien geschah, das sich schon im frühen Mittelalter unter den übrigen Küsten- ländern durch reichlichen Weinbau und große ') Johann Friedrich Gmelin, Geschichte der Chemie seit dem Wiederaufleben der Wissenschaften bis an das Ende des achtzehenden Jahrhunderts, I (Götiingen 1797), S. 30. *) Hermann Schelenz, Geschichte der Pharmacie (Berlin 1904), S. 117, 191, 274, 278. Derselbe, Zur Geschichte der pharmazeutisch-chemischen Destilliergeräte (Berlin 191 1), S. 25, 28 usw. 5) M. Berthelot, La Chimie au Moyen Äge, I (Paris 1S98), S. 136. — Man vgl. überhaupt dessen Chap. V: Sur la decouverte de Talcool (I, 136 — 146]. ') Edmund O. von Lippmann, Einige Bemerkungen zur Geschichte der Destillation und des Alkohols. In : Zeit- schrift für angewandte Chemie XXV (1912), Nr. 33, S. 16S0— 1682. — Nochmals abgedruckt in seinen: Abhandlungen und Vorträgen zur Geschichte der Naturwissenschalten, II (Leipzig 1913), S. 216—225. Derselbe, Zur Geschichte des Alkohols und seines Namens. In: Zeitschrift für angewandte Chemie XXV (1912), Nr. 40, S. 2061 — 2065. — Nochmals abgedruckt in seinen: Abhandlungen und Vorträgen, II, S. 203 — 215. [Ein kurzes Referat schon vorher in: Zeitschr. f. angew. Chemie XXV (1912), S. II79f. und Chem.-Ztg. XXXVI (1912), S. 655 f.] Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. Weinproduktion auszeichnete, und auch bereits seit dem II. Jahrhundert Wohnsitz zahlreicher, vielfach dem geistlichen Stande angehöriger Alchemisten war." Das erste Werk, das für die Geschichte des Alkohols mit Sicherheit in Betracht kommt, ist die Mappae clavicula \ = Schlüssel zur Mappe, d. h. der Malerei]. Die ältere Handschrift davon — aus dem 9. oder 10. Jahrh. stammend und seit 1877 als in Schlettstadt im Elsaß liegend bekannt — enthält freilich noch kein Rezept für die Alkohol- bereitung. Indessen kennen wir eine solche Vor- schrift aus dem früher im Besitz von SirThomas P h i 1 1 i p p s ') befindlichen (^7ß:7«») ed. La Porte du Theil. Paris 1804. — Vgl. ierthelot, a. a. O. I, S. 117, 141 ff. Herten Ansicht pflichtete sofort Julius Ruska,^^) der bekannte Heidelberger Arabist, bei. Zu der ersten Arbeit Lippmanns ergriff allerdings auch Sehe lenz'-) das Wort. Im Gegensatz zu dem hallensischen Chemikohistoriker war er nach wie vor der Meinung, daß die Destillation schon Aristoteles bekannt gewesen wäre, da er in altägyptischen Gefäßabbildungen Ähnlichkeiten mit Retorten zu erkennen glaubte. Aber den springenden Punkt : die Geschichte der Alkohol- entdeckung, überging er mit vielsagendem Schwei- gen. Eine darauf wieder erfolgte Antwort Lipp- manns*'') schloß den leidigen, ins Persönliche hinübergezogenen Streit für die Öffentlichkeit. '*) Es ist schließlich, um diese Etappe in der Wandlung der Ansichten über die Entdeckung des Alkohols völlig zu kennzeichnen, noch auf eine interessante Studie von Paul Richter'^) einzu- gehen, der unterZusammenfassung der wesentlichsten Vorarbeiten zu dem Resultat kam : daß man einer- seits weder im Altertum etwas von der Destillation des Weines und der Herstellung der aqua ardens wußte noch im Mittelalter, bis in nacharabischer Zeit die ersten Mitteilungen davon auftauchten, daß andererseits Paracelsus die Bezeichnung „Alkohol' als Bezeichnung für das Feinste eines jeglichen Dinges und dementsprechend die Be- zeichnung aleohol vini für das reinste Weindestillat, das trocken ohne jeden Rückstand zu hinterlassen ausbrennt — wenn auch auf mißverstandener Grundlage beruhend — eingeführt hat, und daß diese Bezeichnung trotz aller im mittelalterlichen Geiste gehaltenen Erklärungsversuche ihre Geltung behalten hat und behalten wird. Richter hat auch aus den Werken des Theophrast von Hohenheim (Paracelsus) die Belegstellen abgedruckt, wo es einmal heißt: „Aleohol est dz subtileste eines jeglichen Dinges, und zum anderen: Aleohol vini exsieeati ist/ wann superfluitates vini davon kommt/und ist vimim ardens der trucken aussbrennt ohne allen schmutz/ laßt kein faeees in dem geschirr." Wir sehen also, daß die Übertragung des Namens aleohol vini im Sinne eines feinsten edelsten Be- standteiles auf den Weingeist {aqua ardens) erst Paracelsus zuzuschreiben ist, von dem die ") Julius Ruska, Wem verdankt man die erste Dar- stellung des Weingeists? In: Der Islam IV (1913), S. 162— 163. '2) Hermann Schelenz, Einige Bemerkungen zur Ge- schichte der Destillation und des Alkohols. In: Zeitschrift für angewandte Chemie X.XV (1912), Nr. 49, S. 2526—2527. 13) Edmund O. vonLippmann, Einige Bemerkungen zur Geschichte der Destillation und des Alkohols. In: Zeit- schrift für angewandte Chemie XXVI (1913), Nr. 3, S. 46— 47. '*) Noch 1914 (in: Mitt. z. Gesell, d. Medizin u. d. Natur- wissenschaften XIII, S. 319) vertrat Schelenz die Meinung, daß der Alkohol „mindestens zu Zeiten von Plinius bekannt gewesen sein muß". "*) Paul Richter, Beiträge zur Geschichte der alkohol- artigen Getränke bei den orientalischen Völkern und des Alkohols. In: Archiv für die Geschichte der Natu Schäften und der Technik IV (1913), S. 429—452. N. F. XVII. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. späteren Chemiker und Ärzte diese Bezeichnung übernahmen, nur noch das Wort vini wegließen. So war jedenfalls auf Grund aller dieser Arbeiten Anfang 191 3 die arabische Alkoholtheorie aus dem Felde geschlagen. Da wurden wir aber schon Ende April dieses Jahres durch eine Berliner Akademieabhandlung von Hermann Diels'") überrascht, die die ganze Streitfrage von neuem entbrennen ließ. Wie E. O. von Lippmann so ging auch Diels von den grundlegenden Untersuchungen Berthelots, in dessen „Chimie au Moj-en Age" aus. Es läßt sich aus klassischen Quellen zwar die Beobachtung belegen, daß starker Wein beim Eingießen in Feuer aufflammt, indessen von einer Erklärung dieser Erscheinung oder gar von einer Gewinnung des Weingeistes durch Destillation kann nirgends die Rede sein. Entgegen der An- nahma Lippmanns suchte aber Diels den Ver- fasser oderKompilator der Mj/'/'ßfc/rtcvV/^/rt nicht auf italienischem Boden, sondern im Frankreich der Karolingerzeit etwa zu Anfang des 9. Jahrhunderts. Dieser muß ein oder mehrere vulgärlateinische vorkarolingische Sammelwerke ausgezogen haben, die ihrerseits wieder auf grie- chische ürsammlungen vielleicht des /.Jahrhunderts zurückgehen, d. h. in die Zeit, wo nach Diels die alexandrinische Alchemie noch lebendig war. Seine für dies alles vorgebrachten sprachhistorischen Gründe sind jedenfalls nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Nun aber das Wesentliche in Diels' Abhand- lung: er überraschte uns mit der Entdeckung einer Stelle bei dem Kirchenvater Hip poly tos (f um 230), die er als schlagenden Beweis dafür be- trachtet, daß die Darstellung des Weingeistes schon den alexandrinischen Chemikern bekannt war. Der Text, der in einem Abschnitt der Refutationes omnium haeresunn über die Schwin- deleien der Zauberpriester steht, lautet in der Übersetzung: „Auch das Seesaizrezept ist recht brauchbar. Man kocht Schaum des Meeres in einem irdenen Gefäße mit Süßwein. Wenn dieses Gemisch siedet und mit einem brennenden Lichte in Berührung kommt, so erfaßt es rasch das Feuer und entzündet sich, und wenn man es auf das Haupt schüttet, so verbrennt es dieses nicht im geringsten. Streut man, während es siedet, noch Manna [Weihrauchpulver?] darauf, so entzündet es sich noch leichter. Besser ist aber die Wirkung, wenn man noch etwas Schwefel dazu nimmt." Damit war wieder das Problem aufgestochen, und Ruska und v. Lippmann griffen erneut zur Feder. Der erstere^') führte Diels' Argument, es handle sich im Hip poly tos- Rezept nicht um >8) Hermann Diels, Die Entdeckung des Alkohols. Abhandlungen der Kgl. Preuß. Akademie der Wissenschaften, Jahrg. 1913, philos.-hist. Klasse, Nr. 3. — 35 Seiten, I Abb. — Gelesen in der Gesamtsitzung am 6. März 1913. ") Julius Ruska, Ein neuer Beitrag zur Geschichte des Alkohols. In: Der Islam IV (1913), S. 320 — 324. das Aufschütten siedenden Weines, „sondern um den erkalteten, irgendwie destillierten wäßrigen Weingeist" '**) ad absurdum und machte auf die Folgen aufmerksam, die für die Technikohistorik entstehen würden, „wenn wir alle in Rezepten überlieferten Geheimmittel durch Hineininter- pretieren von technischen Kenntnissen späterer Zeit zurechtrücken oder als richtig erweisen wollten". Wenn in Diels' Abhandlung weiterhin auf eine Bemerkung von Berthelot hingewiesen ward, wonach man mittels des Destillierhelms der Griechen und im sog. Balneum Mariae bei sehr mäßigem F'euer und sehr langsamem Operieren kleine Quantnäten Weingeist habe herstellen können, so stände davon nichts in der als Beleg angeführten Stelle Berthelots, die nur von „liquides distilles" im allgemeinen spricht. Ruska faßte sein Urteil in den Sätzen zu- sammen: „Wir verdanken der Abhandlung von H. Diels eine Reihe wichtiger Aufschlüsse, aber das Geheimnis der Entdeckung des Alkohols ist noch nicht gelüftet. Die Vermutung E. v. Lipp- manns behält ihre innere Wahrscheinlichkeit, auch wenn der Bearbeiter der Mappac clavicula, der das Rezept einfügte, nicht in Italien lebte. Ein unanfechtbarer Beweis für seine Id. h. Lipp- manns] These läßt sich aber bis jetzt auch nicht liefern. Es ist mit dem Alkohol ähnlich wie mit anderen chemischen Entdeckungen Wir müssen bei aller Hochachtung vor der alexandri- nischen und arabischen Wissenschaft doch immer deutlicher erkennen, daß das Zeitalter der Ent- deckungen im Westen früher einsetzt, als man gewöhnlich annimmt; wir haben kein Recht, dem ausgehenden Mittelalter, das in so vielen Stücken schon die Morgenröte eines neuen Tages ankündigt, die Entdeckungen zu bestreiten, die in jener Zeit zum erstenmal, wenn auch oft unter falscher Flagge, in der Literatur erwähnt werden." Noch an zwei anderen Stellen bestritt Ruska die Di eis sehe Hippolytos -These. Einmal' ") faßte er zugleich den Standpunkt des ganzen Alkoholproblems zusammen; zum andernmal''^'') zeigte er, daß die Umschau in den arabischen Bearbeitungen der Gcopoin'ca nach einem Ver- fahren, durch Destillation aus dem Wein ein noch stärkeres, feurigeres, brennbares Getränk, einen Spiritus vini zu gewinnen, ebenfalls vergeblich sei, daß jedenfalls Lippmanns These von der abendländischen Erfindung des Alkohols in- folge der negativen Ergebnisse arabischer Sach- forschung immer mehr an Boden gewinne. Mit dem gleichen im Prinzip ablehnenden Er- '») Diels, a. a. O. S. 22. 19) Julius Ruska, Alkohol und Al-kohl. Zur Geschichte der Entdeckung und des Namens. In : Aus der Natur X (1913), S. 97—1". '-") Julius Ruska, Weinbau und Wein in den arabischen Bearbeitungen der Geoponika. In: Archiv für die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik VI (Sudhoff-Fest- schrift, 1913). S. 305—320. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 1 gebnis setzte sich aber auch L i p p m a n n -^) selbst mit dem Berliner Philologen auseinander. Er faßte zugleich das gesamte Material über den Alkohol zu einer Arbeit zusammen, die Ruska in einem Referat"-) mit gutem Rechte eine „abschließende Studie" nennt, und auf deren Lektüre auch ich nachdrücklichst hinweisen möchte, da man deren Inhalt unmöglich in einem Sammelbericht wieder- geben kann. In Teil I dieser Abhandlung erläuterte Lippmann einevon Diels angezogene Aristo- teles-Stelle und machte — mit einwandfreien Gründen, wie mir dünkt — geltend, daß an jener Stelle nicht Wein, sondern süßer IVIost gemeint sei. Teil II behandelte das Hippoly tosrezept, während in Teil III Syrer und Araber besprochen wurden. Der IV. Teil ist der Mappae davicula und den Destillationsrezepten gewidmet. Seine dortigen Mitteilungen über den Weingeist in den Cö««//(7 des T a d d e o degli Aide rotti (1233 — 1303) nach einem vatikanischen Kodex hat übrigens Lippmann ein Jahr später mit Sudhoffs ge- lehrter Hilfe weiter ausgeführt und den Text der Stelle Haec sunt virtutes aquae vitae nach dem Vaticanus, einem Monacensis und einem Malates- tianus abgedruckt. '-*) Offen bleiben nach allem nur noch die Fragen : wo und durch wen geschah die erste Entdeckung, wo und durch wen vollzog sich schließlich die Weiterentwicklung? Hypothe- tische Fragen, denen Teil V gewidmet ist. Hier ward vor allem wieder die italienische Her- kunft verfochten. Dies wäre in den gröbsten Umrissen ein Be- richt über den Stand unserer Kenntnis von der Frühgeschichte des Alkohols im Jahre 1914."*) Seit dieser Zeit herrscht allseits Schweigen im literarischen Blätterwald. Selbst Diels hat sich bisher noch nicht wieder dazu geäußert.'") Da ist es nun Hermann Degering, der mit einer am 19. Juli 1917 der Berliner Akademie *') Edmund O. von Lippmann, Beiträge zur Ge- schichte des Alkohols. In: Chemiker-Zeitung XXXVII (1913), Nr. 129, S. 1313 — 1316, Nr. 132, S. 1346 — 1347, Nr. 133, S. 1358 — 1361, Nr. 138,3. 1419 — 1422 U.Nr. 139, S. 1428 — 1429. ''■') In : Mitt. z. Geschichte d. Medizin u. d. Naturwissen- schaften XIII (1914), S. 205. *') Edmund O. von Lippmann, Thaddäus Floren- tinus (Taddeo Alderotti) über den Weingeist. (Duichgesehen von Karl Sud hoff.) In: Archiv für Geschichte der Medizin VII (1914), S. 379—389- — Vorher: Edmund O. von Lippmann, Vorläufige Mitteilung zur Geschichte des Alkohols. In: Chemiker-Zeitung XXXVII (1913), Nr. loS, S. 1073. ") Das einleitende Kapitel „Überblick über die Geschichte des Alkohols-' in einer Leipziger medizinischen Dissertation von Erich Johannes Rau (Arztliche Gutachten und Polizei- Torschriften über den Branntwein im Mittelalter, Leipzig 1914, S. 3—7) ist leider lückenhaft und ganz oberflächlich und da- her zur Orientierung unbrauchbar. 20) Nur in einer Fußnote seiner sechs Vorträge über „Antike Technik" (Leipzig und Berlin 1914, S. 130 Anm. 2) schrieb inzwischen Diels ganz kurz: „Die gegen das Alter der Alkoholgewinnung von Prof. v. Lippmann in der Che- miker-Zeitung 1913 n. 129. 132. 133. 138. 139 vorgebrachten Instanzen sind sehr beachtenswert, erschüttern aber meine Grundansicht, die auf dem Qucllenverhältnis der Rezepte beruht, nicht." durch Diels vorgelegten Abhandlung über „Ein Alkoholrezept aus dem 8. Jahrhundert" die ganze Frage erneut in Fluß bringt.-") Sicher- lich wird der oder jener der bisher von mir aufgeführten Autoren sich zu Degerings Studie äußern. Und zum besseren Verständnis zukünftiger Arbeiten schreibe ich auch diesen Bericht über den augenblicklichen Stand der Frage nach der Früh- geschichte des Alkohols. Ich wende mich jetzt ausführlicher der Abhandlung Degerings zu. Francesco Puccinotti'-') hatte bereits 1855 ein Alkoholrezept mitgeteilt aus einer Hand- schrift des Hospitals zu San Gimignano, die er in das 12. Jahrhundert setzte. Richter"*) hat es dankenswerter Weise in seine oben von mir be- sprochenen „Beiträge zur Geschichte der alkohol- artigen Getränke bei den orientalischen Völkern und des Alkohols" als erster übernommen und damit die Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Lippmann's Bedenken gegen Puccinottis Datierung und Lesungen sieht De gering als durchaus nicht stichhaltig an. Zu diesem Rezept fand nun Degering neben anderen Eintragungen des 1 3. Jahrhunderts eine noch in derselben Zeit niedergeschriebene Fassung auf einem Schutzblatt in einer jüngst von der Berliner Kgl. Bibliothek erworbenen Pergament- handschrift aus dem württembergischen Prämon- stratenserkloster Weißenau (Berliner Signatur: Ah. lat. qii. j6i — 5). Er faksimiliert das neue Rezept und gibt davon die aufgelöste Lesung. Es ist seinem Inhalte nach dasselbe wie das von San Gimignano. Aus den Abweichungen beider Über- lieferungen — besondersaus deren Fehlern 1 — führt aber Degering den zunächst verblüffenden Nach- weis, daß beide letzten Endes auf eine gemeinsame Vorlage des 8. Jahrhunderts zurückgehen. Es liegt ihm fern zu behaupten, daß die zwei Texte direkt aus dieser Vorlage abgeschrieben worden seien ; vielmehr ist dies nach ihm sicher nicht der P"all. Man muß sogar voraussetzen, daß von jeder Fassung aus mehrere Zwischenglieder rückwärts zu dem von ihm rekonstruierten Archetypus führen, der aus verschiedentlichen Gründen in die Zeit vorder durch- dringenden Wirkung der karolingischen Renais- sance gesetzt wird, also mindestens in die Mitte des 8. Jahrhunderts. Ich drucke diesen von D e g e r i n g hergestellten Urtext hier nochmals ab : De aqua ardenfe. Ardcns aqua ad inoditni aqjiae roscac ßf hoc modo. Villi libra iiiia in Cucurbita et libra una salis africani rubei puhcrtsafi aut ctiaiii salis tosti in olla rtidi calida et quatuor drnchiiiac sulfuris ■^"j H. Degering, Ein Alkoholrezept aus dem 8. Jahr- hundert. In: Sitzungsberichte der Kgl. Preufi. Akademie der Wissenschaften, 1917, Stück X.XXVI, S. 503 — 515 (mit I ein- gedruckten Faksimile). — Sonderabdruck" Berlin 1917 (Kgl. Akad. der Wissenschaften, in Kommission bei Georg Reimer). Lex. 8". Preis Mark 0,50. 2') Francesco Puccinotti, Storia della medicina II I (Livorno 1855), Documenti p. LXIV. 2») Richter, a. a. 0. S. 444 f. N. F. XVII. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 7nvi d quahior tartari apponantur cum pracdictis et vcntosa superpoiiatnr et colligetiir quam potcrit adstricte, et aquositas dcsccndens per Jiasiim ventosae colligeifur. Qua intuncfus pauuus liiii servibit flavimam sine perdütone substantiae. Uti autem talis aqua diu servari possit cum huius modi cffectu, in vase vitreo reponatur aut in testeo non p'oroso, quod habeat os strictum, et in eo sex vel Septem guttis olei et draehmis puator cerae cooperta bene conservatur. Hane autem si experire volueris, sulphur vivuni 'ignitum in ea cum extin- gues, talis qualitatis aqua confidenter experietur. Auf die paläographische Beweisführung kann ich freilich nicht eingehen. Wer aber je im Berliner Handschriftenlesesaal Degerings scharfen Blick und kritisches Urteil in solchen Fragen schätzen gelernt hat, wird sich wohl auch diesmal seiner Führung willig anvertrauen. Lippmanns Darlegungen — vor allem Über- setzungsfehler — werden an mehreren Stellen von Degering beanstandet, und zwar zu Recht, wie mir dünkt. Man darf jedoch dem Berliner Ge- lehrten nicht engen philologischen Horizont vor- werfen, denn zum Chemiker Beckmann nach Dahlem ist der Philologe De gering hinausge- wandert, um sich dort, im Kaiser-Wilhelm-Institut, nach den im Rezepte genannten Vorschriften einen Alkohol darstellen zu lassen und um die sog. Schwefelprobe aus dem Schluß des Rezeptes mit eigenen Augen zu sehen. Das Wesentlichste aber, was wir aus dieser angestellten Schwefelprobe lernen, ist, daß die mittelalterlichen Chemiker mit den in unserer Vorschrift genannten Destillations- einrichtungen einen Alkohol von mehr als 35 Volumenprozenten zu gewinnen imstande gewesen sein müssen. Und wenn v. Li pp mann, so meint jedenfalls Degering, bei seinen eigenen Ver- suchen nicht zu diesem Ergebnis gekommen ist, „so zeigt das eben nur, daß die hergestellten Versuchs- bedingungen nicht denen entsprachen, unter denen die Chemiker unseres Rezeptes diesen Alkohol zu gewinnen wußten". Selbstverständlich hält auch er die Anwendung der Kühlschlange, wie sie Taddeo degli Alderotti beschreibt, für eine neuere Erfindung, wie ja überhaupt des Italieners Auffassung und Beschreibung des Destillationsvorganges und seine Bewertung ihrer Ergebnisse gegenüber denen der älteren Vorgänger ganz wesentlich fortgeschritten ist. Aber den Gebrauch einer primitiveren Art der Kühlung möchte ich mit Degering unbe- denklich auch schon für frühere Zeiten voraussetzen, denn die technisch hochentwickelte Kühlschlange Alderottis muß unzweifelhaft primitivere Vor- stufen gehabt haben. Einer späteren Untersuchung behält es Dege- ring vor, dem Rezepte seinen Platz im Rahmen der Mappae-clavicula - Überlieferung zuzuweisen. Man darf wohl darauf nach der jetzigen Vorprobe hochgespannt sein. Ich möchte glauben, daß da- durch Diels' schon aus sprachhistorischen Gründen zwingende Theorie vom Entstehen der Mappae clavicida im karolingischen Frankreich an Blut gewinnt. In dem kurzen Auszug auf S. 501 der Berliner Sitzungsberichte finde ich übrigens den Schlußsatz: „Dadurch ist die Herkunft dieses Alkoholrezeptes aus der Tradition des Alter- tums erwiesen", eine wohl zu frühzeitige Folge- rung, die Degering in seiner Abhandlung selbst nicht gezogen und die sicherlich Diels zum Urheber hat. . Erwartungsvoll können wir aber auch auf Lippmanns sicher nicht allzuferne Äußerungen ausschauen. Ob sich dieser mit Degerings Hypothese einer vorkarolingischen Alkohol- darstellung so ohne weiteres befreunden wird? Jedenfalls wird er als Nichtfachmann auf paläo- graphischem Gebiete wenig einwenden können. Wie wird er aber als Naturwissenschaftshistoriker sich dazu äußern? Ich persönlich, der ich die ganze Frage nach der Frühgeschichte des Alkohols seit einigen Jahren lediglich als zuschauender Historiker im Auge halte, meine jedenfalls, daß Rekonstruktionen auf wissenschaftlicher sprachlich- paläographischer Grundlage immer viel für sich haben, daß da ein Fachmann auf diesem Gebiete zumeist recht glückliche Ergebnisse formulieren kann, die freilich den mit diesen Fragen nicht Ver- trauten auf den ersten Augenblick stutzig machen. Ob uns aber je der Fund einer Handschrift mit Degerings hypothetischem Archetyp oder einem der von ihm angenommenen Zwischen- glieder beschieden sein wird ? Ob wir überhaupt jemals der Geschichte des Alkohols an die subtilsten Wurzelfasern kommen können ? Diese zwei Fragen werden wohl dauernd über dem ganzen Problem pendeln. Die Korrektur dieses Aufsatzes war gerade in die Druckerei zurückgewandert, als mir Herr Sudhoff seine Nachprüfung: „Ein Alkoholrezept aus dem 8. Jahrhundert?" in Nr. 49 (vom 9. Dez. 1917) dieser „Wochenschrift" freundlichst zugehen ließ. Nicht Herr v. L i p p m a n n ist also der erste, der sich mit Herrn Degering's Akademieabhand- lung kritisch auseinandersetzt, wie ich nach allen bisherigen Arbeiten vermuten durfte, sondern der Leipziger Medizinhistoriker, dessen Urteil, wie immer, gewichtig in die Wagschale fällt. D e g e r i.n g ' s hypothetischen Archetypus eines Alkoholrezeptes aus dem 8. Jahrhundert lehnt Sudhoff vollständig ab. Damit infolge- dessen auch, ohne es freilich direkt auszusprechen, Diels' Ansicht vom Jahre 1913. Doch dadurch ist schließlich der letzte Teil meines Aufsatzes, der über Degering's Studie immerhin vorsichtig berichtet, nicht überflüssig geworden. Ich denke : im Gegenteil, da sich nun Sudhoff dazu ge- äußert und in den Leserkreisen dieser Zeitschrift sicherlich das weiteste Interesse für die Früh- geschichte des Alkohols geweckt hat. Mein ganzer Aufsatz dürfte also zur Einführung in die Verhältnis- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. I mäßig reiche Literatur über dieses Problem will- kommene Dienste leisten. Die von mir zum Schluß f^estellte Frage : „Ob uns je der Fund einer Handschrift mit Degering's hypothetischem Archetyp oder einem der von ihm angenommenen Zwischenglieder beschieden sein wird?" wäre nun durch Sud hoff's Ablehnung eben dieses Archetyps erledigt. Doch ein großes Non liquet thront weiterhin über dem historischen Dunlvel der Alkoholentdeckuner. Die Ruheperiode der Holzgewächse. [Nachdruck verboten.] Von Othmar Die Erscheinung des jährlichen Laubwechsels wurde früher naturgemäß dahin gedeutet, daß er mit der Änderung der Außenbedingungen in Zu- sammenhang stehe, daß also Abnahme des Lichtes, der Temperatur, ungenügende Wasser- und Nähr- salzversorgung den Laubfall, Steigerung derselben den Laubausbruch hervorrufen. Erst S c h i m p e r -) hatte beobachtet, daß auch in dem gleichmäßig feuchtwarmen Klima von Java viele Bäume den periodischen Laubwechsel zeigen, daß die Periode des Laubwechsels bei verschiedenen Baumarten, ja in manchen Fällen auch bei den einzelnen Zweigen eines und desselben Baumes eine ver- schiedene und daß kein Zusammenhang derselben mit der Außenwelt zu finden ist. Daraus folgerte Schimper, daß der periodische Laubwechsel eine in der Natur der Holzgewächse begründete Eigenschaft sei; diese Ansicht wird auch von Pfeffer, Simon, ») Weber,') Popoff») ver- treten und genauer begründet. ^) Dagegen ver- treten Klebs') und Lakon*) neuerdings die Ansicht, daß die Ruheperiode nicht in der Natur der Holzgewächse begründet (autonom) sei, son- dern nur durch die Änderung der bereits erwähnten äußeren Bedingungen (Temperatur, Licht, Wasser- und Nährsalzgehalt des Bodens usw.) hervorgerufen werden. Sie stützen diese Ansicht mit dem Er- folge verschiedener Frühtreibverfahren. Bekannt- lich gelingt es ja durch verschiedene Mittel die Pflanzen auch während der Ruheperiode zum Aus- treiben zu bringen, so durch Anwendung von Kälte und nachherigesAufstellen in warmen Räumen, ') Vortrag, gehalten am 15. Juni 1917 in der k. k. zool. botan. Gesellschaft in Wien. ') A. F. VV. Schimper, Pflanzengeographie auf physio- logischer Grundlage. Jena 1898. ') S. V. Simon, Studien über die Periodizität der Lebens- prozesse der in dauernd feuchten Tropengebieten heimischen Bäume. Jahrb. f. wiss. Botauik. Bd. 54. *) F. Weber, Studien über die Ruheperiode der Holz- gewächse. Sitzungsber. d. kais. Akademie d. Wissenschaften, Wien 191 6. ''•) M. Popoff, Experimentelle Zellstudien. Arch. f. Zellforschung 19 15. «) Vgl. den Aufsatz von F. Weber, Naturwissenschaftl. Wochenschrift 1916, S. 737 ff. ') G. Klebs, Über die Rhythmik in der Entwicklung der Pflanzen. Sitzungsber. Heidelb. Akad. d. Wissensch. 191 1. Weitere Arbeiten von Klebs zitiert in meiner Arbeit 19 16. *) G. Lakon, Die Beeioflussung der Winterruhe der Holzgewächse durch die Nährsalze. Zeitschr. f. Botanik, Bd. IV, 1912. — Über den rhythmischen Wechsel von Wachs- tum und Ruhe bei den Pflanzen. Biolog. Centralbl., Bd. XXXV, 1915- Kühn. ') Austrocknung (bisher nur von Howard und mir angewendet'; wirkt sehr stark treibend !), Ätherisie- rung, Anwendung galvanischer Ströme, Baden in warmem Wasser, in Alkohol, Äther und Säuren, Verletzung, Abziehen der Knospenschuppen, Be- handlung mit Rauch, Azetylen usw.') Weil also die Ruheperiode durch Erzeugung anderer äußerer Bedingungen aufgehoben werden kann, soll sie nur ein Produkt der im Winter ungünstigen äußeren Bedingungen sein. Nun können wir aber durch von den natürlichen Verhältnissen stark abweichende Verhältnisse jede Erscheinung des Pflanzenlebens, Wachstum, Vermehrung usw., nach Belieben unter- drücken und hervorrufen;'^) trotzdem müssen wir diese Eigenschaften als im Wesen der Pflanze be- gründet und vererbt, nicht aber nur von äußeren Faktoren hervorgerufen betrachten. Anders wäre es, wenn die Holzgewächse bei Herstellung natür- licher Verhältnisse, wie sie etwa im Frühling oder Sommer herrschen, weiterwachsen würden; das ist aber nicht der Fall. Lakon ä) fand allerdings, daß ruhende Zweige bei Einstellen in Nährlösung von natürlicher Konzentration austrieben. Ich habe aber gezeigt, *) daß sie stets nur um wenige Tage (i — 5) früher als die unbehandelten Kontroll- zweige austrieben, ein Unterschied, den wir im Freien auch an den Zweigen eines und desselben Baumes beobachten, während die oben genannten Frühtreibverfahren die Pflanzen um einige Wochen, ja IVIonate früher zum Austreiben bringen. *) Wir haben also zwei IVIeinungen über das Wesen der Ruheperiode: eine, welche sie als in der Natur der Pflanze begründet und vererbt betrachtet (autogen) und die zweite, welche annimmt, daß sie nur durch ungünstige äußere Verhältnisse je- weils hervorgerufen wird. Wir können nicht nur durch die bisher angewendete Methode der Ein- wirkung äußerer Faktoren, sondern auch durch Beobachtung von Veränderung und Erblichkeit der Periodizität entscheiden, welche von beiden Mei- nungen die richtige ist. Solche Beobachtungen sind aber bei Bäumen infolge ihrer hohen Lebens- 1) Literatur in meinen Arbeiten 1914 und 191O. -) G. Klebs, Willkürliche Entwicklungsänderungen bei Pflanzen. Jena 1903. '■') G. Lakon, 1. c. 1912. ■■) O. Kühn, Das Austreiben der Holzgewächse und seine Beeinflussung durch äußere Faktoren. Jahrbuch für wissen- schaftliche Botanik Bd. 57, 1916. f^) L. V. Port heim und O. Kühn, Studien über die Ruheperiode der Holzgewächse. Österr. botan. Zeitschr. 1914. N. F. XVII. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. dauer und des späten Beginnes des Samentragens nicht einfach und Hegen auch wenige vor. So wurde berichtet, daß nach Madeira verpflanzte Obstbäume, ferner Eichen und Buchen auch dort, in dem gleichmäßigen Klima ihre Periodizität bei- behalten, ebenso ist dies von einer durch Teys- mann auf den Vulkan Pangeraugo auf Java ver- pflanzte Buche bekannt. In unseren Gegenden sehen wir, daß nicht nur die Periodizität über- haupt vererbt wird (denn sie könnte auch bloß jährlich aufs neue hervorgerufen sein), sondern auch die Zeit des Laubfalles und der Lauberneuerung. Fast alle bei uns kultivierten Bäume haben früh- und spättreibende Sorten. Ich habe diese bei der Blutbuche in zahlreichen Wiener Gärten, in der forstlichen Versuchsanstalt in Mariabrunn, in der Baumschule von Pirquet in Hirschstetten beobachtet und auch derBaumschulbesitzer Herr Dr. H. Späth hat mir dies bestätigt; den Gärtnern sind aber auch von Obstbäumen, Ahorn usw. solche Sorten bekannt. Natürlich wird nicht der genaue Eintritt und das Ende der Ruheperiode vererbt, diese werden sicherlich durch die äußeren Bedingungen bestimmt, wie das frühe Austreiben in einem Jahre, das spätere im anderen, sowie die geographische Verschiedenheit des Austreibens beweisen ; sondern das relative Verhältnis der Zeiten des Laubwechsels wird bei den verschiedenen Rassen durch Ver- erbung bestimmt. Wenn aber sogar die zeitlichen Grenzen der Periodizität erblich fixiet;t sind, dann muß es die Periodizität selbst um so mehr sein. Während die Art des Laubwechsels ein variables Anpassungsmerkmal darstellt, ist die Ruheperiode selbst ein Organisationsmerkmal der Holzgewächse, das höchstens zeitweise, wie jedes Merkmal, unter- drückt werden kann, jedoch, wenn die Pflanze dauernd lebensfähig bleibt, immer wieder zum Vorschein kommt. Korrespondierende Katastrophen auf der Sonne und in der Atmosphäre 1917. [Nachdruck verboten.] Von Wilhelm Krebs. Riesenflecken und gruppen der Sonne, si besonders Riesenflecken- groß, daß sie auch tele- skopisch unbewaffneten Augen sichtbar sind, können häufiger beobachtet werden, als wohl all- gemein angenommen wird. Besonders scheint es von diesem Sommer 1917 zu gelten, der drei Ereignisse dieser Art gebracht hat, von denen allerdings zwei dem gleichen p-elde gesteigerter Sonneniätigkeit angehörten. Diese Fleckengruppen kreuzten am 13. Juli und am 8. August 1917 den Mittelmeridian der scheinbaren Sonnenscheibe. Das geschah im Laufe der etwa 26^/2 tägigen Periode der synodischen Sonnenrotation, deren erste Entdeckung, durch Fabricius, ja auch ohne Fernrohr, lediglich durch Kameraprojektion des Sonnenbildes, erfolgt war. An der Hand dieser Periodizität darf jenes Feld gesteigerter Sonnen- tätigkeit bis in den Januar 1917 zurückverfolgt werden. Als es vor fast acht Monaten an der Erde vorüberzog, war seine Tätigkeit schon durch Zer- sprengung und Neubildung von Sonnenflecken als besonders heftig gekennzeichnet. Doch sollte diese heftige Betätigung noch in einem ganz anderen Zusammenhange zur Geltung kommen. Schon zur Zeit seines Vorüberzuges durfte aus Gewitterneigung, trotz des strengen Frostes, und ferneraus dem Auftreten feinstreifiger Federwolken, deren Streifung nach mitternächtiger Richtung und deshalb nach dem uns fast antipodalen west- pazifischen Herdgebiete der tropischen Sturm- bildung hinwies, auf die Betätigung dieses Herd- gebietes in der Erdatmosphäre, also auf Teifun- bildung, geschlossen werden. ^j ') Vgl. Wilh. Krebs: Vorausbestimmungen des Wetters lange Frist, auf Grund einer Kontrolle der Sonnentätigkeit der tropischen Sturmbildung. Wien 1916. Verlag des . Österreichischen Flugtechnischen Vereins. .\ls Probe Von dem Wüten eines solchen Sturmes auf den westpazifischen Meeresflächen ist bisher keine Kunde zu uns gedrungen. Um so mehr von amerikanischen Gestaden, wo dieser Sturm vor allem unter der Segelschifflotte aufräumte. Die schrecklichste Katastrophe richtete er aber in der norwegischen Walfangflotte an, die zwischen Grönland und Spitzbergen jagte. In der Osternacht (8.'9. April) 1917 erhob er sich und soll mindestens elf Dampfer dieser Flotte in Eis und Meerflut ver- nichtet haben. Eine von Norwegen ausgeschickte Hilfsexpedition konnte auch nicht einen Überleben- den der Hundert übersteigenden Besatzung auffinden. Als dasselbe F"eld gesteigerter Sonnentätigkeit in der ersten Septemberwoche 1917 wiederkehrte, freilich mit bescheideneren Fieckensignalen, erfolgte wieder eine Teifunbildung, von deren Folgen für menschliches Wohlergehen Kunde zu uns gelangte. Das geschah, weil der Teifun seinen Weg nahe an den verkehrsreichen Gestaden Chinas vorüber- nahm. In der zweiten Septemberwoche 191 7 ver- nichtete er bei Amoy an der chinesischen Küste zwei japanische Dampfer. Es ist nicht ausge- schlossen, daß der überaus heftige Sturm, der in der zweiten Oktoberwoche Mitteleuropa heim- suchte, ein weiterer Abkömmling dieser Teifun- bildung war. Ihr war inzwischen ein noch weit heftigerer Teifun gefolgt. Denn zu Anfang Oktober 1917 erhielt Europa Kabelnachrichten aus Japan von einer Sturm- und Flutkatastrophe, wie sie seit Menschengedenken auch in diesem, von den Ge- fahren des Meeres und des Bodens viel heimge- suchten Lande sich nicht ereignet hatte. Ganze Stadtteile Tokios, die gesamte Reisernte Mittel- folgt diesem Beitrage die seinerzeit um 3 bis 6 Wochen im voraus, für die Herbstmonate 1917 vorberechnete Übersicht der atmosphärischen Störungstermine. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. Japans und vor allem auch viele Hundert Menschen- leben sollen vernichtet sein. An Schiffsuntergängen vor Yokohama sind bereits die von zehn großen Dampfern gemeldet. Auch diese Teifunkatastrophe entsprach einem von mir vorberechneten Termine „Ostasien" von der Wende des September zum Oktober 1917. Er entsprach einer Epoche der westpazifischen Sturmbildung, auf die von mir wieder aus Sonnen- beobachtungen, Federwolken und gelegentlicher Gewitterneigung in der vierten Septemberwoche geschlossen war. Für nordamerikanische Gestade sind atmosphärische Störungsfolgen aus ihr in der dritten und vierten Oktoberwoche, für europäische I r T I » r c T T I r f. ff! il 3 +3 1^ T 1 4 +ir 1 1 J 1 4 +1I1 |ll 'S p 1 1 +1 ■3 + ' +1 ii +1 > II CO =■ T ^ il -g 1 ° f H yi 5 + 3 +11I +1? - + 1 •g +iil +1 9 * +1 •a + III 1 !l? ff +1 ^m +1? Ame- rika Europa + 1 1 B II? i m + if 11 |il > s i T 1 nj 1 W^ 1 1 ifi^ 1 1 ? — 1 I fg. l?|? It 3 1 1^ m % — 6 i? 1 £-3 p P- N. F. XVn. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. zu Anfang November 1917ZU erwarten. Da west- pazifische Störungen vor allem auch Kältewellen nach sich ziehen, darf in Gefolge von Sturm und Niederschlägen in der ersten Novemberwoche 19 17 wohl eine erste ernstlichere Frostperiode des sonst manchmal noch recht warmen Vorwinters 1917 erwartet werden. Besonders darf aber hervorgehoben werden, daß jene Epoche der Sturmbildung, vom 20. — 28., September mit dem Vorüberzug einer neuen Riesen- gruppe der Sonnenflecke zusammenhing. Diese kreuzte vom 23. zum 24. September den Mittel- meridian. Dem über diesem erst am i. Oktober 191 7 fälligen Felde der im Juli und August durch Riesensignale angekündigten Sonnentätigkeit wan- derte sie also etwa um Wochenfrist voraus. Die ganze Rotationsperiode der Sonnenfleckenzone be- ansprucht, wie erwähnt, 26 bis 27 Tage. Der durch das neue Riesensignal angekündigte Herd der Sonnentätigkeit, die sich stets beiderseits des Äquators, nicht allzuweit von ihm entfernt, hält, liegt also fast genau um ^ j der Rotationszeit vor dieser Wiederkehr. Solche Viertelung des Um- fangs der Sonne, die, wie zumeist, so auch in dem vorliegenden Falle, zu einer doppelten Anti- podalität von je vier einander folgenden Sonnen- Ausbrüchen führt, ist schon wiederholt beobachtet. Im April 1910 bot sie Anlaß zu der regelrechten Voraussage eines Sonnenausbruchs in bestimmten Längen. Von mir selbst zu Anfang dieses Monats veröffentlicht, wurde jene Ansage zuerst durch eine spektographische Aufnahme Deslandres' vom 19. April 1910 bestätigt, später auch durch das Auftreten von Sonnenflecken. (Vgl. Verhandl. deutscher Naturforscher 1910 zu Königsberg II, I, S. 13, Vortrag Krebs in der Abteilung für Astronomie.) Doch ist diese Gesetzmäßigkeit nicht auf die Sonne beschränkt. Sie kehrt wieder bei vulka- nischen Erscheinungen der Erde, besonders in den an Finsternissen reichen Jahren, so in 19 17 selbst. Spuren von ihr sind auch an der Ähnlichkeit antipodaler Länderformen von vulkanischer Natur (Italien — Neuseeland!) und sogar an Formen des Mars- und des Jupiterbildes nachgewiesen. Jene Gesetzmäßigkeit ist deshalb von erheb- lichem Gewicht für die von vielen noch ange- zweifelte vulkanistische Ausdeutung der Sonnen- tätigkeit. Auch die Wiederkehr jenes neuen Feldes höchstgesteigerter Sonnentätigkeit, in der Epoche Oktober 17 bis 25, kündigte sich durch große Fleckenerscheinungen, in diesem Falle zwei be- sonders große Kernflecken, an. Nicht minder eindrucksvoll waren ihre irdischen Folgeerscheinungen. Ein Gewittersturm brachte am 19. Oktober über Ostsizilien schwere Über- schwemmungen. Später begleiteten schwere Ge- witter den Beginn der deutsch-österreichischen Angriffsbewegung. Dann brachten Schiffsmel- dungen von Japan und Hawaii Kunde von teifun- artigen Sturmkatastrophen gegen Anfang November. Mit immer größerer Bestimmtheit konnte ich so eine Sturmwarnung für die Wende des November zum Dezember 1917 wiederholen, zuletzt noch in einem Drahtbericht, den ich am 27. November an eine mit mir verbundene Marinestelle auf Helgoland erstattete: „Weitere westliche Störungen eintreffend, verheißen wiederholtes Auffrischen zu starkem Sturm aus südwestlichem bis westlichem, vielleicht nördlichem Quadranten, bis in die erste Dezemberwoche, unterbrochen von Ab- flauen und Rückdrehen. Krebs." Von den Bestätigungen erwähne ich nur die seltene Beobachtung voller Orkanstärke (12 der 12 teiligen Sturmskala) am Nachmittage des 2. Dezember 1917 auf Helgoland selbst und das furchtbare Schicksal eines britischen Geleitzuges in der Nordsee, von dessen 23 großen Seeschiffen nur 3 einen Hafen erreicht haben sollen. Einzelberichte. Botanik. Interessante Beiträge zur Biologie und Systematik der Pilze geben einige Arbeiten neueren Datums. Nachdem schon Bürge ff ge- zeigt hatte, daß der Schimmelpilz Pliycomyccs nUcns Kunze eine sehr variierende Form darstellt, deren Züchtung eine ganze Anzahl, zum Teil fast reine Linien darstellende Varietäten ergab, zeigten Tom und Currie, wenn auch auf anderem Wege, daß das Gleiche auch für den schwarzköpfigen Schimmel, Aspergillus nigcr Van Tieg. gilt. Diese Gruppe umfaßt mindestens 25 teils als Varietäten, teils als gute Arten beschriebener Formen, von denen aber nur wenige morphologisch so unter- schieden sind, daß sie sich danach systematisch trennen lassen. Die Entdeckung einer Oxalsäure abscheidenden Form von Peiiicillüiin führte die Verfasser zu der Vermutung, daß auch bei der in Frage stehenden Gruppe die Säureabscheidung einen Schluß auf die Verwandtschaft zulasse. Die Untersuchung von 20 zu Aspergillus tiiger im weitesten Sinne gehörenden Formen ergab, daß alle Rassen Säure abschieden und somit offenbar ein Zusammenhang zwischen dieser Fähigkeit und der Dunkelfärbung besteht, daß aber die Menge der erzeugten Säure sehr verschieden ist. Ihre relative Menge schwankt von 153 bis zu 0,39. Diese weite Variation läßt entweder auf eine Gruppe heterogener Abstammung schließen oder aber auf eine Reihe von Rassen, deren Fähigkeit, eine bestimmte Reaktion zu zeigen, sehr verschieden ausgebildet ist. Da die einzelnen Formen aber nur geringe morphologische Unter- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. schiede aufweisen, die besonders bei längerer Kultur auf demselben Nährhoden mehr und mehr verschwinden oder durch Übergänge miteinander verbunden sind, kommen die Verfasser in Über- einstimmung mit Schiemann zu dem Ergebnis, daß der Aspergillus j//'gcr-Kreis eine stark mutie- rende Gruppe darstellt. Äußerst beachtenswert sind ferner die Ver- suche, die J o h. L i n d n e r mit gefrorenen Schimmel- pilzen anstellte. Entgegen allen Erfahrungen über den absoluten Tod der nach dem Gefrieren turges- zenzlosen Zelle hatte Richter beliauptet, daß die Hyphen eines gefrorenen Aspcrgtll/is-Myct\s sich nach dem Gefrieren nur in einem Schwäche- zustand befänden, aus dem sie durch günstige Temperaturen wieder befreit werden könnten. Bei optimaler Temperatur lebt das Mycel nach Richter wieder auf und wächst weiter, so daß danach im gefrorenen Mycel die Grenze zwischen Leben und (physiologischem) Tod aufgehoben erscheint, wenn wir an dem Mangel der Plasmolyse und der Färb- barkeit des Zellinhaltes, wie es allgemein üblich ist, als Kriterien des eingetretenen Todes fest- halten. Wir hätten es dann also „mit der Wieder- belebung eines toten organischen Substrates zu tun". Der Widerspruch, in dem diese eigenartigen, unsere Vorstellungen von den Lebensvorgängen bedeutend erweiternden Folgerungen mit allen bisherigen Ergebnissen stehen, veranlaßte Lindner zu einer erneuten Untersuchung. Zu diesem Zwecke beobachtete er an einigen Schimmel- und anderen Pilzen, hauptsächlich an ^Ispcrgillus nigcr den Verlauf der Desorganisation in den Hyphen nach dem Gefrieren, den Einfluß der Temperatur auf die Desorganisationserscheinungen und den Verlauf der Atmung im Aspagillns-iliyctX vor und nach der Kälteperiode. Nach ihm zeigten die Versuche, daß die Rieht ersehe Deutung der Vorgänge nicht richtig ist. Es ergab sich, daß in submersen wie an der Luft wuchernden My- celien die Zellen bei Kältewirkung unzweifelhaft absterben. Allerdings ist ihre Widerstandsfähigkeit verschieden und an Lufthyphen und älteren My- celien größer. Zuerst sterben die Spitzenzellen ab, während die resistentesten Zellen sich in der basalen Zone befinden. Die Zellen, die sich nach dem Auftauen nicht mehr plasmolysieren lassen, sind entgegen Richters Annahme in jedem Falle tot. Aber auch von den unmittelbar nach der Kältewirkung noch lebenden , .Dauerzellen" sterben selbst bei günstigster Temperatur noch zahlreiche ab, nur wenige bleiben am Leben, bei denen die Schädigung noch nicht zu weit fortgeschritten war. Wird das Mycel als Pilzdecke gezüchtet, so bilden die überlebenden Dauerzellen und Luft- hyphen nach der Kälteperiode sehr schnell über der abgestorbenen Myceldecke eine neue, wodurch sich die schnelle Zunahme der Atmungsgröße nach dem Auftauen, die ja die Hauptstütze von Richters Annahme bildete, ganz zwang- los erklärt. So kommt Lindner zu dem Ergebnis, daß sich keinerlei Vorgänge ab- spielen, die eine Deutung im Sinne Richters verlangen. Otto untersuchte die Frage, ob die Pilze im- stande sind, Zellulose und Zellwände aufzulösen. Die Meinungen der Mykologen standen sich hier noch immer widersprechend gegenüber. Die Ver- suche Miyoshis, bei denen Pilzhyphen sowohl Membranen wie dünne Metallplättchen durch- bohrten, wenn sich darunter nur eine kräftige Nährlösung befand, ließen es als möglich erscheinen, daß auch das von Debary und anderen beobach- tete Eindringen von Pilzparasiten durch unverletzte Häute in ähnlicher Weise rein mechanisch erfolge. Andere Beobachtungen sprachen allerdings dagegen, so daß eine sichere Entscheidung bisher nicht mög- lich war, wenngleich wohl zugegeben werden muß, daß es sich bei vielen der angeblichen Zellulose- zersetzungen nur um eine Auflösung der Mittel- lamelle, also keineswegs echter Zellulose handelt. Otto untersuchte nun eine ganze Anzahl von Pilzen in ihrem Verhalten gegen die verschiedensten Zelluloseformen. Hierzu verwandte er neben natürlichen echten Zellulosen (Bast von Linde und Lein, Blattzellmembranen u. a.) technisch umge- wandelte in Form von Fließpapier, Pergament- papier, Watte und Leinwandfäden (Hydrat , Hydro- und Qxyzellulosen) und andere, auch einige Hemi- zellulosen (aus Dattelkernen und Kaffeebohnen) sowie verkorkte und verholzte Membranen. Die Substrate wurden mit mineralogischer Nährlösung geboten, wobei sie teilweise die einzige Kohlen- stoffquelle bildeten. In Parallelkulturen wurden andere, lösliche Kohlenstoffverbindungen hinzu- gefügt. Leider war es nicht möglich, bakterien- freie Kulturen der wichtigen Holzpilze [Alcndius) zu erhalten, so daß ihr Verhalten nicht untersucht werden konnte. Es wird aber allgemein ange- nommen, daß diese auf faulendem Holz lebenden F"ormen auch ohne Metabiose mit Bakterien Zellulose lösen können. Die eingehenden Versuche Ottos liefern nun den Beweis, daß die beobachteten Humuspilze (Arten von Älacrosporimn, Botrytis, Poiicilliiiin u. a.) entgegen früheren Angaben zweifellos echte Zellulose auflösen können. Sie wachsen auch bei Ausschluß jeder anderen Kohlen- stoffquelle üppig, wobei im Verhältnis der Mycel- zunahme die Zellulose allmählich verringert wird und schließlich unter typischen Korrosionserschei- nungen ganz schwindet. Offenbar scheiden die Pilze hydrolytisch spaltende Enzyme aus (Zellulase). Dagegen war keiner der untersuchten Phycomy- ceten (Mncor, Rliizopiis u. a.) fähig, echte Zellulose aufzulösen, und ebenso verhielten sich normaler- weise einige höhere Pilze (Pyro/tfina). Verkorkte oder kutinisierte Membranen waren in jedem Falle sehr widerstandsfähig; sie bilden also einen sehr wirksamen Schutz gegen das Eindringen von Pilz- hyphen. In schwächerem Maße gilt dies von ver- holzten Membranen. Ihnen wurde ein großer Teil der Inkrusten entzogen; immerhin schützte der überbleibende Teil die Zellulosegrundlage noch vor der Auflösung. So zeigen wie in vielen N. F. XVII. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. anderen Beziehungen auch hinsichthch der Fähig- keit, Zellulose aufzulösen, die Pilze kein einheit- liches Verhaken. Zum Schluß sei auf eine Arbeit Negers hin- gewiesen, die für die Systematik gewisser Filz- formen von einschneidender Bedeutung ist. Neger unterwirft die „Rußtau"pilze einer eingehenden Untersuchung. Es sind dies nach seiner Definition Pilze mit schwarzem Mycel, die auf lebenden Blättern und Zweigen als echte Epiphyten leben und weder mit Haustorien noch Hyphen in das Innere eindringen. Danach ist „Rußtau" lediglich ein ernährungsphysiologischer, nicht aber ein systematischer Begriff, als welcher er bisher meist aufgefaßt wurde. Wie alle dem Vertrocknen leicht ausgesetzten Epiphyten gedeihen die Rußtaupilze am besten in feuchter Nebelluft (Südchile), und auch der bei uns häufigste Weißtannenrußtau, ge- wöhnlich als Iloniiisciinii fiiiiop/iil/iiii Nees (= ./;/- tcnnaria pityuplula Nees) bezeichnet, wie der in Gewächshäusern häufige l'iiiiiagü, sind an feuchte Luft gebunden. Sehr viele Formen besitzen die F"ähigkeit, Schleimhüllen zu bilden. Da diese Fähigkeit bei den verschiedenen Pilzen in sehr ungleichem Maße vorhanden ist, kann man von vornherein annehmen, daß nur solche Arten als Rußtaubildner in Frage kommen, die sie in stär- kerem Grade besitzen. Wir haben hierin offen- bar ein auslesendes, die Zusammensetzung der Rußtaudecke bedingendes Moment vor uns, zu dem noch andere treten. Stets siedeln sich die Pilze auf „Honigtau" an, ohne den ihre epiphy- tische Lebensweise undenkbar wäre. Da dies aber ein Substrat von zeitweilig sehr hoher Konzen- tration darstellt, dürfte auch aus diesem Grunde nur eine gewisse Anzahl osmophiler Pilze in Be- tracht kommen. So ist es verständlich, daß sich auf einem solchen Blatte mehrere Pilze ansiedeln, die alle dicke, schwarze rosenkranzähnliche Mycel- fäden bilden, und so trotz sehr heterogener Zu- sammensetzung einen recht einheitlichen Eindruck machen. Die bisherige rein deskriptive Systematik sah aber meist ohne weiteres alle natürlich auf einem Blatte auftretenden Fruchtformen als zu- einander gehörend an und bezeichnete sie in der Regel einfach als Capiiodiiiiii oder Fitiiiago. Welche Verwirrung hierdurch in die Systematik geraten ist, zeigt Negers Nachweis, was alles als C. salicmniii, C. (jiterciiitini, ApiosporuDii usw. bezeichnet worden ist. Hier ist nach ihm trotz aller Einwände in Ergänzung der rein beschreiben- den Systematik die Benutzung von Reinkulturen unbedingt notwendig. Obwohl Neger seine mühevollen und äußerst schwierigen — viele der in Frage kommenden Pilze entwickeln in der Rein- kultur nur sterile Mycelien oder höchstens Koni- dien — Untersuchungen keineswegs bereits ab- geschlossen hat, konnte er doch bereits nach- weisen, daß an der Bildung des häufig auch Apiosporiuiii piiiopliiliiiii genannten Tannenrußtaus. acht bestimmbare und zahlreiche noch nicht sicher erkannte Pilzarten, daneben auch Hefepilze, Bakterien usw. beteiligt sind. Als Bestandteile der verschiedenen Rußtau formen ergaben sich einmal allverbreitete Schimmelpilze wie Dcmatium pullulaiis, CladüsporiiDii J/frbonnii, Bofrydis cinerea, auch Pcnicüliit)!!, daneben Hefen und Bakterien, dann gewisse, dem zuckerhaltigen Substrat offen- bar stark angepaßte Arten, die immer wieder- kehren, teilweise überhaupt kein Mycel mehr bilden {CoinotIiccmn,Aichiagloincnilosan.3i.) und zum Teil noch nicht genau bestimmt werden konnten, und schließlich zahlreiche andere Pilze, deren durch den Wind verwehte Sporen auf dem Honigtau zu einem in der Regel sterilen Mycel auskeimen. Zahlreiche höhere Pilze und eine sehr große Zahl der „Fungi imperfecti" kommen hier- für in Frage, ohne daß für diese Formen eine Bestimmung möglich erscheint. Daher schlug Neger den umgekehrten Weg ein und prüfte, ob weitverbreitete Pilze in dem Honigtau ent- sprechenden Zuckerlösungen an Rußtau erinnernde Wuchsformen aufweisen. Es ergab sich nun, daß dies für zahlreiche auf faulenden Pflanzenteilen saprophytisch lebende Pilze in der Tat zutrifft (Bulgaria polyiiiorplta, Xylaria liypoxylon u. a.). In dem zweiten, speziellen Teil der Arbeit gibt Neger eine genaue Beschreibung der von ihm rein gezüchteten Arten. Interessant ist, daß Fuiiiago z'agai/s Pers., ein Gewächshauspilz, mit keinem der zahlreichen auf Bäumen und Sträuchern gefundenen Rußtaupilze identisch ist, wie fälsch- licherweise immer wieder angenommen wird. Es ist eine domestizierte Form, ein Gegenstück zum echten Hausschwamm {Alcnilücs lacryinans), und wohl mit Pflanzen wärmerer Gegenden ein- geschleppt worden, wie ähnliche in den Tropen beobachtete Formen vermuten lassen. Alle typischen Rußtaupilze lassen sich nach Neger in drei Gruppen teilen. Er unterscheidet Pilze mit weithin wachsendem Mycel, solche mit stets kurz- gliederigen Hyphen und solche ohne jedes Mycel. Diese bilden Zellklumpen mit hefeartiger Sprossung und sind so dem Leben in zuckerreichen Flüssig- keiten am vollkommensten angepaßt. Vielleicht sind es Abkömmlinge der Saccharomycetaceen. Auch die mittlere Gruppe mit ihrem gedrungenen polsterartigen Wuchs stellt einen herangezüchteten Anpassungszustand dar. Hans Burgcff, Untersuchungen über Variabilität, Sexualität und Erblichkeit bei Phycomyces nitens Kunze. Klora N. F. 7 u. 8, 1915. Charles Tom und James Currie, An oxalid-acid producing Penicillium. Journ. Blol. Cbera. 22, 1915, 287 — 293. Dieselben, Aspergillus niger Group. Journ. agricult. research 7, i, 1916, I — 15. Johannes Lindner, Über den Einfluß günstiger Tem- [leraturen auf gefrorene Schimmelpilze. Jahrb. wissensch. Botanik 55, 1915, I 52. Hermann Otto, Untersuchungen über die Auflösung von Zellulosen und Zellwänden durch Pilze. Berlin 1916. F. W. Neger, Experimentelle Untersuchungen über Rußtaupilze. Flora N. F. lo, 1917, 67^139. Kr. Obwohl die Panaschüre eine im ganzen Pflanzen- reiche weit verbreitete (abnorme) Erscheinung ist, Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. sind ihre Ursachen in den meisten Fällen noch unbe- kannt. Panaschierte Gewächse entstehen plötzlich als Varietäten und können durch Stecklinge, häufig auch durch Samen fortgepflanzt werden. Zahlreiche solcher Formen werden bei uns, namentlich aber in Japan und China gärtnerisch gezüchtet. Nach Molisch (Die Verwertung des Abnormen und Pathologischen in der Pflanzenkultur. Schrift. Ver. Verbr. naturwiss. Kennt. Wien, 56, 191 6, 319) können wir zwei Formen der Panaschüre unter- scheiden. Bei manchen Malvaceen wie Ahntihm Thoiiipsoitii\s\. sie nicht samenbeständig und kann durch Pfropfung auf rein grüne,'' gesunde Pflanzen übertragen werden. E. Bau r hat jüngst auch bei Cyiisus Labiiniiiiiu Sorbiis, Fra.xi/u/s, Ligiisfn/m u. a. diese infektionöse Panaschüre nachgewiesen. In weitaus den meisten Fällen ist sie aber nicht infektionös und dann häufig durch die Samen vererblich; so ist sie von vielen Gräsern, Selagmclla,Ptiar!^oiiiiii/i,Ti-irdcscaitfiau.a.htkann\.. Heinricher beobachtete nun eine panaschierte Abart von Tradcscantia Fliimiucnsis Vell. In ungünstige Lichtverhältnisse gebracht, verringern die Pflanzen ihr Wachstum bald, die Panaschierung schwindet mehr und mehr und fehlt den später gebildeten Blättern schließlich ganz. IVIan ist zu- nächst geneigt, dieseBeschränkungaufdie Erzeugung chlorophyllhaltigen Gewebes, das ja allein für die Ernährung von Bedeutung ist, als eine zweck- mäßige Selbstregulierung anzusehen; nähere Be- trachtung zeigt aber, daß sie, wenngleich für die Erhaltung der Art gewiß günstig, doch als zwangs- weise eintretende Folge der Verhältnisse zu deuten ist. Wurden panaschierte Stecklinge im Dunkeln kultiviert, so ging die Panaschüre zurück, um wieder stärker aufzutreten, wenn die Pflanzen nach einiger Zeit erneut in günstiges Licht kamen. Blieben sie aber so lange im Dunkeln, bis die jüngsten Blätter vollständig grün waren, so trat auch unter normalen Verhältnissen keine Pana- schierung mehr ein, die neuen Zuwüchse waren gewissermaßen nur Rückschläge zur gewöhnlichen T. Fliunincnsis. Bei dem Versuch, dies ver- schiedene Verhalten zu erklären, ist zu berück- sichtigen, daß die chlorotischen Zellen nicht assi- milieren können, sondern von den Assimilaten zehren, die durch das grüne Gewebe erzeugt werden. So erscheint die Ausbildung panaschierter Blätter als eine Kraftverschwendung, die nur unter günstigen Lichtverhältnissen möglich ist, bei einer Abnahme der Lichtintensität dagegen herabgesetzt wird. Schon die embryonale Blattanlage enthält einen Anteil farbloser Zellen. Unter günstigen Bedingungen können auch sie sich im gleichen Maße wie die grünen Zellen vermehren; anders, wenn die Beleuchtung schlechter wird und sich der Überschuß an Assimilaten des grünen Ge- webes verringert. Dann werden die weißen Streifen zunächst enger, und auch in den Blattan- lagen und Vegetationspunkten vermindert sich der Anteil an chlorophyllosem Gewebe, um schließlich ganz ausgemerzt zu werden. Ist dies noch nicht der Fall, so erhält man bei Wieder- herstellung günstiger Belichtung wiederum pana- schierte Blätter, im anderen Fall dagegen einen Rückschlag zur grünen Form. So erscheint das Ergrünen als ein sich mit Notwendigkeit abspielender Prozeß; es beruht aber nicht etwa, wie dies Figdor bei erhöhter Tem- peratur an Finikia uiidiilafa (v^x .i'iftata) beobachten konnte, in einer Umwandlung der in den weißen Zellen schon vorhandenen Leukoplasten. Im Gegenteil scheint die Temperatur auf Tradcscaiifia vielleicht gerade umgekehrt zu wirken, wenigstens zeigen in kühlen Räumen kultivierte Stücke einen Rück- gang der Panaschierung. Es bleibt abzuwarten, ob auch andere Pflanzen sich wie die beschriebene Tradcscaiifia verhalten; eine Untersuchung wäre besonders für die von B a u r als Periklinalchimäre angesehenen weiß geränderten Pelargonien wün- schenswert (E. Heinricher, Rückgang der Panaschierung und ihr völliges Erlöschen usw. Flora 109, 19 16, 40). Daß die Ursachen der Pana- schierung vielleicht sehr verschieden sein können, lehrt eine Beobachtung Gassners (O. Gassner, Über einen Fall von Weißblättrigkeit durch Kälte- wirkung. Ben deutsche bot. Ges. 33, 478—486). Im Dunkeln bei i bis 2 " zum Keimen gebrachte Samen des im La Platagebiet kultivierten Uru- guayhafers besaßen rein weiße Keimblätter und hatten die Fähigkeit zu ergrünen teilweise und vorübergehend oder ganz und dauernd ver- loren. Im ersten Fall entstehen lange Zeit hin- durch typisch weiß-grün gebänderte Blätter. Ähn- lich verhalten sich nach Zimmermann auch Roggen und Weizen. Für die Gräser scheint also die Regel zu gelten, daß niedere, dicht an der unteren Wachstumsgrenze gelegene Temperaturen die Fähigkeit des Ergrünens" vorübergehend oder dauernd vernichten. Kr. Physik. Die intensive Tätigkeit einer großen Zahl von Forschern der ganzen Welt hat es dahin gebracht, daß die Probleme der drahtlosen Tele- graphie in verhältnismäßig kurzer Zeit gelöst worden sind, so daß man heute berechtigt ist zu sagen, daß die drahtlosen Stationen mit derselben Sicherheit und Zuverlässigkeit arbeiten wie irgend welche anderen technischen Einrichtungen. Wenn auch noch zahlreiche Probleme zu lösen sind, so ist man im allgemeinen aller derjenigen F"ragen, welche die Erzeugung, das Aussenden und das Auf- fangen der elektrischen Wellen betreffen, theoretisch und praktisch Herr geworden. Anders steht es mit den Vorgängen im Medium zwischen Gebe- und Sendestation. Hier ist noch recht viel unaufgeklärt. Eine Frage von großer Wichtigkeit ist die, wie es möglich ist, daß die Wellen sich um die gekrümmte Erd- kugel herumbewegen. In den beiden letzten Heftendes Jahrbuches für drahtlose Tele- graphie (XII, 1917) findet sich eine Reihe von Arbeiten und Berichten, die sich mit diesem N. F. XVn. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 13 Problem beschäftigen; aus ihnen soll im folgen- den einiges mitgeteilt werden. Die elektromagnetischen Wellen, deren sich die drahtlose Telegraphie zur Übermittelung ihrer Zeichen bedient, sind nach den bekannten grund- legenden Versuchen von Heinrich Hertz in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem Licht qualitativ gleich ; sie unterscheiden sich von ihm durch die viel größere Wellenlänge — für das Licht rund 0,0005 inm, für die in der Praxis verwandten elektrischen Wellen 0,5 — 6 km — . Nun breitet sich das Licht ja geradlinig aus, die Lichtstrahlen sind gerade Linien, so daß hinter undurchsichtige Körper kein Licht gelangen kann. Anfangs war man der Meinung, daß auch die elektrischen Wellen nur solche Orte erreichen könnten, die von der Spitze der Antenne aus ge- sehen werden konnten. Man suchte demgemäß die Reichweite einer Station dadurch zu steigern, daß man die Antenne erhöhte. Man übertrug also die Erscheinungen der geometrischen Optik ohne weiteres auf die elektrischen Wellen. Nun ist ja bekannt, daß die geradlinige Ausbreitung des Lichtes nur für die grobe Beobachtung besteht; in Wirklichkeit dringt in jeden Schatten Licht ein, indem an der Begrenzung des Schatten werfenden Körpers Beugung stattfindet, die um so be- trächtlicher ist, je länger die Lichtwellen sind (Rot wird stärker gebeugt als Blau). Bei den langwelligen Schallwellen ist die Beugung so be- trächtlich, daß wir von einem „Schallschatten" nichts bemerken und daß wir daher kaum geneigt sind, von einer geradlinigen Ausbreitung des Schalles und von Schallstrahlen zu sprechen. Bei den elektrischen, deren Wellenlänge groß ist gegenüber derjenigen der Schallwellen, muß natür- lich die Beugung noch viel beträchtlicher sein. Die Frage, um die es sich handelt, ist nun die folgende: Ist die Beugung der elekt r ischen Wellen so beträchtlich, daß durch sie ein Herumbiegen der Wellen um ein Achtel bis ein Viertel des Erdumfangs stattfinden kann, ferner stimmt die durch Messung ermittelte Intensität der ankommenden Welle mit der unter Berücksichtigung der Beugung verrech- neten überein? Daß die Beugung bei der Ausbreitung der Wellen eine beträchtliche Rolle spielt, geht schon daraus hervor, daß die Reichweite einer mit langen Wellen arbeitenden Station größer ist als einer mit kurzen. Theoretisch ist die Frage u. a. von A. Sommerfeld,') vonH. W. March und von W. V. Rybczinski bearbeitet worden. Es wird das Feld der strahlenden Antenne unter der Vor- aussetzung, daß die Erde leitend, also mit See- wasser bedeckt ist, untersucht und zwar wird dabei die Beugung der Raumwellen, die Fort- i) Jahrb. d. drahtlos. Tel. XU (191 7) 2: A. Sommer- feld, Überwindung der Erdkrümmung durch die Wellen der drahtlosen Telegraphie. leitung der Oberflächenwellen (das sind solche, die sich nach Art der Lee her 'sehen Wellen längs der leitenden Erdoberfläche fortpflanzen), die Dämpfung durch Energieverluste in der Erde und durch Ausstrahlung in den Raum berücksich- tigt. Es ergibt sich, daß die Amplitude mit der ersten Potenz der Entfernung abnimmt; ferner kommt in der Formel für die Amplitude ein „Zerstreuungsfaktor" vor, der experimentell mit der Entfernung Sender-Empfänger wächst und für längere Wellen kleiner wird. Für eine Ent- fernung von 5000 km ('/s Erdumfang) würde dem- nach die Amplitude auf '/iso sinken bei einer Wellenlänge von 5000 m. Die Messungen, die zur experimentellen Prüfung der Formel dienen könnten, sind leider recht spärlich, und solange der Krieg dauert, ist wenig Aussicht vorhanden, weiteres ßeobachtungsmaterial zu gewinnen. Immer- hin hat vor einigen Jahren L.W, Austin (1911) Versuche ausgeführt, bei denen die Intensität der ankommenden Wellen für verschiedene Entfer- nungen und Wellenlängen in vergleichbarer Weise gemessen wurden. Das Ergebnis der bei Tage angestellten Versuche stimmt recht gut mit dem theoretischen Wert überein, während die Nacht- versuche zu große Werte ergeben (s. u.). Som- merfeld kommt in seinem Bericht zu dem Resultat, daß sich die Tagesreichweiten durch die reine elektromagnetische Theorie erklären lassen. Poincare und Nicholson, die dasselbe Problem untersucht haben, sind anderer Meinung: nach ihnen reicht die Beugung nicht aus, um das Herumbiegen der Wellen um die Erde zu erklären. Diese und andere Forscher ziehen daher andere, mehr meteorologische Erscheinungen zurErklärung heran ; sie machen die Konstitution unserer Atmosphäre für das Verhalten der elektrischen Wellen verantwortlich. Nach Dewar (1902) be- steht diese aus zwei wesentlich verschiedenen Teilen: der untere ist die Tr oposp häre; in ihr findet durch horizontale und vertikale Bewegung der Luft eine dauernde Mischung der Gase statt, so daß sie eine konstante Zusammensetzung zeigt. Sie reicht in unseren Breiten bis zu einer Höhe von etwa 11 km, in den Tropen bis 14, in den Polargegenden bis 8 km. In ihr spielen sich die Wettererscheinungen ab und findet die Wolken- bildung statt. Die Temperatur nimmt meistens ziemlich regelmäßig von unten nach oben ab. Darüber lagert die Stratosphäre, in der nur horizontale Luftbewegungen erfolgen. Ihre Zusammensetzung ist wesentlich anders, der Ge- halt an Sauerstoff und Stickstoff ist gering; sie besteht aller Wahrscheinlichkeit nach in ihren höheren Schichten vorwiegend aus Wasserstoff und etwas Helium und zwar sind die Gase nicht durcheinander gemischt, sondern nach ihrer Dichte gelagert, also der leichtere Wasserstoff findet sich in den allerhöchsten Schichten. Die Temperatur nimmt man als ziemlich gleich zu etwa 60" unter Null an. In der Stratosphäre findet sich nun 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. I nach Heaviside (1902) in etwa 80 km über dem Erdboden eine leitende Schicht, die Heaviside-Schicht. ^) Die elektrischen Wellen bewegen sich danach in einer schmalen Schale („Flüstergallerie") von etwa dem 20 fachen ihrer Wellenlänge zwischen zwei leitenden Flächen, der Erdoberfläche einerseits und der unteren Begren- zung der i^eaviside-Schicht andererseits. Da ja Leiter für elektromagnetische Wellen undurch- lässig sind, werden dieselben an den beiden be- grenzenden Schichten reflektiert und es ist klar, daß dadurch erstens die Erdkrümmung über- wunden wird und zweitens die Energie der Welle viel mehr zusammengehalten wird, da sie sich ja nicht in den Raum hinaus, sondern nur nach zwei Dimensionen ausbreitet. Fleming'-) erklärt die Entstehung der Heaviside-Schicht auf folgende Weise: Man hat Gründe zur Annahme, daß die Photosphäre der Sonne hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht. Sie ist also vergleichbar einem riesigen Kohlen- block, der bei einer Temperatur von etwa 6000'' außer Licht und Wärme, negative Elektri- zität, Elektronen, aussendet. Auf ihrem Wege durch die Chromosphäre nehmen diese chemische Atome auf und bilden negative Ionen. Diese werden durch den Lichtdruck der Sonnenstrahlen von der Sonne fort in den Weltraum hinaus ge- trieben. Ein Teil von ihnen gelangt zur Erde und bildet in den oberen Schichten der Atmo- sphäre die leitende Schicht. Setzt man die Dichte der Ionen gleich i und nimmt sie als kugelförmig an, setzt man ferner voraus, daß sie mit einer Geschwindigkeit von 200 km pro Sek. die Sonne verlassen, dann berechnet sich die Zeit, die sie zur Zurücklegung des Weges Sonne — Erde gebrauchen, bei einem Durchmesser von 160, 500, looo fif-i (l W<=.Viooonoo mm)zu25h 17-- bzw. 55 b 33min, 112h 17mm. g,g kommen mit einer Geschwindigkeit von 1900 bzw. 1000, 555 km pro Sek. an. Die durch ein Kilogramm des Staubes transportierte Energiemenge ist wegen der hohen Geschwindig- keit ganz außerordentlich groß; sie beträgt für den feinsten Staub 700 000 Pferdekraftstunden, ein Energiequantum, das ausreichend ist, um einen großen Panzerkreuzer 24 Stunden lang in Fahrt zu halten. Daß diese Energie zur Ionisation der oberen Schichten der Atmosphäre verwendet wird, ist nicht unwahrscheinlich. Neben dem Sonnen- staub kommt als Ursache der Ionisation noch die lichtelektrische Wirkung des Sonnenlichtes in Be- tracht. Wenn das Spektrum des bis zur Erdober- fläche herunterdringenden Sonnenlichtes auch bei einer Wellenlänge von 295 ; gibt auch ,.Eiweißpräzipitine" und die habe ich im Sinne. Mit ihnen hat es folgende Bewandtnis. Spritzt man einem Kanmchen artfremdes Blut ein, z. B. Pferdeblut und bringt man dann Serum von diesem Kaninchenblut mit Pferdehint znsam- inen. so entsteht ein Niederschlag, ein Präzipitat. Kein Niederschlag entsteht, wenn Blut eines nicht vorbehandelten Kaninchens mit Pferdeblut vereinigt wird. Durch dieVnrbeh'indlung des Kaninchens (durch Einspriizen des Pferdeblutes) entsteht im Kaninchen- blut al>o ein neuer Körper, eben das Präzipitin, der die Eigenschaft, die F"ähigkeit hat, einen Niederschlag, ein Präzipitat zu bilden. Diese Erscheinung hat sich die gerichtsärztliche Untersuchung zunnize gemacht. Wenn es sich darum handelt, menschliches Eiweiß z. B. Blut zu erkennen, so wird das zu untersuchende Objekt in Kochsalz aufgelöst und mit Serum eines mit Menschenbiut vorbehandelten Kaninchens zusam- mengebracht; entsieht ein Niederschlag, so ist er- wiesen, daß das Objekt Menschenblut war. Bleibt der Niederschlag aus, so war das Blut Tierblut, vorausgesetzt, daß ein mit Menschenblut ausgeführter Kontrollversuch einen Niederschlag ergibt. Eine andere praktische Anwendung findet die Präzipiiinreaktion bei der Untersuchung der im Lebensmiltelhandel vorkommenden Fleischsorten. Will man etwa eine Wurst auf Beimengungen von Pferdefleisch untersuchen, so bringt man Serum von Pferdeblut-vorbehandelten (bespritzten) Kanin- chen mit jener Wurstfleischlösung zusammen; ein Niederschlag beweist Pferdefleisch in der Wurst. Dasselbe gilt natüllich ebenso für Hunde-, Katzen- usw. Fleisch. Gerade bei dem jetzigen Hochvertrieb Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 2 von Dauerfleisch ist diese immer zuverlässige Unter- suchungsart von hohem Wert. In diesem Zusammenhange darf die biologisch hochwichtige Entdeckung, die Uhlenhuth ge- macht hat, nicht unerwähnt bleiben : Kaninchen- serum eines mit Menschenblut gespritzten Kanin- chens gibt einen Niederschlag, wenn es mit Menschenblut zusammengebracht wird ; es gibt auch einen Niederschlag, wenn man es mit Blut von anthropoiden Affen (Orang, Gorilla, Schimpanse und Gibbon) vereinigt; nicht aber mit dem Blut anderer Affen oder anderer Säugetiere. Damit hat Uhlenhuth die nahe Verwandt- schaftsbeziehung der (stammesgeschichtlich) hoch- stehenden Säugetiere mit dem höchstent- wickelten nachgewiesen. ( g7c. ) [Nachdruck verboten.] Zum Problem der Wünschelrute. Von Major z. D. Dr. W. Kranz. Zu diesem Thema hatte bereits der Heidelberger Geologe Prof. W. S a 1 o m o n erklärt, daß es bei sonst einwandfreien Ausschlägen der Rute nicht diese selbst ist, die den Ausschlag gibt, sondern das Nervensystem des Rutengängers, das reagiert, und die von diesen Nerven regierte Muskulatur, die das Instrument zum .Ausschlag bringt. Er gibt aber die Möglichkeit zu, daß hierbei eine physikalische Einwirkung von unterirdiscli ver- borgenem Wasser oder festen Substanzen, durch Strahlungen, Emanationen, elektrische, magnetische oder noch unbekannte Vorgänge auf das Nerven- system des Rutengängers stattfindet. „Ob das möglich ist oder nicht, ist keine geologische, sondern eine physiologische Frage". Diesen Ge- danken vertiefte jetzt der Wiener Hygieniker Prof. R. Graßbergerin 2 Vorträgen über die Wünschel- rute ') mit dem Rüstzeug der physiologischen Psychologie und bahnte damit eine wissenschaft- liche Erklärung des Problems an. Er schilderte zunächst sein erstes Zusammentreffen mit einem Wünschelrutengänger, der merkwürdigerweise gleichzeitig Geologe war. Obwohl nach allen bis- her bekannten geologischen Tatsachen an der betreffenden Stelle ein breiterer Grundwasserstrom zu vermuten war, hatte dieser Rutengänger „auf Grund einiger orientierender Versuche mit der Wünschelrute" die Ansicht, daß mehrere selb- ständige Wasseradern vorlägen. Entsprechend dieser vorgefaßten Meinung zeigte seine Rute solche Adern und ihre Tiefen an, auf einem Punkt zufällig richtig, an den meisten andern falsch, wie nachher ausgeführte Bohrungen ergaben. Diese zeigten ferner, daß auch die vorgefaßte Ansicht des Rutengängers falsch war und ein zusammen- hängender Grundwasserstrom vorlag, daß der Geologe also ungerechtfertigterweise der Rute mehr Vertrauen geschenkt hatte, als seiner Wissenschaft. Graßberger war aber vor Aus- führung der Bohrungen durch den einen zufälligen Treffer, von dessen Richtigkeit sich die Anwesen- den in einem naheliegenden Brunnenrohr über- zeugen konnten, zunächst so stark beeinflußt ge- wesen, daß die Rute auch in seiner Hand an einer der genannten Stellen das gleiche anzeigte, selbst bei verbundenen Augen, letzteres nach seiner Er- klärung durch unbewußte Beeinflussung seines Führers. Weiter schilderte der Wiener Arzt ein Ausschlagen der Rute in seiner Hand auf einer Straßenseite, wo er dann einen Hydranten und Spuren frischer Aufgrabungen offenbar über einem Rohrgraben bemerkte. Daß sie schon vorher in sein Blickfeld gelangt waren, genügte zur Sug- gestion der Wasserader und dadurch zum Aus- schlagen der Rute. Bei Laboratoriumsversuchen des Wiener Psychologen verteilten sich die Treffer und Nieten wie bei Zufallsspielen nach der Wahr- scheinlichkeitsrechnung. Graßberger gelanges nun, die Rute nach seinem Willen auf bestimmte Gegenstände in vorher be- stimmter Weise reagieren zu lassen, obwohl er bei den Ausschlägen überzeugend das Gefühl hatte, daß seine Hand gewaltsam von der Rute verdreht wurde, auch wenn er die Bewegungs- richtung und den Sinn der Ausschläge plötzlich willkürlich änderte. Nach Ausschaltung von Be- wegungen seiner Schultern, Ellbogen und Hand- gelenke gelang Graßberger schließlich die Drehung der Wünschelrute mit nicht sichtbaren Bewegungen seiner Hände und der Nachweis, daß dabei ganz un- scheinbare Fingerbewegungen, Beuge- bewegungen entscheidend mitwirken, daß triebartige, ursprünglich unbe- wußte Greifbewegungen die Ausschläge hervorriefen. Das widerlegt die Ansicht E. Hennig's,^) der menschliche Körper erzeuge nicht bewuiSt oder unbewußt, willkürlich oder unwill- kürlich mittels der Muskeln eine Eigenwir- kung beimRutengehen, sondern leitenur. DerRuten- gänger kann vielmehr bei einiger Übung die sicht- baren Fingerbewegungen ausschalten; sein Instru- ment arbeitet dann, unter Umständen ohne daß er selbst sich dessen bewußt ist, durch kleine Be- wegungen der Fingerbeuger so, als ob die Rute selbst ihre Ausschläge hervorrufe, unter Umständen bis zum Durchbrechen des Holzes neben der Hand, ') I. Die Wünschelrute; II. Suggestion und Hypnose. Wien 1917, ') Untersuchungen n: Wochcnschr. 1917, S. 537. Wünschelrute. N. F. XVII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 23 wie es H e n n i g schildert. ') Dabei ist aber, was schon Paracelsus vor 400 Jahren sagte, der Glaube die bewegende Kraft der Rute. Nament- lich der falsche Glaube vieler Wünschelrutenleute, die schmale lebhafte Wasseradern annehmen, wo tatsächlich breite träge Grundwasserströme vor- liegen, entspricht nach Graßberger „einer Wunschvorstellung, da so die Treffer überaus ver- mehrt werden. Der gläubige Laie macht den Irrtum mit. Die Aufklärung bleibt natürlich dort, wo etwa nur an den Stellen, die der Rutengänger angibt, und nicht wie in unserem Versuch auch an ausschlagfreien Stellen gebohrt wird, aus". Durch solche Bohrungen an ausschlagfreien Stellen hat ja auch v. Linst ow^) die Unhaltbarkeit der Vorstellung von Wasseradern in einem typischen Fall nachgewiesen, wo die Wünschelrute solche Adern erkannt haben wollte; diesen Linien „irgend, eine physikalische Bedeutung" zuzusprechen ''j, geht gerade in diesem völlig mißglückten Falle ent- schieden zu weit, die „Linien" existierten überhaupt gar nicht, wie aus v. Linstow's Darstellung und auch nach meiner Kenntnis der geologischen Ver- hältnisse dort klar hervorgeht, jedenfalls waren es keine „Wasseradern", sondern zum mindesten als solche eine Einbildung des Wünschelmanns. Andererseits beruhen Rutenerfolge wohl vielfach auf reicher Ertahrung, scharfer Beobachtungsgabe und „guter Gefühlstonung" in Verbindung mit Suggestion (vgl. Graßberger). Es ist daher sicher nicht richtig, daß der menschliche Körper dabei lediglich das Medium darstellt, das die Über- tragung von Wirkungen auf die Rute vermittelt.*) Graßberger hält es zwar „für unwis.sen- schafilich und daher für ungerecht, wenn man bei der Erklärung der Wünschelrutenerscheinungen leichtsinnig mit dem Wort Schwindel herumwirft", gibt aber zu, „daß die vielen Empfindungstäuschungen, die hier eine Rolle spielen, auch einmal einem Geriebenen Gelegenheit geben, sein Piofitchen zu machen". Wenn es allerdings so leicht ist, durch Übung wie etwa beim Üben eines iVlusikinstru- ments sichtbare Muskelbewegungen auszuschal- ten und die Rute anscheinend von selbst aus- schlagen zu lassen, dann ist „dem Schwindel, der bewußten Täuschung Tür und Tor geöffnet", um so mehr, als das Wünschelrutengehen meist auch ein sehr einträgliches Gc'^chäft darstellt und vom großen Publikum derart bevorzugt wird, daß z. B. manche Brunnenmacher schon der Konkurrenz wegen mittun müssen. „Man vergesse auch nicht, daß zwischen vollbewußtem Schwindel und rein suggestiven Vorgängen Übergänge vorkommen" (Graßberger). Salomon machte bereits darauf aufmerksam, daß die Rute nicht allein auf Wasser, sondern auch auf Gesteinswechsel, auf Gold, Kohle, Petro- leum, Salz usw. reagieren soll. Graßberger erwähnt Versuche auf Erze, Kohle, Wasser, die gänzlich mißlangen. N^ch Hennig-) könnte man damit auch Blindgänger, Findlingsblöcke, Dichtigkeitsunterschiede, größeren oder geringeren Gr>ldgehalt von Schmuckstücken, am menschlichen Körper Stellen anormaler Beschaffenheit feststellen, überhaupt Dinge, die nach seinen eigenen Worten „ans Fabelhafte grenzen" und eine „wundersame Erscheinung" darstellen. Er hat aber doch das Empfinden, daß damit ,,ein Kurpfuschertum ent- wickelt und Nutzbringendes zum Verderben ge- staltet" werden kann. Graßberger schildert einen entsprechenden Fall, wo ein Wünschelmann beim Kopf und Unterleib einer Dame Emanationen von zwei Köpfen feststellte: Die Dame war näm- lich in den ersten Monaten der Schwangerschaft, und der Wiener Arzt vermutet, daß eine bereits vorhandene leichte Vorwölbung rutenausschlag- bestimmende Lokalzeichen über dem Kopf des Embryos lieferte. Da ferner die Rute mit den verschiedensten Stoffen und Formen hergestellt wird, ohne auch nur einigermaßen Gewähr für sicheres Anzeigen zu geben, da es Leute gibt, „die schließlich auch ganz ohne Rute arbeiten", und da man ja gar nicht weiß, was der Wünschel- mann eigentlich anzeigt, und ob er nicht, wie es Graßberger gelang, sein Nervensystem auf bestimmte Gegenstände reagieren lassen will, oder glaubt, daß dies der Fall sei, so scheint mir nach dem jetzigen Stand der For- schung die Verwendung der Wünschel- rute namentlich vom Standpunkte des Geologen doch im ganzen recht wert- los, selbst wenn der Geologe mitwirkt und nachprüft. ') Er eerät dabei vom Pfade der vor- aussetzungslosen Wissenschaft auf das Gebiet der vorgefaßten Meinung, des Glaubens und Dogmas, wie wir sahen, und verschwendet kostbare Zeit im Kampf gegen unhaltbare Vorstellungen, z. B. gegen den vielfach falschen Glauben an Wasser- adern, die irrige Anschauung von meist gar nicht vorhandenen Trübungen im Grundwasser, die einen Ausschlag der Rute verhindern sollen, oder die abenteuerlichen Ansichten übergroße Geschwindig- keit von tatsächlich trägen Grundwasserströ- mungen. Ich habe deshalb in dem von Hoehne und Wagner geschilderten Fall '-) meine persön- liche Beteiligung an Wünschelruten versuchen seiner- zeit ausdrücklich verweigert, ihre Nachprüfung aber ') Zum Problem der Wünschelrute. Naturw. Wochenschr 1917, S. 252. '-) Ergebnisse von Grundwasserfeststellungen mittels dei Wünschelrute bei der Försterei Trassenmoor. Naturw Wochenschr. 1916, S. 161 — 164. ') Hennig a. a. O. 1917, S. 537. *) Hennig, a. a. O. 1917, S. 537. ') A. a. O. 1917, S. 539. 2) Vgl. u. a. E. Hoehne und W. Wagner, Ein Bei- lrag zur Frage der Wünschelrute aus der Umgebung Strasburgs. Naturw. Wochenschr. 1916,8. 672—675. — L. van Werveke, Geologie und Wünschelrute. Das Wasser, Leipzig I9l7i Nr. 5—7. — Diese Ansicht bestätigen m. E. auch die von E. Hennig a. a. O. geschilderten Tatsachen, abgesehen von deren Deutung. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 2 veranlaßt; sie ergab einen vollen Mißerfolg des Rutengängers. Einen Nutzen hat jedoch die Be- geisterung eines kritiklosen Publikums und manches Irregeleiteten für die Wünschelrute gebracht: Sie „erweitert den Umfang kostspieliger experimen- teller Bohrungen, sie nützt durch die reichen Auf- schlüsse indirekt auch der exakten Wissenschaft, die nicht immer auf so schrankenlose Freigebigkeit stößt." (GTc) Einzelberichte. Botanik. Daß es neben den Fels bewohnenden Flechten auch Atgenarten gibt, die imstande sind, die kalkige Unterlage aufzulösen, ist bereits mehr- fach beobachtet worden. So beschreibt Nadso n solche Formen von der Küste von Helgoland und anderen Orten. Dabei handelt es sich um Arten, die dauernd unter Wasser leben oder wenigstens von Spritzwasser erreicht werden. Ganz anders verhalten sich die von E. Bachmann beschrie- benen kalklösenden Algen (Ber. deutsche bot. Ges. 33, 45 — 57,1. Auf den oberdevonischen Kalken von Plauen fand er kleine punktförmige Ansiedelungen einer in die Nähe der Sektion XatifJwcapsa Nägeli der Gattung Gloeucapsa Kützing gehörenden Chroococcacee. Einzellig, zu vier oder acht oder in unregelmäßig gestalteten Paketen bildet sie bei Feuchtigkeit kegelförmige Algenkörper, die sich in den Kalk einbohren und daher in kleinen Grübchen sitzen. Der über ihnen gebildete Raum ist zweimal größer als der Inhalt der .Algenmasse, wodurch sie sich von den mehr in die Breite wachsenden Kalkflechten unter- scheiden. Der Hohlkegel, besonders der obere freie Raum kann nur durch chemische Einwirkung infolge Abscheidung einer Säure oder eines sauren Salzes entstehen. Nadso ns Annahme, daß Kaliumoxalat ausgeschieden wird und sich mit dem Substrat zu Kalziumoxalat umsetzt, wird durch die Beobachtungen Bachmanns nicht bestätigt. Dieser nimmt vielmehr an, daß die Algen eine organische Säure abscheiden, die mit dem Kalzium ein lösliches Salz bildet. Hierdurch wird der Kalk aufgelöst und die dabei freiwerdende Kohlensäure wirkt in gleichem Sinne. Diese beiden Lösungsmittel erklären die Entstehung von Hohlräumen, die sich eng an die Form des Algenthallus anschließen, und ihre allmähliche Erweiterung vollständig. So versinken die Algen allmählich im Kalk. Die biologische Bedeutung dieses Vorganges sieht Bachmann darin, daß die kahle, sonnige Felswände bewohnenden Algen viel länger mit Wasser versorgt bleiben, als wenn sie nur oberflächlich anhaften würden. Noch klarer tritt diese Bedeutung bei einigen in der Aareklamm und der Am dn er Tobelschlucht in der Schweiz beobachteten Kalkalgen zutage. Neben Arten von Oiroucocciis, Glococapsa und (seltener) Aphanothece finden sich hier auch Faden- algen wie Scyfoiiema, Pciifalo/ienia und andere. Bis zu einer Tiefe von 1,5 mm zerlegen sie den Kalk durch zahlreiche Klüfte in wulstige Gebilde, so daß er fast schwammartig durchlöchert er- scheint. Auch hier ist der Raum der so ent- stehenden Poren bedeutend größer als der Ge- samtinhalt der darin lebenden Algen. Da alle diese Algen in von ihnen selbst gebildeten Höh- lungen leben, bezeichnet sie Bach mann im Gegensatz zu den an Felsspalten klebenden Fels- haftern treffend als kalklösende Felsin- wohner. Später berichtet derselbe Autor über einen kalklösenden Pilz (Ber. deutsche bot. Ges. 34, (581 — 591). Auf dem Solnhofer Schiefer fand er braune Lager von 3 — 4 mm Durchmesser, die aus Hyphen bestehen. Daß es sich nicht um Flechten handelt, lehrt das völlige Fehlen von Gonidien; es ist ein Pilz, der als Pharcidia liehe- niiiii (Arn.) bestimmt wurde. Er lebt als selb- ständiger Saprophyt auf dem Plattenkalk und ist imstande, in ihn bis zu geringer Tiefe einzudringen, wobei die Hyphen wallartige Ränder um sich stehen lassen. Im Gegensatz zu den Algen wird die kalklösende Säure offenbar nur in sehr ge- ringen IMengen abgesondert, so daß ein tieferes Einsinken unmöglich ist. Wir haben demnach einen Felshafter, einen kalklösenden Felsan- wohner, vor uns. Unklar ist es, wie sich der Pilz, der gewöhnlich als Schmarotzer auf verschie- denen Flechten lebt, auf dem Kalk ernährt. Als Hauptnahrungsquelle ist wohl das gelbliche Sedi- ment anzusehen, das sich fein verteilt zwischen den Kalkkristallen findet. Die zartesten Hyphen treten daher in innige Verbindung mit seinen Bestandteilen. Kr. P. Stark untersuchte die Frage, ob die Kontaktreizbarkeit im Pflanzenreich nur auf be- stimmte Fälle beschränkt ist, wo sie wie bei winden- den oder kletternden Pflanzenteilen eine nachweis- bare ökologische Bedeutung besitzt, oder aber all- gemein verbreitet ist (P. Stark, Untersuchungen über Kontaktreizbarkeit. Ber. deutsche bot. Ges. 33, 389—409). Exp. Unts. üb. d. Wesen u. d. Verbr. d. K. Jahrb. w. B. 57. 1917. 189—320. Danach kann die zweite Annahme als endgültig bewiesen gelten. Stark experi- mentierte zunächst mit im Dunkeln gezogenen und daher etiolierten Keimpflanzen von etwa vierzig Mono- und Dikotyledonen, die er mehr- mals mit einem glatten Korkstäbchen bestrich. Dabei ergaben alle positive Krümmungen, wenn auch dünnstenglige und schnell wachsende Formen in stärkerem Grade als andere. Am empfind- lichsten erwies sich Agrostemma Gifhago L., die N. F. XVII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Kornrade, wo die Reaktion schon nach ein bis zwei Minuten erfolgte. Auch eine Leitung des Reizes sowohl in akropetaler wie basaler Richtung war deutlich zu beobachten, die schneller erfolgt als in den im allgemeinen viel empfindlicheren Ranken kletternder Gewächse. Die Reizbarkeit in beiden ähnelt sich insofern, als sie dem Weber' sehen Gesetze folgt und mit zunehmendem Alter zunächst wächst, um von einem bestimmten Zeitpunkt an wieder abzunehmen. Der wichtigste Unterschied besteht darin , daß die Keimlinge auch für Reize durch feuchte (Stäbchen mit Gela- tineüberzug) und flüssige (Wasserstrahl) Erreger emp- findlich sind, gegen die sich Ranken gleichgültig ver- halten. Die Reizbarkeit der Keimpflanzen steht da- nach in der Mitte zwischen der bei Ranken und der bei den seismonastischen Pflanzen beobachteten. Am umfangreichsten waren die Versuche mit älteren Pflanzen, die aus möglichst verschiedenen Ver- wandtschaftskreisen gewählt wurden. Auch sie zeigten die Reizbarkeit ganz allgemein, wenn sie mit einem Holzstäbchen (etwa 50 mal) bestrichen wurden. Da hier die Teile bedeutend dicker waren, das schnelle Wachstum fehlte und die Versuche bei niederer Temperatur unternommen werden mußten, waren die Krümmungen allerdings schwächer. Aus den Ergebnissen sei folgendes erwähnt. Zahlreiche nich t kletter nde Pflanzen waren überall, besonders aber an behaarten Teilen reizbar. Das gleiche gilt in noch höherem Grade von windenden Pflanzen. Daher ist anzunehmen, daß die Kontaktreizbarkeit am Zustandekommen der Wnidungen beteiligt ist, doch darf ihre Be- deutung bei der germgen Intensität nicht über- schätzt werden. Auch die Blattsiielkletterer ergeben stets positive Resultate, nicht dagegen die Rankenpflanzen. Manche von diesen wie Passifhira. Cucurbita haben völlig unemp- findliche Hiatt'itiele und Laubsprosse. Auch bei den übrigen ließ sich eine Parallelität zwischen der Empfindlichkeit der Ranken und der übrigen Organe nicht nachweisen. So wird durch die Versuche Starks die schon von Darwin ausgesprochene Ansicht be- stätigt, daß die kletternden Gewächse nur eine weit verbreitete und offenbar in der Entwicklung befindliche Fähigkeit weiter ausgebildet haben. Zahlreiche Nichtkletterer (sicher etwa V3 der untersuchten) reagieren mit Blattstielen, Laub- sprossen und Blütenachsen; jedes dieser Organe konnte daher durch Steigerung der Reizbarkeit zu einem Kletter- und Greiforgan werden. Hier- bei erhöhte sich aber die Empfindlichkeit im ganzen Pflanzenkörper. Nur bei den rankenden Gewächsen ist es dann zu einer ausgesprochenen Lokalisierung gekommen, wobei die Reizbarkeit ihren Charakter änderte; sie reagieren auf Gelatine und Wasser nicht mehr, was vom Nützlichkeits- standpunkt durchaus begreiflich ist. Obwohl er nur Blütenpflanzen und Gefäßkryptogamen unter- suchte, zweifelt Stark nicht daran, daß auch die Thallophyten dieselben Erscheinungen aufweisen. Die erstgenannte Arbeit ist eine Zusammenfassung der in der zweiten ausführlich dargestellten Unter- suchungen. Kr. Physiologie. Daß sich der zunehmende Mangel an Brotgetreide auch in Frankreich, im Lande des We/ßbrots, mehr und mehr fühlbar macht, geht aus einem Bericht an die Pariser Akademie in ihrer Sitzung vom 27. August 191 7 hervor. (Ame- lioration du pain de guerre par neutralisation des ferments du son. Note de M. M. Lapicque et Legendre C. R. N. 9 191 7.) Das vorgeschriebene Brot enthalte gegenwärtig eine beträchtliche Menge von Kleie. Dadurch würde bedingt, daß es schlecht schmecke und, namentlich für schwache Mägen, schwer verdau- lich sei. Diese Mißstände hätten schon wiederholt Proteste veranlaßt, welche eine Ausmahlung auf So^/o statt 85 % verlangten. Mit Recht weise man darauf hin, daß die Übelstände durch den hohen Kleiegehalt bedingt würden, füge aber mit Unrecht hinzu, daß bei schwächerer Ausmahlung gerade- soviel Nährstoffe erspart würden ; denn, so hieße es, „aus Kleie kann man kein Brot machen". Der Nährwert des Getreides an Stärke und Kleber srhwanke; im Durchschnitt mache nach Aime Girard der Kern **/,qo aus; leider wären die Mühlen gegenwärtig nicht eingerichtet, um eine reinliche Scheidung zwischen Schale und Kern zu ermöglichen. Man verfahre in der Weise, daß der Kern fein zermahlen würde, während die Schale relativ große Schuppen darstelle. Je nach der Feinheit des Siebs gelangten größere oder kleinere Kleicstücke ins Mehl und die größten davon ent- hielten noch Nährstoff. Daraus ergäbe sich, daß man, will man ganz reines Mehl haben, mindestens ein Drittel der Masse beim Ausbeuteln zurück- halten müßte. Man habe also die Wahl, entweder auf einen beträchtlichen Bruchteil von Nahrungs- stoff des Getreides zu verzichten oder Brotmehl zu bekommen, welches noch Kleie enthält. Den Verfassern sei es nun gelungen, ein Verfahren ausfindig zu machen, welches die genannte Schwierigkeit umgeht. Wie Mege-Mouries nachgewiesen hat, be- steht die Getreideschale nicht bloß aus nutzloser Cellulose, sondern enthält auch Aleuronkörner, welche bei der Brotbereitung eine wichtige Rolle spielen. Ein bequemes Material, um diese Frage zu studieren, stellten die Mühlenprodukte dar, welche zwischen Kleie und Mehl stehen, das sog. Kleiemehl oder die Grütze. Diese Mühlenprodukte waren gegenwärtig noch leicht zu bekommen, weil sich die Mühlen auf die neuen Gesetzesvorschriften noch nicht einrichten konnten und dem reinen Mehl mehr oder weniger Kleie zusetzten. Das rötlich bis grau gefärbte Kleiemehl ist ausge- sprochen sauer; wenn es, selbst bei Zusatz eines Antiseptikums, angefeuchtet wird, entwickelt es rasch einen üblen Geruch, und während der Zer- setzung wird der Säuregehalt noch beträchtlicher 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 2 Unter Einwirkung von Ammoniakdämpfen oder irgendeines Alkalis würde nun die Farbe heller, gegen das Zitrongelbe hin. Daß dies auf Vor- gängen beruht, welche sich in den Aleuronzellen vollziehen, kann durch das Mikroskop festgestellt werden. Die Umfärbung ist die Folge einer Ver- änderung in den löslichen Substanzen, welche bei der Mazeration des Kleiemehls frei werden, und kann als ein Zeichen der vollzogenen Neutralisierung gelten. Wie die Erfahrung zeigt, ist mit der Umfär- bung einVerschwinden des Säuregehaltes verbunden. Dieses bei Laboratoriumsversuchen gefundene Ver- fahren sei nun für die Bäckerei praktisch nutzbar gemacht worden. Man verfuhr in folgender Weise : Man nahm 4470 g von Mehl aus La Plata- getreide zu 76 "j^ ausgemahlen und 30 g Kleie- mehl derselben Herkunft mit ungefähr ^/g Kleie; darauf mischte man i kg Mehl 90 g Hefe hinzu. Als diese gärte, behandelte man das Kleiemehl mit Kalkwasser, bis sich die Umfärbung zeigte, wozu ungefähr i 1 davon nötig ist; darauf gab man gewöhnliches Wasser zu, bis der Teig die nötige Konsistenz hatte. Das Brot schmeckte dann wie das gewöhnliche für die Lazarette ge- backene. Es sei freilich wahr, daß die Brot- bereitung mit Hefe an und für sich schon ein günstiges Moment bildet. Es wurden aber auch 190 Brote zu 1400 g nach dem gewöhnlichen Verfahren gebacken, nur daß das Kleiemehl in der angegebenen Weise behandelt worden war. Das Ergebnis war vollständig befriedigend: das Brot schmeckte gut, nicht säuerlich und hielt sich vortrefflich. Die Zivilbäckereien bekämen bekanntlich das Mehl schon gemischt mit einem beträchtlichen Zusatz von Mais. Das Brot wurde in der üblichen Weise gebacken, nur daß das gewöhnliche Wasser durch Kalkwasser ersetzt wurde. Fünfmal war das Ergebnis gut, und nur zweimal befriedigend, offen- bar infolge eines Fehlgriffes; aber auch hier war das Brot zweifellos besser. Man könne also ohne besondere Erhöhung der Arbeitslast und keinerlei Mehrkosten ein ganz annehmbares Brot mit nur zu 1 5 "/o ausgebeuteltem Meiil machen. Schon Lieb ig habe die Verwendung von Kalkwasser beim Backen vorgeschlagen, ging aber dabei von anderen Gesichtspunkten aus; er hatte nämlich die Einwirkung des Alkalis auf den Kleber im Auge. Kathariner. Ü ber de n Wert der Pilze als Nahrungsmittel.*) Zur Klärung der Frage nach dem Nährwert der Pilze sind von den Herren Prof. Dr. Schmidt, Dr. Klostermann und Scholta im Hygie- nischen Institut Halle a. S. 5- bis 7tägige Ver- suche angestellt worden. Zur Verwendung ge- langte feinstes Pulver von getrockneten Steinpilzen. Die Nahrung bestand beim ersten Versuch aus Mehl, Zucker (beides in Farm von Keks), Wurst und reinem Fett. Beim Hauptversuch wurde ein ') Deutsche med. Wochenschr. 1917, Nr. 39. Teil der Wurst durch Pilze ersetzt. Bei einem zweiten Versuch dienten Trockenkartoffeln, Käse und Fett zur Nahrung, wovon später die beiden ersten Stoffe teilweise durch I^ilzmehl ersetzt wurden. In beiden Fällen war der Pilzzusaiz so groß, daß der dadurch zugeführte Stickstoff 5o7o der Gesamtmenge betrug. Durch sorgfältige Be- stimmung der mit der Nahrung aufgenommenen und der in den Ausscheidungen wieder abgegebenen Stickstoffmenge wurde festgestellt, daß die Aus- nützung des Pilzstickstoffes etwa 86 — 90 % betrug. Danach enthalten 100 g der verwendeten Trocken- substanz 26,77 S verdaulichen Stickstoff, frische Pilze, den Wassergehalt mit 90 "/o angenommen, etwa 2,7 g. Wenn diese Versuche eine wesent- lich höhere Ausnützung ergaben als frühere, so erklären die Verfasser dies dadurch, daß von ihnen ein äußerst feines Mehl verwendet wurde, dessen Herstellung im großen allerdings schwierig und daher unrentabel wäre. Heycke. Zoologie. Über biologische Beziehungen zwischen Dipteren und Schnecken handelt eine anziehende Arbeit von H. Schmitz S. J. im Biologischen Zentralblatt 191 7, Seite 24 bis 43. Man könnte die von Schnecken abhängigen Di- pteren einteilen in Endoparasiten, Epizoen und Nekrophagen; nur steht für manche Art noch nicht fest, ob sie den Endoparasiten oder den Nekrophagen zurechnet werden müßte. Eines wie das andere kommt übrigens in keinem Falle für das Volltier in Betracht, sondern nur für die Larve. Daß Onesia cognata Meigen, eine blaue Pliege, als Larve ein echter Schnecken-Endoparasit ist, konnte Schmitz erstmalig und einwandfrei fest- stellen. Er hatte sich viele Hunderte kleiner häufiger Gehäuseschnecken, Helix hispida, Patula rotundata, Hyalinia cellaria und andere, verschafft, und zwar, nach einer bei Molluskensammlern wohl noch kaum gebräuchlichen Methode, durch Kät- schern im nassen Grase eines unweit Maastricht gelegenen Waldes, was namentlich an Regentagen im Mai und Juni reiche Beute sicherte. Der eigentliche Zweck dieses Schneckensammelns be- stand in der Gewinnung von etwa 600 Larven eines Käfers, Drilus flavescens Fourcr., die sich ausschließlich von Schnecken ernähren, diese in ihrem Gehäuse belagern und sie bei lebendigem Leibe auffressen. Die Fliege Onesia trat ganz überraschend in den Zuchtbehältern auf. Darauf- hin war schon anzunehmen, daß die Larve der Fliege in lebenden Schnecken parasitierte ; doch bei der Möglichkeit, daß unter den gesammelten Schnecken einige tote waren, wurde mit der Ver- öffentlichung der Beobachtung gewartet, bis sie nach einigen Jahren bestimmter wiederholt werden konnte. Am 28. Mai 1916 waren ein Dutzend lebhaft umherkriechende Schnecken isoliert worden; am 4. Juni war eine von ihnen, eine Patula rotundata von 6 — 7 mm Schalendurchmesser, tot N. F. XVII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 und barg in ihrem Innern eine Fliegenlarve, die schnell wuchs, aus dem Schneckengehäuse aus- wanderte, sich verpuppte und in der Nacht vom 25. zum 26. Juni als Onesia cognata schlüpfte. — Wie die Larve in die Schnecke hineingerät, und ob Onesia cognata wie andere Onesien larvipar ist oder ovipar, ist noch nicht bekannt. Bei man- chen Dipteren, deren Larven ein Schnecken- Endoparasitismus nachgesagt wurde, ist diese An- gabe noch zweifelhaft. Sie ist allerdings wahr- scheinlich richtig bei Sarcophaga haemorrhoa Meig., denn diese Fliege wurde nach Mik's An- gabe aus einer jungen Helix hortensis gezüchtet, die an einem Blatte saß, also vermutlich gelebt hatte, denn junge tote Schnecken wird man kaum auf Blättern finden. Schmitz hat die Larve dieser Fliege nur in einer jungen toten, angefaulten Helix — ob hortensis oder nemoralis, war nicht zu unterscheiden — gefunden, wo sie das Hinter- leibsende mit den Stigmen aus der fauligen Jauche hervorstreckte, um später auszuwandern, sich in der Erde zu verpuppen und dann zu schlüpfen. Sie wird wahrscheinlich den Tod der Schnecke veranlaßt haben. Weitere Angaben Schmitz' handeln von Fliegenlarven, die sich aus lebenden Schnecken herausarbeiteten. Dagegen ist Helicobosca muscaria irrtümlich zum Parasiten von Helix arbustorum, pisana und pomatia gestempelt worden. Denn Schmitz stellte fest, daß sich das Weibchen dieses Kerb- tiers um lebende Schnecken nicht kümmert, son- dern wartet, bis man ihm eine tote Helix zur Brutablage anbietet. Letzteres tun auch die zu den Phoriden gehörigen Paraspiniphora-Arten, und daher nimmt Schmitz selbst für einen Fall, wo er in einem mit Kalkdeckel fest verschlossenen Gehäuse von Helix pomatia statt der lebenden Schnecke zahlreiche Puparien zweier Paraspino- phora-Arten fand, an, daß die Phoridenweibchen den Kadaver der im eingedeckelten Zustand ge- storbenen Schnecke gerochen und ihre Eier am Rand zwischen Deckel und Schale außen abgelegt haben, worauf die Larven sich durch Poren oder Spalten ins Innere des Gehäuses begeben hätten. Die Phoriden sind die eigentlichen Totengräber unserer Häuschenschnecken. Sammelt man leere Gehäuse, so findet man, besonders gegen Ende des Winters, in ihnen eine buntzusammen- gewürfelte Kerbtiergesellschaft, in der die Larven und Puppen der gesetzmäßigen Schneckenverzehrer an der Regelmäßigkeit ihres Auftretens leicht kenntlich werden. Ebenso finden sich die spezi- ellen Schnecken-Nekrophagen mit besonderer Regelmäßigkeit ein, wenn man im Sommer an einer schattigen Waldesstelle in kochendem Wasser getötete Häuschenschnecken für mehrere Wochen als Köder auslegt. Aphiochaeta ruficornis Meigen ist eine weitverbreitete, aber seltene und nur aus Schneckenkadavern einmal in Menge gezüchtete Phoride. Von anderen Phoridenarten weiß man, daß sie ihre Eier regelmäßig an Schneckenkadaver ablegen, oder daß sie aus toten Schnecken zu züchten sind. Schmitz konnte dies noch für mehrere Arten feststellen, die ausnahmslos der schon erwähnten Untergattung Paraspinophora Malloch der alten Gattung Phora angehören. Er vermutet, daß auch die übrigen europäischen und nordamerikanischen Paraspinophora-Arten aus faulenden Schnecken zu züchten sein werden. Als morphologische Anpassung an die Brutver- sorgung haben sie ein besonderes Geruchsorgan auf der Oberseite der Maxillartaster in verschieden starker Ausbildung, eine einfache oder zusammen- gesetzte Mulde, aus der oft Hunderte von farb- losen, von einem breiten Nervenstrang versorgten Stiftchen herausragen. Das Organ kehrt wieder bei der afrikanischen Gattung Hypocera, die gleichfalls ihr Larvenleben in faulenden Weich- tieren zubringt, und als Anpassung an termito- phile oder myrmekophile Lebensweise bei Thauma- toxena und Euryphora. Anpassungen anderer Art sind der afrikanischen Phoridengattung Wandolleckia eigen, der einzigen als Epizoen, und zwar auch im Volltierstadium, auf Schnecken lebenden Dipteren. Sie machen durch Abkürzung oder LInterdrückung des Larven- stadiums eine weitgehend ametabole oder imaginale Entwicklung durch, offenbar deshalb, weil eine normal organisierte Phoridenlarve beständig in Gefahr wäre, bei Zurückziehung des Schnecken- körpers von ihm abgestreift zu werden, während die lebhaft beweglichen Volltierstadien bei Störung schnell davonrennen und bald wiederkehren können. Sie ernähren sich vielleicht vom Schleim der Schnecken. Auch die Ametabolie kehrt bei Termitophilen wieder. Teile der Entwicklung von Wandolleckia, inbesondere deren Anfang, sind jedoch noch unbekannt, ebenso die Männchen dieser Gattung. Besonderer Beobachtung empfiehlt Schmitz schneckenreiche Gegenden, da seltene Schneckenfresser wahrscheinlich nur dort vor- kommen werden, wo günstige Nahrungsbedingungen ihre Ernährung hochgradig sichern. In Marokko sollen Schnecken geradezu das Landschaftsbild beeinflußen. Bei Grado kenne ich einen Pinien- wald, dessen Grasboden von fern wie mit weißen Blumen übersät erschien, die sich von nahe als Grasstengel mit zahlreichen weißen, wenn ich nicht irre, Helix pisana-Schnecken erwiesen. V. Franz. Über die Abhängigkeit der Körpertern- peratur von der Pubertätsdrüse (mit i Tabelle und I Figur). Die interessanten Untersuchungen von S t e i n a c h haben ergeben, daß die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale bei den Säuge- tieren von der Keimdrüse abhängig ist, und zwar konnte Steinach nachweisen, daß es speziell die interstitiellen Zellen sind — das von ihm als Pubertätsdrüse bezeichnete Zwischen- gewebe der Keimdrüsen — , die die Entfaltung der Geschlechtscharaktere beeinflussen. Die Wirkung der Pubertätsdrüse ist geschlechtsspezifisch, 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 2 d. h. jede Drüse ruft nur die Merkmale ihres Ge- schlechtes hervor, jedoch vermag sie, wie ebenfalls Steinach zeigen konnte, auch in dem Kastraten des anderen Geschlechtes ihre Funktion auszuüben. Das kastrierte Männchen, dem Ovarien im- plantiert werden, wird f e m i n i e r t : Skelett, Körper- formen und Behaarung nehmen weiblichen Cha- rakter an, die im männlichen Geschlecht rudimen- tären Brustwarzen und Brustdrüsen erreichen die volle Größe dieser Organe bei den Weibchen und beginnen mit der Milchsekretion. Außer diesen somatischen Geschlechtsmerkmalen ändert sich auch das psychosexuelle Verhalten der operierten Tiere. Die feminierten Männchen säugen die Jungen, die man ihnen gibt, es fehlt ihnen der Geschlechts- trieb, der Mut und die Rauflust der männlichen Tiere, sie lassen sich von diesen bespringen, kurz, das Nervensystem der feminierten Männchen ist vollkommen in weiblicher Richtung erotisiert. Werden kastrierten Weibchen Hoden eingepflanzt, so findet das Umgekehrte statt, die Weibchen werden maskuliert: Gewicht, Größe, Körper- proportionen werden denen der Männchen ähnlich, die Schwellkörper der Clitoris wachsen derart, daß ein penisartiges Gebilde zustande kommt. Das Nervensystem der maskulierten Weibchen wird in männlicher Richtung erotisiert: brünstige Weibchen werden verfolgt und besprungen, nor- male Männchen angegriffen. Neuerdings haben S t ei n a ch und Lipschütz*) den Einfluß der Pubertätsdrüse auf die Körper- temperatur untersucht und festgestellt, daß auch diese von der geschlechtsspezifischen Wirkung der genannten Drüse bestimmt wird. Es war be- reits aus früheren Untersuchungen bekannt, daß die Körpertemperatur bei den Wirbeltieren eben- falls ein Geschlechtsmerkmal ist. Beim weiblichen Geschlecht ist sie in der Regel höher als beim männlichen. Beim Meerschweinchen, das Steinach und L i p s c h ü t z zu ihren Experimenten benutzten, beträgt die Differenz im Durchschnitt 0,6 — 0,7". Allerdings schwankt die Körpertemperatur beim einzelnen Individuum in ziemlich hohem Maße, und es dürfen daher, wenn einwandfreie Resultate Zahl der Gesamt- Mittlere gemes- zahl der Körper- senen Mes- tempera- Tiere sungen tur I. Normales Weibchen . . 5 133 37.3 ) 2. Kastriertes Weibclien . . 51 36.9 \ 3. Maskuliertes Weibchen . 1 25 36,8|| 4. Normales Männchen . . 3 73 36,7)1 5. Kastriertes Männchen . . 3 59 36.7 1 6. Feminiertes Männchen. . 2 68 37,2 Mittle ') Lipschütz A., Über die Abhängigkeit der Körper- temperatur von der Pubertätsdrüse. .\rch. f. d. ges. Physiol., Ed. 168, 1917. erzielt werden sollen, bei den Messungen ver- schiedene Momente nicht außer acht gelassen werden. Zunächst einmal beeinflussen die Körper- bewegungen die Temperatur. Je unruhiger das Tier bei der Messung ist, desto höher ist die Tem- peratur. Andererseits zeigen manche Tiere die Neigung, bei öfters wiederholter Messung in einen Hypnosezustand zu ver- fallen, ein Zustand, wäh- rend dessen die Tem- peratursinkt. Auch die verschiedene Tiefe, in die das Thermometer bei der Messung in den Enddarm eingeführt wird, kann die Ur- sache beträchtlicher Schwankungen werden. Schließlich ist noch zu berücksichtigen, daß die Außenbedingungen die Körpertemperatur be- einflussen. Die Ergeb- nisse, zu denen Stei- nach undLipschütz bei Vermeidung derge nannten F"ehlerquellen kamen, sind in der nebenstehendenTabelle znsammengestellt und ebenso aus der beifol- genden graphischen Darstellung ersichtlich. Während die Körper- temperatur der Männchen durch die Kastration nicht beeinflußt wird, sinkt sie bei den kastrierten Weibchen um durchschnittlich 04°. Die Femi- nieruug der Männchen hat zur Folge, daß die Temperatur nahezu bis zur Körpertemperatur des normalen Weibchens steigt. Die Körpertemperatur des kastrierten Weibchens scheint durch die Masku- lierung weniger beeinflußt zu werden, sie hatte sich ja aber durch die Kastrierung der des normalen Männchens bereits stark genähert. Wenn also auch eine Beeinflussung der Körpertemperatur durch die männliche Keimdrüse nicht mit Sicherheit nach- weisbar ist, so ist doch die höhere Körper- temperatur des Weibchens jedenfalls eine Wirkung der weiblichen Keimdrüse. Nachtsheim. Empusa fasciata Brülle ist eine merkwürdige Fangheuschrecke, die von Kriegsteilnehmern in letzter Zeit öfter lebend aus Südmazedonien nach Deutschland gesandt wurde und in Ter- rarien aufmerksam beobachtet wird. Höchst sonderbare Gestalt hat vor allem die Larve (Abb.), die, noch flügellos, vier lange Laufbeine, zwei Raubbeine, einen rückwärts gekrümmten Hinter- leib und einen kleinen beweglichen Kopf mit helmartiger Erhöhung besitzt und in dieser Ge- stalt der verwandten Gottesanbeterin, Mantis reli- kuliert Temperaturen des normalen Weibchens (l), des normalen Männchens (4), des kastrierten Weibchens (21, des kastriTten Männchens (;), des maskulierten Weibchens (3) und des feminierten Männ- chens (6). Weibchen . Männchen. (Nach Lipschütz.) N. F. XVn. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 29 giosa, noch sehr unähnHch ist. Eher hat sie in ihrer Erscheinung etwas stabheuschreckenähnliches, zumal wenn sie ruhig sitzt, doch kann sie auch behende laufen und springen. Nach schwachem Druck auf die halsartige Vorderbrust stellt sie sich häufig tot, aber nicht so lange wie die schon genauer physiologisch untersuchten Stabheu- schrecken. Ihre Färbung ist gelbgrau oder grau- braun, manchmal auch stellenweise grünlich, viel- leicht infolge Farbenwechsels. Durch Vorwerfen der Fangbeine erbeutet sie Kerbtiere, selbst größerer, wie den dickleibigen Schmetterling Agrotis pronuba, und verzehrt sie langsam. Nachdem sich eine solche Larve wiederholt gehäutet hatte, fand Dr. Mert e ns an ihrer Stelle eines Tages das im wesentlichen lichtgrün gefärbte Volltier vor. Es unterscheidet sich viel weniger von der Gottesanbeterin als die Larve. Der obere Rand der Vorderflügel trägt einen Streifen von weißer Farbe, was, zumal bei zusammengefal- teten Flügeln, den Artnamen „fas- ciata" begründet. An den Beinen und Hinterleibs- seiten befinden sich blattartige Lappen. Merk- würdigerweise ist die Rücken- seite des Tieres heller gefärbt als die der Umgebung viel besser angeglichene Bauch- seite, was offenbar damit zusammenhängt, daß Empusa sich im Gebüsch meist an der Unter- seite der Zweige festklammert. Auch die Larve kann diese Stellung einnehmen. Von der Larve sagt Professor Wern er, auch ein geübtes Auge werde sie zwischen dürrem Laub und Reisern nur schwer erkennen können. Und man wird wohl im allgemeinen die Gestalt der Larve und die grüne Farbe des Volltiers als Schutzanpassungen beurteilen, die ausgezeichnet, wenn auch natürlich nicht unbedingt wirken weiden. Professor Werner allerdings, der be- kanntlich in der Mimikry- und Schutzanpassungs- frage einen kritischen Standpunkt einnmimt, be- tont auch diesmal, die Pflanzenähnlichkeit biete gegenüber einem aufmerksamen Sammler, „ob er nun Entomologe oder em hungriger Vogel ist", auf die Dauer keinen Nutzen. Alles in allem ist fclmpusa fasciata ein Tier mit vielen wissenschaftlich beachtenswerten Eigen- schaften.') V. Franz. Der Flug der Insekten zur Flamm e ist von den Forschern verschieden erklärt worden. Kirby ') Vgl. Blauer für Aquarienkunde, 1917, Jahrg. XXVIII, und Spenzer glaubten, daß er dem Streben nach einer Art sportlicher Belustigung entspringen würde ; eine ebenso anthropomorphistische Deutung gab Roman es, der den Insekten Neugierde unterschob. Nach der Ansicht Radl's dient die Lichtquelle als Orientierungspunkt. Tagsüber kann das Tier sich nach allen möglichen optischen Punkten richten, nachts aber muß es sich aus Er- mangelung anderer Lichtquellen beim Flug an die künstliche halten und wird so zu ihr hingezogen. Allgemein angenommen ist gegenwärtig die Er- klärung von J. Loeb, dem Begründer der Tro- pismenlehre. Ein Lichtstrahl, der den Insekten- körper einseitig trifft, versetzt die Muskeln, welche den Kopf des Insektes zum Lichte hinlenken, in Erregung und zieht dadurch das Tier in die Licht- quelle. Demnach ist der Flug zur Flamme als Phototropismus zu bezeichnen. Nach den Untersuchungen an verschiedenen Insekten und Insektenlarven ist der Phototropismus abhängig nicht nur von dem Vorhandensein eines deutlichen Lichtmaximums oder Minimums, son- dern auch von einem bestimmten physiologischen Reizzustande des Tieres. Das eine Tier wird bei- spielsweise phototropisch, wenn es hungrig ist, ein anderes bei Luftmangel oder in schlechtem Wasser, bei Verfolgung der Feinde usw. Befindet sich das Tier' nicht in diesem spezifischen Zustande, so reagiert es weder auf den hellsten noch auf den dunkelsten Lichtstrahl. Es ist klar, daß die negativen oder positiven phototropischen Be- wegungen dem Tier je nach seinem physiologischen Zustande von Nutzen sind, indem sie das Tier zum Aufsuchen von Nahrung, zur Flucht, zum Ver- stecken und ähnlichen Handlungen veranlassen. In einer Reihe von Versuchen hat W. von Buddenbrook (Sitzungsberichte der I leidelberger Akademie der Wissenschaften, Mathem.naturw. Klasse, Abt. B. Jahrg. 1917) das Problem einer erneuten Prüfung unterzogen und ist zu völlig ab- weichenden Ergebnissen gekommen. Er arbeitete mit Schmetterlingsraupen, verschiedenen Käfern und anderen Tieren, um zunächst die Reaktion gegen den Lichtstrahl genau zu prüfen. Während die Tiere im Dunkeln auf einer berußten Platte verschlungene Wege beschrieben und deutliche Suchbewegungen ausführten, war der Weg bei hellem Sonnenschein gerade. Die Tiere strebten durchaus nicht dem Lichte zu, sondern suchten nur eine bestimmte Stellung zu den Sonnenstrahlen beizubehalten. Auch auf der Drehscheibe ließen sie sich nicht von der einmal eingeschlagenen Richtung abbringen. Der Winkel, unter dem die Lichtstrahlen geschnitten werden, ist zwar von F"all zu Fall verschieden und vom Tiere beliebig gewählt, aber er wird stets eine Zeitlang beibe- halten. Da die Sonnenstrahlen als parallel auf- zufassen sind, ist der zurückgelegte Weg eine gerade Linie. Darin liegt ein wesentlicher Unter- schied gegenüber den phototropischen Bewegungen. Nach dem Vorgange von Santschi sind daher die 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVn. Nr. 2 eben erörterten Bewegungen als Lichtkompaß- bewegungen zu bezeichnen. Eine Lichtquelle, die im Dunkeln in die Nähe des Versuchstieres gebracht wird, sendet radiäre Strahlen aus. Es können nun vom Tier folgende Richtungen eingeschlagen werden: 1. Der Winkel zwischen der Körperlängsachse und dem Lichtstrahl, der das Auge trifft, ist Null. Das Tier bewegt sich also geradlinig auf das Licht zu, oder von ihm weg. 2. Der Winkel beträgt 90 Grad. Das Tier beschreibt folglich einen Kreis um die Lichtquelle. 3. Der Winkel ist spitz oder stumpf, das Tier bewegt sich daher in einer Spirale, sich derart immer mehr dem Licht nähernd oder von ihm entfernend. Der dritte Fall, den man sich leicht durch eine einfache Zeichnung klar machen kann, ist des- wegen beachtenswert, weil er den Flug zur Flamme besser erklärt als die bisherigen Theorien. Die Bewegungen, die man Insekten im Freien um eine Lichtquelle ausführen sieht, werden nun ver- ständlich. Er zeigt insbesondere, daß es den Tieren auch möglich ist, aus dem Bereich des Lichtes wieder herauszukommen, wenn sie nur einen Winkel eingeschlagen haben, der kleiner ist als 90 Grad. Im umgekehrten Fall müssen sie notwendig ins Licht gelangen. Diese besondere Art der Lichtkompaßbe- wegungen, die mit dem echten Phototropismus nicht verwechselt werden darf, wird zur Vermeidung störender Verwechslungen besser als Nachtphoto- tropismus angesprochen. Folgende negative Merk- male zeichnen ihn aus: Er ist nicht an einen be- stimmten Reizzustand gebunden, sondern er tritt, die betreffenden Beleuchtungsverhältnisse voraus- gesetzt, immer ein. Er ist von keinem Nutzen für das Tier begleitet, ja oft geradezu schädlich und führt bisweilen den Tod des Tieres herbei. Bei freilebenden Tieren haben die Lichtkompaß- bewegungen den biologischen Wert, ihnen einen geradlinigen Lauf zu ermöglichen. Dr. Stell waag. Bücherbesprechungen. Demoll, Reinhard, Prof. Dr., Die Sinnes- organe der Arthropoden, ihr Bau und ihre Funktion. 243 S. mit 1 18 Textfiguren. Braunschweig 191 7. Friedr. Vieweg u. Sohn. Geh. 10 M., geb. 12 M. Das Werk verdiente eine eingehendere Wür- digung als ihm zurzeit gegeben werden kann. Der sehr schwierigen Aufgabe, eine Übersicht über die Sinnesorgane der Arthropoden zu geben, wird Demoll in vorzüglicher Weise gerecht. Daß dem Verfasser die Behandlung des Stoffes z. T. als eine undankbare erschienen ist, ist begreiflich, da wir über so vieles noch im unklaren sind und wir einesteils eine gute Kenntnis mancher Sinnes- organe besitzen, andererseits aber ihre biologische Bedeutung noch nicht zum Vollen oder gar nicht haben ermessen können. Weiterhin gibt uns die Biologie zahlreiche Hinweise auf Sinnestätigkeiten, doch kennen wir wiederum die Organe nicht, an die sie mit Sicherheit gebunden sind. Mit größtem Nachdruck wies ich in dem Zusatzkapitel : „Physio- logie ohne Biologie" (Stammesgeschichtliche Ent- stehung des Bienenstaates, S. 75 — 83, Leipzig 1903) unter Angabe von Beispielen darauf hin, wie leicht Irrwege beschritten werden können, wenn dem Beobachter nicht eine gründliche Kenntnis der Biologie des betreffenden Tieres zur Seite steht. Aus diesem Gesichtspunkt ist es erklärlich, daß die Urteile des Physiologen hin und wieder nicht mit denen des Biologen harmonieren werden. Hier werden noch viele Beobachtungen und Feststel- lungen nötig sein, bevor beide auf diesem Felde im wesentlichen zu gleicher Beurteilung gelangen. Inzwischen wirkt es auf den Biologen nicht durch- aus überzeugend, wenn lediglich aus theoretischen Schlüssen ohne jegliche biologische Bestätigung beispielsweise die Funktion derOcelli in bestimmter Weise definiert wird, während die Biologie, z. B. für Bienen und Ameisen (s. Leben und Wesen der Bienen), es höchst wahrscheinlich macht, daß zum mindesten auch noch andere Funktionen in Frage kommen, die nicht in der Richtung jener theore- tischen Feststellungen liegen. Es würde hier viel zu weit führen, auf Einzel- heiten einzugehen. Einiges dürfte wohl reichlich summarisch behandelt sein, auch vermißt man Bezugnahme auf einige Arbeiten, die wohl hätten herangezogen werden können, z. B. die Schriften Mcindoos über den Geruchssinn bei den Hyme- nopteren. Doch es ist begreiflich, daß der Ver- fasser, um nicht ins Uferlose zu geraten, sich eine straffe Richtlinie zog. Die Ausführungen über die Funktionsweise der Organe sind z. T. sehr anregender und tiefgrün- diger Art und werden sicherlich zu weiteren Er- örterungen Veranlassung geben. Das grundlegende Werk wird insbesondere allen Dozenten sehr willkommen sein. V. Büttel-Reepen. Escherich, Prof. Dr. Karl, Die Ameise. Schil- derung ihrer Lebensweise. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. Mit 98 Abbildungen. Braunschweig 1917. Fr. Vieweg u. Sohn. Preis geh. 10 M., geb. 12 M. Die Ameisen stellen eine nach so vielen Rich- tungen hin merkwürdige Tiergruppe dar, daß sie sich von jeher eines ganz besonderen Interesses bei Gelehrten wie Laien erfreuten. Den Psychologen hat die Sinnesphysiologie der Ameisen wichtige N. F. XVII. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. neue Erkenntnisse gebracht und manche neuen Fragen aufgegeben, den Botaniker fesselt die Be- ziehung der Ameisen zur Pflanzenwelt, die oft ganz eigenartige, viel diskutierte Formen annimmt, und schließlich übt auf jeden Naturfreund das Leben und Treiben des Ameisenvolkes, besonders wenn er das Glück hatte, es in den Tropen zu beobachten, einen ganz besonderen Reiz aus. Eine so hübsche und umfassende Darstellung, wie sie uns Escherich in dem vorliegenden Buche darbietet, kann deshalb von vornherein in naturwissenschaftlich inter- essierten Kreisen einer allgemeinen Beachtung sicher sein, zumal sie lebhaft und anschaulich ge- schrieben ist und den Leser zu fesseln versteht. Die zweite Auflage ist in einzelnen Teilen stark umgearbeitet worden, so sind die Abschnitte über soziale Symbiose und über die Beziehungen der Ameisen zu den Pflanzen auf den modernen Stand gebracht worden, das Kapitel über die Psychologie ist von R. B r u n ganz neu verfaßt worden ; des- gleichen hat Viehmeyer den systematischen Teil einer gründlichen Revision unterzogen. Über Art und Umfang des Buches möge eine kurze Inhaltsübersicht unterrichten. Nach einer Einleitung, die ganz kurz über einige allgemeine Dinge orientiert, wie die systematische Stellung, die geographische Verbreitung, die Untersuchungsmethoden usw., wird die Anatomie und Morphologie ausführlicher dargestellt, woran sich dann eine Behandlung des bei den Ameisen ja besonders wichtigen Polymor- phismus anschließt, die auch die Phylogenie dieser Erscheinung streift. Im Kapitel; Fortpflanzung wird außer der Befruchtung die Gründung der Kolonien sowie ihr weiteres Schicksal, sowie Metamorphose und Brutpflege geschildert. Ein besonderes Kapitel ist dann dem Bau der Nester gewidmet, deren verschiedene Typen im einzelnen durchgegangen werden, es folgt weiter die Ernährung mit ihren mannigfachen Besonderheiten, sowie ein Abschnitt über verschiedene Lebensgewohnheiten, als Reinigung, Schutz- und Verteidigungsmaßregeln, Kämpfe, Umzüge, Wanderungen, Krankenpflege, Spiele usw. Die folgenden Kapitel behandeln die ganz besonders interessanten Beziehungen der Ameisen zu ihresgleichen, sowie zu anderen Tieren und zu den Pflanzen. Wir erfahren von zusammengesetzten Nestern, d. h. solchen, in denen sich Gesellschaften von Diebs- oder Gast- ameisen angesiedelt haben, von gemischten Kolonien in ihren verschiedenen Graden der Verschmelzung vom zeitweiligen und gelegentlichen Sozialparasitis- mus bis zur Sklaverei, der Allianz und dem dauernden Sozialparasitismus; auch die Beziehungen zwischen Ameisen- und Termitenkolonien findet man hier erörtert. Handelte es sich in allen diesen Fällen um das enge Zusammenleben von ganzen Gesell- schafien innerhalb von oder mit Ameisenvölkern, so berichtet das folgende Kapitel von den Be- ziehungen der Ameisen zu nicht sozialen Tieren, also zu Blattläusen und insbesondere zu den eigent- lümlichen Mietern, die entweder feindlich verfolgt, oder geduldet oder aber als willkommene Gäste gehegt werden, und endlich zu den verschiedenen Schmarotzern, die am einzelnen Ameisenindividuum vorkommen. Der Brun'sche Abschnitt handelt von den Sinnen der Ameisen, ihrem Großhirn und erörtert folgende Fragen: Wie erkennen sich die Ameisen? Wie finden die Ameisen den Weg? Besitzen sie ein Mitteilungs- und ein formelles Schlußvermögen ? Den Schluß machen zwei ."Xnhänge, von denen der eine die lästigen Haus- und Gartenameisen und die Mittel ihrer Bekämpfung zum Gegenstand hat, der andere einen vielen zweifellos sehr will- kommenen Bestimmungsschlüssel für die in Deutsch- land einheimischen Ameisen enthält. Gute Ab- bildungen, Register und namentlich die ausführ- lichen Literaturangaben am Schlüsse der einzelnen Kapitel erhöhen den Wert des Buches. Miehe. C. Frh. V. Pirquet. System der Ernährung. I. T. Berlin, J. Springer 1917. Verf. hat ein System der Ernährung ausge- arbeitet, bei dem als physiologische Einheit nicht die Kalorie direkt dient, sondern das „Nem" d. i. der Kalorienwert von i g Frauenmilch. Es werden demnach alle Nahrungsmittel nach ihrem Brenn- werte und auf Grund einer zweiten Berechnung nach ihrem N-Gehalt mit der Milch verglichen. Zur Berechnung der für einen bestimmten Men- schen nötigen Nahrungsmenge geht v. P i r q u e t zu- nächst von der Sitzhöhe (vom Scheitel bis zur Sitzfläche gemessen) des Betreffenden aus. Das Quadrat der Sitzhöhe entspricht etwa der Fläche des Darmes (ohne Berücksichtigung der Zotten). Nach einem bestimmten Schlüssel, der die Körper- größe, das Alter und die Muskelleistungen be- rücksichtigt, wird nun die für die betreffende Person pro cm- Darmfläche nötige Zahl von Nem bzw. Dezinem angenommen, und aus der Größe der Darmfläche und der erwähnten Zahl das je- weilige Nahrungsbedürfnis berechnet, bzw. auf einer Tafel abgelesen. Weitere Tafeln ermöglichen die praktische Auswahl der Nahrungsmittel nach ihrem jeweiligen Marktpreise. Die statistischen und ernährungs-physiologischen Untersuchungen des Verfassers, auf deren zahl- reiche Einzel Ergebnisse hier nicht näher einge- gangen werden kann, sind sowohl für den Arzt, als auch für jeden, der die Ernährung einer größeren Anzahl Menschen zu organisieren hat, von großem Interesse. Vielleicht wäre die Frage zu diskutieren, ob nicht das ganze System leichter Eingang in die Praxis fände, wenn es auf der ge- rade heute auch schon in Laienkreisen bekannten Basis der Kalorie aufgebaut worden wäre. V. Brücke (Innsbruck). Bölsche, Wilhelm, Neue Welten. Die Er- oberung der Erde in Darstellungen großer Naturforscher. Herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Bölsche. XXIV 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 2 und 644 S. Mit 24 Kunstbeilagen. Berlin, Deutsche Bibliothek. Ohne Jahreszahl. Von dem Meister popularisierender Natur- wissenschaft, der in den letzten Jahrzehnten den stärksten Anteil mit daran hatte, daß die Ergeb- nisse stiller Gelehrtenarbeit in fruchtbringender Weise hinausgetragen wurden in weiteste Kreise, liegt ein neues Werk vor, das „geplant wurde in stiller Zeit und in unruhvoller hinausgeht. Viel- leicht findet aber gerade der Streiter von heute Gefallen daran. Liest er doch von tapferen Männern darin, die alle beste Tugend unseres Soldaten hatten : eine eiserne Pflichttreue und den Glauben an ein Ideales, das über dem einzelnen steht und doch erst diesem einzelnen einen rechten Wert gibt". Was Männer wie Forster, Lichten- stein, Hochstetter, Steinen, Wallace, Chamisso, Humboldt und Darwin als Bestes für eine Auslese Geeignetes in ihren Reise- schilderungen gegeben, das findet sich hier in einem starken Bande vereinigt. Dem Nachwuchs werden diese durch zahlreiche Anmerkungen Bölsche's und durch sehr gute Kunstbeilagen begleiteten Darstellungen viel geben und auch der Forscher, der selbst in fernen Landen weilte, wird gerne darin blättern. v. Buttel-Reepen. Anregungen und Antworten. Astrologie im 20. Jahrhundert I Die „Tägliche Rundschau" steht schon seit lange mit der Naturforschung auf gespanntem Fuße. Außer regelmäßigen Berichten über den gestirnten Himmel sind Aufsätze naturwissenschaftlichen Inhalts eine große Seltenheit. Und welcher Art sind sie dann? Vor etwa Jahres- frist machte sich da irgendein Böotier lang und breit über die lateinischen I'flanzennamen lustig, über deren Unentbehr- lichkeit unter den Kennern doch völlige Einigkeit besteht. Dafür prangte im letzten Frühjahr in einem philosophischen Feuilleton der Satz, es sei für die Menschheit ziemlich gleich- gültig, ob eine wissenschaftliche Entdeckung loo Jahre früher oder später gemacht werde 1 Und das in diesem Weltkriege, in welchem Deutschland seiner Naturwissenschaft Ungeheures verdankt — z. B. auch das Durchhalten in der Ernährung. Eine Gipfelleistung stellt aber ein Aufsatz „Hindenburg's Horoskop" dar, erschienen am I. Oktober 191 7 (nicht etwa I 6 I 7 I) ; eine halbe Spalte lang, bei der herrschenden Papier- knappheit. Nachdem dort von einer „Wissenschaft der Astro- logie" die Rede war, heißt es weiter; „Ohne zu der viel um- strittenen Frage, ob die Gestirne auf die Schicksale des Menschen einen Einfluß üben, Stellung zu nehmen . . ." Ob es wirkliche Hexen gibt, die in der Walpurgisnacht auf Besenstielen zum Blocksberg reiten? — Aber, Scherz bei Seite : Ist es nicht als ein nationales Unglück zu bezeichnen, wenn die nationale Presse in Sachen walirer Geisteskultur um mindestens drei Jahrhunderle rückständig ist? Dr. Hugo Fischer-Bromberg. Zur Frage der Libellenwanderungen (zu Naturw.Wochenschr. Bd. 32, S. 531). Ich entsinne mich, in der dritten Auflage von Brehms Tierleben gelesen zu haben, daß jemand dem Ur- sprung eines wandernden Libellenschwarmes nachging und ihn — -■--- - -- ligberg entdeckte. Auflage von Brehms Tierleben herübergenommen sein wird, scheinen Libellenwanderungen ebenso wie viele andere unregel- mäßige Tierwanderungen ihre Hauptursache in örtlicher Übervölkerung zu haben, die ihrerseits auf günstige Witterungsverhältnisse zurückgeht. Der genaueren Erklärung bedürfte demnach nur noch die Tatsache, daß die Libellen, und ebenso andere Tiere im gleichen Falle sich nicht sofort zerstreuen, sondern beisammen bleiben und auf bestimmter Straße wandern. Dies wird bei Nagetieren, ähnlich bei fünf Bären, die man einmal das Meer durchschwimmen sah, im wesentlichen auf den Trieben zur Geselligkeit und Nach- ahmung beruhen, die man jedoch von Libellen sonst nicht kennt. V. Franz. ein massenhaftes, unaufhörliches Aus: stattfand. Nach dieser Beobachtung, dii Libellen Zu „Luftwellen als Schlieren sichtbar" gestatte ich mir zu bemerken, daO ich bei der Erklärung meiner in Nr. 32 mit- geteilten Beobachtung vom 6. April 191 7 durchaus nicht auf Schallwellen geschlossen hatte, wie der Herr Verfasser des inhalireichen Beitrags auf Seite 582/583 (W. Krebs. Die Red.) aus meinen Worten herausgelesen zu haben meint, sondern nur auf Wellen, die etwa Schallgeschwindigkeit haben könnten, während sie für hörbare Schallwellen viel zu lang sind, und die wahrscheinlich durch Ladungsexplosionen feuern- der Geschütze veranlaßt wurden. Merkwürdige und nicht sicher erklärbare Erscheinungen aus der Physik beobachtet man im Felde noch oft. Eine solche möge hier noch kurz erwähnt sein: Mitunter bei fernen Geschützabschüssen hört man jeden Knall deutlich zweisilbig, etwa wie „Pu-Iup". Dazu wird oft die Ansicht geäußert, es handle sich um den in neuerer Zeil öfter besprochenen „Doppel- knall". Das kann aber nicht zutreffen, denn dieser letztere Doppelknall, bei dem der zweite Knall aus dem Zischen des Geschosses entsteht, sobald das Geschoß größere als Schall- geschwindigkeit hat, und der von Mach einwandfrei erklärt wurde, kann nur vernommen werden, wenn man nahe der Flugbahn steht. Franz. Inhalt: Fuhrmann, Impfung und Unempfänglichkeit (Immumlät). S. 17. W. Kranz, Zum Problem der Wünschelrute. S. 22. — Einzelberictite: E. Bachmann, kalklösende Algen und Kalklösender Pilz. S. 24. P. Stark, Konlakireiz- barkeit im Pflanzenreich. S. 24. Lapicque und Legendre, Mangel an Brotgetreide auch in Frankreich. S. 25. Schmidt, Klostermann und Scholta, Über den Wert der Pilze als Nahrungsmittel. S. 26. H. Schmitz S. J., Biologische Beziehungen zwischen Dipteren und Schnecken. S. 26. Lipschülz, Über die Abhängigkeit der Körper- temperatur von der Pubertätsdrüse (I Abb.) S. 27. Mertens, Eine merkwürdige Fangheuschrecke. (l Abb.) S. 2S. W. V. Buddenbrock, Der Flug der Insekten zur Flamme. S. 29. — Bücherbesprechungen: R. Dem oll. Die Sinnes- organe der Arthropoden, ihr Bau und ihre Funktion. S. 30. K. Escherich, Die Ameise. S. 30. C. Frhr. v. Pirquet, System der Ernährung. S 31. W. Bölsche, Neue Welten. Die Eroberung der Erde in Darstellungen großer Natur- forscher. S. 31. — Anregungen und Antworten : Astrologie im 20. Jahrhundert. S. 32. Zur Frage der Libellenwande- ruugen. S. 32. LuftwcUcn als Schlieren sichtbar. S. 32. Manuskripte und Zuschriften werden an Prof. Dr. H. Mi ehe, Berlin N 4, Invalidenstraße 4z, erbeten. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Druck der G. Pätz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sonntag, den 20. Januar 1918. Nummer 3. Einige Notizen über die Wirkung außerordentlicher Dürre im Waterberg-Distrikt von Transvaal, Südafrika. [Nachdruck verböte Von P. Strauß v. Mit 2 Abbildungen Unzweifelhaft ist die allmähliche, aber zusammen- hängende Abnahme des überflachenwassers der Erde eines der wichtigsten Momente in unserer Erdgeschichte, lange vor Ankunft des Menschen. Durch den Wechsel in der zufälligen Umgebung ist es eine der großen Bewegungsursachen der natürlichen Auslese und Entwicklung der Lebens- formen gewesen. Wenn wir den Verlust in den zwei Erdteilen studieren, in denen Wasser eine solche Stufe der Seltenheit erreicht hat, daß seine gegenwärtige Abnahme zu einem hervorragenden, natürlichen Zuge geworden ist, so ist der Fortschritt nicht nur augenfällig, sondern auch leicht meßbar. Das Verschwinden des Wassers ist in Asien und Afrika, den zwei „trockenen" Kontinenten, — Australien, wahrscheinlich der „trockenste" Kontinent, soll, weil diesbezügliche Beobachtungen und Aufzeich- nungen noch sehr junger Natur, nicht in Betracht kommen, — jährlich so groß, daß es die Prophe- zeiung des französischen Astronomen F 1 a m m a r i o n zu rechtfertigen scheint, daß innerhalb eines meß- baren Zeitraumes das Menschengeschlecht in dieser Ursache ihren schließlichen Untergang finden werde. In Europa und Amerika, den „feuchten" Kontinenten, ist es noch zu reichlich, um seine jährliche Abnahme zu einem Gegenstande von viel Wichtigkeit zu machen, aber sie sind gewiß- lich nicht ausgenommen. Ein Vergleich der Resultate russischer For- schungen in Asien vor fünfzig Jahren mit denen der Reisen Sven Hedin's oftenbart die Tat- sache, daß die Wüste sogar in diesem kurzen Zeiträume Tausende von Quadratmeilen von einst fruchtbarem Lande eingenommen hat. Flüsse und Seen sind verschwunden, sogar volkreiche Städte wurden durch den allerobernden Sand vertilgt. Gerade so schnell sind die großen Seen Afrikas eingeschrumpft. Vor weniger als fünfzig Jahren war der N'gami ein wirklicher See, nun ist er nichts mehr als ein mit schnellem Untergange drohenper Sumpf. Der von den Eingeborenen „Basso Narok, dunkeles Wasser" benannte Rudolf- See, jenes vollkommenste Diadem in dem Gürtel des Erdballes, ist von der Seite, gegenüber Rowenzori, nur über ungeheuere Tafeln trockenen Schlammes, welche ganz unlängst von den Gewässern des Sees bedeckt waren, zu- gänglich. Jährlich wird ein neuer Gürtel zu dieser morastigen Fläche hinzugefügt, ein Fortschritt, welcher beunruhigend wird, wenn man sich er- innert, daß von diesem großen, natürlichen Reser- voir des Schicksal des Nils und die Fruchtbarkeit Ägyptens stark abhängt. Nichts ist trügerischer als die alte Lehre, daß Verdunstung und Nieder- schlag der Feuchtigkeit einen vollkommenen Umlaufskreis, ohne die Möglichkeit des Verlustes, ausmachen. Es ist eine Tatsache, daß die Erde die Feuchtigkeit gleich einem Schwämme aufsaugt, daß eine ungeheure Menge Wasser jeden Tag in unterirdische Tiefen sickert, aus denen sie keine natürliche Ursache wieder befreit und wo sie augenscheinlich jenseits des Bereiches der höchsten Kunst des Menschen ist. Die neue geologische Geschichte von Water- berg ist in dieser Hinsicht außerordentlich inter- essant und überzeugend. Daß in ganz neuen geologischen Zeiten der größte Teil seiner Ober- fläche von einem großen See bedeckt war, ist außer Frage. Die Grenze der Gewässer war gegen Norden ein Plateau, von welchem ein Teil noch im Urzustände besteht. Einige der ursprünglichen Inseln, nun sonderbar geformte Hügel, mit den auf ihren Felsen noch sichtbaren Wellenzeichen, stehen in dem tiefen Lande, genau über dem Rande des Plateaus, gleich einer Reihe von Schildwachen (Abb. I ). Vom Süden legten große Plüsse ihre Sirand- steine an den Ufern und auf dem Grunde des Sees nieder. Irgendeine Emporhebung zerstörte alle östlichen Teile dieses Hindernisses und die ein- geschlossenen Wasser entwichen nord- und ost- wärts, um neue Flüsse zu bilden, als die ersten Fluten sich gesenkt hatten. Der Strandstein mit dem Seesande wurde unter den Produkten dieser Eruption begraben, der noch einem ungeheuren Drucke unterworfene steinige Stoff wurde durch einen anderen Ausbruch befreit und über den ganzen Distrikt ausgestreut, wo er nun als Waterberg-Konglomerat bekannt ist. Man findet die höchsten Hügel und die tiefsten Täler mit hoch polierten, durch den See geputzten Kieseln besetzt, die aussehen, als wenn sie gestern aus dem Wasser genommen wären. Nur auf den un- verletzten Bruchstücken des Plateaus, welches einst die höchste Erhebung des Seeufers bildete, findet man sie nicht, aber auf den Abhängen dieses Hochlandes, genau unter der Oberfläche, zuweilen zwei oder drei F"uß in der Tiefe, findet man Lager von schönen, durch den See geputzten Muscheln. Auf der Farm Rietfontein N. 1944 wurde em Lager dieser schönen Muscheln in allen P^ormen, sechsundzwanzig Fuß tief, gefunden. Die geologische Geschichte Waterbergs ist seit jener Umwälzung hauptsächlich die einer schnellen 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 Austrocknung gewesen. Hell liegt über seiner Oberfläche die Schrift für den, welcher sie lesen mag. In der Erinnerung des weißen Menschen gab es eine Zeit, in der jede Kluft, jedes abschüssige Ufer, das Bett eines ausdauernden Stromes von Kristallwasser und der Bezirk gewöhnlich so sumpfig und bachreich war, daß es oft ein ge- wagtes Unternehmen war, vermittels eines Ochsen- wagens eine Durchfahrt zu machen. In jenen Zeilen bekam der Bezirk seinen gegenwärtigen Namen, — ein Name, welchen heute die bittere Ironie einiger getäuschter Voortrekker 'j hervor- gerufen zu haben scheint. Sogar innerhalb des letzten halben Jahrhunderts war Waterberg Bewohnern auf dem hohen Felde sinnverwandt mit einer Art von Lotusland der Fruchtbarkeit, buchstäblich mit IVlilch und Honig Überflossen. So reichlich waren diese Sinn- bilder und Beweise von Fruchtbarkeit, daß die Hausfrauen jener Zeit ihre Schweine mit einer Mischung von ausgedrücktem Honig und „dicker" Milch fütterten. Obst, wildes und kultiviertes, war sprichwörtlich für Größe und Fülle. Jedes Farmhaus hatte eine Wassermühle, ein Schöpfrad, und ein Schnapsbrennkolben rauchte Nacht und Tag. Es war der letzte, große Zufluchtsort großen Wildes im nördlichen Transvaal. Hier mag er- innert werden, daß es zu „Schimmel-perd-se-pan" war, daß Makapan den Kommandanten Pot- g i e t e r zur Elephantenjagd einlud, als er den Mord geplant hatte. Es ist vielleicht wahr, daß sich der Mensch auch hier sein Brot im Schweiße seines Angesichtes zu beschaften hatte; er hatte zu arbeiten, um zu leben, aber seine Arbeit war so ungewöhnlich einem Spiele gleich, daß der Distrikt nicht ohne Grund „Lui-lekker-land" ge- nannt wurde. Ein „gesalzenes" Pferd und eine gute Büchse waren die Hauptnotwendigkeiten des Lebens und manch eine schöne F'arm wurde für eines von diesen getauscht. So sah das Bild damals aus. — Und nun? Tantaene animis celestibus irae? Die letzte Zeit war ein Höhepunkt von ver- schiedenen trockenen Jahren; es war die ärgste Dürre, welche je dieser Distrikt, seit der Besiede- lung durch Weiße, erfuhr. — Dieser Bericht be- ruht auf einem sichereren Zeugnis, als der ununtcr- stützten Erinnerung des „ältesten" Einwohners. Man kann gegenüber solchen Augenzeugen nicht kritisch genug sein. Bei einer auswählenden Annahme solcher Darstellungen kann man fast für jede Theorie Belege finden, sogar das eigene Gedächtnis muß mit ansehnlichem Vorbehalt um Rat gefragt werden. Es gibt niemanden, der in diesem Lande aufgewachsen ist, der sich nicht an breite, tiefe F'lüsse, an mächtigen Regen, an schöne Quellen, Bäche und Wasserfälle zu erinnern vermag. Aber auch eine Menge bekräftigender Tat- ') Voortrekker = Vorauszieher, Buren, welche als erste Ansiedler in neu zu besiedelndes (lebiet eindringen und sich seßhaft machen. Sachen setzen obige Darstellung außer Zweifel. Man nehme nur die reine Tatsache: In letzter Zeit kam eine große Zahl Orangengehölze, deren Bäume über fünfzig Jahre alt waren, vor Dürre um. Talsachen wie diese, eine kleine Studie der Dürrezustände, die Verminderung des vorhandenen Wassers, der Verfolg der alten Spur nicht fließen- der Ströme lassen den Zeitpunkt des gänzlichen Verschwindens des Wassers in absehbare Nähe rücken. An solchen gleichlaufenden Beweisen kann die menschliche Erinnerung um so richtiger ein- geschätzt werden. Daher kann die Behauptung schon stimmen: „Das letzte Jahr (191 3) war das schlechteste Dürrejahr, welches dieser Distrikt seit der Ankunft der Voortrekker erfuhr." — Die ersten Regen fielen über dem größeren Teil des Distrikts nicht vor Mitte November; ungefähr über das halbe nördliche Mittelfeld fiel Regen über- haupt nicht, das heißt, nicht genug Regen, um die F"eldsamen zum Keimen zu veranlassen und die Pflanzen zum Wachsen. Diese Jahreszeit ist in gewisser Beziehung unheilvoll gewesen. In dem ersten Teil derselben fielen hier gute, aber rein örtliche Schauer. Gras und Strauch ent- wickelten sich daher in diesen begünstigten Ört- lichkeiten angemessen gut, jedoch als Regen am meisten für P'eld und Ernte bedurft wurde, hörte er auf den Plateaus und Bergen gleich ganz auf. Im Norden ist, mit Ausnahme von ein oder zwei Örtlichkeiten, dieses Jahr kein Regen gefallen — es ist Ende November 1 Die Wirkung solch einer Dürre eröffnet ein unermeßliches Feld der Untersuchung, jede sicher ermittelte Tatsache würde von größter Wichtig- keit für die Einwohner Südafrikas sein. Nicht nur für den Naturforscher sind diese Tatsachen von Interesse und Wert, auch dem Farmer würde ihr Studium eine wesentliche Hilfe in seinem Ringen um das Dasein gewähren. In einem Auf- satze wie dem vorliegenden ist es nur möglich, einige dieser Tatsachen darzustellen. Viele Ver- suche und Messungen, welche von einigem Werte für eine genauere Untersuchung sein möchten, wurden gemacht, doch würde es sich erübrigen, auf Einzelheiten einzugehen. Ich will mich daher auf eine kurze Beschreibung der mehr unmittelbar wahrnehmbaren Wirkungen der Dürre auf Ober- flächenwasser, Pflanzen und Tiere beschränken; auf Tatsachen, welche einem aufmerksamen Be- obachter auffallen würden. Es ist unmöglich, die Szene gänzlicher Ver- ödung des einst berühmten Jagdgrundes zwischen dem Gaul und Magalakwen, wenn man ihn nicht sah, zu beschreiben. Von den Bergen, nordwärts bis zum Limpopo, macht er die seitlichen Wasser- scheiden zwischen den drei I*"lußsystemen aus. Die zwei Flüsse Magalakwen „die Macht, oder die Feste des Krokodils" und Palala „das Hinder- nis, die Unterbrechung, der Unmögliche" tragen in ihren heimischen Namen den Beweis ihrer früheren Größe, heute sind sie nur Bänder von Sand, welche sich durch öde Sanddünen zum N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 3S Limpopo winden. Man kann sich noch auf einige Entfernung längs ihrem Laufe im Sande Wasser verschaffen. Mit vielleicht einer Ausnahme ist beim Schreiben dieser Zeilen in dem ganzen Distrikt Waterberg kein laufender Flnß oder Bach vorhanden und Waterberg ist bedeutend größer als der Oranjefreistaat. Im Norden des Distriktes ist eine Stelle von über viertausend englischen Quadratmeilen, in welcher es keinen Tropfen laufenden oder stehenden Wassers über der Ober- fläche des Bodens gibt. Schimmel-perd-sepan, der letzte große Mittel- punkt der Elephantenjagd in Transvaal, erhielt seinen Namen von der sagenhaften Tat eines un- erschrockenen Voortrekkers, welcher dem gefähr- lichen Subaqueous-Unkraut trotzend, ein Viertel eines erlegten Elen hinter sich auf dem Sattel, mit seinem Pferde die Pfanne schwimmend durch- querte. Nun ist nie mehr Wasser in der Pfanne, als man mit dem Taschentuch einer Dame be- decken kann. Der Wasservorrat bestand aus einem winzigen Sumpfe, tief unter einem schützenden Felsen und war zur Zeit dieses Schreibens einge- schrumpft, verschwunden, — nichts war übrig, als ein Flecken feuchten Sandes. Ähnlich sind alle die berühmten, alten Wasser der großen Jagd- tage dahingegangen ; — auch aus dem Gedächtnis der Menschen werden sie mit jenen letzten ent- schwinden, welche noch die günstige Gelegenheit hatten, ihr Geschick, aus vieljährigen fortlaufenden Beobachtungen vorauszusagen. Tambootie, ein ungeheuerer Sumpf, immer ge- fährlich zu durchqueren, Sandmannsfontein, eine starke Quelle in den Hügeln, nach dem alten Jäger genannt, welcher daselbst in alten Tagen sein Heim aufzuschlagen versuchte; Bobbe- jans Krans, wo das Wasser unter einem Abgrunde hervorsprudelte, woselbst das schönste Kafifernvieh im Mittelfelde noch vor drei Jahren gesehen wurde — alles ist verschwunden mit dem Schwunde des Wassers; die großen Rindviehherden sind in alle Winde geflohen. Alles, was einst strotzende Weide war, liegt tot und öde dar! Es ist nicht im Mittelfelde allein, daß dieser Zustand besteht, es gibt in der unmittelbaren Nachbarschaft Hunderte von Farmen, welche die nämliche Erzählung zu geben haben, man kann sie auf das Geratewohl herausgreifen. Zwartkloof zum Beispiel wurde durch den verstorbenen Herrn Piet du Toit, einem Voortrekker, auf Rechnung seines prächtigen Wasservorrates ausgewählt. Un- längst war sie noch als eine der besten Weizen- farmen des Bezirks berühmt, und ihre großen Herden halbwilden, roten Afrikanderrindviehs wurden zur Zeit der Rinderpest gleich großem Wilde gejagt und geschossen. Die gegenwärtigen gemeinschaftlichen Eigentümer, die Herren Franz und Noles du Toit, wurden auf der Farm ge- boren. Der erstere ist nun fünfundsechzig Jahre alt, er erklärte, daß er während seiner Lebenszeit nie eine wahrnehmbare Verringerung des Baches festgestellt habe. Ein Brunnen von vierzig Fuß Tiefe ist heute vollkommen versiegt und ist so trocken, wie ein Knochen; — es gibt auf der P'arm nicht einen Tropfen Trinkwasser. Vor dreißig Jahren gab es nicht weniger als elf ausdauernde Quellen in ihrem Felde. Die nämliche Geschichte kann fast von jeder bewohnten Farm in Water- berg erzählt werden. Selbst der große Limpopo ist überall, wo sein Lauf diesen Bezirk begrenzt, trocken, nur durch tiefes Graben in seinem sandigen Bette kann Trink- wasser gefunden werden. Die großen Seacow- sümpfe enthalten noch stehendes Wasser, aber die Mehrzahl derselben ist faul. Der Geruch von Fischen und Krokodilen vergiftet in ihrer Nach- barschaft die Luft, und es wäre Selbstmord, die flüssige Brühe, welche sie enthalten, ohne vorher- gehendes Filtern und Kochen zu trinken. Nach dem neuen starken Regen in Pretoria und Rusten- burg und den darauf folgenden Überflutungen der Sümpfe reichte das laufende Wasser im Limpopo dreißig englische Meilen über Silicas' Stadt hinaus, ging aber dann als seichtes Rinnsal in dem brennenden Sande des Flußbettes verloren. Von allen den ungeheuren Mengen Wassers, welche von den nördlichen Abhängen des hohen F"eldes abliefen und von den meisten Nebenflüssen des Limpopos fortgeführt wurden, erreichte nicht ein Tropfen die See in Gestalt fließenden Wassers. Die einzigen Wasser, welche im Bezirk durch die Dürre unberührt blieben, waren die zahlreichen Thermahiuellen. Die Farm, auf welcher Schreiber wohnte, ist vor allem von dem Wasser einer Thermalquelle abhängig, die sowohl zum Trinken, als auch zur Bewässerung dient. Sorgfältige Messungen während der vergangenen letzten fünf Jahre zeigten keine Verminderung an ihrem Ur- sprung, aber dieses Jahr beträgt der Wasserverlust zwischen Quelle und Dammeinfluß 60 "/y. Die Wirkung der Dürre auf die Pflanzen stand natürlich im genauen Verhältnis zu ihrem Einfluß auf das Oberflächenwasser. Früh im Jahre 191 3 gewann der Glaube Kraft, daß ein großer Teil der Grasklumpen des süßen Feldes ganz tot wäre. Die tiefsten Wurzeln zeigten einen Zustand der Austrocknung, welcher die Möglichkeit des Lebens ausschloß. Diese Ansicht wurde jedoch auf Grund der Erfahrung alter Ansiedler stark bekämpft. Sie schienen zu glauben, daß kein Grad der Aus- trocknung die Grasklumpen, solange sie im Boden verblieben, töten könne. Um diese Frage zu ent- scheiden, wurde es versucht, das Wachstum von zwei- hundert Klumpen süßen Grases, von verschiedenem Wüchse, auf dem Zoet-Dornfelde, durch Befeuch- tung und Beschattung wieder anzuregen. Das Resultat bewies, daß 92"/o ganz tot waren. Die Durchschnittszahl der Samen, welche in und neben diesen Klumpen keimten, war drei. Doch starben vor Ende der Jahreszeit die meisten Sämlinge ab. Gerade genug Regen fiel, um die Keimung zu bewirken, in der zartesten Wachstumperiode aber dörrte sie die Sonne zu Tode. Das Resultat war, daß eine ungeheure Ausdehnung des süßen Feldes 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 zerstört wurde. Auf dieser Farm gleicht das süße Feld mehr einer brach liegenden Heide, als einer üppigen Weide, die es einst war. Die gröberen, zu einer großen Ausdehnung gelangten „Sauergräser" — Aristiden ') — ent- gingen der vollständigen Zerstörung, da ihre Klumpen fähiger sind, der Dürre zu widerstehen. Die dicke faserige Bedeckung, gerade über dem Boden, gewährt mehr Wurzelschatteii und ist ein besseres Aufsaugungsmittel als die knappen Klum- pen des feinen Grases. Es scheint mir ganz augenscheinlich, daß diese sog. „sauren" Gräser vergleichsweise nur neue Eindringlinge aus dem wüsten Norden sind, wo sie sich durch natürliche Auslese seit langem an ähnliche Bedingungen an- gepaßt hatten. Die einheimischen, süßen Gräser, nicht fähig, sich dieser veränderten Umgebung selbst anzupassen, sind Verlierer im Kampfe um das Dasein. Daher kommt es, daß sich das ganze P"rüchte vollkommen dieGestalt eines Klaufrosches') erreicht. Man sieht, daß sowohl Körper, als auch Schwanz dick mit scharfen, steifen, rückwärts ge- wachsenen Borsten besetzt sind. Die Spitze des Torpedos ist ein starker, harter, horniger Stachel, scharf, wie die Spitze einer Nadel, mit einem Kranze von Harpunenspitzen an seinem Grunde. Die Frucht ist so fähig, sich fest an den Fellen der Tiere anzuhängen, außerdem durch den Wind leicht fortbewegt zu werden. Auch in anderer Richtung sind diese Eigenschaften von unmittel- barem Werte. Dieses Samenkorn ist eine alles durchdringende Maschine — wie wirksam, kann man an den Tatsachen beurteilen, daß es oft in den inneren Geweben von Tieren gefunden wurde, nachdem es durch Fell und Muskelfleisch gegangen. Oft dringt es in den menschlichen Körper und ist dann immer eine Ursache ernster Gefahr. Jeden Augenblick versucht die leicht eingebettete Frucht süße Feld an Ausdehnung jährlich vermindert und sich das sauere Feld ausdehnt. In der Tat ist es fast unmöglich, ein ganz reines, süßes Feld in Waterberg zu erhalten. Das beste süße Feld würde vor einigen Jahren ein „gemischtes Feld" genannt sein. In den alten Tagen war Waterberg ein „Süßfeldbezirk". An ihren Samen ist es, daß man am besten die große Widerstandskraft der sauren Gräser gegen Dürre beobachten kann. Die Art ihrer Verbreitung, ihr Keimungsverlauf wurden unter dem Einflüsse der Dürre in einem halb wüsten Lande erworben; ihre Lebensgeschichte ist eine von jenen Zauber- erzählungen der Botanik, welche sogar dem Ge- schäftsmanne, welcher keine Zeit hat, darauf zu achten, von Interesse sein möchte. Mit einem, gleich einem Torpedo gestalteten Körper und einem langen, spitz zulaufenden Schwänze, haben die ') Aristida L., Pflanzengattung aus der Familie der Gräser. Die zahlreichen Arien dieser Gattung sind meist Tropen- bewohner, nur A. coerulescens ist außer in Afrika auch im südlichen Spanien anzutreffen. tiefer einzudringen und häufig kann ihn nur eine wundärztliche Operation entfernen. Es ist etwas Gewöhnliches, in guten Regenjahren über eine durch den Wind zusammengetriebene Masse dieser Früchte zu kommen. Dann bietet sich die günstige Gelegenheit, ein Wunder des Pflanzenlebens zu sehen. Die Früchte, wie sie da liegen, sind gehäuft, ordnungslos, gleich zufällig hingeworfenen Markier- stäbchen. Sprengt man ein wenig Wasser auf die Masse, so wird man ein Zittern, wie erwachendes Leben, fast augenblicklich durch sie gehen sehen. Bewegungen in allen Richtungen folgen, krampf- artige Stöße, Drehungen, Wendungen, so tierartig, daß man im Zweifel ist, ob es wahrhaftig Samen und nicht Insekten sind. Dieser Zweifel steigt mit dem Fortgang des Prozesses, — der Erfolg wird dann augenscheinlich. Man sieht, daß sich ') Mit „Klaufrosch", tadpole, bezeichnen die Afrikander — in Afrika geborene Weiße — ein hakenförmiges Werkzeug, welches zugleich als Hebel benutzt werden kann, wie man auch bei uns den als Daumkrafl bekannten Hebel oder Hebe- daumen „Frosch" nennt. N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 37 durch diese Bewegung die Früchte selbst entwirren. Wenn dieses bewirkt ist, macht jede einzelne un- abhängige Bewegungen. Zuerst scheinen diese ganz wirr und zufällig; nur nach sorgfältiger Beobach- tung dämmert es einem auf, daß alle diese Be- wegungen ganz geordnet sind und einen bestimmten Zweck haben. Die ersten zuckenden Drehungen erheben den Kopf frei von dem Boden und befreien ihn von den hindernden Genossen. Eine Krümmung des Schwanzes, auf welchem er dann ruht, wendet die Torpedokopfspitze erdwärts. Sie wird allmäh- lich gesenkt, bis die Nadelspitze und ihre Harpunen- borsten durch den festen, fortlaufenden Druck des Schwanzes in den feuchten Boden gedrängt wird. Diese Bewegung wird fortgesetzt, bis die ganze Frucht eingebettet ist; diese Tätigkeit umfaßt einen Zeitraum von fünfzehn Minuten. Ihr Haupt- schutz gegen die Dürre und etwaige verhängnis- Art durch die jährlichen Feldfeuer in den Kampf eintritt, so das Werk der natürlichen Auslese unterstützend und vervollständigend. Nicht nur die Zwerge des Feldes werden so niedergeschlagen, auch die Riesen, sicher in ihrer Kraft und ihrem Alter, entrinnen doch nicht ihrem Schicksal. Die großen Bäume sind blatt- und saftlos, gleich einem nördlichen Waldlande in der Mitte des Winters. Auf den höheren Hügeln sind 50 "/g der Buchenhölzer und Quecken ganz tot, Nahrung für das nächste Feldteuer. Unter den toten Bäumen sind viele, deren Alter nach den Jahresringen auf wenigstens dreihundert Jahre geschätzt werden kann. Sogar die wirksamsten Wasserspeicherer konnten sich infolge dieser schrecklichen Ausdehnung der Dürre und Hitze nicht wieder beleben. Die kleine naevose Aloe, gemein auf den südlichen Hügeln im Mittelfelde, wächst reichlich, hauptsächlich im volle Nachtschauer liegt darin, daß der Boden nur leicht angefeuchtet ist. Der Same dringt durch, verbleibt aber ohne Keimung, und so die Sicher- heit des zukünftigen Sämlings verbürgend, jenseits der Linie der Feuchtigkeit, fertig gepflanzt, auf genügenden Regen wartend. Dieses Eindringen steht zu der Länge des Schwanzes im Verhältnis; man wird zu Ende der Jahreszeit der strengen Dürre finden, daß die Formen mit langgeschwänzten Früchte mehr Wildlinge entwickelt haben, als die mit kurzgeschwänzten; auch verlangen die harten Schalen dieser Früchte, um zu erweichen, einen be- stimmten und längeren Betrag der Feuchtigkeit. Dieser sämtlichen Vorzüge sind die Früchte der süßeren und weicheren Gräser beraubt. Die Klumpen sterben. Die Früchte keimen mit dem ersten schwachen Schauer, nur, um am nächsten Tage in der sengenden Sonne zu verdorren. So geschieht es, daß sich das berühmte süße Feld von Waterberg jährlich vermindert, mehr und mehr gemischt wird und sich sein Wert als ein Rind- viehbezirk entsprechend verschlechtert. Dazu kommt, daß auch der Mensch wider die sich verlierende Schatten dicker Büsche auf der Ebene. Wo dieser Schatten an irgendeinem Platze mangelhaft war, fingen ihre Blätter zu fallen an, vor Mitte der Jahreszeit waren sie ganz tot. — Stapeiien, ') diese Zaubertöchter der Wüste, sind sehr zahlreich. Unter gewöhnlichen Bedingungen schienen sie, beim Wachsen auf unfruchtbaren Felsenriffen einen kargen Boden vermittels ihrer eigenen Wurzeln sammelnd, jeden Anschein von Feuchtigkeit zu vermeiden; sogar diese Stapeiien hingen einge- schrumpft und schlapp auf ihren Felsen und die Hälfte der Pflanzen ist ohne Leben. Es war eine Überraschung, einen der besten Dürrewidersteher in einer großen Hypoxis zu finden. Nicht nur, daß sie ansehnliche Höhe er- ') Die Gattung Stapelia (Familie der Asclepiadeen) um- faßt blattlose oder nur mit schuppenartigen Blättchen ver- sehene Gewächse mit dicken, oft vierkantigen, fleischigen Stengeln, welche an manche Kakteen oder an afrikanische Wolfsmilcharten erinnern. Die Blumen sind meist sitzend, lederartig, nicht eigentlich schön, mehr bizarr, wenn auch bei vielen Arten durch den ihnen anhaftenden Geruch nicht an- genehm. An hundert Arten. 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 reichte, sondern an schattigen Plätzen erschienen sogar einige krankhafte Blüten. Oberhalb des Bodens hat diese Pflanze eine Knolle mittleren Umfangs, nicht eben groß, verglichen mit der Größe der Pflanze. Diese Knolle ist von mehreren trockenen Schichten vollständig wasserdichter Schalen umhüllt und mit klebriger, orangegefärbter Flüssigkeit gefüllt. Von besonderem Interesse war die Tatsache, daß nach ihr begierig gesucht und sie von allen Tieren mit Vorliebe vor anderen beschaffbaren Pflanzen gefressen wurde; sogar die gut gefütterten Tiere unserer Gespanne waren be- gierig darauf. Wir könnendie Pflanzenwelt nicht verlassen, ohne auf die merkwürdige Welwitschia mirabilis, Familie der Gnetaceen, der ein hundertjähriges Alter nach- gesagt wird, einzugehen (Abb. 2). Auf sie allein schien die schreckliche Dürre keinen sichtlichen Eindruck zu machen. Diese baumartige, ausschließ- lich in den trockenen Gegenden vorkommende Pflanze, welche mit ihrem Stamme nur wenige Zoll über den Boden ragt, trotzte der Dürre. Der in der Jugend knollenartige, im Alter etwas über zwei Fuß hohe, verkehrtkegelförmige Stamm fand durch seine Wurzeln genügend Wasser und Nahrung, um sich zu erhalten. Die unter der Erde befindliche, kräftige Pfahlwurzel verbreitert sich nach oben und erlangt in den alten Exem- plaren einen Umfang bis fünfzehn Fuß. Man er- blickt eine flache, in der Mitte gespaltene, zusam- mengedrückte Masse, welche je nach dem Alter einem Teller, einer Schüssel oder einem Tisch ähnlich ist. Alte Exemplare haben eine dunkel- braune, harte, überall geborstene Oberfläche, welche an die dunkele, gesprungene Krume eines schweren Ackerbodens erinnert. Am äußersten Umfange der oberen Fläche entspringen zwei sich gegenüberstehende, wellenförmig über den Erd- boden hinlaufende, flache, lange Riesenblätter von lederartiger Beschaffenheit, welche durch äußere Einflüsse in eine Menge ungleiche .Streifen zerteilt sind. Bei einzelnen gut erhaltenen Exemplaren umschließen diese Blätter den ganzen Stamm. Aus der breiten P'läche, nach innen zu, am Ur- sprungsrande der Blätter, erheben sich fußhohe, gabelförmig verästelte Blütenstände mit aufrecht- stehenden Scharlach- bis karmoisinroten Zapfen, welche an unsere Tannen erinnern. Viele standen in Blüte. Der Einfluß der Dürre auf die Tierwelt war genau so weitreichend und auffällig. Jene Tiere, welchen zu entkommen möglich war, flohen früh von dem geschlagenen Platze, — der Mensch unter den ersten. Das ganze Mittelfeld ist ohne menschliche Bewohner. Weiße und Schwarze zogen mit ihrem Vieh längs den Flußwegen gegen Süd und Nord, als das Wasser zurückging; sehr viel Vieh wurde auf das Hochland geschickt. Für alle praktischen Zwecke ist der Norden eine Wüste, in vielen Beziehungen eine schlechtere als die Kalahari; in der Mitte des Tages bietet sie ein Bild des Todes und der Verödung. Nicht ein Vogel singt, nicht ein Insekt bewegt sich, über allem lagert tiefste Stille. Irgendwo ist gesagt, daß der Wind wehe, von wannen er mag. Hier — wenn ein Lufthauch kommt — hat er immer eine starke Vorliebe für eine Richtung, nämlich die von der Kalahari, er ist heiß und sengend, wie der Atem eines Backofens. Es scheint in der Tat, als wenn die Wüste einen Arm herübergereckt hat, um für alle Zeiten diese großen Flächen einst fruchtbaren Landes in Besitz zu nehmen. An dem kühlsten be- nutzbaren Platze sank die Temperatur, jeden Tag, vier und eine halbe Stunde lang, nie unter 32^' R. Diese schreckliche Hitze und die .Abwesenheit jeder P^euchtigkeit in der Atmospäre hatte eigen- artige Wirkungen auf den menschlichen Körper und seine unmittelbare Umgebung. Das Haar wurde so elektrisiert, daß es beim leichten Streichen mit der Hand einen knisternden Schauer Funken erweckte. Die Fingernägel wurden spröde, daß sie brüchig wurden und sowohl Haar und Nägel schienen alle Kraft des Wuchses verloren zu haben. Alle Zelluloidstoffe zerbrachen schnell in dünne Blätter und neuer Gummi wurde in einigen Tagen eine unnütze, schwammige Masse. Die Schwänze der Pferde und ihre Seiten knisterten unaufhörlich und standen in zerzausten Büscheln hinaus, jedes Haar augenscheinlich gedrahtet. Wenn man während der Nacht reiste, waren ihre Seiten von kleinen, von elektrischen Entladungen herrührenden Flämmchen umgeben. Das Streichen des Segeltuches mit dem Finger verursachte eine Entladung, welche in der Hand gefühlt werden konnte. Das große Wild war nahezu ganz ver- schwunden und die großen Herden der blauen wildebeeste, welche früher im Jahre oft die Flüsse besuchten, zogen den Limpopo hinab, zu den großen Teichen und quer hinüber nach Rhodesia. Der den Tieren durch den Wechsel in ihrer Umgebung aufgezwungene Wechsel der Gewohn- heit war sehr interessant und in vielen Dingen merkwürdig. Die ersten Geschöpfe, welche wir bemerkten, waren Ameisenfresser; ausgehungert und unbesorgt gingen sie am hellen Tage umher. Diese interessanten Säugetiere schienen sich, so- weit es die Nahrungsaufnahme betraf, in ver- zweifelter Enge zu befinden. Ich hatte hier, in der ersten Zeit, an einem Mittage die günstige Gelegenheit zur Beobachtung eines Erdferkel- Jungen mit seiner Mutter (Orycteropus). Die L'rsache, welche dieses meist nächtliche und scheue Tier nötigte, eine festgesetzte Gewohn- heit aufzugeben, war unmittelbar sichtbar. Die Termiten, von welchen sie sich ausschließlich nähren, leben nur in hartem Boden; in den Sanddünen gibt es keine. Der von l'ermiten bewohnte Boden war aber so hart wie ein Felsen. Obgleich das Erdferkel die vollkommenste Bergbaumaschine ist, waren die Stunden der Dunkelheit für dasselbe nicht genügend, die Ter- mitennester zu erreichen; hinfort wurde es auch im Tageslicht zu arbeiten genötigt. Allenthalben fanden wir im Flächenraume des roten Bodens N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 39 seine verlassenen Versuche zur Schachtbohrung. Bei einer anderen Gelegenheit begegneten wir, am Morgen, des Zahnlückers Nichte, ein Schuppen- tier (Manis) ein Weibchen mit seinem Jungen auf dem Riicken. Die Schwänze waren fest inein- ander verschlungen. Von Hunger getrieben, jagten die meisten nächtlichen Raubtiere während des Tages so gut als wie bei Nacht. Zwei Leoparden raubten in der Nachbarschaft einen kleinen Kaffern und trugen ein Schwein während des frühen Nachmittags fort. Die unglücklichen Paviane schliefen augenschein- lich überhaupt nicht, durch den Hunger waren sie furchtlos und unnatürliche, plumpe Knochen- gerüste. In regelrechten Zeiten fürchtet kein Tier das Dunkel mehr als der Pavian. Nichts wird ihn bewegen seinen Schlafplatz zu verlassen, bis die Morgendämmerung gut vorgeschritten ist, er ist immer besorgt, vor Anbruch der Nacht sicher auf seinem Ruheplatze zu sein. Hier hörten wir die ganze Nacht ihre menschenähnlichen Klagen, während sie an den Flußufern nach Nahrung suchten, alles und jedes verschlingend, was mit diesem Namen entfernt betitelt werden konnte. Wohin die Krokodile verschwunden waren, war zuerst ein unauflösliches Rätsel. Die wenigen stillstehenden Sümpfe im Limpopo wimmelten natürlicherweise von ihnen, jedoch stand ihre Zahl unmöglich im Verhältnis zu den Mengen, welche in Regenzeiten jeden Teich im !\Iagalakwen, Palala, Gaul und Crocodile gefährlich machen. Eine wahrscheinliche Lösung des Rätsels wurde durch eine Grabung nach Wasser im Sande des Magalakwenfiußbettes nahegelegt. In der Mitte hatte das Loch bei einem zweckentsprechenden Umfange, um den Wasserspiegel zu erreichen, wenigstens sechs Fuß tief zu sein. Viereinhalb Fuß unter der Oberfläche traf man auf ein kleines, drei Fuß langes, anscheinend totes Krokodil; — es war gerade unter dem Niveau des feuchten Sandes. Obgleich augenscheinlich leblos, war der Körper schlank und frisch 1 Wir fanden auch eine Zahl kleiner Fische, welche den Buren des Buschfeldes als „south-makriel" \l Südmakrele bekannt waren; dieselben schienen ganz leblos. Die Plsche wurden im unmittelbaren Sonnenlicht in einen Eimer Wasser gesetzt und in Zwischenräumen, aus einer beträchtlichen Höhe, mit einem Strahle Wasser aus einem Kessel Übergossen. In zehn Minuten fingen sie an Lebenszeichen zu geben und in einer viertel Stunde schwammen sie augenscheinlich ohne Nachteil durch ihr langes Schlafen im Eimer umher. Das Krokodil belebten wir innerhalb einer halben Stunde, es wurde in ein in den Schatten eines Baumes geschaufeltes Loch gesetzt und ge- legentlich mit einem Eimer Wasser übergössen. Irgendein seltsamer Naturtrieb schien es im ') South-makriel, Makrele Scomber. — Die Buren be- zeichnen diese Fische auch als barbel = Barbe. Die Barbe, Barbus fluviatilis, zur Familie der Karpfen gehörig, wühlt sich beim Schwinden des Wassers in den Boden ein, Augenblicke des Erwachens zum Leben zu zwingen, sich wieder in den Sand einzugraben. • — Nach den Spuren und der eigenen Beobachtung zu urteilen, schienen die meisten der noch in dieser öden Wüste lebenden Tiere gelernt zu haben, nach Wasser in dem Flußbette zu graben. Die erfolgreichsten Gräber waren die Paviane und Warzenschweine. Mein Begleiter — ein alter Jäger und geschickter Feldmann — wies mich auf die interessante Tatsache hin, daß jeder Laut dieser Schweine den ganzen Tag ein ordentliches Gefolge anderer Tiere herbeilockte, die augen- scheinlich von ihren Wasserlöchern profitieren wollten. Eine ganz unerklärliche, während der Höhe der Dürre in gewissen Teilen des Springbockflats beobachtete Sache war, daß die gewöhnlichen weißen Ameisen in der Mitte des Tages in un- geheurer Zahl aus ihren Löchern kamen, um in einem geschlossenen, gezackten Ballen den ganzen Tag in der Sonne zu liegen. Der Boden in der Um- gebung eines solchen Ballen war so heiß, daß man ihn nicht länger als zwei oder drei Sekunden mit der bloßen Hand berühren konnte. Ich war begierig, den Wärmegrad der direkten Sonnen- strahlung nächst dem Ballen zu ermitteln, und stellte ein Thermometer dicht daneben. Unglück- licherweise ging die Skala nur auf 6o Centigrade und das Quecksilber stieg in einigen Minuten zum Gipfel der Röhre. Dieses fürchterliche Sonnen- bad schien ihre verkümmerten Körper nicht im geringsten zu schädigen. In der Kühle des Abends zogen sie sich in ihre unterirdischen Nester zurück. Das einzige Tier, welches keine wahrnehm- bare Unbequemlichkeit litt, obgleich es auch zu einem Wechsel ihrer Gewohnheit getrieben wurde, war Canis pictus, der schreckliche Jagd- hund. Im Mittelfelde jagten sie während regel- mäßiger Zeiten nur während des Tages, meistens am frühen Morgen; wegen der schrecklichen Hitze jagten sie zur Nacht, wir wurden oft durch den Lärm ihres Treibens rauh aufgeweckt. Bei einer Gelegenheit trieb ein Trupp eine ausge- wachsene rietbuck- Schafmutter gerade durch unser Lager, während wir im Lichte eines großen Feuers saßen und rissen sie im Flußbette, innerhalb zwanzig Schritte von unseren Fuhrwerken, nieder. Bei einer anderen Gelegenheit trieb ein Trupp einen unserer Eselhengste zwei englische Meilen, ehe sie ihn erbeuteten und das unglückliche Tier auffraßen. Ich hatte nicht den mindesten Zweifel, wenn ich ihnen während des Tages begegnete, daß sie, nach ihrer drohenden und furchtlosen Körperhaltung zu urteilen, einen Menschen an- greifen würden, wenn sie das geringste Anzeichen von Furcht und Rückzug dazu ermutigte. Wir hatten einmal die Genugtuung, beim Zusammen- treffen mit einem Trupp dieser verwegenen Wüsten- räuber, welcher einen ausgewachsenen, männlichen Strauß nahe einem benachbarten Felde innerhalb weniger hundert Meter von unseren Zelten ge- 40 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 tötet hatte, durch Gewehrfeuer fast völlig zu vernichten. Dieses schien ein neuer Raub zu sein. Mehrere alte Waterbergiäger versicherten mir, daß sie früher niemals gehört, daß wilde Hunde einen Strauß jagten, und verschiedene bezweifelten die Möglichkeit der trbeutung eines aufgewachsenen gesunden Männchens. Der weißköpfige Seeadler, Haliaetos leucoce- phalus, welcher jedem Besucher der Küste Ost- afrikas wegen seines klaren , triumphierenden Jauchzens, hoch in den Wolken über irgendeiner Seebucht, auffallen wird, ist immer ein seltener Besucher von Waterberg während des frühen Sommers gewesen. Mannahm an, daß sie nur durch Stürme an der Küste landein getrieben würden. Dieses ist ein Irrtum. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der wirkliche Grund ihrer Reisen so weit landeinwärts die Austrocknung der Ströme ist, welche sie mit einer ergiebigen, leicht erhält- hchen Nahrung versorgen. Sie folgen dem Laufe eines austrocknenden Fhi.'^ses so lange, als die Aussicht vorhanden ist, sich Fische zu verschaffen. Wir fanden eine große Zahl dieser Vögel am Maga- lakwen, mehr als ich je zusammen gesehen habe. Hier waren sie nicht mehr die vornehmen Bürger der Wolken, wie in ihren heimischen Aufenthalts- orten, die sich aus schwindelnder Bläue herab- stürzten, um unterzutauchen in die frischen, klaren Wogen des Ozeans. Hier im Mittelfelde sind sie reine Fresser, einfache Geier, welche sich um Bruchstücke von Aas, welches die wilden Hunde übrig gelassen, stritten und die die faulen Krabben und Fische, den Flußufern entlang, auflasen. Wenn ich versuchen würde, nur in Umrissen zu beschreiben, wie die Dürre den Vögeln von Waterberg geschadet hat, so würde ich eine ganze Nummer der Wochenschrift nötig haben ; wie interessant auch immer dieser Gegenstand sein mag, so kann doch hierauf nicht näher eingegangen werden. — In Gegenwart dieser Zeichen von Tod und Verwüstung ist es schwierig, optimistisch zu sein. Es scheint nicht möglich, daß je wieder genug Wasser fallen kann, diese verdorrte und geborstene Erde zu befeuchten oder gar zu kühlen und diese Gräben von brennendem Sand wieder zu füllen. Optimismus möchte glauben, daß wir uns am tiefsten Punkte der Dürreperiode befinden und daß es von nun an beständig aufwärts gehen müsse, besseren Zeiten entgegen. Den kritischen Ver- stand jedoch stimmen die vielen Beobachtungen und Überlegungen pessimistisch, er erinnert sich des Beispiels vom Pendel, dessen Schwingungen stufenweise abnehmen bis zum toten Punkt. Einzelberichte. Zoologie. Worauf beruht die Färbung der Geweihe? Zur Beantwortung dieser jeden Tier- kundigen anziehenden Frage werden außer Unter- suchungen in wissenhaftlichen Arbeitsstätten auch die Beobachtungen aufmerksamer Jäger beitragen können. Der folgende Bericht fußt auf Angaben in der Deutschen Jägerzeitung, Band 68, Nr. 42, Band 69, Nr. 13, 30, 45 und 51 und Band 70, Nr. 13, 14, 16 und 18. Einwandfrei steht nach den zuerst in den Anatomischen Heften, Nr. 155, ver- öffentlichten mikroskopischen und chemischen Untersuchungen v. Korff's, sowie nach den che- mischen und spektroskopischen Prüfungen von Dr. Fr., einem Arzt, fest, daß der Farbstoff der gefegten Stangen Blut, „Schweiß", enthält. Und zwar überzieht ein Belag von Blutgerinnsel und Staub die Oberfläche der Geweihe und verdeckt die weiße Farbe der Knochensubstanz mehr oder weniger an den verschiedenen Stellen. Hieraus kann man schon schließen, daß die An- sichten der Jäger, die die Verschied en hei ten der Färbung ihrer Trophäen auf äußerlich wirkende Einflüsse zurückführen. Berechtigtes enthalten. Insbesondere kann, wenn ein Stück Wild genötigt ist, bei wochenlangem Regenwetter zu fegen, das Gehörn oder Geweih durch ständige Abspülung des Blutes bleichsüchtig, hell werden ; schmutzig graugelbe Stangen mit elfenbeinartigen Spitzen sollen entstehen, wenn der Bock viel im leichten Sande in einem an Büschen armen Gelände fegt, Auf der Art des in der Gegend herrschenden Staubes wird es ferner beruhen, daß in der ober- schlesischen Hüttengegend die Rehböcke sämtlich ein schmutziggraues bis schwarzgraues Gehörn haben. Der Staub braucht dabei weder unmittel- bar aus der Luft noch vom Erdboden aus auf das Gehörn zu kommen, sondern am häufigsten wird dies von den Pflanzenästen aus geschehen, an denen das Wild ja gewöhnlich fegt. Gewisse Beobachtungen scheinen die verbreitete Annahme zu bestätigen, daß Gerbsäure und andere Säfte der Baum- und Strauchäste, an denen das Wild fegt, die Geweih- oder Gehörnfärbung zu beein- flussen vermögen. Besonders soll das Fegen und Schlagen an Erlenarten die dunkelsten Färbungen hervorrufen, so in Revieren, in denen die Roterle neben verschiedenen Strauchweiden fast die allein herrschende Holzart bildet, und noch mehr dort, wo im Hochgebirge es dem Hirsch möglich ist, an der Alpen- oder Bergerle zu schlagen, was dem Geweih eine intensiv schwarze Farbe mit nur schneeweißen Spitzen verleiht. Daß übrigens auch ohne Beimengung von I-'remdsubstanzen zum Blut durch das Blut allein eine kräftige Verfärbung der Stangen eintreten kann, lehrt ein gelegentlicher „Pergamentbock", ein Bock, der nicht gefegt hatte und geschossen wurde, als der bereits vollständig vertrocknete Bast noch die Stangen fast bis auf die Rosen umscheid ete; die unteren Teile der Stangen, an N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. denen der Bast nach den genauen Beobachtungen des Revierinhabers erst unlängst und lange nach seinem Absterben abgebröckelt war, sind kräfiig verfärbt. Daß ferner ohne Anlagerung von Blut lediglich durch Fremdsubs tanzen das Gehörn gleichfalls die naiürliche Färbung bekom- men kann, scheint ein Gehörn zu lehren, das noch frischen Bast trug, als der Bock, für einen guten Bock gehalten, erlegt wurde, und das nach Ent- fernung des Basts, an welchem Schweiß nicht vorhanden war, wie alle Bastgehörne anfangs ganz hell war, aber nach künstlichem F"egen an Fichten, Büschen und am Erdboden und nach Sonnenein- wirkung am ersten Abend bereits wesentlich dunkler und am zweiten Abend von einem natür- lich gefegten Gehörn nicht zu unterscheiden war. Ähnliches lehren mit Gewißheit die Versuche des Zahnarzt H. Pältz, der an allen Bastgehörnen durchaus natürlich aussehende und zum Teil sehr kräftige Verfärbungen nicht nur durch Behandlung mit Blut und Gerbsäure, sondern auch ohne Blut- farb'^toff durch Behandlung mit bloßem Serum und Staub oder mit Gerbsäure und Staub erhielt, während die Behandlung Ifdighch mit Serum und Gerbsäure nur strohgelbe Färbungen ergab. Eine andere Frage ist, ob irgend etwas am Gefüge des Knochens die Färbung mitbe- stimmen kann. Dann würde die Färbung nicht unbedingt nur auf außen angelagerten Substanzen beruhen, sondern wenigstens manchmal auch auf tiefer eindringenden, mögen diese nun mit dem Knochengewebe eine chemische Verbindung ein- gehen oder nicht. Jedenfalls war der Versuch von Pältz, eine durch Blut und Gerbsäure erzielte künstliche Färbung abzuwaschen, erfolglos. Es sollen ferner Moorgehörne eine verhältnismäßig dunkle Färbung dadurch bekommen, daß sie wegen der Kalkarmut des IVIoors und der Moor- pflanzen poröser und merklich leichter an Gewicht als andere Gehöre sind, wodurch das Periost vor dem Fegen nicht in der normalen, von AI tum beschriebenen Weise ossifizieren und Blut und Moorerde leicht in die Stangen eindringen könne. Streift sich durch Zufall ein Stück Bast vorzeitig ab, so wird die von ihm befreite Stelle dunkler als das übrige Gehörn. Je kalkreicher ein Gehörn, um so länger sind seine Enden weiß poliert. In Tiergärten werden die Gehörne und Geweihe in der Farbe bekanntlich ausnahmslos schmutzigen Knochen gleich, trotzdem der Schvveißaustritt beim Fegen nicht geringer ist als in freier Wildbahn. Das spricht aber doch nicht gegen die hohe Bedeutung des Blutes für die Gehörn- färbung unter natürlichen Verhältnissen, sondern wird darauf beruhen, daß die Zerviden in der Gefangenschaft stets überfegte Gehörne haben. Sie fegen aus Langerweile mehr als im Freien und wenigstens zum Teil an härteren Gegenständen, wie Gattern und Bretterwänden, und sind somit keine geeigneten Prüfstücke für die Frage. V. Franz. D as stammesg eschichtliche Verhältnis zwischen Flagellaten und Rhizopoden. Hat man ehedem in den zu den Rhizopoden gehörigen Amöben die ursprünglichsten Protozoen, ja überhaupt wohl die ursprünglichsten Organismen erblicken wollen und demgemäß Formen wie Mastigamoeba, die be- geißelte Amöbe, als Übergänge von den Amöben zu den Geißeltierchen oder Flagellaten gedeutet, so ist doch schon vor mehr als zehn Jahren die Ansicht laut geworden, der stammesgeschichtliche Weg könnte auch in umgekehrter Richtung, vom Flagellat zur Amöbe, geführt haben, zumal bei Rhizopoden begeißelte Jugendstadien auftreten. Die immer zahlreicheren Funde von solchen Organismen, die zeitweilig Amöbe, zeitweilig Flagellat sind, und von solchen, die dauernd beide Organisationen in sich vereinigen, lassen natürlich jene P'rage nicht ohne weiteres entscheiden. Da- gegen beantwortet sie Pascher in einer soeben heraufgekommenen Broschüre ') auf Grund genauer, zehnjähriger Beobachtungen in dem Sinne, daß Flagellaten ursprünglicher sind als Rhizopoden. Aus dieser Arbeit kann man genau ersehen, wie sich ein kritischer Forscher mit vollem Verant- wortungsgefühl zu dieser Annahme stellt, die in gleichem oder ähnlichem .Sinne heutzutage aller- dings schon von vielen, doch mehr oder weniger unverbindlich, geleilt wird. Pascher führt eine große Anzahl von Lebens- formen, großenteils von ihm selbst erstmalig be- schriebenen, aus dem Süßwasser und aus dem Meere vor, die sich etwa in Reihen anordnen lassen, an deren einem Ende pflanzliche, gefärbte Flagellaten stehen, am anderen farblose, durchaus rhi/.ipodiale, tierische Organismen. Als Übergangs- formen erscheinen: gefärbte Flagellaten mit gleich- zeitig animalischer Ernährungsweise nach Amöben- art; gefärbte Flagellaten mit Pseudopodien und sogar mit Axopodien, von einem festen Stab ge- stützten Pseudopodien, wie sie den Sonnentierchen unter den Rhizopoden eigen sind; gefärbte Flagel- laten, die zeitweilig unter Verlust der Geißel völlig rhizopodial werden oder nur im jugendlichen Schwärmerstadium begeißelt sind oder auch das nicht einmal, so daß keine Geißel mehr, sondern nur noch anderweitige Merkmale ihre nahe Ver- wandtschaft mit den Flagellaten erkennen lassen. Die ungefärbten Flagellaten, die ihrerseits von den gefärbten abzuleiten sind, enthalten ebensolche Formenreihen und führen schließlich zu einer Mastigamoeba, die zeitweilig ihre Geißeln abwirft, und zu ähnlichen Formen, die man schon als Amoeba beschrieben hat. Dafür, daß diese Reihen stammesgeschichtlich in der Richtung vom Flagellat zur Amöbe zu lesen sind, spricht namentlich die allmähliche Reduktion des Chromatophorenapparates in manchen Vertretern von ihnen. Denn es gibt neben Formen mit großem Chromatophor solche ') A. Pascher, Flagellaten und Rhizopoden in ihren gegenseitigen Beziehungen. Jena, G. Fischer, 1917. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 mit winzig kleinem, der sogar ganz fortbleiben kann, und solche ohne Chromatophor und doch mit dem Pyrenoid, einem Körper, der sonst stets nur in Verbindung mit Chromatophoren auftritt, endlich solche ohne Pyrenoid und doch mit pflanz- lichen Assimilaten, wie Stärke, Leukosin, Fetten und Ölen, die wiederum schrittweise fortbleiben. Daher wird man nun auch die Schwärmer- stadien von Rhizopoden im Sinne der biogenetischen Regel als vorfahrenähnliche Jugendstadien deuten dürfen. Pascher betont den hypothetischen Charakter dieser wie aller Anschauungen in Abstammungs- fragen und warnt vor allem vor ihrer vorzeitigen Verallgemeinerung. Er hat ja als Botaniker nicht die Rhizopoden, sondern nur die Flagellaten bis an ihre Grenze gegen die Rhizopoden untersucht, und wenn er hier auch innige Zusammenhänge feststellt, so läßt er es dahingestellt, ob das Gleiche für alle Rhizopoden, ja auch nur für alle Amöben gelte, die noch eine bunte Gesellschaft darstellen. Vielmehr meint er, auch von einer ganz anderen Seite her können rhizopodiale Organisationen aus- gebildet werden, worüber er sich ein anderes Mal aussprechen will. Doch schon heute meint er, daß an die Basis der heutigen Organismen nach unseren nunmehrigen Anschauungen nicht die Amöben, sondern die Flagellaten zu stellen sind und damit Organismen, die himmelweit über jeder theoretisch angeforderten Lebensurformstehen. V. Franz. In einer umfangreichen Arbeit „Die Hymenopteren als Studienobjekt azygoter Ver- erbungserscheinungen, „Experimentum crucis theoriae mendelianae" in der Zeitschrift für induk- tive Abstammungs- und Vererbungslehre, 191 7, Band XVII, Heft 4, behandeln L. Armbruster, H. Nachtsheim und Th. Roemer die Vorteile, welche die azygote Vererbung, die Vererbung bei parthenogenetischer Fortpflanzung, für die For- schung mit sich bringt, fernerhin weisen die Ver- fasser besondersauf die Hymenopteren als geeignete Studienobjekte hin und stellen außer methodolo- gischen Hinweisen die bisher durch Experiment und Beobachtung teils gesicherten, teils sehr wahr- scheinlich gewordenen Tatsachen zusammen. Von diesen sowie aus der Einleitung sei im folgenden das, was allgemein interessieren wird, hervorgehoben. Zur Parthenogenesis, apomiktischen Entwicke- lung oder Fortpflanzung ohne vorausgegangene Befruchtung sind fast nur weibliche Geschlechts- zellen befähigt. Apomiktische Entwickelung aus männlichen Geschlechtszellen ist nur im nicht ganz strengen Sinne möglich, nämlich dann, wenn die männliche Zelle mit einer kernlos gemachten Eizelle verschmilzt, was sich sowohl bei Pflanzen wie bei Tieren hat verwirklichen lassen und als Merogonie bezeichnet wird. Wahre Parthenoge- nesis oder Entwickelung aus weiblichen Gameten ist im Tierreich nicht selten, und auch im Pflanzenreich mehrt sich die geringe Zahl der sichergestellten Fälle. Für Fragen des M e n d e - lismus ist es stets wichtig, ob die parthenogene- tische Entwickelung vor der Reduktionsteilung, also unter Ausfall dieser, oder nach ihr einsetzt. Im ersteren Falle, den Strasburger als Apogamie bezeichnet, entstehen Individuen mit diploider Chromosomenzahl, im letzteren, der nach Stras- burger allein Parthenogenesis heißen dürfte, solche mit haploider. Jene wird auch soma- tische, diese generative Parthenogenesis ge- nannt. Bei Phanerogamen und Archegoniaten ist die Parthenogenesis, wo sie auftritt, somatisch; die generative tritt bei Thallophyten, und zwar vor- wiegend bei Desmidiazeen und Zygnemazeen und einmal bei Chara auf; bei den Metazoen ist sie verbreiteter, dann stets auf die Entstehung männ- licher Stücke beschränkt; so bei Rotatorien und Hymenopteren, während die Weibchen anscheinend fast immer, bei Phyllopoden und Rhynchoten auch die Männchen, soweit parthenogenetisch, generativ- parthenogenetisch entstehen. Für viele Fälle von Parthenegonesis ist diese Frage aber noch nicht gelöst. — Aus vielen Mitteilungen über die Honig- biene geht hervor, daß die erste Generation aus der Kreuzung von Apis mellifica mit Apis ligustica, also einer deutschen Drohne mit einer italienischen Königin oder umgekehrt, nicht einheitlich ist. Wenn nur die Männchen andere Eigenschaften erbten als die Weibchen, könnte sich das daraus erklären, daß nur jene parthenogenetisch, diese aber amphimiktisch entstehen, die Männchen also nur von der Mutter, die Weibchen und Arbeiterinnen von beiden Eltern erben. Aber auch die Weib- chen aus einer solchen Kreuzung sind unter sich viel förmig. Vielförmigkeit von Vollgeschwistern gilt sonst im allgemeinen als Verdacht auf Gemischtrassigkeit der Eltern. Es hat sich aber bei vielen solchen von v. Berlepsch beobachteten Völkern gezeigt, daß die Drohnen ausnahmslos der Mutter folgen, ein sicherer Beweis für die Reinrassigkeit der Mutterkönigin. Die X'aterdrohne muß, weil haploid oder generativ- parthenogenetischer Entstehung, gleichfalls rein- rassig sein. Wenn also deimoch in der ersten Generation teils dem Ansehen nach echt italienische, lebhaft „bunte", teils echt deutsche, „schwarze" Nachkommen, teils Mittelformen erzeugt werden, so kann die Ursache dafür diesmal nicht in der „Heterozygotie" der Elternindivi- duen gesucht werden. Eine andere merkwürdige Erscheinung in der Vererbung bei Bienen ist das Anwachsen rein mütterlich er Eigenschaften in der ersten Bastardgeneration mit fortschreiten- dem Alter derMutterkönigin. Dies ist be- reits an den eben ausschlüpfenden jungen Bienen zu erkennen. Auch in diesen Fällen war die Mutterkönigin reinrassig — die Vaterdrohne selbst- verständlich auch — und die Frage ist noch offen, warum die „isogenen" Individuen nicht „Isophän" sein mögen. — N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 43 Die ungemein wechselnden Farben im Haar- kleid der Hummeln, Gattung Bombus, wurden von einigen Beobachtern als Modifikationen, von anderen als Mutationen angesprochen. Daß sie jedoch Kombinationen infolge Mendel- scher Vererbung seien, scheint ausfolgenden Tatsachen hervorzugehen. Die Zahl der Hummel- farben ist begrenzt, es handelt sich nur um Schwarz, mehr oder weniger reines Weiß, mehr oder weniger leuchtendes Rot und Gelb in ver- schiedenen Schattierungen. Durch die Verteilung der verschieden gefärbten Haare auf dem Chitin- panzer, der an den Farbenabänderungen nicht teil- nimmt, sowie in manchen Fällen durch weiße Färbung der Haarspitzen entstehen die zahlreichen, auf jene vier Grundfarben zurückführbaren Ab- weichungen. Nicht zu jeder beliebigen Zeichnung treten die Farben zusammen, sondern meist zu segmentaler, indem die einzelnen Segmente meist eine und dieselbe Färbung, unter Umständen Mischfärbung aufweisen, gelegentlich zu metamerer Scheckung. Die Verbreitung der Einzelfarbe er- scheint örtlich beschränkt, und zwar Rot meist auf die hintere, Gelb mehr aaf die vordere Körperhälfte, Schwarz und mitunter Weiß auf die dorsale Medianlinie. Es handelt sich also im Grunde wahrscheinlich überall um quantitatives Variieren. Ausnahmen von diesen Regeln treten nur auf bei Arten mit diffuser Färbung, wie Bombus variabilis oder B. muscorum, ferner bei geographischen Formen isolierten Wohngebiets, wie B. lapponicus und den Steppenhummeln. Bei Bombus hortorum nimmt Schwarz im gleichen Maße, wie es im oralen Teile auftritt, auch vom After her zu. Nach alledem und nach weiteren Anzeichen scheint nur für den ersten Anblick ein Chaos vorzuliegen, während die genauere Analyse wahrscheinlich die Wirkung unabhängiger Mendelscher Erbfaktoren nachweisen würde. Als Männchenfärbungen treten bei Hum- meln durchweg extreme Farbenkombinationen auf, wie man es aller Wahrscheinlichkeit nach bei parthenogenetischen und haploiden, also stets rein- rassigen Tieren erwarten muß. F"ranz. In Pflügers Archiv für die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere (Bd. i66, S. 281) finden wir die Ergebnisse einer Untersuchung über die Zirkulation der Teichmuschel unter natürlichen und künstlichen Bedingungen. Die Teichmuschel bildet insofern ein bequemes C)bjekt, als nach Entfernung einer Schale das Herz dem Beschauer frei vorliegt. Die Süßwassermuscheln sind die trägsten uns bekannten Tiere. Die Ortsverände- rung durch Kriechen geschieht vermittels des P^ußes außerordentlich langsam. Das Vorstrecken desselben beruht auf keiner Drucksteigerung der Hemolymphe, da es auch bei Herzstillstand und abnehmender Geschwindigkeit der Herzfolge be- obachtet werden kann, vielmehr auf einem Er- schlaffen der Muskulatur. Außerdem ist nur noch das Schließen der geöffneten Schale makroskopisch sichtbar. Die Leitungsgeschwindigkeit im Nerven beträgt nur i cm pro Sekunde. Die sonstigen aktiven Bewegungen beschränken sich auf das P'limmerepithel der Kiemen und des Darmes, be- anspruchen also keine Muskelarbeit, die ihrerseits wieder die Zufuhr von Sauerstoff nötig macht. Die Arbeitsleistung des Herzens ist also minimal. Dementsprechend ist auch die Zahl der Herz- schläge außerordentlich gering, bei 15" C 2—4 in der Minute; bei O " braucht eine Herzsystole sogar 2 Min. 17 Sek. Der Herzschlag ist häufig arhythmisch und hört bei Blutleere des Herzens ganz auf Merkwürdigerweise wird er durch Sauer- stoffmangel gar nicht beeinflußt, während er in sauerstoffreichem Wasser viel rascher ist. Was die Temperatur anbelangt, so liegt das Maximum bei 30'^ C, das Minimum bei 42" C. In 0-freiem Wasser bleibt die Teichmuschel bis 8 Tage lebend. CaCr- wirkt in verdünnter Lösung beschleunigend auf den Plerzschlag; erst C^ mol. bewirkt systo- lischen Stillstand. MgCI' wirkt dem CaCl'- ähn- lich; der Herzstillstand geschieht in Diastole. Kathariner. Die zur Zeit in Deutschland und den ver- bündeten Staaten herrschende Knappheit an Fetten hat zu mannigfachen Versuchen angeregt, P'ett- quellen, die bisher aus dem einen oder anderen Grunde unberücksichtigt geblieben waren, zu er- schließen und der Allgemeinheit nutzbar zu machen. In dem Körper der Knochenfische sind zum Teil verhältnismäßig große Mengen von Fett- substanzen gespeichert, so vor allem in der Leber und in der Umgebung der übrigen Eingeweide der Bauchhöhle. Es ist bekannt, daß z. B. der Lebertran aus der Leber des Dorsches gewonnen wird und zur Entstehung einer eigenen Industrie in den nordischen Ländern geführt hat. Die Fettmengen in dem Körper unserer Süßwasser- fische sind nun im großen und ganzen zu gering, als daß im Frieden, wo gewaltige Mengen von Fettstoffen eingeführt werden, eine lohnende Aus- beute erwartet werden könnte. Während des Krieges ist jedoch von verschiedenen Seiten auf diese Fettquelle hingewiesen worden, und auch hat man sowohl von privater Seite, wie an wissen- schaftlichen Arbeitstellen Untersuchungen über die Menge des zu erhaltenden Fettes bei den einzelnen Süßwasserfischarten angestellt. Schon früher wurde in der Naturwissensch. Wochenschrift über die Untersuchungen berichtet, die Seligo in dieser Hinsicht unternommen hatte. Über die Ergebnisse, die in bezug auf diese PVage durch die Arbeiten in der Kgl. Bayer. Bio- logischen Versuchsanstalt für Fischerei erzielt worden sind, berichtet M. PI eh n (Gewinnung des Fettes aus Fischeingeweiden, Allgem. Fischerei- Ztg. XXXXII. Jahrg., Nr. 18). Die betrefi"enden Untersuchungen können noch nicht als abge- schlossen betrachtet werden, doch meint Plehn, daß durch die vorliegenden Ergebnisse die Auf- 44 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 merksamkeit der Praktiker auf diese Frage von neuem wachgerufen werden könnte. Die Fettbestimmungen Seliges waren mit Hilfe der Ätherextraktion vorgenommen worden. Plehn dagegen bezieht sich mehr auf die prak- tischen Verhältnisse in der Hauswirtschaft und zog daher das Ausschmelzen oder Auskoclien des Fettes aus den Fischeingeweiden vor. Größere Fettpolster der Fische wurden eingeschmolzen, die Eingeweide — bei größeren Fischen nach Reini- gung des Darmes von seinem Inhalt — gründlich zerkleinert und mit wenig Wasser ausgekocht. In einem Meßzylinder wurde dann nach dem Er- kalten die Menge des sich an der Oberfläche an- sammelndes Fettes gemessen. Es wurden auf den p-ettgehalt ihrer Eingeweide untersucht: Karpfen, Schleien, Lauben, Brachsen, Äschen, Renken und Goldkarpfen (Higoi). Im allgemeinen wurden die Geschlechtsorgane miteinbezogen, nur beim Karpfen wurden diese abgetrennt, da sie ja auch in der Hauswirtschaft mit verzehrt werden und auch an und für sich fettlos oder doch sehr fett- arm sind. Es ergab sich nun folgendes: Praktisch be- trachtet hatten kein Eingeweidefett die Schleien und Renken, ebenfalls eine Serie Karpfen, während eine zweite Serie „ziemlich fett" war, indem der Fettgehalt der Eingeweide 9"o derselben betrug. Offenbar ist dies abhängig von der Fütterung der Karpfen gewesen. Mehr Fett enthielten die Lauben. Am günstigten stellte sich das Resultat bei den Äschen und Brachsen. Allerdings enthielt der untersuchte Goldkarpfen noch bedeutendere Fett- mengen, doch handelte es sich hier um eine krankhafte Fettaufspeicherung. Die erhaltenen Zahlen in Pro- zenten der Eingeweide mögen folgen: Schleien o'Vo, Renken 0%, Karpfen i. Serie 0%, Karpfen 2. Serie 9% (beide Serien viersömmerig), Lauben "] ,"] */g. Äschen I4bzw. i6"/„, Brachsen 22"/^, Goldkarpfen 80 "/„. Weitere Körpergewichts- usw. Angaben sind in der der Arbeit beigegebenen Tabelle enthalten. Leider ist der Fettgehalt der Eingeweide unserer Süßwasserfische zu den verschiedenen Jahres- zeiten ein sehr wechselnder, abhängig von der Nahrung und Geschlechtsreife, so daß die Unter- suchungen zu einem abschließenden Urteil noch nicht genügen. Trotzdem glaubt Plehn sich zu dem Schlüsse berechtigt, „daß eine öffentliche Bewirtschaftung der Fischeingeweide, ihre Beschlag- nahme zwecks Fettgewinnung, nicht am Platze wäre. Unter einigem wertvollen würde dabei zu viel unbrauchbares Material mit anfallen." Es wird aber seitens der Verfasserin anempfohlen, das Eingeweidefett in der Wirtschaft selbst in der Weise zu verwenden, daß man die Fische in dem Fett braten läßt. Da das Mschfett schnell ver- dirbt, muß es zum Genuß frisch benutzt werden. Zu diesem Zweck nicht mehr geeignetes Fett soll sich aber auch zu technischen Zwecken verwenden lassen und vor allem mit Hammeltalg oder Paraffin gemischt ein gutes Stiefelfett geben. Dr. Willer. Medizin. In der Münchner Medizinischen Wochenschr. Nr. 42 Jahrg. 64, 1917 berichtet Ge o rg Herzog über den mikroskopischen Fund nach einem Fall von Pilzvergiftung, welcher sich im Osten ereignete und der sechs Zivilpersonen und ein Soldat am dritten bzw. vierten Tag zum Opfer fielen. Die Patienten hatten die durch ihre Helvellasäure giftige Lorchel (Gyromitra Fr.) mit der ungiftigen MDrchel (Morchella Dill.) verwechselt und die Schwämme teils gesotten, teils leicht gebacken gegessen. Alle erlagen der Vergiftung in drei bis vier Tagen. Charakteristisch war der Zerfall der Zellkert^e der Leberzellen, namentlich im peripheren Abschnitt der Leberlä[)pchen, sowie die Rrgenerationserscheinungen des Lebergewebes, welche von den Gallenkapillaren ausgingen. Außer- dem zeigte die Leber das gewöhnliche Symptom einer Vergiftung, die Verfettung. Hämorrhagien, namentlich unter den serösen Häuten fandtn sich sehr häufig, wie denn auch die Magenschleim- haut an zahlreichen Fällen nekrotisch war. Kathariner. Die Transplantation aus dem Affen und ihre Dauererfolge. Zu dem Vorschlage, in Sanitäts- formationen der vorderen Linie Transplantations- material zu sammeln, es aseptisch aufzubewahren und der Heimat zur Verwendung bei Operationen zuzuführen, konnte Prof. H. Küttner keine günstigen Erfahrungen mitteilen: die längere Kon- servierung in Serum scheiterte schon beim Tier- experiment. Dagegen berichtet Küttner^) bei dieser Gelegenheit über seine in zwei F"ällen er- zielten Erfolge der Transplantation von Affen- knochen in den Menschen. Einem neun Monate alten Kinde wurde an Stelle der infolge angeborenen Defekts völlig fehlenden Fibula die periostbedeckte Fibula eines jungen Makaken implantiert, nach- dem ihr oberes Gelenkende abgetragen war, da sie etwas zu lang war. Heute, nach fast 6 Jahren, zeigt sich im Röntgenbild, daß die Aftenfibula vollkommen, auch in ihrer inneren Struktur, er- halten ist; gewachsen ist sie allerdings nicht mit dem übrigen Körper. Ebenso wurde einem anderen, i "V^ Jahre alten Kinde die fehlende untere Radiushälfte durch eine solche eines Makaken er- setzt ; die einander fremden Teile wurden durch einen Elfenbeinstift miteinander verbolzt. Auch hier kann heute, nach mehr als 4 Jahren, in gleicher Weise wie oben ein Dauererfolg festge- stellt werden. Diese Erfahrungen widerlegen die grundsätz- lichen, auf Tierversuche zurückgehenden Befürch- tungen gegen die Heterotransplantation. Aller- dings haben Tierversuche gelehrt, daß am weitaus besten die Autotransplantation zu gelingen pflegt, schon die Transplantation von einem Individuum auf das andere der gleichen Art versagt oft, und noch öfter die von Art zu Art; doch auch diese ') Münch. med. Wochenschr. 64. Jahrg. 19 17, Xr. 45. N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 45 kann nach Erfahrungen der Entwicklungsmechanik — Born — zum Beispiel bei Amphibienembry- onen gelingen. Brück stellte in Java folgende Verwandlschaftsabstufungen zwischen Menschen und Affen fest: i. Mensch, 2. Orang-Utan, 3. Gibbon, 4. Macacus rhesus und nemestrinus, 5. Macacus cynomolgus. Dabei sei der Mensch vom Orang biologisch etwa so weit entfernt wie dieser vom Macacus rhesus; nach Fried enth al aber stehen sich Mensch und Macacus rhesus noch erheblich näher als Kaninchen und Meerschweinchen. Küttner verspricht sich von der Transplation aus dem Affen auf den Menschen Erfolge außer bei Knochen auch bei Sehnen, Gefäßen und viel- leicht noch anderen Weichteilen. Ob auch die Transplantation aus dem Hund oder Kalb auf den Menschen erfolgreich sein werde, sei zwar fraglich, könne aber nur durch klinische Erfahrungen ent- schieden werden. In Friedenszeiten seien Macacus rhesus und die größeren afrikanischen Paviane ein jederzeit umgehend und billig zu beschaffendes Material. V. Franz. Geologie. Über seine geologische Studienreise in den Kreisen Mitrovica, Novipazar und Pnjepolje, Altserbien, berichtet Franz Koßmat in den Berichten über die Verhandlungen der Königlich Sachs. Gesellsch. d. Wissenschaften zu Leipzig. III. Bd. 1916. Es galt nachzuweisen, daß die Serpentinmassen der inneren Teile des dinarischen Gebirges nicht tertiäres, sondern mesozoisches Alter haben, zum Teil der Trias angehören, zum Teil jünger sind. Dazu bot der ehemalige türkische Sandschak Novipazar alsVerbindungsstück zwischen Ostbosnien und Nordalbanien einerseits, der Rhodopezone und den Kalkgebirgen Montenegros andererseits inter- essante geologische Aufschlüsse. Das Moravabecken ist mit limnischem Jung- tertiär und Quartär erfüllt. Im Süden liegt eine breite Gebirgsmasse, die der Ibarfluß durchbrochen hat. Die Grenze im schluchtartigen Teile sind Serpentinmassen ohne Humusüberkleidung. Im nördhchen Teile kommen flyschähnliche Schichten zu Tage, die auf der Karte von Serbien als Kreide dargestellt sind. Bei Polumia liegen unter dem hangenden Serpentin Granite und paläozoische Tonschichten zu einem Sattel gefaltet. Das ist die Kernregion des östlichen Kopaonikgebirges. Bei Usce ist im Serpentingebiet eine kohlenführende Sedimentscholle sichtbar. Es sind Konglomerate aus Porphyren, Tuffsandsteinen, Schiefer und Quarz im Wechsel mit gefrittet aussehenden Sand- steinen. Die hohen Schichten sind Schiefertone mit Sandsteinen, in denen ein 5 m mächiigrs Flöz anthracitischer Steinkohle eingelagert ist, das man abzubauen beginnt. An einem Stollenmundloch sah man in i V-j m Dicke verschlackte Toneisen- stein- und Schieferbrocken, ein ausgebranntes Fiöz. Es handelt sich hier um eine große Scholle, die von dem Serpentin umhüllt und aus ihrem Zu- sammenhang gerissen wurde, denn aus dem Meso- zoikum Serbiens sind solche Kohlenvorkommen sonst nicht bekannt. Ein paar km im Studenic- tale stehen unter Serpentin serizitische Quarzschiefer an, die zum Paläozoikum der Golija planiea ge- hören. Dazu gehören auch die schönen weißen Marmore des alten Klosters Studenica. Südlich Usce liegt auf den Serpentinen eine Decke von Trachyten, die durch bunte Farbe und schroffe Geländeformen sich auszeichnen. Lange vor Raska stellen sich die Serpentinmassen wieder ein. Das Kopaonikgebirge lernt man kennen, wenn man auf der Straße Raska-Mitrovica wandert. Zunächst kommt man in eine Trachytregion , teilweise säulenförmig abgesondert. Oben am Gebirgshang stehen unter Konglomeraten und Breccien Flysch- sandsteine an, die auf Serpentin lagern. Bis auf dem Kamm stehen Serpentine an, die von Trachyten durchbrochen werden. Süd- und Südwesthang des Gebirges gliedern sich nach Serpentin und Tra- chyt hin deutlich. Öde ist die Serpentinlandschaft, fruchtbar der trachytische Boden. Im Milanov vrh. steigt das Gebirge 2140 m hoch, zeigt unter Serpertin metamorphen Kalk, in den Gipfelregionen Magneteisenstein. Koßmat hält die eingelagerten Kalksilikate für mesozoische Kieselkalke. Nord- westlich vom Gipfel erscheinen syneitsche Gesteine und metamorphe Tonschiefer, gleich den paläozoi- schen Schichten des Golijagebirges. Zwischen den syneitischen Dinar und dem Serpentin zeigt sich an der Westgrenze ein metamorpher Kalk wie bei Milanov vrh. Hier das von Granitfels be- gleitete Magnetitlager von Suva Ruda, das später noch eine bergbauliche Bedeutung erreichen wird. Nicht Serpentin, sondern Syenit im Liegenden er- zeugte die Metamorphose. Vielleicht sind die Marmore von Studenica auch mesozoische Kalke. Die trachytischen Eruptionen erzeugten sulfidische Erze, z.B. Bleiglanzzinkblendegänge in den Eruptiv- gesteinen und im Flyschsandsteine. Auch südlich des Gebirgsstockes bildet das Ibartal ein reines Erosionstal. Wieder treten die Flyschsandsteine zwischen tertiären Eruptiven und Serpentin auf. Die jung-vulkanischen Bildungen bilden eine tek- tonische Mulde, im Westen bei Raska bis auf ihre Unterlage durchnagt. Die weithin sichtbare Kuppe des Vinoroy bildet Serpentin, von Gabbro be- gleitet. Zwischen Novipazar und Mitrovica haben wir die typische Oberkreide-Transpression vor uns, so schön wie in den Ostalpen. Flysch beginnt mit fossilführendem Turon, greift über die Serpentin- massen und paläozoischen Nachbargesteine im Süden über, welche die gewöhnliche Unterlage der montenegrinisch-nordalbanischen Kalkgebirge bilden. Zwischen Novipazar und Mitrovica ragen mehrere Berge trachytischer Eruptivgesteine aus dem Plysrh heraus (Mitrovica, Jevorska Streue, RoyoznaHan, Vidnik). Durchs Paläozoikum ragen sie südlic hder Golija. Der erzreiche Trachytstock von Svabrenica in Ostbosnien und Meylaj im Vosnatal sind streichende Fortsetzungen. Eruptiv waren die Trachyte im Miocän wie es die steiri- 46 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 sehen Vorkommen waren. Zahlreiche Thermen (Banjske 45" C, Klecka Banja 31** C, Banja 48,5° C, Banja bei Priboj 36" C) und Mineralquellen sind Nachwirkungen der Eruptionen von Kosovopojja bis zum Lim. Die Schollenmassen auf den Platt- formen der Flyschberge nördlich Novipazar sind Reste von pliocänen Flüssen. Südwestlich dieses transgredierenden Flysch- gebietes kommen paläozoische Schiefer zu Tage. Sie bilden das Innere des dinarischen Gebirges, auf die sich nach Montenegro hin Perm und T rias legt. Im oberen Ibartal zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen östlichem und westlichem Dinarischen Gebirge. Bei Mojstir Christian kann man die Äquivalente des Perm und Trias, die hier auf Paläozoikum lagern, studieren: Permsandsteine mit Porphyren, Werfener Schiefer mit undeutlichen Bivalvenresten, oolithische Kalke. Dem Muschel- kalk gehören an: dunkelgraue Kalke mit Horn- stein, flaserige Mergelkalke, weiße Kalkmassen der oberen Trias mit DoHnenlandschaft im Wiesen- gelände des Flusses. Sie bilden die Höhen der Mokra planina bis in die nordalbanischen Alpen. Nach Nordwest läßt sich die Kalkmasse weiter verfolgen. Sie macht den Eindruck einer flach- liegenden Platte mit starken Störungen und P^al- tungen. Eine Zone der Hornsteinschichten und basischen Eruptivgesteinen im Hangenden der Trias- gesteine SW. von Novipazar und Mitrovica zieht in 160 km Erstreckung zur nordbosnischen Ser- pentin- und Flyschzone hin. Nördlich von Sjenica am Eintritt in die Aver-Klamm stellte Koßmat fest: Die Radiolarien-Hornsteinschichten, begleitet von Tuffen, wurden von konglomeratischen fossil- führenden Kalken unterlagert. Sie führen Horn- steinlagen, Korallen , Hydrocorallinen (Millapori- dium) wie der Tischon von Stromberg in Mähren. Also gehören die Jaspis-Tuffit- und Serpentin- schichten von Mitrovica-Novipazar und Tutinje- Sjenica - Pripapolje - Uvac - Wisegrad - Rogatica zur Tischon-Neokomzeit. In der Kalkzone des südwestlichen Altserbiens sind von Seen jungtertiärer Zeit Spuren erhalten in der MetochijaEbene bei Ipek, im Tertiärbecken von Sjenica. Hier ist die alte Ufermarke durch Felsterrassen gekennzeichnet. Weiße fossilführende Süßwassermergel, bei Stavolj mit limnaeusreichen Brandschiefern und Lignitflözen bauen die alten Seeablagerungen auf. Chalcedon- und Achataus- scheidungen durchsetzen die Mergel, Nachwirkungen der Vulkanausbrüche des Golijahanges. Im See- becken selbst findet man eine Schollenschicht, aus Gesteinen der umliegenden Gebirge. Die Höhe beträgt 1200— 1300 m. Ein kleineres Becken fand Koßmat im oberen Bistricaltal bei Movavaros in 800—900 m Höhe. Hundt, im Felde. Paläontologie. Über Die Säge der Pristiden Onchopristis numidus Hang sp. und über die Sägen der Sägehaie schreibt Ernst Stromer in den Abhandlungen der Königl. bayr. Akad. d. Wissensch., Math.-physik. Klasse, XXVIII. Band. 8. Abhdl. Aus dem untersten Genomen der Baharije-Oase Ägyptens beschreibt Stromer Rostralreste, voll- ständige Zähne, Sockel und Kronenstücke von Onchopristis numidus Haug sp. Mit bezahnten Rostren (Sägen) unterscheidet er folgende Pla- giostomen: 1. Pristis Klein 1742. Mehrere zum Teil sehr große Arten, die in warmen, selten in tropischen Strömen leben, fossil bis ins Eozän zu verfolgen sind. 2. O-vypristis Hoffmann 1912. Lebt in einer großen Art im Indischen Ozean, läßt sich fossil bis ins Eozän nachweisen. 3. Propristis Dames 1883. Eine große Art aus dem fluviomarinen Obereozän Ägyptens be- kannt geworden. 4. Önchosaurus P. Gervais 1852. Bekannt zwei große Arten aus marinem Senon Frankreichs und Ägyptens. 5. Onchopristis n. g. Eine stattliche Art aus dem fluviomarinen untersten Genomen Nordafrikas. 6. Sclerorhynchus A. Smith Woodward 1889. Mehrere kleine Arten aus der marinen oberen Kreide (Turon und Senon) des Libanon. 7. Pristiophorus, Müller und Henle 1837. Mehreren kleine Arten aus den Meeren von Australien bis Japan, fossil im marinen Mittelmiocän Württem- bergs. 8. Pliotrema Regan 1906. Eine kleine Art aus dem Indischen Ozean bei Südafrika, vielleicht fossil im Mitteltertiär Neuseelands. Onchopristis gleicht teils Pristis, teils Propristis. Es stehen sich nahe Pristiophorus, Pliotrema, viel- leicht auch Sclerorhynchus einerseits, Onchopristis, Önchosaurus, Pristis, Oxypristis, Propristis ander- seits, so daß zwei F"amilien sich darbieten: Pristio- phoridae und Pristidae. Neues erfahren wir über den Zweck der Sägen, der Sägehaie, über den keinerlei Beobachtungen bis jetzt vorliegen. Auch über die Lebensweise der Sägehaie weiß man wenig. Pristiophorus frißt Fische, Pristis Fische und Krebse. Sie sind als bessere Schwimmer wie die Rochen, wie diese Grundbewohner. Die Sägezähne bei Propristis, Pristis und Oxypristis sind stark abgenutzt und zeigen Kritzer, die von innen vorn nach hinten außen verlaufen. Bei Pristiophorus, Onchopristis, Önchosaurus sind keine Spuren irgendwelcher Ab- nützung festgestellt, weil die Zahnkronen eine sehr widerstandsfähige Deckschicht besitzen. Nach Pappenheim dienten die Sägen als Bagger- apparat und Seihvorrichtung, um aus dem Boden Beutetiere zu gewinnen. Derselben Meinung ist Loh mann, während Engel annimmt, daß die Haie mit der Säge bald links, bald rechts den Boden aufreißen, um die Tiere zu jagen. Stromer glaubt, die Pristidae reißen, sich seitlich drehend, mit den Sägen den Fischen den Leib auf. Dabei entstehen durch Reiben der Zähne an Hartteilen die Kritzer. Günther gibt von den Pristidae an, daß die Pristidae mit der Säge Gephalopoden N. F. XVII. Nr. 3 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 Fleischstücke herausreißen und die \\'eichteile ver- schlingen. Mit den vielen Reihen winziger Zähne konnten sie die glatien Fische festhalten. Die Säge war ihnen sicher auch Waffe gegen Feinde und bei Eifersuchtskämpien. Die Widerhaken der Zähne bei den geologisch älteren Gattungen Onchopristis, Onchosaurus und die ontogeneiisch bei Oxypristis auftreten, kennt man auch bei anderen Fischen. Vielleicht dienten solche Kieferzähne dazu, glatte Beutetiere festzu- halten. Die Kopfhautzähne der Männchen der Vorfahren von Onchopristis (die denen von Astera- canthus gleichen) dienten bei der Begattung zum Reizen, Festhalten oder zu Kämpfen. Hundt, im Felde. Botanik. Blütenbiologische Untersuchungen. Seit langem ist die eigenartige Erscheinung der Selbsterwärmung des Blütenstandes bei /[nun niaciila/mii h., dem Aronstab, bekannt, die sich später auch an den meisten der übrigen Araceen nachweisen ließ. Besonders eingehend hat sich E. Leick mit dem Problem beschäftigt und über seine Untersuchungen in mehreren Arbeiten be- richtet, deren Ergebnisse er neuerdings zusammen- fassend veröffentlicht hat. (E. Leick, Die Er- wärmungstypen der Araceen und ihre blüten- biologische Deutung. Ber. deutsche bot. Ges. 33, 508 — 536.) Früher hielt man den Befruch- tungsvorgang für die Ursache der Wärmeproduk- tion. Das ist nach Leick aber schon aus dem Grunde unmöglich, weil es meist gerade die weib- lichen Organe sind, die die geringste Temperatur- steigerung aufweisen. Da sich bei .-In/iii u. a. gerade die sterilen Teile des Kolbens am meisten erwärmen, kann dies auch nicht mit dem Auf- springen der Theken zusammenhängen, das zudem zeitlich gar nicht mit dem Wärmemaximum zu- sammenfällt. Auch die Vermutung Links, der eine ursächliche Verbindung mit der Bildung der Geruchsstoffe annimmt, ist hinfällig, da gerade manche Arten trotz starker Temperatursteigerung nur schwach duften und umgekehrt. Im Gegen- satz hierzu gibt Leick eine den Tatsachen völlig entsprechende Erklärung, indem er die Erwärmung im Zusammenhang mit dem Blütenbau betrachtet und als eine im Dienste der Bestäubung stehende blütenbiologische Anpassung deutet. Danach sind alle bei Araceen beobachteten Temperatursteige- rungen als Anlockungsmittel für die Insekten zu be- trachten. Hierbei kann man vier Typen unter- scheiden. Äloiisfcra zeigt die primitivste Stufe der Thermatophorbildung, da hier die Erwärmung nicht auf eine bestimmte Zone beschränkt ist, sondern den ganzen Blütenstand betrifft. Das erklärt sich daraus, daß in ihm ganz gleichmäßig (J und 5 Blüten verteilt sind. Die Wärmemaxima entsprechen der Narbenreife und später dem Reifen der Antheren; die Insekten wurden zweimal an- gelockt, zunächst zur Bestäubung, später zur Ver- breitung des nunmehr freigewordenen Pollens. Bei Pliilodciidrun ist die Erwärmung dagegen auf den oberen Kolbenteil beschränkt, der nur ^ Blüten trägt. Gerade dieser Teil kommt für die gestei- gerte physiologische Oxydation, die als die Wärme- quelle anzusehen ist, auch in erster Linie in F"rage, da er nach der Pollenreifung kerne weiteren Bau- und Reservestoffe benötigt. Bei Coloccisia ist die Haupterwärmung auf den obersten Teil des Kol- bens beschränkt, der nur noch Staminodien trägt und keinerlei sexuelle Tätigkeit mehr aulweist. Noch stärker prägt sich diese Umbildung des Kolbengipfels zum reinen Thermatophor bei Anuii aus, wo er völlig steril geworden, nicht einmal Staminodien trägt. Hier ist im Gegensatz zu den ersten drei Typen der von der Spatha gebildete Kessel zu einer sehr vollkommenen Insektenfalle geworden. Dies ist auch der Grund, weshalb die Haupterwärmung hier gleich beim ersten Maximum eintritt. Eine zweimalige An- lockung der Bestäuber ist ja in diesem Falle auch nicht nötig, da sie, einmal gefangen, doch nicht entweichen können, ehe auch die Antheren zur Reife gelangt sind. Die schrittweise Entwicklung dieser blütenbiologischen Anpassung entspricht völlig dem genetischen Zusammenhang der Araceen- gruppen. Auf den einfachen AIüiistcra-'Yy^\x% folgt bei PJnlodoidroii die Beschränkung der Thermatophorbildung auf die Antheren. Diese wird weiter bei Colocasia auf den Staminodialteil beschränkt, um bei Ariini am vollkommensten ausgestaltet zu werden. Die Blütenbiologie von Pedicularis Trn., dem Läusekraut, wird von Kavina einer ver- gleichenden Untersuchung unterzogen. (Kavina, Ein Beitrag zur Blütenbiologie der Gattung Pcdi- citlan's. Sitzber. böhm. Ges. Wissensch. M.-N. Kl. 1915, I— 21.) Die mit etwa 250 Arten reich- haltigste Scrofulariaceengattung ist am weitesten in den kälteren Gebieten der nördlichen Halbkugel verbreitet und besitzt in Europa etwa 50 Arten, viele auf nasssen Wiesen und Sümpfen höherer Lagen. Nach ihrer Bestäubung lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Das Beispiel einer ento- mophilen Art ist P. sik'afira L. Sie wird von großen Hummeln bestäubt, die ihren langen Rüssel in den oberen weiten Teil des Blüteneingangs versenken. Dabei hat die schräge Stellung der Unterlippe, die den Vorderfüßen des Insekts als Stütze dient, zur Folge, daß der obere Teil des Kopfes gerade die Narbe berührt. Wenn die Hummel aber dann den am Grunde der Kronröhre ausgeschieden Honig erlangen will, muß sie den ganzen Kopf in den Eingang stecken, wobei die oberen Helmzipfel auseinanderweichen und die Antheren den Staub auf die gleiche Stelle fallen lassen. P. sihn/icd und zahlreiche andere Arten sind auf Insekten angewiesen, Autogamie kommt nur äußerst selten, Kleistogamie niemals vor. Die zweite Gruppe umfaßt die meisten Arten. Sie können sich bei dem Ausbleiben von Insekten selbst bestäuben. Der weit herausragende Griffel beginnt sich dann nach oben zurückzu- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 3 krümmen, bis die Xarbe unter die Staubbeutel gelangt und bestäubt wird. So ist es bei P. sii- ddica W., dem Glazialrelikt des Riesengebirges, und P. coroiu'iisis Schur, der siebenbürgischen Hochebene, wo Insekten fast nie beobachtet werden. Am auffallendsten ist die Knickung der Oberlippe bei P. uiiiviiata lacq. Sie beugt sich bei mangelndem Insektenbesuch soweit herab, daß sie senkrecht steht und der Staub in die Röhre so herabfällt, daß er gerade auf die vor der Mündung stehende Narbe trifft. Schon Kerner vermutete, daß hier auch durch den Wind Pollen übertragen werden kann, innerhalb der Gattung also auch beginnende Anemophilie vorhanden ist. Die Autogamie ist bei den arktischen Formen am häufigsten, die zur dritten, durch P. Sccpfnini- Caroliiinm L., dem Moorkönig, vertretenen Gruppe überleiten. Diese typisch kleistogame Art kommt bei uns nur als Relikt auf einigen Mooren vor und unterscheidet sich von allen an- deren dadurch, daß die Ober- und Unterlippe der großen Blüte eng aneinander gedrückt sind und sich niemals öft'nen. Dabei bleibt der ganze Griffel eingeschlossen. Entgegen der Ansicht W a r m i n gs , der die Blüte mit Liiian'a vergleicht, fehlt hier ein öffnender Klappmechanismus vollständig und eine Fremdbestäubung scheint ausgeschlossen. Damit steht im Einklang, daß die vier Antheren dem Griffel auch anliegen und die Narbe allseitig umgeben. Kr. Pflanzenpathologie. Über das Erhaltenbleiben des Chlorophylls in herbstlich verfärbten und abgefallenen Blättern durch Tiere berichtet Ö. Richter in der Zeitschrift tür Pflanzenkrank- heiten (Bd. 25. S. 3S5— 392). Beim Eintritt der Verfärbung und des Laubfalles beobachtete er an vielen Blättern von Acer Psfiidoplaf(7iuis L. grün gebliebene, von einer Reihe Löcher umsäumter Stellen. Auf der Unterseite ist die Epidermis ab- gehoben, und in der so entstandenen Höhlung sitzt eine kleine Raupe, die das üppig grüne Parenchym allmählich von außen nach innen auf- zehrt. Die mikrochemische Untersuchung ergab, daß das Parenchym lebte und so dem Parasit dauernd frisches Futter lieferte. Fraßringe grenzen schon im grünen Blatt die Stelle ab, die dann am Leben bleibt, wenn das Blatt abstirbt. Als Er- klärung kann man im Sinne Stahls annehmen, daß die Leitbahnen zerstört sind und daher das Abströmen der Abbauprodukte des Chlorophylls unmöglich ist, oder aber, daß die sich stauenden Assimilate das Chlorophyll und Gewebe ernähren und erhalten. Möglich wäre auch, daß der Kot der Raupe an sich konservierend wirkt. Welche dieser Erklärungen auch zutrifft, so liegt jedenfalls der Nutzen für den Parasiten, der sich als eine Lithocolhtis {sylvella Hr.?) erwies, auf der Hand, wird ihm doch nicht nur Wohnung und gute Verbreitung, sondern vor allem reichliche Nahrung geliefert. Die gleiche Erscheinung beobachtete Richter auch an A. campest rc L. und A. vion- spessulamim L., sie scheint danach häufiger zu sein. Auch Küster erwähnt analoge durch Gallmücken verursachte Fälle. An vergilbten Pappel- und Eichen blättern konnte Richter ähnliches nachweisen. Da aber hier von einem Umfressen der grünen Stelle durch die schmarotzen- den Nepticitlideii nichts zu merken ist, muß die Erhaltung des Chlorophylls in diesem Falle wohl auf die konservierende Wirkung der Exkremente zurückgeführt werden. Dies gilt auch für die von Carara beschriebene Infektion der Blätter von Qiierciis casianeaefolta C. A. May. durch eine Blattlaus. Damit steht im Einklang das Verhalten einiger schmarotzender Pilze wie Pliyllaetiiiia guttata auf Ahorn, Cladosporiiiin deiidriticitiii auf Rosen usw., wie es von Cornu beschrieben worden ist. Hierzu sei noch erwähnt, daß solche von Pilzen befallene Stellen nach Tubeuf (die von Parasiten bewohnten grünen Inseln vergilben- der Blätter. Naturw. Zisch. Forst u. Landwirtsch. 16. 1916. 42) Orte gesteigerten Stoffwechsels sind, wo durch gesteigerte Atmung und Stoftabgabe an den Parasiten Nährstoffe angezogen werden. Die Stellen sind gewissermaßen „P'remdkörper" im Blatt, da sie den Korrelationsgesetzen, denen das übrige Blatt unterliegt, durch den Einfluß des Pilzes entzogen sind. Kr. Literatur. Wunderlich, Dr. E., Die Oberflächengestaltung des Norddeutschen Flachlandes. I. Teil: Das Gebiet zwischen Elbe und Oder. Leipzig und Berlin '17. B. G. Teubner. — 5,20 M. Br ohmer, Dr. P., Die sexuelle Erziehung im Lehrer- seminar. Ebenda. — 80 Pf. Inhalt I P. Strauß V. Waldau, Einige Notizen über die Wirkung außerordentlicher Dürre im Waterberg-Distrikt von Transvaal, Südafrika. (2 Abb.) S. 33. — Einzeibericbte: Worauf beruht die Färbung der Geweihe? S. 40. Pascher, Das stammesgeschichtliche Verhältnis zwischen Flagellaten und Khizopoden. S. 41. L. Armbruster, H. Nachtsheim und Th. Roemer, Experimentum crucis theoriae mendelianae. S. 42. — Zirkulation der Teichmuschel unter natür- lichen und künstlichen Bedingungen. S. 43. M. Plehn, Fettmengen in dem Körper unserer Süßwasserfische. S. 43. G. Herzog, Mikroskopischer Fund nach einem Fall von Pilzvergiftung. S. 44. H. Küttner, Die Transplantation aus dem Atfen und ihre Dauererfolge. S. 44. Franz Koümat, Sludienreit.e in den Kreisen Mitrovica, Novipazar und Priiepcljc-, Allserbien. S. 45. Ernst StrOmer, Säge der Pnstiden Onchopriatis numidus Hang sp. und über die Sägen äer bägehaie. S. 46. E. Leick, Kavina, Blütenbiologische Untersuchungen. S. 47. O. Richter, über das Ethaltenbleibcn des Chlorophylls in herbstlich verfärbten und abgefallenen Blättern durch Tiere. S. 4S. — Literatur; Liste. S. 4S. Manuskripte und Zuschriften werden an Prof. Dr. H. Miehe, Berlin N 4, Invalidensiraße 42, erbeten. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Druck der G. Pätz'schen Buchdr. Lippe« & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sonntag, den 27. Januar 1918. Nummer 4. Das Nannoplankton. [Nachdruck verboten.] Von Dr. V. Mit 15 Abbild) Es mutet uns heute höchst seltsam an, daß unsere Kenntnis von der Existenz eines Planktons in unseren Seen im Grunde genommen erst seit 1868 vorhanden ist, in welchem Jahre der dänische Zoologe P. E. Müller in den Schweizer Seen die Anwesenheit zahlreicher planktonischer Lebewesen feststellte. Daß man um die Mitte des abgelaufenen Jahrhunderts glauben konnte, daß die weiten Wassermassen der Binnenseen unbelebt, leer sein könnten, erscheint uns heute kaum faßbar. Und doch nicht minder unfaßbar und seltsam muß uns schon heute der Vorstellungskreis an- muten, in dem sich selbst Planktologen vom Fach noch vor etwa zehn Jahren bewegten, wenn sie glaubten, unsere mit dem Apsteinnetz gewonnenen Listen von planktonischen Krebschen, Rädertieren, Blau- und Kieselalgen wären das ganze Um-und- Auf der planktonischen Region. Schon die Bak- teriologie hätte den Gedanken nahelegen müssen, daß die allgegenwärtigen Bakterien auch in der Planktonregion ihre Vertreter besitzen werden und daß bei deren Außerachtlassung die gewöhnlich als Musterbeispiel selbst für den Schulunterricht hingestellten Wechselbeziehungen zwischen den nach der Netzmethode gewonnenen Planktonten lückenhaft und fehlerhaft sein müßten. Litten doch diese am grünen Tisch ausgeklügelten Wechsel- beziehungen an einer Unwahrscheinlichkeit, da die Vertreter des Phytoplanktons, die dem Zoo- plankton als Nahrung dienen sollten, nur zu oft wegen ihrer Größe und I'orm als solche gar nicht in Betracht kommen konnten. Und noch ein Umstand hätte auf das noch unentdeckte Nannoplankton hinweisen müssen, der Umstand, daß es eine ganze Kategorie von Seen gibt, in denen ein reiches Zooplankton vorhanden ist, trotzdem das Netz fast gar kein Phytoplankton aus dem Wasser emporbringt. Wovon sollten dann die tierischen Vertreter des Planktons in solchen Fällen leben. Bereits 1901 habe ich in den „Untersuchungen über das Plankton des Erlaufsee" (Verh. zool.-bot. Ges. Wien) auf diesen Umstand aufmerksam gemacht, indem ich in der zitierten Arbeit S. 402 zu dem Resultate kam: „Diese Ergebnisse können nicht bestätigen, daß das Zooplankton — wenigstens im Erlaufsee — auf das Phytoplankton als Nahrungsmittel ange- wiesen sei." Bei dieser negativen Feststellung ließ ich's auch dann noch bleiben, als mir ein günstiger Zufall geradezu die Lösung dieses Rätsels offen- barte. In einem Planktonfang aus dem Glubokoje- See in Rußland fand ich den Darm der Asplanchnen ganz ertüUt von Massen kleiner Cyclotellen, von denen im ganzen Material sonst nichts zu sehen Brehm-Eger. ingen im Text. war, ein deutlicher Beweis für die Unvollkommen- heit der Netzmethode und zugleich ein Fingerzeig für die Lösung des Ernährungsproblems in der Planktonbiocönose (vgl. Jahresbericht der Realschule Elbogen 1904, S. 30). Bereits 1897 hatte Loh mann gefunden, daß die im Meeresplankton häufigen Appendicularien sich ausschließlich von Organismen nähren, die die Netzmaschen ungehin- dert passieren. Die Appendicularien be- sitzen nämlich einen Filtrierapparat, der an Feinheit und Exaktheit seiner Ausführung alle von der Planktontech- nik geschaffenen Hilfs- mittel weit hinter sich läßt. Schon die Fein- heit bringt es mit sich, daß Organismen zu- rückgehalten werden, welche dieNetzmaschen unserer feinsten Plank- tonnetze wie ein mäch- tiges Tor passieren. Loh mann hat, um dies Verhalten recht drastisch vor Augen zu führen, die Hauptvertreter des marinen Nanno- planktons auf den 5 Tafeln, die seiner Arbeit: „Über das Nannoplankton und die Zentrifugierung kleinster Wasserproben" (Intern. Revue der ges. Hydrobiologie. Bd. IV, 191 1) beigegeben sind, in Netzmaschen eingezeichnet. Eine Kopie einer solchen Figur ist nebenstehend reproduziert. Aber auch die Zartheit dieser natürlichen Filter und die eigene Konstruktionsart bringen einen Vorteil mit sich, der unseren Netzen und Filtern abgeht. Die Appendicularienreusen erbeuten Wesen, die zwar groß genug wären, um von den Netz- maschen zurückgehalten zu werden, die aber in- folge ihres zarten Baues beim Netzfang bis zur Unkenntlichkeit deformiert oder gänzlich zer- stört werden. Im Meeresplankton versagt die Netzmethode aus diesem Grunde, wenn es sich um die Gewinnung der. nackten Flagellaten sowie der relativ großen Strombidien und Halterien handelt. Aber auch das Süßwasserplankton enthält derartig labile Geschöpfchen. Schon die Reihe der sonst recht resistenten Peridineen stellt bereits unter den ungepanzerten Gymnodinien eine Menge solcher empfindlicher Oiganismen, vor allem das von Lauterborn im Winterplankton oberrheinischer Gewässer entdeckte und treffend mit dem Spezies- Abb. I. Heterodinium kofsidi Schiller, aus der Adria. 2500 X ^ergr. Eine Peridinee des Nanno- plankton. so Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. namen tenuissimum bezeichnete Gymnodinium, das trotz seiner 6o fJ. Durchmesser anderweitig noch nicht beobachtet wurde, weil es nur lebend Abb. 2. Sechs Coccolithophoridenarten, die bequem neben- einander eine Masche des feinen Planktonnetzes passieren. I. Coccolithophora. 2. Pontosphaera. 3. Syracosphaera. 4.Pontosphaera. 5. Coccolithophora Wallichi. 6. Rhabdosphaera. und frischgefangen beobachtet werden kann. Kein Wunder, wenn noch zahlreiche winzige Gymnodinien der Entdeckung harren I Selbst wenn das frischge- fangene Material — wie das z. B. an der biologischen Station in Lunz der Fall ist, sozusagen unmittelbar der mikroskopischen Untersuchung unterzogen werden kann, pflegen nur zu oft die Gymnodinien oder andere nackte Flagellaten, ehe man an eine Untersuchung schreiten kann , zu zerplatzen oder in unkenntliche Plasma- klümpchen zu zerfließen. So hatte denn Lohmann's Studium der Appendicularien- fangapparate uns über die Unzu- länglichkeit der Planktonnetze aufgeklärt und mit einer IVIenge neuer Organismenformen be- kannt gemacht; es galt nun noch, diese Erkenntnis metho- disch auszuwerten, was Loh- mann durch Einführung der Zentrifuge als Vorrichtung zum Planktonfang gelang. Dadurch führte er erstens einmal den Nachweis, daß im Meere ungeahnte Mengen von Lebewesen existieren, von deren Vorhandensein man bisher nichts wußte und die unsere bisherigen Anschauungen über die Ernährungsbedingungen der Wasserwelt in ganz neuem Lichte erscheinen Abb. 3. Gymnodinium tenuissi- mum Lauterborn. Nach Lauterborn. ließen. Die eingangs angedeuteten Schwierigkeiten z. B. die mir die Ernährung des Zooplanktons im Erlaufsee machte, miißtt- n ganz in Wegfall kommen, wenn in dem auf Grund von Neizfängen als phytoplankionfrei erklärten See große Mengen jener Organismen nachweisbar wären, die die Nctz- maschen pa>sieren, die Prof Heider auf der Salz- burger Naturfor.scherversammhing treffend als ultraretikuläres Plankton bezeichnete und die wir heute mit Lohmann Nannoplankton nennen. Aber auch dem marinen Biologen waren ge- rade zur Zeit der L o h m a n n ' sehen Untersuchungen einige Ergebnisse der alten Planktonforschung recht unbequem geworden. Ging man nämlich zahlen- mäßig daran, den Futterwert des Phytoplanktons für das Zooplankton zu ermitteln, so war man ge- zwungen anzunehmen, daß Hungersnot ein chroni- scher Zustand der tierischen Komponenten des Planktons darstelle. Noch einmal schien man dieser Ernährungsschwierigkeiten Herr zu werden. Pütter entwickelte gestützt auf eine Reihe in Neapel aus- geführter Untersuchungen die Anschauung, daß im Wasser gelöste organische Verbindungen von den Tieren als Nahrungsquellen ausgenutzt werden könnten. Die Tiere schwimmen nach seiner An- sicht im Meerwasser als einer Nährlösung; und wie z. B. der Bandwurm durch die Haut die Nährstoffe absorbiert, so sollten auch die Meerestiere an dünnen Hautstellen dem umgebenden Wasser C- Ver- bindungen entnehmen; die Kiemen der Fische wären demnach nicht nur zur Resorption von O., sondern auch von verschiedenen C-Verbindungen be- fähigt. Die Entdeckung des Nannoplanktons ließ die Pütter'sche Theorie, die ohnedies sich in manche Widersprüche verwickelte, entbehrlich er- scheinen und L o h m a n n konnte bald den direkten Nachweis führen, daß das Nannoplankton die Ur- nahrung größerer Planktonorganismen darstelle und demnach tür den Lebenshaushalt des Meeres von fundamentaler Bedeutung sei. Eine richtige Vorstellung von dieser Bedeutung ist allerdings erst erreichbar, wenn man einen verläßlichen Einblick in die Mengenverhältnisse bekommt. Einen solchen erreicht zu haben ist das zweite bedeutsame Ergebnis der Lohmann- schen Zentrifugiermethode. Bei den nach Lohmann im Atlantik von Gran durchgeführten Untersuchungen ergab sich beispielsweise, daß ein Liter Meerwasser 3 — 10 Exemplare von Ceratium und Diatomeen enthielt, hingegen 3000 — 10000 Exemplare von Nanno- plankionten, deren Durchmesser zwischen lO und 24 /< schwankte. Ganz abgesehen davon, daß — wie eingangs angedeutet wurde — schon die Größe und Gestalt der Ceratien und sperrigen Bacillariaceen als Nahrung der das Plankton be- herrschenden Entomostraeen höchst ungeeignet erscheinen lassen und eine diesbezügliche Unter- suchung des Darmiiihaltes einen negativen Befund ergibt, muß schon die geringe Zahl stutzig machen, wenn man Ceratien u. dgl. als Urnahrung des Zooplankton betrachten wollte. Zahl, Form und Größe der Nannoplanktonten reden da eine N. F. XVII. Nr. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 51 ganz andere Sprache. Höchstens den einen Ein- wand könnte man noch machen, daß die große Zahl wegen der Kleinheit der Komponenten des Zentrifugenplankton diesem nicht die ihm zuge- dachte Rolle zuzuweisen gestatte. Diesen Einwand hat Lohmann durch mühsame Volumberechnun- gen als völlig unbegründet zurückgewiesen. Die Tragweite der L o h m a n n 'sehen Ent- deckungen führte naturgemäß zu einer Übertragung seinerMethoden auf die Süßwasserplanktonforschung. Ruttner und Woltereck haben zuerst an der biologischen Station in Lunz den Wert der Zentri- fuge für die Limnobiologie dargetan. Durch Be- obachtung und Experiment wurde zunächst die Bedeutung desNannoplanktons als Nahrung erwiesen und auch hier die Annahme widerlegt, daß etwa die Kleinheit der mittels der Zentrifuge gewonnenen Organismen gegen die Bedeutung derselben als Nahrung spräche. Ruttner, der das durch- schnittliche Verhältnis der Individuenzahlen der Netz- und Zentrifugenplanktonten im Lunzer See mit 160:3 ermittelte, zog auch die ungleichen Größen dieser Organismen in Betracht und fand: „Trotz des gewaltigen Größenunterschiedes zeigte sich doch ein deutliches Überwiegen der Gesamt- masse des Nannoplanktons. Ein Jahresmittel der Volumina ergab das Verhältnis Nannoplankton Netzphytoplankton = 3 : i." Diese Erfolge der Lohmann' sehen Methoden hatten weitere Einblicke in die Biologie der Plank- tonbiocönose im Gefolge und brachten auch die experimentelle Zoologie um einen wichtigen Schritt vorwärts. Es galt nämlich bis vor kurzem als unmöglich, Planktonorganismen im Aquarium zu züchten. Die mannigfachen Fragen, die das Form- problem in der Planktonbiologie an uns stellt, man denke nur an die Erscheinungen der Cyclo- morphose, der Lokalrassenbildung usw., verlangen aber gebieterisch nach experimenteller Behandlung. Solange man, durch die häufigen Mißerfolge ver- anlaßt, das Dogma von der Unzüchtbarkeit der Planktonten festhielt, schied eben das wichtigste Untersuchungsmittel, das Experiment, aus. Erst als Krätzschmar in Lunz Anuraea aculeata in Embryoschalen ihren ganzen Lebenszyklus durch- laufen ließ, indem er sie zuerst mit Kirchneriellen, später direkt mit Zentrifugenplankton fütterte, war der Bann gebrochen. Von nun ab können Plankton- organismen jederzeit im Laboratorium gezüchtet werden, wenn man ihnen das ihrem Wohngewässer entnommene Zentiifugenplankton zur Verfügung stellt. Abgesehen von der direkten Beobachtung und dem Experiment ließ sich aber die Bedeutung des Nannoplanktons als Nahrung der größeren Be- wohner der pelagischen Region durch quantitative Verarbeitung der Freiiandbeobachtungen erhärten. Ich versuchte dies zuerst, indem ich das in ein und demselben Gewässer aus derselben Wasser- probe gewonnene Netz- und Zentrifugenmaterial zur Konstruktion von Loh mann 'sehen Kugel- kurven auswertete, wobei sich eine überraschende Abhängigkeit der N-Kurve (Quantität des Netz- planktons) von der ZKurve (Quantität des Zentri- fugenplanktons) ergab. Dieses Abhängigkeitsver- hältnis wurde dann noch von Colditz durch Untersuchungen am Mansfelder See, durch D i e f f e n - bach und Sachse an sächsischen Gewässern, durch Lautzsch an der Hand von Proben aus dem Zugersee und am umfangreichsten durch Schädel in seiner Abhandlung: Produzenten und Konsumenten im Teichplankton (Archiv f. Hydro- biologie Bd. XI, 19 16) erhärtet. Jede reichere Entfaltung des Nannoplanktons hat ein Ansteigen der Individuenzahl der Netzplank- tonten zur Folge, deren Maximalentwicklung wiede- rum infolge gesteigerter Zehrung den Kurvengipfel Z-Kurve (l : l6). — - N-Kurve (1:4). Die Pfeile geben die korrespondierenden Z-Maxima und N-Minima an. Beispiel der Abhängigkeit der N-Kurve von der Z-Kurve. Nach Schädel. Abb. 4. des Nannoplanktons herunterdrückt. Gäbe es nicht noch andere Faktoren, so müßten eigentlich die Wellenberge und Wellentälerdieser Quantitätskurven alternieren ; in manchen günstigen Fällen, wie der einer war, der mir selber vorlag, zeigt die NKurve nahezu das Spiegelbild der Z-Kurve; aber auch dort, wo mancherlei störende Einflüsse sich geltend machen und mancher unerwartete Kurvenverlauf erst durch Heranziehung der O.,- oder CO.,-Kurve seine Erklärung findet, genügen die gewonnenen Bilder noch vollauf den von der Theorie an sie gestellten Anforderungen, wie eine der Seh äd ei- schen Arbeit entnommene Skizze zeigt (Abb. 4). Steht auch im Vordergrund all der genannten Abhandlungen das Bestreben, die Pütter'sche Lehre zu widerlegen, so ergaben sie doch auch Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 4 noch eine Reihe von Resultaten, die abseits von dem Ernährungsproblem als solchem liegen. Dieffenbach und Sachse haben dem Nanno- plankton eine wichtige Rolle für den Ablauf der Cyclomorphose und für die räumliche Verteilung der planktonischen Rotatorien zugeschrieben ; doch dürften diese Resultate beschränkte Geltung haben und nicht auf andere Organismengruppen über- tragbar sein; zeigen ja die limnetischen Copepoden, auch wenn sie ausgesprochene Nannoplankton- fresser sind, keine Cyclomorphose und kommen andererseits unter den Rädertieren Arten vor, die nicht als Nannoplanktonfresser bezeichnet werden können, wie Anapus und Hudsonella, die gepanzerte Peridineenzellen anbohren und ausschlürfen. Loh- mann's Arbeiten haben uns den Kreislauf des Calciumcarbonates im Meere erst im wahren Lichte gezeigt. Ob den kieselspeichernden Fiagellaten vor allem den Mallomonaden jene Vermittlerrolle zukommt im Kieselkreislauf der Seen, wie ich kürzlich vermutungsweise ausgesprochen habe, harrt noch der chemischen Prüfung. Die von Schädel entdeckte merkwürdige Tatsache, daß Stephanodiscus Hantzschii, der in der var. pusilla „die wichtigste Zentrifugenbacillariacee" seines Untersuchungsgebietes repräsentierte (fast perennierend und bis nahezu 30000 Individuen im cm^ während des Maximums aufweisend I), seine radialen Kieselstrahlen nur in der kalten Jahreszeit trägt, was allein schon die Deutung derselben im Sinne der Wesenbe rg'schen Schwebetheorie ausschließt, könnte eher mit dem Kieselhaushalt verknüpft sein. Auf gesicherterem Boden stehen wir, wenn wir die Beziehungen des Nannoplanktons zum Gasgehalt des Wohngewässers diskutieren wollen. Schädel hat auf Grund chemischer Analysen gefunden: „Dem Zentrifugen- plankton fällt die Aufgabe der Oj-Abgabe und der Beseitigung der durch Oxydation der gelösten .organischen Substanzen und den Lebensprozeß der Planktonten entstandenen COj zu." Natürlich ist nicht nur der Chemismus des Wassers vom Nannoplankton ausschlaggebend be- einflußt, vielmehr hängt auch Oualität, Quantität und Verteilung des Zentrifugenplanktons von den chemischen Bedingungen des Milieus ab, wie in besonders schöner Weise Ruttner am Lunzer Obersee nachgewiesen hat, in dem die sauerstoff- losen aber eisenreichen Wasserschichten unterhalb 10 m ein aus Trachelomonaden und Eisenbakterien zusammengesetztes charakteristisches Tiefen-Nanno- plankton beherbergen. Während wir gewohnt sind, die Planktonbio- cönose als eine in sich geschlossene, von den be- nachbarten Lebensbezirken unabhängige Lebens- gemeinschaft zu betrachten, zeigte mein erstes Untersuchungsobjekt auch in dieser Hinsicht eine Eigentümlichkeit, die zu weiteren PVagen auf- fordert. Im Frühsommer trat in dem betr. Ge- wässer in Unmenge ein kleiner Schwärmer auf, der sich nachträglich als Schwärmer von Botrydium entpuppte, welche Alge den Boden des Teiches dicht besiedelt hatte. So kann auch der Bodenflora — wenigstens bei einem seichten Gewässer — in den Stoffkreislauf des Nannoplanktons einbe- zogen werden und Ähnliches läßt sich auch für die Uferflora wahrscheinlich machen. Überhaupt scheint die Zentrifuge berufen zu sein, auch für Erschließung gewisser nichtplank- tonischer Lebensgemeinschaften wichtige Dienste zu leisten. Sowie wir oben gesehen haben, daß ein typisches Trachelomonas-Leptothrix-Plankton das chemisch vom Oberflächenwasser abweichende Tiefenwasser im Lunzer Obersee charakterisierte, so sind auch die H.,S-haltigen unmittelbar über organisch verunreinigtem Schlamm befindlichen Wasserschichten zumeist von einer hauptsächlich aus Rhodobakterien, aber auch Monas MüUeri u. a. Elementen zusammengesetzten Gemeinschaft von Lebewesen bevölkert, die in solchen Massen auf- treten, daß sie ganze Wolken bilden. Diese Gesellschaft kleinsterOrganismen, dient nun größeren Begleitorganismen, wie ich z. B. an einer Massen- entfaltung von Urocentrum turbo beobachten konnte, Abb. 5. Halopappus adriaticus Schiller. ebenso als Nahrung wie das Z-Plankton dem N-Plankton. Mit anderen Worten : Die Zentrifuge wird auch der von Lauterborn mit so über- raschendem Erfolg inaugurierten Sapropelforschung wertvolle Dienste leisten. Nach diesen mannigfachen Hinweisen auf die vielseitige Bedeutung des Nannoplanktons und der Loh mann 'sehen Methoden drängt sich dem mit diesem neuen Zweig der Planktonforschung noch nicht vertrauten Leser unwillkürlich wohl die Frage auf die Lippen: Wie sehen denn eigentlich diese neu entdeckten Bürger der pelagischen Zone aus und wie erbeutet und untersucht man dieselben? Bezüglich des letzten Punktes sei auf den vor 3 Jahren in dieser Zeitschrift von Bachmann veröffentlichten Artikel verwiesen. Über die mannigfachen Vertreter des Nannoplanktons seien aber doch einige Mitteilungen gemacht, die durch Abbildungen unterstützt es gestatten, mit dem Begriff Nannoplankton konkrete Vorstellungen zu N. F. XVIT. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 verknüpfen. Denn seit der noch so kurz hinter uns liegenden Zeit der PianktDnforschung, in der — wieEinar Naumann sich ausdrückte — das heute zum Laboratonum^miüeu gehörige dröhnende Summen der Zentrifuge noch nicht den Anbruch einer neuen Zeit der Planktonforschung ankündigte, hat die Zahl der neuen Arten, Gattungen und Familien derart zugenommen, daß aliein schon die qualitativen Ergebnisse der modernen Plankton- Abb. 6. Calciosolenia Grani Schiller. Adria. forschung uns noch auf Jahre hinaus fesseln werden. Dem Eindruck, unter dem wir bei der Betrach- tung dieser neuen Errungenschaft stehen, hat Ruttner gelegentlich seines der Wiener Natur- forscherversammlung erstatteten Berichtes über die Lunzer Nannoplanktonforschungen, sehr zu- treftend die Worte verliehen: „Und jetzt, wo man das Reich der Plankionbiocönose schon fast für erschöpft hielt, zaubert die Zentrifuge aus jedem Gewässer eine ganz neue, bisher größtenteils ver- borgene Welt von äußerst zarten und kleinen Organismen hervor, deren Unterbringung in den bekannten Gattungen oft große Schwierigkeiten bereitet." Diese Worte haben für das marine Plankton nicht minder Geltung wie für das Süßwasser. Welche Überraschungen haben uns nicht schon die Cocco- lithophoriden allein gebracht. Ehrenberg hatte bereits 1 836 ihre fossilen Skelette in der Kreide entdeckt, aber für an- organische Gebilde gehalten; die Erzeuger der von Ehren- berg gesehenen Skelette be- obachtete 1865 Wallich an der Meeresoberfläche, hielt sie aber für Entwicklungsstadien von Globigerinen. In der Folge- zeit begann man wohl die geolo- gische Bedeutung der winzigen Kalkskelette richtig einzu- schätzen, aber ihre wahre Natur blieb verborgen. Noch in der I. Auflage der Erdgeschichte von Neumayer wird bei der Erörterung der Tiefseesedimente über den integrierenden Be- standteil des Kreideschlickes gesagt: „Woher die kleinen Kalkkörper der Coccolithen und Rhabdosphären (Abb. 2) rühren, die zu Billionen und Trillionen den Meeresgrund bedecken, ist eine noch ungelöste Frage." Die Siboga- expedition enthüllte erst die Zugehörigkeit dieser Abb. 7. Syracosphaer.-! corni fera Schiller. Organismen zum Pflanzenreich, indem an der neu entdeckten „Corcophaera Sibogae' gelbe ChromatOjjhorcn beobachtet wurden. Um diese Zeit setzten auch Lo h m an n 's Arbeiten ein, die über die genauere Stellung der Cocculithophoridcn (Beziehungen zu den Chrysomonaden, die u. a. durch Öl und Leukosin als Assimilaiionsprodukten, und durch die Chromatophoren angedeutet werden), über deren Systematik und Biologie reichlich Aufschlüsse brachten. Die Coccolithophoriden sind Zellen, die meist 2 Pole unterscheiden lassen und deren Membran Kalkplättchen aufgelagert hat, die so glashell sein können, daß man z. B. bei Halopappus und Calcioconus durch sie hindurch das lebende Plasma beobachten kann. Während diese Scheibchen Abb. 8. Meringosphaera meoiterranea Lohm. Nach Schiller vermutlich die erste Grünalge mit Kieselmembran. 2000 X vergr. meist locker nebeneinander liegen, kommen sie bei Calciosolenia zur Berührung und Verschmelzung, so daß nur die polygonale Felderung der an- scheinend einheitlichen Schale deren wahre Natur verrät. Bei Calcioconus und Halopappus wird die Verschmelzung noch inniger, so daß nur die den Geißelpol umstellenden Stacheln den Cocco- lithenursprung der Schale andeuten. An einem der beiden oben erwähnten Pole hat nämlich die Zelle eine Öffnung, aus der I — 2 Geißeln heraus- treten und gerade im Umkreis dieser Öffnung sind die Plättchen oft zu Stacheln umgebildet: (Halopappus, Michaelsarsia, Najadea). In anderen Fällen, die allem Anschein nach der sog. Dämmerungsflora angehören, sind die abweichend geformten Panzerelemente längs des Äquators angeordnet: Syracosphaera, Deutschlandia. Zwar haben die in den letzten Jahren durchgeführten marinen Expeditionen immer neue Gattungen zutage gefördert, spiegelt ja die Nomenklatur 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 4 dieser Gruppe die ganze Entdeckungsgeschichte wieder; doch immerhin ist die Artenzahl klein gegenüber anderen Gruppen(Diatomeen,Peridineen), die an Individuenzahl und an biologischer und geologischer Bedeutung den Coccoliihophoriden weit nachstehen. DieCoccolithophoriden lassen sich nach der Be- schaffenheit ihrer Skelettplättchen in zwei Gruppen sondern, die sich einerseits an Coccolithophora (die Art Wallichii (Abb. 2) ist dem eigentlichen Entdecker dieser Wesen zugeeignet) andererseits an Syracosphaera (der Name erinnert daran, daß Lohmann's bahnbrechende Arbeiten sich z. T. Abb. 9. Abb. 10. Cyclotella Rhodomonas lacustris aus dem Lunzer bodanica. See. Nach Ruttner. Leitformen des alpinen Nannoplankton. in Syracus abwickelten) anschließen. Dieser Zwei- teilung fügen sich nicht nur die von Loh mann aufgestellten Gattungen, sondern auch die jüngst entdeckten: die prachtvolle Michadsarsia, die 1910 die Michael-Sars-Expedition heimbrachte, der wir auch die Auffindung der merkwürdigen Calciosolenia verdanken sowie die Klarstellung der vorher den großen und sperrigen Formen, die das Netz heraufbringt, noch eine Fülle minder auffälliger Kleinformen aufweisen, so daß sie unter Um- ständen zu Leitformen einer Planktonprobe werden können. Navicula Weißflogii z. B. konnte Schiller in der Adria in einer Volksstärke von über 56 000 Exemplaren im Liter nachweisen. Wenn auch dieCoccolithophoriden und Silico- flagellaten dem Süßwasser fehlen und andererseits das Nannoplankton keine Organismengruppe auf- weist, die dem Süßwasser allein zukäme, so bietet doch das in unseren Seen und Teichen gewonnene Zentrifugenmaterial besonderes Interesse, teils weil Abb. 14. Chrysöcoccus dokidophorus Pascher. Nach Pascher. In Süßwasser und in kaum unter- scheidbarer Form in der Nordsee. es uns mit einer ganzen Reihe neuer Gattungen bekannt gemacht hat, teils wegen seiner biolo- gischen und ökologischen Bedeutung. Wenn wir, wie beim Überblick über die marinen Gruppen, wegen noch unzureichender Erforschung von einer Besprechung der Bakterien absehen, die gewiß an Zahl und Bedeutung zu den integrierenden Be- standteilen des Nannoplakton gezählt werden Abb. II. Lauterborniella elegantissima. Nach Schmi Abb. 12. Crucigenia Telrapedia Abb. 13. Tetrastrum alpinum Schmidle. Aus dem Davoser See, zwei Prolococcaceen des Nannoplankton. problematischen Gattung Meringosphaera, weiter die 191 1 von der „Deutschland" gefundenen Deutschlandia und Halopappus, sowie schließlich die beiden neuen Genera Lohmannosphaera und Najadea, mit denen uns die Najade gelegentlich ihrer Kreuzungen auf der Adria bekannt machte. Ganz im Gegensatz zu den Coccolithophoriden als kalkskelettbildenden Geißelpflanzen stehen die im übrigen systematisch ebenso isolierten und scharf umschriebenen, gleichfalls nur dem Meere angehörigen Silikoflagellaten als kieselskelett- bildende Geißelpflanzen. Bei ihrer geringen In- dividuenzahl sind sie zu biologischer und geolo- gischer Bedeutungslosigkeit verurteilt. Stärker vertreten erscheinen im Meere verschiedene Typen nackter Flagellaten und im allgemeinen auch die Diatomeen, die ähnlich wie die Peridineen außer müssen, so kommen in unseren Binnengewässern nackte Flagellaten und — in Teichen — einzellige Grünalgen und Blaualgen in erster Linie in Be- tracht. Die wenigen bisher durchgeführten Unter- suchungen lassen bereits erkennen, daß der Anteil der einen oder anderen dieser Gruppen an der Zusammensetzung des Nannoplankton eine öko- logische Sonderung mehrerer Kategorien von Gewässern ermöglicht; Seen mit kaltem Wasser zeigen ein Überwiegen von Chrysomonadinen (Chrysöcoccus punctiformis, Kephyrion, Kephyri- opsis, Chrysocapsa planctonica), Cryptomonadinen (Rhodomonas) und Cyclotellen, während Teiche, die wärmeres und an organischen Substanzen reicheres Wasser besitzen, speziell durch viele Protococcaccen ausgezeichnet sind, zumal durch jene Gruppe Stachel- und borstenbewehrter Zellen, N. F. XVn. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. deren Nomenklatur fast dem Register eines Bio- logenadreßbuches gleicht, so daß kaum eine zweite Organismengruppe so viel dazu beigetragen hat, die Namen unserer Hydrobiolugengeneration der Nachwelt zu überliefern. Bisher ist uns das Nannoplankton nur nach Stichproben bekannt; noch ist bisher keine Wasser- probe aus dem indischen, pazifischen, arktischen und antarktischen Ozean mittels der Zentrifuge untersucht worden und auch die meisten Binnen- gewässer Europas sowie alle außereuropäischen Süßwasser harren der Untersuchung nach Loh- mann's Methode. Manche überraschende Ent- deckung mag uns noch bevorstehen. Denn wenn Literatur. Brehm, V, Einige Beobachtungen über das Zentrifugen, planklon. Int. Rev. Hydrob, Bd. III, 1910. — , Probleme der modernen Planktonforschung III. Teil Eger I916. Colditz, F. V., Beiträge zur Biologie des Mansfeldei Sees. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 108. 1914. Cori, C. J., Über die Verwendbarkeit der Zentrifuge usw Zeitschr. f. wiss. Mikroskopie Bd. 12. 1895. Dieffenbach, H. und Sachse, R., Biolog. Unter suchungen an Rädertieren in Teichgewässern. Int. Rev Hydrob. 1912. Suppl III. Hjort, J., Die Tiefsee-Expedition des „Michael Sars" ibidem Bd. IV. 191 1. Lantzsch, Studien über das Nannoplankton des Zuger sees. Zeitschr. f. wiss. Zoologie Bd. 108. 1914. Abb. 15. Aurosphaeraechinata Schiller, eine kieselschalige Protophylengattung aus derAdria, die nach Schiller auffällige Beziehungen zu Echinosphaeridium nordsted ti aus dem schwedischenSüßwasserpIankton zeigt. auch die hier in Betracht kommenden Organismen meist kosmopohtischen Charakter zu haben scheinen, und sogar oft gleichzeitig Bewohner des Süß- und Salzwassers zu sein vermögen [Phacomonas, Caly- comonas, Chrysococcus usw.] so gestatten sie doch zum mindesten biocönotische Unterschiede und die Anwendung der Zentrifuge bei Untersuchung von Wasserproben aus dem Kaspimeer, aus ver- schiedenenTropengewässern usw. kann noch Wesent- liches zur Erweiterung unserer Formenkenntnis kleinster Organismen beitragen. L o h m a n n , Neue L'ntersuchungen über den Reichtum des Meeres an Plankton. Wiss. Meeresuntersuchungen N. F. Bd. VII. 1902. — , Über das Nannoplankton und Zentrifugierung kleinster Wasserproben. Int. Rev. Hydrob. Bd. IV. 19U. — , Die Probleme der modernen Planktonforschung. Verh. Deutsch. Zool. Ges. XXII. 1912. Pascher, A., Über Nannoplanktonten des Sül3wassers. Ber. Deutsch. Bot. Ges. XXIX. — , Die Süßwasserflora Deutschlands. Jena 1913. — , Versuch zur Methode des Zentrifugierens. Int. Rev. V. Pütter, A., Die Ernährung der Wassertiere usw. Jenal9lo. Ruttner, F., Über die Anwendung von Filtration und Zentrifugierung bei den planktologischen Arbeiten an den Lunzer Seen. Int. Rev. Hydrob. Bd. II. 1909. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. Schädel, A., Produzenten und Konsumenten im Teich- plankton. Arch. f. Hydrob. IQiö. Bd. XI. Schiller. J., Bericht über Ergebnisse der Nannoplank- tonuntersuchungpn anl. der Kreuzungen S. M. S. Najade in der Adria. Int. Rev. Hydrob. 1914. — , Über neue Arten und Membranverkieselungen bei Meringosphaera. Archiv f. Protistenkunde. Bd. 36. 191Ö. — , Die neue Gattung Heterodinium. Eine neue kiesel- schalige Protophytengattung in der Adria. Archiv f. Protisten- kunde Bd. 36. 1916. Welt er eck, R., Die natürliche Nahrung pclagischer Cladoceren. Int. Rev. Hydrob. Bd. I. 1908. Rinloeische Beobachttineren von Göppingen (Württemberg;). 1. Üppige Epi- phytenflora auf Kopfweiden. Dicht neben der Straße von Göppingen nach Großeislingen läuft ein Seitenarm der Fils. Das Bachufer fällt unmittelbar vom Straßenrand aus einige Meter tief steil ab, unten läuft der Bach. Er ist auf der Straßenseite von Kopfweiden um- säumt. Diese wurzeln in der ersten Hälfte des Wegs etwa in der Mitte der steilen Uferböschung. Ihre Köpfe hängen etwas über das Wasser; sie stehen i V2 bis 2'/, m höher als der Straßen- boden. Diese Gruppe von Bäumen soll als Gruppe A bezeichnet werden. Auf der zweiten Hälfte der Straße gegen Eis- lingen zu wurzeln die Bäume auf der Straße selber, ihre Köpfe sind vom Bach weit entfernt, sie stehen 3—4 m über dem Straßenboden. Diese Bäume mögen die Gruppe B bilden. Jede der Gruppen enthält über 100 Bäume. Die Gruppe A zeigt eine ungewöhnlich große Zahl von Epiphyten (Überpflanzen); kein Baum ist hier frei, die meisten tragen mehrere Exem- plare, oft mehrere Arten. In Gruppe B sind die Epiphyten viel seltener, es kommt im Durchschnitt ein Exemplar auf 3 Bäume, auch ist ihr Wuchs kümmerlicher als in A. Der Grund für den auf- fallenden Unterschied liegt offenbar darin, daß die Pflanzen der Gruppe A viel reichlicher mit Straßen- staub gedüngt werden als die von B. Vielleicht macht auch die größere Nähe des Wassers etwas aus, wodurch die Pflanzen von A mehr F'euchtig- keit bekommen, aber das Wesentliche ist ohne Zweifel der Staub. Alle vorkommenden Über- pflanzen finden sich auch in unmittelbarer Nähe als Bodenpflanzen. Unter den Weiden finden sich auch einige Schwarzpappeln, die auch gestutzt worden sind und eine ganz ähnliche Kopfform zeigen, wie die Weiden. Sie sind auffalland arm an Überpflanzen. Auf 24 Pappelbäumen der Gruppe A fand ich im ganzen nur 4 Stück (i Lamium album, i Cheno- podium album, i Epilobium parviflorum, i Solanuin dulcamara, die 3 letzteren in kümmerlichen Stöcken). Der Unterschied gegenüber den Weiden liegt in folgendem: Die Weidenköpfe sind rissig, die Pappelköpfe nicht; letztere bilden vielmehr eine feste knorrige Masse. In den Rissen der Weiden- köpfe sammelt sich stets ein feiner Grus an, der teils aus verwittertem Holz und Laub, teils aus angeflogenem Staub besteht. Außerdem stehen bei den Weiden die Äste des Kopfes dicht und Kleinere Mitteilungen. in der Umgebung streben alle steil nach oben; so wird zwischen den Ästen am Grund leicht Staub festgehalten. Bei den Pappeln stehen die Äste weniger dicht und sie stehen mehr senkrecht von der Fläche des Kopfes ab; so sammelt sich zwischen ihnen kein Staub an. Im einzelnen fanden sich folgende Pflanzen: Solanum dulcamara sehr häufig, üppig ent- wickelt, reich fruchtend. Diese Pflanze fand sich auf dem Boden viel seltener und weniger gut entwickelt. Der Weidenkopf ist für sie offenbar der bessere Standort. Lonicera xylosieum, häufig; sie bildet recht an- sehnliche Busche, fruchtet aber auf den Weiden nicht; ich fand im ganzen nur ein Paar gut ent- wickelter Früchte. Sambucus nigra in 2 kümmerlichen Exemplaren; die geringe Zahl fällt auf, da der Strauch zwischen den Weiden häufig als Bodenpflanze wächst. Viburum lantana i Exemplar. Ribes nigrum i Exemplar gegenüber einem Bahnwärterhaus, das von Johannisbeerbüschen umgeben ist. Rubus I kümmerliches Exemplar. Die bis jetzt genannten beerentragenden Pflanzen werden bekanntlich von Vögeln verbreitet, die die Beeren fressen und die noch keimfähigen Samen mit dem Kot absetzen. Chelidonium majus häufig und gut fruchtend. Sie ist nächst Solanum dulcamara diejenige Pflanze, die auf diesem Standort am besten gedeiht. Die Verbreitung geschieht hier durch Ameisen. Die Samen besitzen einen ölhaltigen Zapfen, ein Elaio- som, der von den Ameisen gefressen wird; der Same bleibt dabei keimfähig. Er wird von Ameisen verschleppt. (Bei Palermo findet sich CheHdonium majus neben der anderen Ameisen- pflanze Viola odorata auf der Dattelpalme.) Geranium robertianum ziemlich häufig. Galeopsis tetrahit ziemlich häufig. Außerdem noch je i bis 3 Exemplare von Lamium album, Lamium purpureum, Urtica dioica, Capsella bursa pastoris, Artemisia vulgaris, Stella- ria media, Alliaria officinalis, Taraxacum officinale, Epilobium parviflorum. Die Windverbreitung spielt also ofTenbar eine viel geringere Rolle als die Verbreitung durch Tiere. 2. Hummeln, die den Zuckersaft der Blattläuse ausbeuten. Am Waldrand stehen einige Schlehenbüsche, die von Blattläusen besetzt sind. Die Läuse be- N. F. XVII. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 wirken eine Verkrümmung und Kräuselung der Schlehenblätter. An einem einzigen Strauch kamen dadurch sehr merkwürdige Bildungen an den Enden vieler Sprosse zustan ie, die an gefüllte Röschen erinnern; im Innern dieser Blattiöschen sitzen die Läuse. Diese Blattröschen wurden sehr eifrig von langrüßligen Hummeln (Arbeiter der Gartenhummel) besucht; diese benahmen sich dabei genau wie beim Besuch von Blüten: sie krochen mit Kopf und Brust in die schmalen Öffnungen hinein, die am Grund der Röschen zwischen den Blattstielen blieben und leckten den süßen Saft der Blattläuse. Die benachbarten Sträucher, die auch Läuse besaßen, aber keine Röschen bildeten (die Sproßachse war hier nicht verkürzt), wurden von den Hummeln gar nicht beachtet; alle Sträucher wurden dagegen eifrig von Ameisen abgesucht. In einem Fall sah ich, wie eine Ameise aus dem Innern eines Röschens hervorstürzte und eine besuchende Hummel hefug angriff. Die Hummel flog auch davon, besuchte aber sofort ein anderes Röschen des Strauches. Der Rüssel der Hummel vermag offenbar gebor- genen Zuckersaft vi< 1 besser aufzunehmen, als frei- liegenden. Vielleicht ist auch ein bestimmter Berührungsreiz nötig, um die Hummel zum Be- such zu veranlassen. Th. Daiber. Einzelberichte. Physiologie. In den letzten Jahren wurde in den Tageszeitungen wiederholt gemeldet, daß es gelungen sei, mit Hilfe der Wün<;chelrute eine bis dahin unbekannt gebliebene unterirdische Wasser- quelle zu entdecken. Namentlich in wasserarmen Gegenden müßte eine solche Möglichkeit von gröiiter Bedeutung sein. Auch im gegenwärtigen Krieg wurde wiederholt berichtet, daß es gelungen wäre, mittels der Wünschelrute in der Nähe des Lagers gutes Trinkwasser ausfindig zu machen. Die Wünschelrute ist ein aus Holz oder Eisen bestehendes Stäbchen, meist eine am Ende ge- gabelte Haselnußrute. Sie wird horizontal getragen und soll durch Bewegungen ihres freien Endes das Vorhandensein von verborgenen Wasserläufen, von Metallschätzen u. dgl. angeben. Die Meinungen über den Wert oder Unwert des Verfahrens sind sehr geteilt. Während das Rutenproblem von den einen als Flunkerei, gewollter Schwindel oder ungewollte Selbsttäuschung mit Ablehnung be- handelt wird, sprechen sich die anderen rückhalt- los als Anhänger für dasselbe aus. Es gibt sogar einen Verband zur Klärung der Wünschelruten- frage. Die Geologen von Zürich, Heidelberg und Kiel äußerten sich sympathisch, während die Mehrzahl der Geologen, in ihrer Verbandssitzung 1910 eine Resolution zum Kampfe dagegen gefaßt hat. Die Physiker verhalten sich abwartend und ebenso die Mehrzahl der Mediziner. Energisch sprach sich aber der Wiener Psychiater Benedikt für das Rutenproblem aus. 1915 behandelte er es in der k. k. Gesellschaft für Ärzte, 191 7 veröffentlichte er in der „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung" einen Aufsatz über „die Wünschelrute, das sidcrische Pendel und die Dunkelkammer in der Physiologie und Pathologie des Menschen". In Nr. 37 der „Münchener medizinischen Wochenschrift" macht Prof. Dr. 011p, Tübingen, Mitteilung von ganz staunenswerten Beobachtungen an einem Wünschel- rutengänger aus Ostafrika, welchen er im Tropen- genesungsheim in Tübingen beobachtete: Ein Wünschelrutengänger aus Ostafrika. 011p sagt : „Es scheint beim Rutenproblem zu gehen, wie es schon oft gegangen ist: die Wissenschaft sperrt sich gegen scheinbar unerklärliche Dinge, bis sie vom Gegenteil überzeugt ist. Ich erinnere nur an das Sonnenproblem, den Blitzableiter, den Phonographen , die Röntgenstrahlen und die Zeppeiinluftschifife, Dinge, die die Wissenschaft lange Zeit als Irrwahn, Schufterei und Unmöglich- keit hinstellte." Man wird den Ausführungen Ollp's nicht entgegentreten können, und seien deshalb einige seiner in obigem Aufsatz mitgeteilten Beobachtungen wiedergegeben. „Herr Müller gab in Gaupp's und meiner Anwesenheit, aber ohne unser Vorwissen, dem Rutengänger die Aufgabe, ausfindig zu machen, in welcher Tasche er Silbergeld bei sich trage. Prompt schlug die Rute vor der linken Hosentasche aus, in der sich das Silbergeld befand, während sich das Papier- geld der rechten Tasche in der gleichen Weise vorwölbte, wie die linke Hosentasche". Wie der Wünschelrutengänger mitteilt, mußten seine Kinder immer dort urinieren, wo das Ausschlagen seiner Rute das Vorhandensein eines unterirdischen Wasserlaufes anzeigte. Eines seiner Kinder litt an Bettnässen; die Rute schlug aus an dem Ort, wo das Bett stand, bis dasselbe um einen Meter verschoben wurde. Der von Ollp vorgeführte Rutengänger war aus dem Elsaß gebürtig, weder hereditär belastet noch somatisch abnorm; er kam als Missionar nach Ostafrika, hatte von der Rutengängerei bis dahin nichts gehört und wurde zum ersten Mal aufmerksam, als er bemerkte, wie ein Wetzstahl, welchen er zwischen Zeigefinger und Daumen der rechten Hand hielt, sich bewegte, als er über eine Bodenstelle kam, wo sich später beim Nach- graben eine Quelle vorfand. Seine Kinder mußten immer urinieren, wenn sie sich in der Nähe einer Quelle befanden, und sein Söhnchen litt an Bett- nässen, solange sein Bett an einer Stelle stand, wo ihm die Wünschelrute einen unterirdischen Wasserlauf anzeigte. In englische Gefangenschaft nach Indien gebracht, sah er, wie einer der beiden Tomms, die ihn bewachten, vom Blitze getroffen 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 4 wurde, und zwar gerade der, welcher über einer durch die Wünschelrute angegebenen Wasserader stand, während sein Kamerad verschont blieb, obschon er mit aufgepflanztem Bajonett neben ihm stand. Weiterhin entdeckte er, daß seine linke Körperseite anders reagiere als die rechte, und der Hinterkopf anders als der Scheitel. Das Rätsel, welches das Rutenproblem umschließt, wird auch dadurch kaum plausibler gemacht, daß man sagt, die Gammastrahlen fehlten über dem Wasser und führten für die Rutengänger bemerk- bare Änderungen der Atmosphäre herbei. Aus einer Anzahl weiterer Beobachtungen, welche an dem vorgenannten Rutengänger gemacht wurden, geht mit Sicherheit hervor, daß sein Körper ganz besondere elektrische Eigenschaften hat. So wurde z. B. von ihm mit den Händen bestrichenes Papier elektrisch geladen, die Rute schlug nach der be- druckten Seite des Papiers aus, nach derunbedruckten Seite nicht, indem das Papier selbst offenbar als Isolator diente usw. Wie nicht anders zu erwarten war, ist also nicht die Wünsciielrute als solche, sondern der Wünschelrutengänger selbst das aktive Subjekt und letztere nur das Instrument in seinen Händen, welches als Werkzeug die Ver- änderung anzeigt, welche die Umweh in ihm erzeugt. Kathariner. • Zoologie. In „Taktik Tiere" (Biol. Zentral- blatt, 37. Band, Nr. 8, 1917) reiht Szymanski den beiden biologischen Gruppen, der osmatischen und optischen Tiere, welche sich durch den Ge- ruchsund den Gesichtssinn über ihre Umgebung unterrichten können, eine dritte Gruppe, die taktilen Tiere an. Dieselben entbehren der höheren Sinnes- organe gänzlich, reagieren aber um so besser auf Verschiebungen fester Körper ihrer Umgebung, etwa Sandkörner, und Wellenbewegungen des Wassers, welche sie durch Druckschwankungen wahrzunehmen befähigt sind. Alle ihre Sinnes- wahrnehmungen beschränken sich also auf Tast- empfindungen und dienen ihnen zur Erreichung der Nahrung und zum Schutz vor feindlichen Nachstellungen. Um letzteren zu entgehen, ziehen sie sich blitzschnell in ihre Wohnröhren zurück. Alle sind nämlich sessil und leben in einem homogenen Medium, stecken also im schlammigen Grund eines Gewässers, wie die Röhrenwürmer (Tubifex), oder leben in sichzersetzenden orga- nischen Körpern, wie die Insektenmaden usw. S. beschreibt das Verhalten seiner Versuchstiere. Als solche verwandte er die im schlammigen Grund von Gräben, Bächen usw. häufigen Röhren- würmer (Tubifex). Die Tiere stecken mit dem vorderen Körperende im Grund, während das Hinterende frei im Wasser pendelt. Wurden nun die Würmer in einem Glasgefäß in der Dunkel- kammer von unten her vom Licht einer 32 kerzigen Lichtquelle betroffen, so zogen sie sich rasch in eine dünne Sandschicht zurück. Da ihnen dieselbe auch gegen das Licht keinen Schutz bieten konnte, sie ihr aber doch zustrebten, liege hier ein Ausnahmefall vor. Bei den taktilen Tieren wirke nämlich sonst das Licht abschreckend, es wäre also im vorliegenden Fall der positive Stereo- tropismus stärker als der negative Phototropismus. Zu den taktilen Tieren rechnet S. auf Grund ihrer Lebensweise seßhafte Wasserbewohner, Maden und seßhafte Larven (Larve des Sandlaufkäfers und andere). Die alleinige Betrachtung der Lebens- weise genüge nicht zur Entscheidung der Frage, ob man ein taktiles Tier vor sich habe; vielmehr müßten die einzelnen Sinnesreaktionen analytisch untersucht werden. Daran aber fehle es zurzeit fast gänzlich. Lediglich von der Larve des Ameisen- löwen wisse man, daß bei ihr die Thigmotaxis wirksamer sei als alle anderen Reize. Kathariner. Wiederkehrende Tertiärzeit ? Manche deutsche Faunisten vertreten die Ansicht, daß das Klima in Mitteleuropa allmählich wärmer werde, und daß auch faunistische Tatsachen dies anzeigen. Schrittmacher dieser namentlich bei Ornithologen verbreiteten Lehre ist W. Schuster. Von ihm liegen mir einige einschlägige Arbeiten vor,*) denen etwa folgendes zu entnehmen ist. Ornithologische Beweise liefern nach Schuster (l, 2) eine große Anzahl von Singvögeln und anderen Vogelarten, die, obwohl eigentlich Zug- vögel, mit den Jahren immer zahlreicher in Deutsch- land zu überwintern pflegen, ferner solche Vogel- arten, die ihr Brutgebiet immer weiter nach Norden verlegen. Zur ersten Gruppe werden gezählt: Star, Weiße und Graugelbe Bachstelze, Trauer- bachstelze, Heckenbraunelle, Mönchsgrasmücke, Girlitz, Rotkehlchen, Feldlerche, Wiesenpieper, Hausrotschwanz, Braunkehlchen, Grauammer, Heide- lerche, Rohrammer, Singdrossel, Amsel, Weibchen und Jungvögel des Buchfinken, der Kleine graue Würger, Turmfalke, Königsweihe, Korn-, Rohr-, Wiesenweihe, Ringel- und Hohltaube, Kiebitz, Bruchwasserläufer, Punktierter Wasserläufer, Dun- kelfarbiger Wasserläufer, Rotschenkel, Großer und Regenbrachvogel, Kranich, Wasserralle, Große und Kieme Sumpfschnepfe, Heerschnepfe, Bläßhuhn, Pfeifente, Wachtel. Zur zweiten Gruppe: Girlitz, Blaudrossel, Steinmerle, Schwarzkehlchen, Feld- ammer, Zaunammer, Zippammer,Grauammer,Haus- rotschwanz,Alpensegler,Trauerfliegenfänger, Zwerg- fliegenfänger, Haubenlerche, Zwergtrappe, Steppen- huhn, Pirol, Karmingimpel, Rosenstar, Haubenlerche, ') W. Schuster: I. Schwalbensterben 1909. Zool. An- zeiger Bd. XXXV, Nr. 3, 1909. — 2. Die Vogelwelt und die Tertiärzeit. Ornithologische Anzeichen einer wiederkehrenden „Tertiärzeit". Natur und Haus, Jahrg. XVI, Heft 10. — •?. Warum, wie und wann ist die stahlblauflügelige grofle i-lolzbiene (Xylocopa violacea) bei uns im Untermaintal ein- gewandert? Societas entomologica, Jahrg. XXIII, S. 85— 90. — 4. Biologische Umwälzungen, insbesondere bei Leporiden und Sciuriden. AUgem. Forst- und Jagdzeitung, Dezemberheft 19 16. Wie stellen sich die Naturforscher Nachweise, daß ornithologische Anzeichen verschiedener Art auf eine wiederkehrende „Tertiärzeit", d. h. eine zukunftige wärmere Zeitepoche, hindeuten? S. A. N. F. XVn. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 Berglaubvogel, Nachtigall, Rebhuhn, Wachtel, Storch, Kormoran, Rohrdommel, Knäckente. Schwalben und Segler endlich sollen bei uns immer öfter zu überwintern versuchen und dabei ein- gehen. Das wäre also eine sehr große Zahl von Vogelarten, eine erdrückende Menge von Beweisen wäre es, wenn alle Beispiele beweisend wären. Aus der Kerbtierwelt werden angeführt (i, 2, 3) : Totenkopf, Oleander-, Ligusterschwärmer, Italie- nischer Labkrautschwärmer, Großer Weinvogel, Zaunlilienfalter, Honiggrasfalter, Schwarzer Bär, Silbermönch, Hermelinfell, Traubenlecker, Bläuliche Heuschrecke, Klapper-, Wander-, Sattelträgerheu- schrecke, Rauhe Sandwespe, Französische Papier- wespe, Stahlblauflügelige Holzbiene, der Schmetter- lingshafi Ascalaphus meridionaüs, die Schildwanze Tetyra nigrolineata und andere mehr. Aus der Säugetierwelt werden folgende Tat- sachen angeführt (4): Die deutschen Hasen müssen ehedem durchweg Waldtiere gewesen sein. Heute sei zu unterscheiden zwischen Waldhasen. Busch- hasen und Feldhasen, und gegenwärtig verschwinde der Waldha-iC immer mehr, da der Hase den Schutz des Waldes vor Wind und Wetter immer mehr entbehren könne. Das Eichhörnchen ver- zichte immer mehr auf die Winterruhe. Das Kaninchen sei aus einem Höhlentier vielfach zum Freilandbewohner geworden. Auch noch aus anderen Tierklassen scheint Schuster Beispiele zur Hand zu haben. Wieder- holt weist er darauf hin, daß die Strenge der Winter im allgemeinen abgenommen habe. Zahlreich sind, nach S c h u s t e r (5), die Namen derer, die sich Schuster's Auffassung ange- schlossen haben. Der bekannteste unter ihnen ist Simroth. In seiner „Pendulationstheorie" ') ver- wendet Sim rot h die Sc hu st er 'sehen Angaben zur Stütze seiner eigenen Darlegungen. Schuster schließt sich der Pendulationstheorie an, mißt ihr eine annähernd ebenso große zukünftige Bedeu- tung bei wie manchem Werke Darwin's und betont dabei, daß er, Schuster, zu seiner Idee der Wiederkehrenden Tertiärzeit, obschon sie mit der Pendulationstheorie konvergiert, bereits vor der Konzeption der letzteren durch den ver- storbenen Ingenieur Reibisch und durch Sim- roth gekommen sei. Nun hat auch Simroth unlängst die Augen geschlossen, nachdem er die letzten zehn Jahre seines arbeitsreichen Lebens der Pendulations- theorie gewidmet hat und schließlich noch wenige Tage vor seinem Tode den Beitrag „Weichtiere" zur vierten Auflage von „Brehm's Tierleben" satzfertig ablieferte. Er lebt fort in der Wissen- schaft auch als der Verfasser eines gehaltvollen Buches über die Entstehung der Landtiere und zahlreicher Arbeiten über Anatomie und Systematik der Mollusken, besonders der Arioniden. Aus Anlaß der Darlegungen Schuster's sei hier kurz auf die Pendulationstheorie eingegangen. Der kritischeStandpunkt des Referenten ist der von sehr vielen Forschern, die dabei die hohen Verdienste des Forschers und des beliebten Lehrers Simroth keineswegs verkennen und auch der Pendulationstheorie denWert einer Arbeitshypothese beimessen müssen. Denn das hat Simroth er- reicht, daß seine Theorie viele Freunde gefunden und viele Anregungen verbreitet hat, und besonders in der Lehre von der „Wiederkehrenden Tertiärzeit", scheint es, wird die Pendulationstheorie zu einem gewissen Teile fortleben. Die Pendulationstheorie besagt bekanntlich, die Erde schwinge langsam um 30 bis 40 Grad um eine durch Ecuador und Sumatra gehende Achse. Die beiden Schwingpole, Ecuador und Sumatra, hätten daher immer das heutige Klima gehabt, in den dazwischen liegenden Erdteilen dagegen, und ganz besonders in denen, die in der Mitte zwischen beiden Polen liegen, wie der 10. Grad östlicher Länge von Greenwich, der die Alpen in Ost- und Westalpen scheidet und Deut>chland durchquert, sei das Klima abwechselnd wärmer und kälter geworden. So schwankte Europa im Paläozoikum nach Norden bis zur permischen Eis- zeit, von da an nach Süden bis zur subtropischen Kreidezeit, im Tertiär wieder nach Norden bis zur zweiten Eiszeit, dem Diluvium, und seitdem wieder, so auch gegenwärtig noch, nach Süden. Länder, die sich äquatorialer Lage nähern, müssen wegen der abgeplatteten Gestalt der Erdkugel teil- weise unter Wasser tauchen. Die so zustande- kommenden Iiiundationen und die Klimaverände- rungen bringen es mit sich, daß im Laufe der Zeit zahlreiche Organismenarten aussterben, andere west- oder ostwärts auswandern, um unter gleichen Lebensbedingungen zu verbleiben, wieder andere sich den neuen Bedingungen anpassen und sich dabei in ihrer Gestalt verändern. Die Pendulation ist also auch eine Ursache der Artveränderungen. Überaus zahlreiche Feststellungen aus der Zoologie werden als Beweise dieser Lehre angeführt, und gar manche könnten recht einleuchtend erscheinen, andere, darunter die nach dem Referenten ange- führten, weniger. Gegen die Pendulationstheorie kann angeführt werden, daß keine astronomischen Beweise für sie vorliegen, obwohl solche, und zwar eine in den Jahrtausenden der menschlichen Geschichte bemerkbar gewordene Verschiebung des Stern- himmels, vorliegen müßten; ferner, nach E c k ardt,^) daß, wenn auch Ecuador dauernd unter tropischem Klima gelegen haben mag, das für Sumatra nicht zugetroffen haben kann, da sich in seiner Nähe die großen paläozoischen Vereisungszentren finden. Europa hinwiederum hatte im Permokarbon keine typische Eiszeitlage, sondern Steppen- bis Wüsten- klima. Die Pendulationstheorie kann somit als ein Schema gelten, in das viele, aber nicht eben alle ') Leipzig 1917, Grethlein's Verlag. ') R. Eckardt, Paläoklimatologie. Leipzig 1910. 6o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. faunistisch-tiergeographischen und tiergeschicht- lichen Tatsachen hineinpassen. Ähnlich wird über die Lehre von der Wieder- kehrenden Tertiärzeit zu urteilen sein. Zunächst, daß die Winter immer milder würden, ist zwar eine weitverbreitete populäre Rede, die ja auch nicht unbedingt durch den einen strengen Winter 1916/17 widerlegt würde, die aber nicht im Einklang steht mit den Erfahrungen der Schweizer Geologen von einem gesetzmäßigen Vordringen und Zurückgehen der Gletscher in einer Periode von etwa 50 Jahren. Unter den von Schuster angeführten tier- geographischen Tatsachen sind wohl das von ihm erwiesene Vordringen des Girlitz in westöst- licher Richtung und das von V. Haecker nach- gewiesene des schweizerischen Berglaubvogels, Phyllopneuste montana, nach Norden auf beiden Schwarzwaldseiten, in Württemberg und Bayern un- bedingt zuzugeben. Das Vordringen der Schnepfe als Bnitvogel wird gleichfalls von vielen anerkannt; nach häufigen Eindrücken möchte man es für den Star, vielleicht sogar für den Stieglitz als Über- winterer zugeben; dagegen werden derartige Er- scheinungen beim Storch, wie übrigens Schuster selbst angibt, auf Ursachen der menschlichen Kultur beruhen, ebenso bei der Amsel, und für die große Mehrzahl der übrigen erwähnten Vogel- arten ist der mögliche Einwand nicht widerlegt, den Schuster (2, Seite 149) selbst erwähnt, „daß es in den letzten Jahrzehnten eine bessere, ausgedehntere und intensivere Vogelbeobachtung gegeben hat als jemals in allen früheren; es können demnach leicht Vorgänge als neu bezeichnet werden, die zwar alt sind, aber früher nicht be- merkt wurden". Daß die Stahlblauflügelige Holz- biene ') erst im Zeitraum der letzten 50 Jahre bei uns eingewandert sei, mag nach Schuster (3) wahrscheinlich sein, aber für die Mehrzahl der übrigen erwähnten Kerbtiere erscheint eine derartige Angabe wiederum recht subjektiv und läßt Zweifel zu, ob sie nicht lediglich auf mit der Zeit besser gewordener Beobachtung beruht.") Auch die Angaben über die Haartierwelt, die fürs Kaninchen von Heck in Brehm's Tierleben anerkannt werden, scheinen, obschon man einen Waldhasen und einen matter gefärbten Feldhasen als Farbenabänderungen unter- scheiden kann, in vielem noch der Prüfung be- dürftig, zunächst an und für sich, sodann im Hin- blick auf ihre Beweiskraft für eine wiederkehrende Tertiärzeit. Soviel ist ja zweifellos, daß es seit der Eiszeit wärmer geworden ist. Sollte aber wirklich die Abkühlung noch andauern, so wäre höchst frag- lich, ob man das in der kurzen Beobachtungsdauer von zwei Menschenaltern merken könnte; denn ') Sie ist die auffälligste Erscheinung aus der Kerbtier- weit an der Aisne. ') Das von mir festgestellte Vordringen der Spitzschnecke Physa acuta nach Deutschland seit etwa 1^/2 Jahrzehnten beruht sicher auf Gärtnerkultur und ist für mich nicht ein Beweis zunehmender Wärme. die Eiszeit mag um 30 000 Jahre, also um das loootache eines Menschenalters, zurückliegen. Wohl aber ist ganz gut denkbar, daß manche Tier- art in ihrer Verbreitung nach Norden mit dem wärmer werdenden Klima nicht Schritt gehalten hat und dies jetzt mit Verspätung beschleunigt nachholt. Dann könnte ihr Vordringen innerhalb einer Be- obachtungsdauer von einigen Jahrzehnten sehr wohl bemerkbar werden. Somit könnten die wirk- lich feststehenden Tatsachen gedeutet werden als Nachwirkungen desWeichens der Eis- zeit. In diesem Sinne hat die genaue Feststellung weiterer derartiger Tatsachen hohen Wert; er- warten kann man wohl, daß es ihrer bei genauer kritischer Sichtung nicht zu viele werden! Denn gerade weil in verhältnismäßig kurzer Zeit nur ein beschleunigtes Nachrücken bemerkbar werden kann, ist diese Feststellung eher bei einer ge- ringen als bei einer großen Zahl von Tierarten zu erhoffen. V. Franz. Pharmakologie. Über deutsches Opium. Das für die heutige Medizin unentbehrliche morphin- haltige Opium, bekanntlich der erstarrte, aus den angeritzten Kapseln des Mohnes (Papaver somni- ferum) hervorgequollene Milchsaft, kommt aus Kleinasien, Persien usw. Schon lange aber — zuerst wohl 1829 durch den Erfurter Apotheker Friedrich Biltz — ist erwiesen, daß sowohl Nord- wie Süddeutschland für den Mohnbau und für die Gewinnung eines morphinreichen Opiums geeignet sind. Doch die zahlreichen Anbauver- suche im Laufe der letzten fünfzig Jahre, bald hier, bald dort unternommen, führten zu keinen besonders ermutigenden Ergebnissen. Die Kultur des Mohnes mißlang öfter infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse, auch erwies sich das ge- erntete Opium und der darin festgestellte Morphin- gehalt — meist etwa 10 "/o — als zu gering, um den Anbau bei unseren hohen Arbeitslöhnen noch lohnend zu gestalten. Trotz dieser vielen Miß- erfolge hat es in den letzten Jahren doch nicht an Stimmen gefehlt, die sich zugunsten einer neuen Inangriffnahme einer Opiumkultur in Deutschland ausgesprochen haben. So hat Ge- heimrat H. T h o m s - Dahlem (Zeitschrift für ärztliche Fortbildung, 1917, S. 521 ff.) in den Jahren 1904 bis 1907 Anbauversuche mit ver- schiedenen Mohnsorten vorgenommen. Er stellte dabei fest, daß sowohl der weiß- wie der blau- samige deutsche Mohn ein alkaloidreiches Opium auch in unseren Breitengraden liefert (H. Thoms: Über Mohnbau und Opiumgewinnung. Berlin 1907). Doch war die Opiumgewinnung, wenn unsere Arbeitslöhne der Produktion zugrunde gelegt wurden, nicht rentabel; das Produkt vermochte im Preise nicht mit dem türkischen und bulga- rischen zu konkurrieren. Nichtsdestoweniger er- schien ein Vorschlag Lindes beachtenswert, durch Erforschung geeigneter Kulturbedingungen den Ertrag von Morphium wesentlich zusteigern, N. F. XVn. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 6i „da der Preis des Opiums sich nach dessen Morphingehalt richte, so daß ein solches von 20 °/q Morphin etwa doppelt so viel kostet wie ein anderes mit 10 "/q." Der Weltkrieg mit seiner Erschwerung der Zufuhr ausländischer Drogen hat nun dazu geführt, daß man wieder auf das alte Problem zurückge- griffen hat. Der Gedanke, die Mohnkultur und die damit verbundene Gewinnung des Opiums könnte nicht voll arbeitskräftigen Invaliden manche Verdienstmöglichkeit schaffen, hat dabei eine Rolle gespielt. Im vergangenen Sommer ließ 'I'homs auf einem Gute in Schlesien, dessen Böden für eine Opiumkultur geeignet erschienen, eine größere Mohnanpflanzung anlegen, nachdem die Anwen- dung besonderer Düngemittel möglichst günstige Wachstumbedingungen geschaffen hatte. Das ge- wonnene Opium enthielt nicht weniger als 22 "Iq Morphin, berechnet auf trockenes Opium. Es ist dies ein besonders günstiges Ergebnis, denn dieser Gehalt übersteigt die Werte des türkischen und bulgarischen Opiums bei weitem. So ist aller Grund vorhanden, die Frage der Gewinnung eines deutschen Opiums wieder aufzunehmen, denn gelingt die dauernde Erzeugung eines so hohen Alkaloidgehaltes — sorgfältige Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse und der Kulturböden Deutschlands lassen hier viel erhoffen — , dann wäre die Opiumgewinnung in Deutschland selbst bei unseren hohen Arbeitslöhnen lohnend. ( G.C. ) Olufsen. Hygiene. Fische als Überträger von Infektions- krankheiten. Da die auf die eine oder dicandere Weise ins Wasser gelangenden Krankheitskeime nicht gleich zugrunde gehen, sind alle Oberflächenwässer in bewohnten Gegenden im allgemeinen als ver- dächtig anzusehen. So konnten Cholerakeime in Teich- und Flußwasser 24 Stunden bis zu mehreren Monaten lang, je nach den Bedingungen, lebend nachgewiesen werden. Ähnlich verhielt es sich mit Typhusbakterien. Nach diesen Befunden erhebt sich sofort die Frage, ob diese oder ähn- liche Krankheitserreger auch in die Fische gelangen können. Fürth (Zeitschrift f. Hygiene u. Infek- tionskrankh., 1907, Bd. 57) hat hierüber experi- mentelle Untersuchungen angestellt, indem er Goldfische mit pestbakterienhaltigem Material j fütterte. Das Ergebnis war, daß die Fische tat- I sächlich mit ihrem Lebenselement Pestbakterien in sich aufnehmen und, ohne Krankheitserschei- nungen zu zeigen, mehrere Tage nach Einfuhr von Pestmaterial, Pestbakterien beherbergen und sie mit ihrem Kote — bei Fürth 's Versuchen 5 Tage lang — ausscheiden können. Diese Ver- suchsergebnisse sind schon deshalb bemerkens- wert, weil manche Fische bekanntlich an Kadavern nagen. Besonders ist das vom Aale bekannt. Es ist also wohl kein Zweifel, daß dieser oder andere Allesfresser und Raubtiere unter den Fischen durch über Bord geworfene Pestratten und -mause infiziert werden können. Durch andere Versuche — des Hamburger Hygienischen Institutes — gelang der Nachweis, daß z. B. Aale, Stinte, Sturen und Butte Typhusbakterien aus dem Wasser in großer Zahl in sich aufnehmen können, wenn sie eine Zeitlang in Wasser gehalten werden, das mit Typhusbazillen infiziert ist. Auch ist bekannt, daß Schalentiere (Austern), roh gegessen, gelegent- lich Anlaß zu Typhuserkrankungen geben. Es ergibt sich nun weiter aus diesen Feststellungen die Frage von großem allgemeinen Interesse, ob diese in die Fische übergegangenen höchst gefähr- lichen Krankheitskeime durch den üblichen Koch- und Bratprozeß sicher abgetötet werden. Unter- suchungen, die diese Frage klären sollten, sind besonders von Prof. Dr. Kister und Dr. Gaeth- gens im Hygienischen Institut in Hamburg (Blätter f. Volksgesundheitspflege, 1917, S. 15 — 18) angestellt. Die, wie oben schon erwähnt, mit Typhuskeimen aus dem Wasser infizierten Fische wurden nach dem Abtöten gargekocht bzw. gar- gebraten und darauf Darm und Muskelfleisch auf Typhuskeime untersucht. In keinem F'alle ko nnten bei richtiger Zubereitung in den Fischen Keime nachgewiesen werden, während es an Kontrollfischen ein leichtes war, sie aus den rohen Tieren wieder herauszuzüchten. Hiernach erscheint bei richtiger Zubereitung der iMsche, selbst wenn sie reichlich mit menschlichen Infektionserregern behaftet sein sollten, was immer- hin nur selten vorkommen wird, eine Infektions- gefahr nicht vorzuliegen. Allerdings wäre, beson- ders bei großen Fischen, in welche die Hitze nur schwer und langsam eindringt, darauf zu achten, daß sie bei der Zubereitung gehörig durchgekocht bzw. durchgebraten sind. Im Innern vorhandenes rotes, noch flüssiges Blut ist ein Beweis dafür, daß die Koch- und Brathitze nicht in hinreichen- dem Maße eingedrungen ist. Olufsen. Bakteriologie. Daß die bakterielle Darmflora des gesunden Menschen für diesen nicht gleich- gültig sei, ja zum Teil von besonderem Nutzen, diese Erkenntnis ist auch weiteren Kreisen bereits bekannt gewesen. Im wesentlichen hat es sich aber auch in wissenschaftlichen, medizinischen Kreisen hier nur um Vermutungen gehandelt, einen direkten Nutzen gewisser Bakterienarten für den Träger hat man wohl mit Sicherheit bisher nicht nachzuweisen vermocht. Einer der häufig- sten und stets vorhandenen Darmbakterien ist der Kolibazillus, der in einer großen Zahl verschiedener Rassen bekannt geworden ist. Über die Unter- scheidung dieser Rassen und über die Nutzbar- machung einzelner Kolistämme für die Bekämpfung anderer, pathogener Datmbakterien hat Nißle bemerkenswerte Mitteilungen gemacht (Deutsche medizin. Wochenschrift 1916 Nr. 39). Von der Tatsache ausgehend, daß in vielen Fällen bei der Aussaat von 2 verschienen Bakterienarten auf dem Kulturnährboden die eine Art die andere im Wachstum behindert und so ein gewisser Ant- 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. agonismus zwischen beiden sich geltend macht, hat Nißle Bouillonröhrchen mit Typhusbazilllen be- impft, denen er später noch Kolibazillen hinzulügte. Eine spätere Aussaat dieser doppekbeimpfien Bouillonröhrchen auf Endoagarplatten gab dann die Möglichkeit, festzustellen, in welchem Verhält- nis die Typhusbazillen sich zu den Kolibazillen entwickelt hatten. Hierbei stellte sich nun das Ergebnis heraus, daß bei den einzelnen Impfungen das Verhältnis beider Bakterienarten zueinander ein sehr verschiedenes war, daß aber bei dem gleichen Kolistamm bei weiteren Versuchen das Verhältnis stets gleich blieb. Die einzelnen Koli- stämme ließen sich gewissermaßen in dieser Weise voneinander unterscheiden. Durch Auszählen von loo — 200 Kolonien wurde von Nißle das Ver- hältnis bestimmt und auf die Einheit von 100 Kolonien des Kolibazillus umgerechnet. Dieses berechnete Verhältnis bezeichnet Nißle als den antagonistischen Index. Es fanden sich nun Koli- stämme, die das Wachstum der Typhusbazillen fast ganz unterdrückt hatten, z. B. ein Stamm mit dem Index 100 : 3 (d. h. auf 100 Kolikolonien 3 Typhuskolonien), während andere Stämme gegen die Typhusbazillen nicht wesentlich aufkommen konnten, z. B. ein Stamm mit dem Index 100 : 4050. Ebenso wie gegen Typhusbazillen verhielten sich die Kolistämme auch gegen andere pathogene Darmbakterien. Es zeigte sich dann, daß in den Stühlen Darmkranker die schwachen Kolistämme überwiegen, während umgekehrt Menschen mit großer Widerstandsfähigkeit gegen Darminfektionen starke Kolistämme aufwiesen. Von diesen Ergebnissen ausgehend wurde ver- sucht, die starken Kolistämme durch Verabreichung derselben im Darm von Besitzern schwacher Stämme anzusiedeln. Dies gelang. Es lag nun auf der Hand, noch den weiteren Schritt zu tun und den Versuch zu machen, infektiöse Darm- erkrankungen auf die Weise zu bekämpfen, daß man stark antagonistische Kolistämme verabreichte, um durch diese die sich im Darm aufhaltenden pathogenen Bakterien zu bekämpfen. Es gelang auf diese Weise eine Anzahl von Darmerkrankungen zur Heilung zu bringen. Auch auf die sogenannten Bazillenträger, d. s. Leute, die ohne eigentliche Erkrankung noch pathogene Bakterien ausscheiden und so die Erkrankung verschleppen zu vermögen, wurden die Versuche ausgedehnt. Nißle konnte hier ebenfalls Erfolge erzielen. Von Langer wurden diese Ergebnisse nach- geprüft und zwar, indem mit den gleichen Stämmen gearbeitet wurde, mit denen auch Nißle gear- beitet hatte (Langer, H., Der antagonistische Index der Kolibazillen, Deutsche mediz. Wochen- schrift 1917 Nr. 42). Es konnte bestätigt werden, „daß die einzelnen Kolirassen in der Tat konstante Werte (des antagonistischen Index) geben". Weitere Untersuchungen zeigten, daß die schwächeren Stämme im allgemeinen weit häufiger vertreten sind als die stärkeren. Bemerkenswert ist dann wieder, was Langer bei seiner Behandlung von Bazillenausscheidern mit starken Kolistämmen er- reichte. Bekanntlich siedeln sich die Typhus- bazillen in den oberen Darmabschnitten, Dyscnieiie- bazlllen in den unteren Teilen an, woselbst auch die Kolibazillen ihren Hauptsitz haben. Theore- tisch lag es also schon nahe, anzunehmen, daß sollte sich überhaupt eine therapeutische Beein- flussung durch die Kolibazillen geltend machen, diese vor allem in Falten, in denen es sich um Dysenteriebazillen handelte, zu erwarten war. Und in der Tat gelang es auch Langer, in den be- handelten Fällen von Dysenteriebazillenträgern die Dysenteriebazillen durch Verabreichung von starken Kolistämmen zum Verschwinden zu bringen. Ent- sprechend den theoretischen Voraussetzungen blieb bei Behandlung von Typhusbazillenausscheidern der Erfolg aus. In diesen Untersuchungen haben wir ein Beispiel, wie auch die nichtpathogenen Bak- terien der Darmflora des Menschen im Kampfe gegen die pathogenen Arten von Bedeutung sein können und in welcher Weise wir uns diese Be- einflussung etwa vorzustellen haben. Dr. Willer. Physik. Für die während des Krieges häufig beobachteten Anomalien in der Ausbreitung des Schalles (Zone des Schweigens, Zone abnormer Hörbarkeit) hat man drei verschiedene Erklärungen aufgestellt. Die erste sucht die Erscheinungen durch die Windverhältnisse (Windrichtung und Änderung' der Geschwindigkeit mit zunehmender Höhe) zu erklären, die zweite, — sie stammt von V. d. Borne — nimmt an, daß die Schallstrahlen an der Grenze der in großer Höhe wahrscheinlich vorhandenen Wasserstoffatmosphäre reflektiert und gebrochen werden, so daß sie wieder nach unten gelangen. Diese Theorie hat — es wurde in der Naturw. Wochenschr. mehrfach darüber berichtet — wenig Wahrscheinlichkeit für sich ; die Dämp- fung der Schallwellen beim Fortschreiten durch verschieden temperierte Luftschichten und nament- lich in der stark verdünnten Luft in größerer Höhe ist so beträchtlich, daß nur eine Welle von äußerst geringer Intensität bis zu dieser großen Höhe vordringen wird; der wieder zu Erde ge- langende Teil wird äußerst wahrscheinlich über- haupt nicht wahrnehmbar sein. Die dritte Theorie stammt von Fr. Nölke: sie nimmt eine Reflexion der Schallstrahlen an der Grenze verschieden temperierter Luftschichten an (werden Licht- strahlen an solcher Grenzfläche reflektiert, dann gibt das Veranlassung zum Auftreten von Luft- spiegelungen). In der Physikal. Zeitschr. (XVIII (1917) 501) führt F r. N ö 1 k e einige Beobachtungen und Erscheinungen an, die zugunsten seiner Hypothese sprechen. Im Beginn des Krieges (Okt. 14 bis Jan. 15) hat van Everdingen in Holland Schallbeobachtungen an Geschützdonner angestellt und gleichzeitig die meteorologischen Daten von 6 Wetterstationen (3 holländischen und 3 deutschen) in Betracht gezogen. In den 8 Fällen waren die Windverhältnisse einer Schallausbreitung N. F. XVII. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 63 in Richtung Holland im allgemeinen nicht günstig. Dagegen zeigten sich in allen F'älleii Temperatur- invtrsionen d. h. Luttschichten, deren Temperatur um einige Grade höher war als die der darunter liegenden Luft. Ein weiterer Gesichtspunkt, der für die Reflexionstheorie spricht, ist folgender: Die abnorme Schallausbreitung wird namentlich im Winter beobachtet; der Sommer scheint für die Erscheinung nicht günstig zu sein. Nun sind Inversionen im Winter sehr viel häufiger als im Sommer. Weiter zeigen die Zonengrenzen (des Schweigens) eine gewisse unveränderliche Lage. Das ist schlecht mit einer Erklärung der Erschei- nung durch Windverhältnisse vereinbar; wie die Rechnung zeigt, ergibt eine etwas veränderte Steigerung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe ganz andere Werte für diese Grenzen. Bei Inversionen bind die Verschiebungen weniger beträchtlich. Im Winter scheint eine in einer Höhe von 1 500 bis 3000 m häufig vorhandene Inversionsschicht für die abnorme Schallausbreitung in Betracht zu von kommen. Die beobachteten Eigentümlichkeiten von Lage, Form und Größe des Hörbarkeitsbereiches sind auf die wechselnde Beschaffenheit und Höhe dieser Inversionsschicht zurückzuführen. Für die Erklärung der Erscheinung scheinen demnach die Temperaturverhältnisse in den oberen Lufschichten die Hauptrolle zu spielen; daß gelegentlich auch die Windverhältnisse von Bedeutung sind, ist wahr- scheinlich. ( gTc. ) K. Seh. Bticherbesprechungen. Der Weltkrieg und die Naturwissenschaften. Von Prof Dr. Stadimann. Wien 191 7. Alfred Holder. 80 S. Wie das recht reichhaltige Literaturverzeichnis am Schluß dieses Heftes zeigt, hat der Krieg, wie auf allen Gebieten, so auch auf dem der Naturwissenschaften eine Fülle von Neuerschei- nungen gezeitigt, die sich im wesentlichen mit den Ersatzstoffen, der Verwendungsmöglichkeit wildwachsender Pflanzen usw. beschäftigen. Der Verf versucht, an der Hand dieser Literatur seinen Fachgenossen, den Pädagogen, ein Bild zu geben von der Art, wie man „Krieg und Naturwissen- schaften" für den Unterricht in den Schulen nutz- bar machen kann. Es werden zuerst zoologische und botanische Fragen erörtert. Daran schließen sich Ernährungsfragen, einige Tatsachen aus der Geologie und schließlich Fragen allgemein biolo- gischer Natur. Der Verf will nicht etwa die Er- gebnisse der Kriegsnaturwissenschaften zur Grund- lage des Unterrichts machen, sondern glaubt, daß sich oft genug Gelegenheit bieten wird, auf den Zusammenhang von Krieg und Biologie hinzu- weisen. Es wäre zu wünschen, wenn auch nach dem Kriege die Erkenntnis von der Bedeutung der Naturwissenschaften für das Leben etwas mehr in den Schulen berücksichtigt würde, als bisher. • — Auf Einzelheiten des Heftchens einzugehen, erübrigt sich an dieser Stelle; man kann in vielen Dingen anderer Ansicht als der Verfasser sein, hätte lieber anderes in den Vordergrund rücken mögen usw., aber das tut dem anregend geschrie- benen Büchlein keinen Abbruch in der Beurteilung. Auf eine dem Ref aufgefallene kleine Unrichtig- keit sei noch kurz hingewiesen : Das fette, aus blausäurehaltigen Samen gewonnene Oel, wie das der bitteren Mandel, ist ganz unschädlich, da es keine Blausäure oder Bittermandelöl enthält. — Daß der Verf auf das Prinzip der gegenseitigen Hilfe im Kampfe ums Dasein hinweist, ist sehr verdienstlich. Peter Kropotkin, der in seinem berühmten Buch : „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und IVlenschenwelt" zuerst auf dieses Prinzip ein- dringlich aufmerksam gemacht hat, ist im Literatur- verzeichnis nicht zitiert. Wächter. P. Wagner, Lehrbuch der Geologie und MineralogiefürhöhereSchulen. (Große Ausgabe für Schulgymnasien und Oberreal- schulen, sowie zum Selbstunterricht) 6. Auflage, Teubner, Leipzig-Berlin 1917. Preis geb. 3 M. Der Verfasser, dem wir auch „Leitsätze zur Reform des mineralogisch-geologischen Unter- richts", sowie „Grundfragen der allgemeinen Geo- logie" verdanken, hat sich mit dem vorliegenden Werke keine leichte Aufgabe gestellt. Die Lösung, die er gefunden hat, verdient wärmste Anerkennung und Förderung. Es will etwas heißen, die ge- samte allgemeine und historische Geologie, all- gemeine und einen ausgewählten Teil der spezi- ellen Mineralogie, ja selbst noch etwas Petro- graphie auf wenig mehr als 200 Seiten (bei 322 Abbildungen!) so darzustellen, daß Flüchtigkeit vermieden und das Gerüst der Wissenschaft klar herausgearbeitet wird. Verf. geht von dem viel zu selten vertretenen Grundsatze aus, daß die Schule nur Anregung und allgemeine Bildungs- grundlage zu geben, nicht aber die Aufgabe hat, möglichst viel Wissenschaft herbeizutragen oder gar Vollständigkeit anzustreben. Andrerseits ist mit Glück die Gefahr vermieden, dabei theoretisch- akademische Steine statt des Brotes der An- schaulichkeit und konkreten Beispiele zu geben. Vielmehr ist eine Fülle des für den Anhänger oder Liebhaber wichtigen Wissens zusammen- getragen und in leicht faßlicher Weise darge- boten. Überall ist ersichtlich, daß Verf über alle Strömungen und neuesten Anschauungen der Wissenschaft wohl unterrichtet ist und aus eigenem Reichtum mit um so größerer Leichtigkeit und Sicherheit zu schöpfen vermag. Die wiederholten Auflagen sind nicht unbenutzt geblieben: mit aller Sorgfalt ist das reichhaltige Bildermaterial ausge- sucht, für dessen gute Wiedergabe auch dem 64 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 4 Verlage Dank gebührt. Einfach und klar ist der Quellennachweis für die Illustrationen gehalten, ausführlich das Sachregister. Es ist ganze Arbeit gemacht worden. Die Frage darf vielleicht aufgeworfen werden, ob in der Stoi^'gliederung nicht noch größere Klarheit erzielt werden könnte? Ein Teil der Mineralien erscheint bei den Sedimenten, ein an- derer als Edelsteine, beide weit getrennt von der Kristallographie. Vulkanismus und Sitz der vul- kanischen Kräfte sind auseinandergerissen, Gebirgs- biidung und Erdbeben sind zwischen die Bildungs- möghchkeiten der Gesteine eingestreut (auch sollten Erdbeben nicht als Unterteil der „Folgen der Schichistörungen" aufgeführt werden). Mehr pädagogischer Bedeutung ist die Reihenfolge der Kristallsysteme, die sich in der Einzelbesprechung nicht mit der zuvor gegebenen natürlichen Auf- stellung nach größerem oder geringerem Symmetrie- wert deckt. Für das Gedächtnis des Lernenden bedeutet das eine gewisse Erschwerung, auch wenn diese Umstellung ausdrücklich begründet ist. Doch sollen das nicht kleinliche Einwände sein, nur bescheidene Vorschläge zu etwa noch folgenden weiteren Auflagen des Buches. Darin, daß säch- sische Verhältnisse hier und da ein wenig in den Vordergrund treten, kann ich einen Nachteil nicht erblicken. Denn für den voll erreichten Zweck ist es durchaus ohne Belang, woher die Beispiele genommen werden. Es sei auch bemerkt, daß im engen Anschluß an die Wagner 'sehe Darstellung eine Sammlung geologisch-mineralogischer Belegstücke in der Sachs. Mineralien- und Lehrmittel-Handlung von Dr. Michaelis zu Dresden-Blasewitz zusammen- gestellt und käuflich ist. So ist für den Lehrenden ein nach jeder Hin- sicht leicht auszugestaltender Grundplan geschaffen, dem Selbstlernenden ein zuverlässiger Führer an die Hand gegeben. Nicht vergessen ist am Schluß eine Liste empfehlenswerter Werke zu weiter- gehenden Selbststudien. Edw. Hennig. Die Ausführungen sind in dem gleichen an- sprechenden Erzählterton gehalten, den der im Felde gefallene Verfasser in seinem ersten Bänd- chen, „Raubwild und Dickhäuter in Deutsch Ost- afrika" angewandt hatte. Er teilt Jagderlebnisse mit Huftieren, Affen, Reptilien und allerlei Flug- wild mit und geht auch hie und da näher auf die psychischen Fähigkeiten der Eingeborenen ein, mit denen er während seines langen Aufenthaltes in der Kolonie in engster Fühlung gestanden ist. Die Schilderungen sind sachlich und angenehm frei von Effekthascherei. Den Schluß bildet ein kurzes Kapitel über die vielerörterte Gefährdung des Wildstandes in Deutsch Ost-Afrika. Der Verf. nimmt für den eingeborenen Jäger Partei, der nicht die geeigneten Mittel besitzt, um den Wild- bestand ernstlich zu vermindern. Die Schuld an der Dezimierung trägt lediglich der mit modernen Waffen ausgerüstete Europäer. Dr. Stellwaag. Hans Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ost-Afrika. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, F"rank'sche Verlagshandlung, Stuttgart 19 17. Preis i M. Anleitung zum Photographieren. 16. und 17. erweiterte Auflage. In 12. Aufl. völlig neu bearbeuet und bedeutend vermehrt von Dr. Georg Hauberrisser. Mit 161 Abb., 8 Tafeln, 16 Bildvoriagen. Leipzig, Ed. Liesegang's Ver- lag M. Eger. Preis 1,65 M. Der Kriegsauflage dieses bekannten Leitfadens mögen einige empfehlende Worte auch an dieser Stelle mit auf den Weg gegeben werden, obwohl das Buch lediglich praktischen Zwecken dient und theoretische Auseinandersetzungen vermieden sind. Bei der Bedeutung der Photographie für naturwissenschaftliche Zwecke wird wohl jeder, der sich praktisch mit biologischen Arbeiten be- faßt, in die Lage versetzt werden, die photo- graphische Kamera benutzen zu müssen. Für ihn kommt es vor allem drauf an, möglichst schnell und sicher eine brauchbare Aufnahme zu erzielen, also zu lernen, richtig einzustellen, richtig zu be- lichten und zu entwickeln. Die vom Verf. geübte Methode hat sich gut bewährt und die lehrreichen Abbildungen dürften dem Anfänger eine nicht zu unterschätzende Hilfe sein. Es sei ganz besonders auf die Abbildungen hingewiesen, die den Unter- schied zwischen einem über- und unterexponierten Bild im Vergleich zu einer guten Aufnahme zeigen. Wächter. Inhalt: V. Brehm, Das Nannoplanklon. (15 Abb.) S. 49. — Kleinere Mitteilungen: Th. Daiber, Biologische Beobachlungen in der Umgebung von Göppingen (Württemberg). S. 56. — Einzelbenchte: Ollp, Wünschelrute. S. 57. Szymanski, „Taktile Tiere". S. 58. V.Franz, Wiederkehrende Tertiärzeit? S. 58. H. Th om s, Über deutsches Opium. S. 60. Fürth, Fische als Überträger von Infektionskrankheiten. S. 61. Nifile, Unterscheidung und Nutzbar- machung einzelner Kolistämme für die Bekämpfung anderer, pathogener Darmbakterien. S. 61. F r. N ö 1 k e , Anomalien in der Ausbreitung des Schalles. S. 62. — Bücherbesprechungen: Stadimann, Der Wellkrieg und die Naturwissen- schaften. S. 63. P. Wagner, Lehrbuch der Geologie und Mineralogie für höhere Schulen. S. 63. Hans Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ost-Afrika. S. 64. G. Hauberrisser, Anleitung zum Photographieren. S. 64. Manuskripte und Zuschriften werden an Prof. Dr. H. Mi ehe, Berlin N 4, Invalidenslrafie 42, erbeten. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Druck der G. Pätz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Neue Folge 17 Band; der ganzen Reihe 33. Band Sonntag, den 3. Februar i [918. Nummer 5. [Nachdruck Die Bisamratte in Böhmen. Von Dr. Hans Walter Frickhinger (München), Assistent der zoologischen Abteilung der K. B. Forstlichen Versuchsanstalt. Mit 26 Abbildungen im Text. Im Jahre 1906 ließ Fürst Colloredo- Mannsfeld in seiner böhmischen Herrschaft Dobrisch (südwestlich von Prag) einige Pärchen der kanadischen Bisamratte aussetzen. Die Einführung dieses nordamerikanischen Nagers mag aus verschiedenen Gründen geschehen sein. Einmal hatte der F"ürst wohl auf einer amerikanischen Reise selbst die unleugbaren Reize kennen ge- lernt, welche die nächtliche Jagd auf diese hurtigen Tiere dem Weidmann bietet und dann haben sicherlich auch wirtschaftliche Gesichts- punkte bei dem Entschluß des Fürsten ent- scheidend mitgesprochen. Die Bisamratte ist in ihrer nordamerikanischen Heimat, vornehmlich ihres Pelzes wegen, ein höchst geschätztes Jagd- tier: liefert sie doch den „Bisam", jenes hübsche Fellchen, dem, wie Heck sagt, „neben dem grauen sibirischen „Feh" heutzutage hauptsächlich die große Aufgabe obliegt, den Massenbedarf an billigeren, aber doch im Naturzustand, ungefärbt und unverändert, verwendbaren Pelzwerken zu decken". Aber nicht nur im ungefärbten Zustand, also als Bisampelz selbst, wie wir ihn als Herren- pelzmantelfutter kennen, kommt der Bisam in den Handel, er wird hauptsächlich für Damcnpelzwerk, auch in großem Umfang „auf Nerz, Zobel, Skunk und Seal gefärbt, um dann, in entsprechenden braunen und schwarzen Farbenschattierungen, als Nerz-, Zobel-, Skunk- oder Seal-Bisam verkauft zu werden. Es ist bei diesem Massenverbrauch an Bisampelzen, den Heck auf jährlich 7 Millionen Stück berechnet, erklärlich, daß der Fang der Ratte in den nordamerikanischen Ländern ihrer Hauptverbreitung, also hauptsächlich in Minnesota, dann aber auch in den nordöstlichsten Staaten der Union, in New York, in New Yersey, Connecticut und Pensylvanien einer beträchtlichen Zahl von Jägern und Fallenstellern (Trappern) ein auskömmliches Dasein bietet. Den Fürsten Colloredo-Mannsfeld haben ') Bei der Beschaffung der Literatur und des Bilder- materials für die vorliegende Arbeit hat mich Herr Forstrat Alois Nechleba-Pürglitz in unermüdlicher Weise unter- stützt. Seiner gütigen Vermittlung verdanke ich eine große Zahl der mir freundlichst von d<-n Herren Forstrat Theodor M o k r y - Schlüsselburg , Forstmeister Karl Meinhard- Frauenberg, Forstmeister F. J. Buchal-Kric bei Kakonitz und Assessor Dr. G. K or ff- München überlassenen photo- graphischen Aufnahmen. Für die Anfertigung einiger Original- aufnahmen nach Sammlungsobjekten der Zoologischen Ab- teilung der k. b. Forstlichen Versuchsanstalt in München schulde ich Herrn cand. forest. S. K. PiUai aufrichtigen Dank. diese günstig gelagerten wirtschaftlichen Ver- hältnisse sicherlich nicht zum mindesten verleitet, das amerikanische Wild nach seinem Dobrischer Schloßteiche zu verpflanzen. Aber während in Nordamerika mit seinen weiten unbewohnten Landstrecken nirgends Stimmen laut geworden sind, welche trotz der dort überall eingeführten strengen Schonvorschriften über ein allzu häufiges Auftreten der Bisamratte Klage führten, geschah die Vermehrung in Böhmen in einer wohl auch von dem Fürsten und seinen Ratgebern unge- ahnten Schnellig- keit. Aus den im Jahre 1906 ausge- setzten 4 oder 10 Pärchen , wenn sie auch durch das ein oder andere aus einem Bisamgehege des Fürsten Karl von Schwarzen- berg ausgekom- mene Exemplar eine Ergänzung gefunden haben mögen, sind heute nach einer ungefähren Schät- zung Smolian's mindestensiooMil- lionen geworden, eine Zahl, die trotz aller seit Jahren gegen die Tiere er- Die Verbreitung der Bisamraüe von griffenen Vernich- Dobrisch aus über Böhmen m den " o i ■ Jahren 1906-1912. tungsmaßregeln im- Nach Ribbeck. Aus Kosmos, mer noch im Steigen begriffen scheint. Dieser Massenvermehrung entsprechend ging natür- lich auch die Verbreitung der Ratte durch Böhmen und über die weiß blauen und die weiß-grü- nen Grenzpfähle hinaus nach Bayern und Sachsen hinein in erstaunlich kurzer Zeit vonstatten. Smolian gibt darüber detaillierte Angaben, die zur Veranschaulichung des nebenstehenden der Arbeit Ribbeck's entnommenen Kärtchens (Abb. i), mit dem sie ungefähr übereinstimmen, hier wiedergegeben seien: „1907 trat die Bisam- ratte schon in Pribram und Beneschau auf; 1908 in Pisek und Rozmital; 1909 in Smichow, Blatna, Beraun und Horwitz; 1910— 1911 bei Prag; 1912 in Melnik, Raudnitz, Saatz, Witri ngau undFrauen- F/üsse "^ Lano'es-ynnze Verbreiiunffsyrenz'e ms im mi m'p Wi 'ivnmi Abb. 66 Naturwissenschaftliche -Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. S berg; 1913 im April schon 4 Gehstunden von der bayerischen Grenze (oberes Radbusagebiet) ; im Juni ^/^ km vom Königreich Sachsen; im November in Sachsen selbst ; 1914 in Niederösterreich, Mähren und von nun an passiert sie wiederholt die sächsischen und die bayerischen Grenzpfähle. Im Juni i 9 i 4 wurde sie erstmalig bei Metten im Donaugebiet (Niederbayern) gesehen, im September an der Isarmündung. Im August 1915 ist sie schon wiederholt in Nie- derbayern und der Oberpfalz er- legt worden und letzthin (Ende 1915) hat der Fischer Hannes aus Zwiesel 1 1 Stück im Gebiet des Regens mit Reusen gefan- gen". Aus diesen Daten geht her- vor, worauf neben S m o 1 i a n noch H. N.Mai er ver- weist, daß es anfänglich wohl den Anschein hatte, als sei das Ausdehnungsgebiet der Bisam- ratte, deshalb, weil die Tiere bei ihrem Vor- dringen mehr den Gewässern mit ruhigem Wasser und üppigem Pflanzenwuchs folgten, „zunächst ein mehr nordsüdliches, während die ostwestliche Verbreitung geringer war". „Man [Fiber zibdhU Abb. Cuv.). diesen Wanderungen hat die Bisamratte offenbar 5 Einfallspforten nach Bayern hinein benützt, welche nach M a i e r ' s Mutmaßung von Norden nach Süden folgende sein dürften: i. das Gebiet der Elbe im Bez.- Amt Tirschenreuth; 2. das Gebiet der Naab; 3. das Gebiet der Cham, 4. das Gebiet des schwarzen Regens und 5. das Gebiet der Hz. Diese rapide Ausbreitung der Bisamratte über ganz Böhmen — nach Nechleba ist heute das südwestlich e Böhmen, die an Teichen reiche Gegend zwischen denStädtenPilsen und Budweis am meisten von der Bisam- ratte besie- delt — in die österreichischen Kronländer, nach Sachsen und Bayern hinein, muß uns, auch wenn wir zu- nächst von der vielbeklagten Schädlichkeit der Tiere nicht sprechen wollen, zu denken geben. Die böhmischen und die in den benachbarten deutschen Grenzgebieten wirkenden und daher nächstbeteiligten Forst- und Fischereizoologen haben denn auch seit Jahren mit dem Problem der „Bisamratte in Böhmen" sich ein- gehend beschäftigt, sie haben ausführlich nach Phot. Dr. G. Korff- München Abb. 3. Schädel der Bisamratte. Von oben gesehen. Phot. S. K. Pillai- München. Abb. 4. Schädel der Bisamr,itte. Von der Seite gesehe Phot. S. K. Pillai -München. konnte daher", fährt Maier fort, „hoffen, daß sie sich vorwiegend längs den pflanzenreichen Ge- wässern Böhmens weiterverbreite und die ärmeren Gewässergebiete des Urgebirges des Böhmer- und des Bayerischen Waldes meide. Leider hat sich aber diese Hoffnung nicht erfüllt, denn noch im Sommer 1914 hat die Bisamratte die Wasser- scheide zwischen Elbe und Donau überschritten und ist in das Flußgebiet der Pfreimt-, bzw. der Naab und damit der Donau vorgedrungen." Bei amerikanischen Quellen über die Biologie der Bisamratte in ihrer Heimat berichtet, haben damit ihre eigenen Beobachtungen verglichen und an Hand dieser Befunde die Bekämpfungsmaßnahmen erörtert, welche im Kampf gegen die Eindring- linge die meiste Aussicht auf Erfolg versprechen. Die Bisam-, Biber-, Zibethratte oder Ondatra {Fiber zibefhicus Cuv.) (Abb. 2), von den Engländern Musk-rat, von den Indianern Musquah genannt, gehört zur Unter- N. F. XVII. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 67 familie der Wühlmäuse (Microtinae) und besitzt am meisten Ähnlichkeit mit einer be- sonders großen Wasserratte. Sie kann eine Länge von ca. 6o cm erreichen, wovon aller- dings fast die Hälfte auf den Schwanz entfällt. Abb. 5. Schwanz uud Hinterfüße (links Oberseite, rechts Unterseite) einer" ausgewachsenen Bisamratte (ungefähr '/■> natürlicher Größe). Phot. Dr. G. Korff-Mü''nchen. jederseits aus i Nagezahn und 3 eng aneinander gereihten Backenzähnen (Abb. 4). Die Hinter- füße sind länger als die Vorderfüße, deren Zehen im Gegensatz zu den durch eine kurze Schwimm- haut miteinander verbundenen Zehen der Hinter- beine frei sind (Abb. 5). Alle Zehen zeigen seit- lich lange weiße Schwimmhaare, die Unterseite der Hinterfüße ist nackt. Das charakteristischste Organ der Bisamratte ist ihr langer, sehr musku- löser und seitlich stark zusammengedrückter, schwarzer, beschuppter und kurz behaarter Schwanz, der stets nach unten sichelförmig eingekrümmt getragen wird (Abb. 5). Er ist sehr kräftig und dient den Tieren, in schlängelnde Bewegung gesetzt, beim Schwimmen als Ruder, außerdem auch beim Sitzen als Stütze (Abb. 5 a). Bisamratte heißt das Tier nach 2 kleinen 2 — 3 cm langen Drüsen, welche sich in der Nähe der Ge- schlechtsöffnung finden und besonders während der Brunftzeit und da wieder hauptsächlich beim männlichen Tier einen weißen, öligen, unangenehm nach Zibeth (Moschus) riechenden Saft aus- scheiden, der durch seinen starken Geruch als sekundäres Geschlechtsmerkmal funktioniert, indem er die paarungslustigen Tiere zusammenführt. Der Pelz der Bisamratte ist dicht, glatt anliegend, oben braun, mitunter gelblich, unten grau mit rötlichem Anflug und etwa 30 — 35 cm lang. — Die Wollhaare desselben sind kurz, weich und .Sitzende Bisamratte. Der Scliwanz dient als Sti Ihre Körper formen sind plump, der Kopf (Abb. 3) ist dick und rundlich mit stumpfer Schnauze, die lange Schnurrhaare trägt; die Augen sind klein, die Ohren kurz und in den Pelz ver- steckt, die Backen sind taschenartig erweitert. Das Gebiß besteht im Ober- und Unterkiefer ;ze. I'hot. Oberförster Buchal-Neustupow. zart, die Grannenhaare etwa doppelt so lang, glänzend und starr. Die Lebensweise der Bisamratte ist die eines typischen Wassertieres und erinnert in manchen Punkten an den Biber. Die Tiere, von denen man in ihrer amerikanischen Heimat eine 68 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 5 Reihe von Arten und Unterarten unterscheidet, Landstriche, wie Kanada oder Alaska, wo sie bewohnen dort alle zwischen dem 30. und dem nach Heck besonders nördlich von der gleich- 69. Grade nördlicher Breite gelegenen Länder, namigen Halbinsel, um die Bristolbai im Nuschagak- ^ n P-^^?"^j^Kw ■ mk>- ^^ UmH^ ^r^ -^ '*^li^P^^ II ^^'^''^^''''^lllllil 1 ^^U^^^^^^^i«^^^|^%'i € ' n^V^ ^ JHhKv . .' .;.' ■ZViRtNA^ bau in einem durch Binsen maskieilen Grabenauswurf. Fhot. Oberförster B uchal-A'eustupow. Winterburgen der Bisamratte im Ober-Thorowitzer Teiche bei Schlüsselburg in Südwestböhmen. Phot. Forstrat Theodor Mok ry -Schlüsselburg. Die Dichtigkeit, mit der sie in den einzelnen gebiete häufig anzutreffen sind. Hier bewohnt Gebieten hausen, schwankt natürlich sehr, be- die Ondatra familien- und Volksweise die grasigen Vorzügen sie doch vornehmlich wasserreiche Uferhänge der Seen und Sümpfe oder breiterer N. F. XVn. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 69 langsam fließender Ströme oder — und das mit besonderer Vorliebe — kleinerer, mit Schilf und Wasserpflanzen dicht bewachsener Teiche. In die Uferböschungen dieser Wasserläufe wühlen die Tiere im Laufe des Sommers ihre Wohnräume, meist einfache, unterirdische Kessel mit mehreren Ausgangsröhren, die, mit Ausnahme eines einzigen oberirdisch mündenden Kanals, der als Luftschacht gilt, sämt- lich unter Wasser auslaufen. „Vom eigentlichen Nest, sagt Smolian, welches etwa 2 m im Durchschnitt mißt, gehen eine große Zahl hori- zontal verlaufender Röhren strahlen- förmig aus. Diese Röhren haben einen Durchmesser von 20 — 30 cm und treten erst nach weiterem Ver- laufe (nach Neresheimer bis zu 15 m) an die Oberfläche, wo ihre Mündungen sorgfällig verblendet wer- den, so daß sie nur schwer aufzu- finden sind" (Abb. 6). Das Nest ist mit trockenen Pflanzen gut ausge- polstert und wird, wenn möglich, von den Ratten das ganze Jahr über be- wohnt. Da aber bei strenger Kälte die Ausgänge zufrieren, so muß die Bisamratte für den Winter, wenigstens für den strengen Winter, sich eigne Bauten schaffen, die'Schlamm- oder Winter- burgen genannt werden (Abb. 7). Es sind dies oberirdische Wohnbauten, die auf dem Wasserspiegel emporgebaut werden. Diese Winter- burgen haben neben der ober Wasser befindlichen Wohnkammer zweierlei Ausführungsgänge: die einen münden, ähnlich den bei den Sommer- Landseitige Ausläufe Abb. 8a. von Bisamrattenröhren im Teichda teiches. Bei hohem Wasserstande rinnen die Röhn Phot. Forstrat AI. Nech 1 eb a-Pürglitz. Grund des Wassers ruhen und aus abgenagten Pflanzenteilen, aus Wurzeln und Ästen mit Hilfe von Lehm und Schlamm bis i m hoch über den Zahlreiche landseitige Ausläufe von Bisamrattenröhren. Feldteich unterhalb des Leontinenschlosses in Pürglitz (Böhmen). Phot. Forstrat AI. Nechleba- Pürglitz. Wohnungen beobachteten, direkt ins Wasser, die anderen führen unter dem Grund des Gewässers hindurch ans Ufer (Abb. 8 u. 8 a). Diese letzteren dienen wohl weniger dazu, um eine Verbindung mit dem Ufer herzu- stellen, als vielmehr dazu, die Tiere auf der Nahrungssuche zu unter- stützen, indem sie in derartigen Gang- bauten die freiliegenden Pflanzen- wurzeln ohne Schwierigkeit abnagen können. Aus diesem Grunde werden diese Gänge auch oft weit ausgedehnt angelegt, um dann irgendwo blind zu endigen.- Im Winter verstopfen die Tiere nach den Beobachtungen Nechleba's die landseitigen Aus- führungsgänge ihrer Wohnbauten mit Gras- oder Schilfpfropfen (Abb. 9) zum Schutz vor der Kälte. Von einigen Forschern wurde ange- geben, daß die Ratten diese Gras- pfropfen bei Nahrungsmangel auf- fressen. Nechleba bestreitet dies nach seinen Erfahrungen. Neben ihren sommerlichen größeren Wohn- bauten legt die Bisamratte noch eigene Bruträume oder Kinder- stuben an, welche meist nur ein- fache aus dem Wasser aufsteigende Röhren darstellen. Die Zibethratte gilt in Nordamerika der Haupt- sache nach als Pflanzenfresser: sie lebt vor- iim desselben Feld- 70 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. nehmlich von all den Wasserpflanzen, die ihre Tummelplätze bedecken, also besonders von Schilf, Riedgräsern, Seerosen und anderen mehr; in dicht bewachsenen Gewässern frißt sie, und das wird zumeist als bestes Zeichen für ihr Vor- handensein angesehen, am Boden besondere Bahnen aus, die sie dann als ständige Weide- gänge benützt. Ähnliche bis 20 cm breite Gänge legt sie auch in ufernahen Wiesen an, wie sie überhaupt auch gerne Wurzeln und Stengel von allerlei in der Nähe der Ufer wachsenden Land- pflanzen abnagt. Ja sogar in Getreide- und Reisfelder, in Gemüsepflanzungen (Kohlgärten, Rübenfelder) und Obstkulturen dehnt sie ihre Raubzüge aus und richtet dadurch auch in ihrer Heimat manchen Schaden an. Amerikanische Forscher, wie A. W. Butler, J. Audubon, J. Bachmann und manche andere, haben schon vor 50 und mehr Jahren dieser Beutezüge der Ondatra in die an flachen Flußufern gelegenen (Abb. 10) gehen die Angaben in der Literatur stark auseinander. N eres heimer führt diese einschneidenden Unterschiede, die in ihren Ex- tremen von einem einmaligen Wurfe von 5 —6 Jungen (nach Harlan) bis zu einem 3 — 5 maligen Wurfe von 3 — 7 und noch mehr Jungen (nach Richardson, Farlane und La ntz) differieren, darauf zurück, daß die einzelnen Beobachtungen der amerikanischen Forscher bei der über zu- mindest 30 Breitegrade sich erstreckenden Ver- breitung der Ratte selbstverständlich in Ländern angestellt wurden, die in ihren klimatischen Ver- hältnissen grundverschieden voneinander sind. Abb. 9- Schemaüsche Darstellung eines Bisamrattenganges, a ; land- seitiger Bisanirattengang (Ferngang), c: Mündung des Bisam- rattenganges unter Wasser, d : landseitiger Bisamrattengang (Nahgang), zum Schutz vor der Kälte mit dem Graspfropfen b verstopft. W: Wasser, E: Eis, S: Schnee. Nach Frick- hioger aus Naturwiss. Zeitschrift f. Forst- und Landwirtschaft. liffi Getreidefelder Erwähnung getan. Besonders reifende Ähren werden bevorzugt, die Halme werden von den Tieren abgenagt und dann in ihren Bau verschleppt; sind die Getreidekörner für die Zähne der Ratten zu hart, so wissen die Tiere auch dafür Rat und lassen die Halme ein oder mehrere Tage im Wasser liegen, bis die Körner erweicht sind. Neben der Konstatierung dieser rein vegetabilischen Ernährung finden sich auch in amerikanischen Quellen Hinweise, aus denen hervorgeht, daß die Bisamratte kein aus- schließlicher Pflanzenfresser, sondern vielmehr ein Allesfresser genannt zu werden verdient. Überreste von Muscheln und Krebsen finden sich häufig in größerer Zahl vor ihren Wohn- bauten, ferner wurden Spuren von Kannibalismus an ihnen beobachtet, indem kranke oder ange- schossene Tiere von ihren Artgenossen ange- fallen, zerrissen und aufgefressen wurden; auch Fische und kleinere Säugetiere sah man sie ge- legentlich vertilgen. Über die Fortpflanzungsfähigkeit Abb. 10. Der Nachwuchs eines Bisamrattenpärchens während [eines Sommers; sämtliche Tiere wurden nach Öffnen eines Baues ans Tageslicht befördert. Oben: altes 2- Mittlere Reihe: I. Wurf (anfangs Mai; die Tiere werden in dem- selben Sommer noch fortpflanzungsfähig). Untere Reihe: 11. Wurf (etwa Mitte Juli bis anfangs August). Phot. Forstmeister Karl M einhar d-Frauenberg. Zudem ist die Beobachtung der Ondatra in der freien Natur eine sehr mühselige, das erhellt am besten daraus, daß selbst in Gefangenschaft ge- haltene Tiere, wie die im Berliner Zoologischen Garten befindlichen Exemplare, nur schwer ge- nauer zu studieren waren ; Heck hat über Trag- und Wurfzeit bis heute nichts Genaueres fest- zustellen vermocht, der i. Wurf wird etwa auf Anfang Mai, der 2. auf Ende August angenommen. „Im April und Mai, sagt Heck, nachdem die Tiere ihre Winterbaue verlassen haben, paaren sich die Geschlechter, das Weibchen wirft in seinem Bau oder in einer Erdhöhle 3 — 6 Junge, und zwar mehrmals im Jahre. Den ganzen N. F. XVII. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sommer und Frühherbst leben die jungen Bisam- ratten friedlich mit ihren Eltern zusammen, ob- wohl nicht eigentlich unter ihrem Schutz, nur daß sie auf deren VVarnungszeichen hören; sie paddeln und waten in den austrocknenden Flüssen und Teichen herum oder schlafen zusammen- gerollt zu einem kleinen braunen Haarball, fest am Uferrand, versteckt im Wasserlilien- und Binsendickicht, indem sie gut ausgetretene Pfade von Ort zu Ort haben." Die Beobachtung der Bisamratten bei ihrem lebendigen nächtlichen Treiben, wenn sie behende das Wasser durchschwimmen , tauchen, auf Steinen, in Binsenbüschen, am Ufer kurze Rast halten, bietet für den Naturfreund einen einzigartigen Reiz. Vernimmt eines der sich tum- melnden Tiere ein verdächtiges Geräusch, so schlägt es als Warnungssignal für seine Genossen mit dem muskulösen Schwanz heftig auf das Wasser. Auf dieses Zeichen hin erlischt sofort das emsige Treiben des Rattenvolkes : während sich die einen mit einer erstaunlichen Schnelligkeit in die Gänge zurückflüchten, stürzen sich die anderen kopfüber ins Wasser und nur mehr silberne Streifen auf der Wasseroberfläche deuten an, welchen Weg die flüchtenden Tiere genommen. Meinhard ist es bei seinen biologischen Beobachtungen zwei- mal gelungen, die Nager im Frühjahr bei ihrer, wenn man so sagen will, ,.Brunft"zu belauschen: „Zwei Bisamratten, so berichtet der Forscher, schwammen längere Zeit mit senkrecht aus dem Wasser emporragenden Ruderschwänzen im Teiche auf und ab, stets einander auf wenige Schritte Abstand begegnend; dann wieder schwammen sie um ein drittes Exemplar (vermutlich das Weibchen) im Kreise herum, taucliten ab und zu und stießen nach dem Auftauchen wie ein Pfeil aufeinander los." Das böhmische Forstpersonal hat, wie Meinhard ausführt, bei der Bisamratte, als einer „neuen Wildgattung", zu erkunden ver- sucht, welche ihrer Sinne besonders ausgebildet sind, den Menschen zu erspähen, ob sie also besser äugt oder vernimmt oder windet. „Weil aber ihr Benehmen unter sonst gleichen Voraus- setzungen so verschieden ist, gehen auch hier die Meinungen noch ziemlich weit auseinander. Die meisten dürften zu der Ansicht hinneigen, daß sie relativ am besten äugt." Über das V^ erhalten der Ondatra dem Menschen gegenüber stimmen die Aussagen der Forscher nicht miteinander überein. Während früher zumeist der Bisamratte eine große Harm- losigkeit und Zutraulichkeit dem Menschen gegen- über nachgerühmt wurde, mehren sich in der letzten Zeit die Stimmen, welche von Versuchen der Tiere melden, aggressiv gegen den Menschen vorzugehen. So wurde aus der böhmischen Stadt Tabor gemeldet , daß ein Gendarmeriezugführer auf einem Dienstgang wiederholt von einer Bisamratte angegriffen worden sei, wobei das Tier mehrmals versucht habe, bis zu einer Höhe von 1 m gegen den Mann aufzuspringen. Auch aus der Nemelkauer Gegend (Böhmerwald) wurden ähnliche Vorkommnisse mitgeteilt. Nechleba macht, wohl mit Recht, darauf aufmerksam, daß derartige Angriffe von Bisamratten auf den Menschen nie in der Nähe vom Wasser, sondern nur dann stattgefunden haben, wenn die Tiere auf ihren Landwanderungen dem Menschen be- gegnet sind und dann keinen anderen Ausweg sahen, um der Gefahr zu entgehen, als ihren Widersacher anzugreifen, bzw. sich ihm zur Wehr zu setzen. Im großen und ganzen wird es sich bei solchen Fällen um seltene Ausnahmen handeln, wie sie bei allen Tieren, ja selbst bei dem Urbild der Furchtsamkeit, bei dem Hasen, zuweilen vor- kommen. Im allgemeinen wird sich die Bisam- ratte in Böhmen, ebenso wie ihre nordamerika- nische Schwester dem Menschen gegenüber sehr scheu verhalten, wird ihn fliehen, wo immer er ihre Bahn kreuzt. Die Ausflüsse des „Offensivgeistes" der böh- mischen Bisamratte haben uns bereits übergeleitet zu der Besprechung der Angaben , welche von europäischen Beobachtern über die Lebensgewohnheiten der Ondatra ge- macht worden sind. Da sie in wesentlichen Punkten von den Berichten der amerikanischen Untersucher abweichen, empfiehlt es sich, sie gesondert zu besprechen. Rein morphologisch wurde auf die frappanten Unterschiede hingewiesen , welche zwischen dem hochwertigen Pelz der nordameri- kanischen und dem bedeutend minderwertigen Fell der böhmischen Exemplare bestünden. Ribbeck sagt darüber: „Unter dem Einfluß unseres sehr viel milderen Klimas ist das Fell in überraschend kurzer Zeit völlig entartet, ist lichter geworden, die Behaarung dünner, und vor allem hat es den schönen Seidenglanz ganz verloren." Auch Smolian pflichtet dem bei, wenn er schreibt: „In den ersten Generationen blieb der Pelz auch hier dem amerikanischen an Schönheit gleich, später jedoch verlor er bedeutend an Wert : er wurde nach und nach lichter und grob, die schönen Grannenhaare blieben zurück und der eigenartige Glanz des Felles ging verloren." Dem- gegenüber weist Neresheimer darauf hin, daß der Wertunterschied der Bisamfelle aus den Monaten September /Oktober und selbst noch November und den Bisamfellen aus den Monaten Januar und Februar ein ganz beträchtlicher sei, indem ein Bisamrattenfell der i. Kategorie kaum halb so viel wert sei als ein solches der 2. Kate- gorie. In Amerika bestehen ja auch strenge Schonzeitbestimmungen für die Tiere, die aller- dings, wenn wir den Angaben desselben Forschers hierüber folgen, in den einzelnen Staaten stark schwanken, aber meist die ganze Fortpflanzungs- zeit der Tiere, also Frühjahr, Sommer und Herbst umfassen und die Nachstellung meist erst vom Dezember ab gestatten. „Das Fehlen von Schon- vorschriften und der Umstand, daß die Bisamratte jedenfalls in der warmen Jahreszeit leichter und 72 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. s unter weniger Strapazen zu fangen oder zu er- legen sein wird, als im strengen Winter, erklären also jedenfalls ausreichend genug die angebliche Minderwertigkeit der böhmischen Felle." Wenn es nun zwar auch wohl denkbar wäre, daß die Qualität des Felles durch die geänderten Lebens- bedingungen, welche die Bisamratte in ihrem neuen europäischen Siedlungsgebiet vorgefunden hat, sich verschlechterte, so entbehren die Ein- wände Neresheimer's gegen diese Theorie sicherlich nicht der Stichhaltigkeit und wir müssen dem Forscher zustimmen, wenn er „noch erheb- liche Zweifel in das früher ohne Debatte ange- nommene Axiom setzt und die Frage zum mindesten noch ungeklärt findet." Der Preis der Bisamrattenfelle ist übrigens, das betonen be- sonders Meinhard und Nechleba, in den letzten Jahren ständig gestiegen. Nach Meinhard wurden im letzten Frühjahr für Bisamrattenbälge folgende Preise gezahlt: I. Sorte 12 Kr., II. Sorte 6 Kr. und III. Sorte 2 Kr., während vor 3 Jahren noch I Balg bloß I Kr. einbrachte. Mag nun auch die Verteuerung der Kriegsverhältnisse bei dieser Preiserhöhung ihr gut Teil mitgewirkt haben, man wird sich dem Eindruck doch nicht verschließen können, daß mit der allmählich immer weiter fortschreitenden Akklimatisation der Bisamratte an das böhmische Klima auch die Qualität ihres Pelzes sich gebessert hat. Während früher, wie ich an anderer Stelle aus- geführt habe, der Pelz der Bisamratte aucii im Winter recht schäbig war und ins Gelbbraune und Lichtgraue spielte, waren die Bälge heuer, offenbar unter dem Einfluß des strengen Winters, vorwiegend viel dichter, die Behaarung war lang und auch die schwarzen Grannenhaare waren dichter gewachsen. Nechleba unterschied in seinem Pürglitzer Forstbezirke im heurigen Früh- jahr 2 Farbenvarietäten, deren eine sich der dunkelbraunen ursprünglichen Färbung der kana- dischen Exemplare näherte, während die andere ins Dunkelgraue stach. Infolge der erhöhten Nachfrage und besseren Bezahlung hat das I<"orst- personal heuer auch schon mit mehr Sorgfalt die Zurichtung und Präparation der Bisambälge be- trieben. Den Angaben Meinhard 's entnehmen wir darüber Folgendes: „Die Bisamfelle werden wie Hasenfelle abgestreift, also weder am Bauch noch auf den Seiten aufgeschlitzt und mit der Haarseite nach innen getrocknet. Noch vor dem Abstreifen werden die unbehaarten Teile der Füße sowie der Ruderschwanz abgetrennt und der Balg, so wie es bei Hasen der Fall ist, bloß an den Innenseiten der Hinterläufe aufgeschlitzt, damit durch die so entstandene Öffnung das Spannbrett eingeführt werden kann. Beim Ab- schärfen der Kopfpartie ist, wie bei allen anderen Rauhwaren, eine gewisse Sorgfalt notwendig, es muß das Fell auch hier bis zur Nasenspitze ab- gestreift werden." Die heurigen besseren Er- gebnisse lassen Nechleba hoffen, daß im Laufe der Jahre auch das böhmische Bisamrattenfell ein gesuchter Handelsartikel werden kann. Nun aber nach dieser Abschweifung zurück zu den Lebensgewohnheiten der Ondatras: daß die andersartigen klimatischen Verhältnisse Böhmens in ihnen starke Veränderungen hervor- zurufen vermögen, kann man am besten daraus ersehen, daß die in Kanada allgemein von den Ratten als Winterquartiere angelegten „Schlamm- burgen" von den böhmischen Exemplaren nicht mehr oder nur mehr in Ausnahmefällen gebaut werden. Die milden Winter dieses Landes, der die Flüsse nur selten und dann nur für kurze Zeit gänzlich eingefrieren läßt, hat die Tiere, nachdem sie in den ersten Jahren ihres böhmischen Aufenthaltes noch durchwegs zur Anlage der Winterburgen geschritten waren, bald veranlaßt, von dieser hier überflüssigen Vorsicht abzusehen. Heute trifft man in Böhmen derartige Kuppel- bauten nicht mehr sehr häufig an, nur Nechleba erwähnt dieselben als ständige Erscheinung, aller- dings mit der Einschränkung „nur in Teichen" aus seinem Pürglitzer Bezirk (Abb. 7).*) Auf eine weitere biologische Abweichung der böhmischen Bisamratte macht Nechleba auf- merksam : während die Ondatras in Kanada in der Hauptsache Volksweise hausen , leben die böhmischen Exemplare „vorwiegend paar-, höch- stens familienweise". Nechleba bringt dies damit in Zusammenhang, daß der Bisamratte in Böhmen ein unsteter Wandertrieb eignet, der sie nur eine kurze Zeitlang an ein und derselben Stelle verweilen läßt. „Stellen- und zeitweise zahlreich vorkommende Bisamratten, wahrschein- lich Familien, verschwinden mit einemmale gänz- lich, um sich paarweise auf anderer Stelle anzu- siedeln und nach Aufzucht der Jungen wieder zu versch winden." Die Ursachen für diese von Nechleba in seinem Pürglitzer Forst- bezirk beobachteten zahlenmäßigen Unterschiede des Schädlingsvorkommens hegen vermutlich auf dem Gebiet der Nahrungssuche; ob sie aber freilich für alle von den Ondatras besiedelten Gebiete verallgemeinert werden dürfen, darüber läßt sich heute noch kein endgültiges Urteil fällen. ') Im heurigen strengen Winter sind die Bisamratten natür- lich auch in Böhmen wieder mehr zu ihrer Gewohnheit, Winter- burgen zubauen, zurückgekehrt. So erwähnt jetzt auch Mein- hard aus der Frauenberger Gegend „eigene im Winter bewohnte Baue"; er nennt sie ,,parat)olisch geformte Haufen aus ichilf, die in der Nähe der Ufer angelegt in verschiedener Höhe aus dem Wasser emporragen". Kbenso konnten Korff und Maier anläfilich einer Besichtigungsreise in das böhmische Bisamrattengebiet in Blatna im Oktober 1916 zahlreiche Winterburgen feststellen. (Schluß folgt.) Inhalti :k hinger, Die Bii attc in Böhmen. (26 Abb.) S. 65. luskripte und Zuschriften validenstraße 42, erbe Berlin N 4, 1 Jena. Druck der G. Pätz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. n Prof. Dr. H. Mich, ag von Gustav Fischer Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sonntag, den lo. Februar 1918. Nummer 6. [Nachdruck verboten.] Die Bisamratte in Böhmen. Von Dr. Hans Walter Frickhinger (München'), Assistent der zoologischen Abteilung der K. B. Forstlichen Versuchsanstalt. Mit z6 Abbildungen im Text. (Schluß.) Während nun der Umstand, daß die Bisam- ratte in Böhmen nicht mehr regelmäßig wie in ihrer Heimat zur Anlage von Winterburgen schreitet, lediglich vom naturästhetischen Standpunkt aus zu bedauern ist, da gerade die Schlammburgen eine sehr reizvolle Belebung eintöniger Teichland- schaften darstellen, ohne gerade nennenswerte Schädigungen nach sich zu ziehen, ist eine weitere biologische Abweichung der böhmischen Zibeth- ratten von einschneidend wirtschaftlicher Bedeutung geworden. Wir haben oben gehört, daß die kanadische Bisamratte zwar gelegentlich auch fleischliche Kost zu sich nimmt, im allgemeinen sich aber dort mit pflanzlicher Nahrung bescheidet. Nun ist ja sehr leicht einzusehen, worauf neben Neresheimer besonders Ribbeck verweist, daß die Bisamratte in den weiten unbesiedelten Landstrichen Kanadas und Nordamerikas über- haupt mit ihren nur vereinzelt bewirtschafteten Ländereien ungeheuer viel mehr pflanzliche Nah- rungsstoffe vorfindet, die ihr ohne weiteres und ohne irgendwelchen Schaden für den Menschen zur Verfügung stehen, als in dem dichtbesiedelten Böhmen mit seinen ausgedehnten landwirtschaft- lichen Betrieben nnd seinen weitverbreiteten teich- wirtschaftlichen Anlagen. In Böhmen trifft die Bisamratte bei jeder Nahrungsstreife, mag sie diese nun im Wasser oder auf dem Lande ausführen, auf die Interessensphäre des Menschen. „Die böh- mischen Teiche, führt Ribbeck aus, mit ihrer verhältnismäßig spärlichen Pflanzenwelt konnten einer größeren Zahl der gefräßigen Nager die sonst gewohnte Nahrung nicht in genügender Menge bieten und deshalb suchen sich die Tiere eben anderweitig zu entschädigen." Und waren von Amerika schon Fälle bekannt geworden, wo die Ondatras Muscheln und Krebse und kleinere Fische angenommen hatten, so ist es erklärlich, daß die böhmischen Exemplare sich immer mehr von der ihnen nur in durchaus unzureichenden Mengen zugänglichen pflanzlichen Kost ab der animalen Kost zuwandten und heute zu vornehmlichen Fleischfressern sich gewandelt haben. Nun, sagt -Neresheimer mit Recht, „hätte man wohl in ganz Europa kaum ein Land ausfindig machen können, in dem sich die Bisamratte von ihrem ersten Auftreten an dem Menschen so verhaßt machen mußte, wie gerade in Böhmen. Nirgends steht die Karpfen Wirtschaft in solcher Blüte, nirgends ist das Land so durchsetzt von Teichen, zum Teil Teichen von riesiger Ausdehnung und enormer Wasserfassung, wie gerade hier. Der Bisamratte mußte dieses wasser- und fischreiche Land als Paradies erscheinen, aber dem Menschen mußte gerade hier ein ganz besonders gefährlicher Feind in ihr erwachsen." Tatsächlich scheint der Schaden, den die Zibethratte der böhmischen Fisch- zucht und den Krebsbeständen der böhmi- schen VVasserläufe zufügt, nach den übereinstim- menden Klagen aller Autoren ein ganz beträcht- licher zu sein. So hält Smolian besonders den Krebsbestand in den von den Ratten bezogenen Abb. II. amratte angenagte! lot. S. K. Pillai Krebs. Nat. Größe. München. Gewässern für äußerst bedroht (Abb. 11), wenn nicht überhaupt für der Vernichtung geweiht. Ebenso großen Schaden dürfte dieP e rlfischerei') erleiden (Abb. 12 u. 13), wie auch für die Fisch- zucht die Massenvermehrung der Bisamratte schon heute eine schwere Kalamität bedeutet (Abb. 14). Die Bisamratte frißt den erbeuteten Fischen oft ') Korff und Maier berichten, daß auf dem Grunde einzelner böhmischer Teiche in den Schlüsselburger Be- sitzungen des Freiherrn von Lillgenau zentnerweise von den Bisamratten angenagte Muschelschalen lagern, die beim Ablassen der Teiche zutage treten. 74 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 nur die Eingeweide und die Augen aus, höchstens verzehrt sie noch ein wenig vom Schwänze und läßt das Übrige liegen — vernichtet also mehr als sie zu ihrem Lebensunterhalte braucht. In Überwinterungsteichen stört sie durch häufiges Befahren des Wassers die Ruhe der Fische, zumal sie ihre Tafel hier am reichsten gedeckt findet. In einem solchen Teich in Böhmen wurden z. B. von 24 000 Stück einsömmeriger Karpfen in einem Winter 15 000 Stück durch Bisamratten vernichtet. Ferner verzehrt sie auch das Gras mit den Karpfeneiern in den Laichweihern, verhindert das Ab- laichen der Fische, stört dieselben bei der Nahrungsaufnahme, ja frißt ihnen sogar das Futter weg. Daß es durch- aus nicht immer nur kleinere Fische sind, welche die Bisamratte anfällt, darauf macht H. X. M a i e r aufmerksam, indem er berichtet, daß es ein paar Bisam- ratten zu beobachten gelang, wie sie einen etwa 12 pfundigen Laichkarpfen attackierten. Daß es den Bisamratten verhältnismäßig leicht fällt, die trägen Karpfen zu erbeuten, wird uns nicht so sehr erstaunen, als die Tatsache, daß, auch die flinken Weißfische von ihnen verfolgt und überwältigt werden : X ec h - leba entdeckte am Ufer der Beraun, in der Nähe von Bisamrattenbauen, zahlreiche Überreste von Weißfischen, deren größere Exemplare entschuppt waren. Aus dieser Beobachtung geht hervor, daß die Bisamratte nicht nur in stehenden sondern auch in fließenden Gewässern dem Fisch- fang obliegt. gelichtet, daß sie die brütenden Vögel aufscheucht, um ihre Eier zu rauben. Bei ihren Streifzügen auf das Festland verschont die Bisamratte natürlich auch die bodenbrütenden Vögel nicht, Rebhühner, Fasanen, ja selbst das Hausgeflügel hat nach dem Abb. 13. 1 der Bisamratte angenagte Teichmuscheln ; AnoJonta cygiiea L. Nat. Größe Phot. S. K. Pillai-München. Auch dem Wassergeflügel stellt die Ratte nach, kleine Enten und Hühner werden von ihr leicht erbeutet, der Bestand an Wildenten, Wasser- hühnern, Möven usw. wird von ihr auch dadurch Abb. 12. der Bisamratte angenagte Flußmuscheln: Nat. Größe. Phot. S. K. P Übereinstimmenden Bericht mehrerer Forscher in manchen Gegenden stark unter ihrer Eierräuberei zu leiden. Wir sehen die Besprechung der Wandlung der Bisamratte zu einem aus- gesprochenen Fleischfresser hat uns schon mitten in die Erörterung der Frage nach ihrerSchädlichkeit eingeführt. Fischerei und Jagd leiden unter ihrem massenhaften Auftreten ganz erheblich, noch viel größeren Schaden aber hat die Ondatra in der böhmischen Teichwirtschaft angerichtet. Durch die Anlage ihrer Sommerbauten mit ihren ausgedehnten Jagdgängen zer- wühlt die Bisamratte weite Strecken der Uferböschungen und Teichdämme (Abb. 15 u. 16), so daß schon bei kleinen Teichanlagen Dammbrüche und dadurch verursachte Über- schwemmungen an der Tagesord- nung sind (Abb. 17). Es ist leicht einzusehen, um wieviel größere Kata- strophen zu befürchten sind, wenn es sich bei den durch die Bisamratte gefährdeten Objekten um große Stauwasseranlagen handelt. Mit beredten Worten schildert Wenzel Susta die Kalamität , welche die Zibethratte gerade N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 75 durch ihre Wühltätigkeit über Böhmen bis heute schon gebracht hat und in Zukunft noch bringen kann. „Die meisten Teiche wurden in Böhmen vor 300 — 400 Jahren erbaut. Das Werk unserer großen Teichbauer stand un- berührt durch Jahrhunderte da. Heute befinden sich in den durch Ondatra stark befallenen Ge- bieten nur mehr Ruinen der früher massiven Dämme oder, was noch gefährlicher ist, von außen zwar scheinbar intakte, in der Tat aber kreuz und quer angebohrte Dämme, welche beim ersten großen Wasseranprall zusammenbrechen müssen. Keine Tarraßmauer ist fest genug, um den Wühlern .\bb. 14. Durch Uferbruch bloflgelegter Gang der Bisamratte auf dem linken Ufer des Beraunflusses bei Purglitz. Im Vordergrunde : Reste angenagter Muscheln und angefressener Fische. Phot. Forstrat AI. N e c h leb a- Purglitz. standzuhalten; wenn auch die Steine so kunst- fertig zusammengefügt sind, daß die Ondatra keinen direkten Angriffspunkt findet, sucht sie den Weg vom Teichgrunde in den Dammkörper hinauf und verästet hinter der Tarraßmauer ihre Gänge. Nicht einmal die unter der Teichsohle liegende Teichröhre ist sicher; wir fanden mehrere Fälle, wo auch diese und das umliegende Zapfen- haus von der Bisamratte durchnagt und stark an- gegriffen wurden. Nun haben wir in Böhmen Kolosse, deren Dämme 8 — 10 m in der Krone messen und tatsächUch als gigantische Bauten an- gesprochen werden können. Doch selbst diese über mehrere lOO Hektarsich ausbreitenden Teich- riesen werden nicht standhalten können, falls sich die oberhalb derselben gelegenen, von der Ondatra angebohrten Teiche durch Dammbrüche plötzlich in sie entspannen sollten . . ." Um anschaulich darzustellen, wie die Ondatrakalamität wächst und welche Konsequenzen sie nach sich ziehen kann, greift Wenzel Susta ein Teichgebiet Süd- böhmens, das Wassergebiet des 500 Hektar großen und 12500000 Kubikmeter Wasser fassenden Teiches Bezdrev bei Frauenberg heraus und er- örtert die Gefahren, in denen sich dieses Teich- gebiet befindet: Oberhalb des Bezdrever Teiches liegen 1 1 5 Teiche miteinem Ausmaß von i6i6Hektar und einer Fassungsmenge von 21500000 Kubik- meter Wasser. Dem Terrain folgend, liegen die Teiche in 4 Hauptrichtungen übereinandergruppiert und es ergießt sich das Wasser infolgedessen vom höher gelegenen in das tiefer liegende Objekt. Sollte nun in diesem Wassergebiet die Bisamratte so stark überhand nehmen, daß nur der 4. Teil der Teiche, und zwar die kleineren, in den höheren Lagen situierten Objekte mit schwächeren Dämmen, durch die Bisamratte beschädigt, zur Zeit eines Hochwassers reißen würden, dann folgen unaus- weichlich auch die tieferliegenden mit stärkeren Dämmen ausgerüsteten Teiche der momentan ent- fesselten stürmischen Wasserwelle und der daraus resultierenden Wassermenge wäre auch der 14^/2 m hohe in der Krone 14 m breite Bezdrev-Teich- damm nicht gewachsen. Unter dem Teiche aber liegt die Eisenbahnstation Frauenberg. Unabseh- bar geradezu würden die Folgen sein, wenn es zu einer solchen Katastrophe z. B. bei den Wit- tingauer Teichkolossen kommen sollte." Daßdie Befürchtungen Wenzel Susta's kein leerer Wahn sind, sondern auf an verschiedenen Orten gemachten Beobachtungen beruhen, wird auch durch die Angaben H. N. Mai er 's bestätigt, wonach in einer 140 Teiche umfassenden Teich- wirtschaft alle Teiche von den Schädlingen befallen und ein Dammbruch von 4 m Länge und 2 m Tiefe verursacht worden war. Auch Eisenbahn- dämme werden, sofern sie nur in der Nähe von Wasseranlagen liegen, von den Ratten besiedelt. Wenzel Susta berichtet von ihrem Vorkommen in dem Damme der Linie Budweis-Eger. Die Einbrüche der Bisamratte in menschliche Kulturländereien, also vornehmlich in Getreide- felder, haben wir schon oben bei der Erörterung der Ernährung der Tiere erwähnt. IVIeinhard berichtet in diesem Zusammenliang von einem Gerstenfeld, in dem die Bisamratten runde, zimmer- große Flächen kahl abgenagt hatten. Von be- sonderem Belange sind auch die Beobachtungen Nechleba's, wonach die Bisamratte Feldfrüchte und süße Gräser unbedingt den harten und sauren Wald- und Teichgräsern vorzieht und unter den Feldfrüchten hauptsächlich die Leguminosen (Klee- Arten) liebt. Auch alle diese Schäden fallen ein- leuchtenderweise im dichtbesiedelten Böhmen viel schwerer ins Gewicht als in einem Lande mit so extensivem Kulturbetrieb wie Nordamerika. Des- halb ist der Schaden, den die Streifzüge der ■]6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 Ondatra in landwirtschaftlichen Anlagen verur- sachen, in Böhmen mit ganz anderem Maße zu messen und viel ernster zu beurteilen als in Kanada oder in Alaska. DerSchaden also, den dieBisamratte in Böhmen verursacht, muß als ein ganz enormer bezeichnet werden. Wie steht es nun mit dem Nutzen, den die Jagd auf die Tiere einbringt? Ist er vielleicht ein derartiger, daß man mit einem Schein von Recht von einem gewissen Äquivalent sprechen könnte? Über den Wert der böhmischen Bisamratten- felle, das haben wir bereits weiter oben eingehend erörtert, sind die Akten noch nicht geschlossen ; jedenfalls sind die Felle nicht so schlecht, daß sie nicht zu Kürschnerarbeiten Verwendung finden könnten. Weiterhin wäre eventuell noch das Fleisch zu verwerten. Früher hat man angenom- men, daß das Bisamrattenfleisch nur von Indianern verzehrt würde, späterhin hat sich dann aber heraus- gestellt, daß das Fleisch der Bisamratte ein auch von der weißen, und durchaus nicht nur von der ärmeren Bevölkerung sehr begehrter Artikel ist und die Nachfrage die Anlieferung bedeutend über- steigt. Lantz berichtet sogar, daß Bisamratten- fleisch auf einem alljährlichen Festessen desMonroe- March-Club, auf dessen Initiative ein Gesetz für die Einführung der Schonzeit für Bisamratten zurückzuführen ist, eine der Hauptdelikatessen bildet. Störend bei dem Bisamrattenfleisch kann nur der Zibethgeruch werden, aber dieses Hindernis ist leicht zu umgehen, wenn man nur, wie Xeres- heimer es vorschreibt, „bei dem Abbalgen die nötige Vorsicht nicht außer Acht läßt. Die Haar- seite des Pelzes soll mit dem Fleisch in gar keine ''/YJV//7l7////'l/ll// ■' Abb. l6. Abb. 15/16. Schematische Darstellung eines durch die Wühlarbeit der Bisamratte verschuldeten Uferbruchs. Abb. 15. Bisamratlenröhren im gefährdeten Teichdamm, a: landseitiger Auslaufgang (Ferngang), b: Steilgang. W: Wasser. Abb. 16. Der Teichdamm nach dem Uferbruch. A: abgestürzte Uferpartie. N: Neuer Uferrand, a: verschütteter Gang der Bisamratten. W: Wasser. Nach Frickhinger aus Naturwiss. Zeitschrift f. Forst- und Landwirtschaft. Abb. 17. Größere Uferabsitzung infolge der Durchwühlung durch die Bisamratte auf dem linken Ufer des Beraunflusscs in der Nähe von Pürglitz. Phot. Forstrat AI. Nechleba- Pürglitr. Berührung kommen und die Drüsen sollen mit dem Fell zugleich ent- fernt werden". — Besonders hervor- zuheben ist noch die Tatsache, daß das Fleisch im Winter — der eigent- lichen Bisamrattensaison in Amerika — überhaupt nur sehr wenig nach Zibeth riecht und der Geruch dann leicht durch Waschen entfernt werden kann. Auch in Böhmen und nach H. N. Mai er auch in Bayern, sind schon Versuche mit Bisamratten- fleisch gemacht worden und die Esser rühmen es als „zartes, schmack- haftes Wildbret". Ob freilich ein nennenswerter materieller Ertrag durch den gewerbsmäßigen Verkauf von Bisamrattenfleisch erzielt werden könnte, ist immer noch sehr die Frage, da der Preis für das ent- häutete Stück, der in Amerika nach Neres heimer zwischen 5 und 20 Cts. beträgt, natürlich auch in Europa ein niedriger sein müßte. Jedenfalls geht aus dem Gesagten deutlich, hervor, daß der wirt- N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 77 schaftliche Nutzen, den die Bisamratten- jagd bei uns eventuell abwerfen könnte, weit, unendlich weit zurückbleibt hinter dem Schaden, den die Tiere in P'ischerei und Teichwirtschaft, in Land- und Forstwirtschaft anzurichten ver- mögen. Aus dieser Sachlage resultiert die unabweisbare Pflicht, nichts unversucht zu lassen, um einerseits einer weiteren, in einem gleich raschen Tempo verlaufenden Massenvermehrung der Tiere Einhalt zu gebieten und andererseits auch die heute schon existierenden Bestände in Böhmen und in den mährischen, den nieder- und oberösterreichischen, den bayerischen und den sächsischen Grenzgebieten zu dezimieren, wenn irgend möglich überhaupt wieder auszurotten. Die Bekämpfungsmaßnahmen, die bis heute in Böhmen angewandt worden sind, be- stehen vornehmlich aus Methoden der ameri- kanischen Trapper, die ja in der Jagd auf die Bisamratte natürlichermaßen eine große Technik besitzen. Die gebräuchlichste Art der Ondatrajagd ist das Abschießen, das in späten Abendstunden oder in frühen Morgenstunden, wenn die Tiere ans Land kommen oder an sonnigen Wintertagen, wenn sich die Ratten auf ihren Winterburgen sonnen, recht ergiebige Erfolge zeitigen kann. So wurden auf einer böhmischen Herrschaft im Jahre 191 3 nur seitens des zuständigen herrschaftlichen Forstpersonals 813 Stück geschossen, davon er- legte ein besonders glücklicher Schütze an einem einzigen Abend allein 56 Stück. In Amerika sollen nach N eres heimer die Indianer die Ondatra oft in ihren Winterwohnungen Speeren. Die Methode ist in Amerika unter den weißen Jägern deshalb nicht sehr beliebt, weil der Pelz dabei meist zu Schaden oder häufig über- haupt zu Verlust kommt, wenn die gespeerten Tiere sich wieder loszureißen vermögen. Für das europäische Bisamrattengebiet gelten diese Gründe ja nicht in der gleichen Weise, so daß Neres- heimer auch zu dieser Methode rät. Die verbreitetste Art der Bisamrattenjagd in Nordamerika ist das Fangen in Fallen. Eiserne Fallen, sogenannte Schlageisen, scheinen sich dabei am besten zu bewähren: sie werden in seichtes Wasser gelegt, mit Gras oder Laub und Schilf gut maskiert und mit einer Kette so an einem fest eingerammten Pflock befestigt, daß das Tier, das nach dem Zuschlagen der Falle sofort ins tiefere Wasser abzieht, noch gut dorthin ge- langen kann und dann ertrinkt. Als Köder werden entweder süße Äpfel, Apfelsinenschalen, weiße oder gelbe Rüben in die Falle gegeben. Noch mehr empfiehlt es sich als Witterung, besonders in der Zeit der Paarung (April, Mai und August), den Inhalt der Zibethdrüsen zu benützen, der natürlich als vortrefi"liches Anlockungsmittel wirkt. Tellereisen ohne Köder werden auch häufig an Stellen angebracht, welche die Tiere passieren, so entweder vor einem Ausgang ihres Wohnbaus oder in die Weidegänge, welche sie sich durch den Schilf bahnen. Im Zusammenhange damit wurde auch schon geraten, den Tieren einen bequemen Weg, etwa durch ein passend angebrachtes Brett, zu bieten und darauf dann mehrere Fallen anzu- bringen, eventuell sogar zwischen die einzelnen Fallen noch Köderstückchen auszulegen. Auf diese Weise, berichten amerikanische Quellen, sei es schon gelungen, alle Inwohner eines Nestes zu fangen. Smolian rät, kleine Falleisen, wie sie für Hamster und Ratten (16 cm Spannweite) oder Tellereisen, wie sie für Iltisse (18 cm Spannweite) verwendet werden, in die Gänge zu legen, in denen das Wasser 8 — 12 cm hoch steht. „Wenn diese Gänge von außen unzugänglich sind, werden sie angebohrt, die Falle glatt eingepaßt und das Ganze zugedeckt." Eine Beköderung ist auch hier nicht nötig. Alle Eisen können das ganze Jahr hin- durch benützt werden, am erfolgreichsten dürften sie aber nach desselben Autors Ansicht in der Zeit der Eisschmelze, also von F'ebruar bis März sein. Menschliche Witterung ist natürlich bei allen derartigen Manipulationen peinlichst zu vermeiden, „man bereite seine Hände deshalb durch eine Abb. 18. Schematische Darstellung eines Wasserfasses als BisararaUen- falle. Erklärung im Text. Nach Buchal. Waschung mit Weizenkleie vor, der man ein wenig yöf«?/;«,^»-«^«^;« oder synthetischen Moschusbeigibt." Gute Dienste beim Bisamrattenfang haben auch schon schwimmende Fisch fässer (Abb. 18) geleistet. Dabei ist besonders das vom Rentmeister Zak in Blatna erdachte System zu empfehlen; darnach „wird das Fischfaß bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt und zu beiden Seiten des Fasses werden Breiter angemacht. Die Bisamratten kriechen an den Brettern hinauf, springen in das im Fischfasse enthaltene Wasser und müssen er- trinken." Man muß bei dieser Methode nur darauf achten, daß das Wasser in den Fässern öfters er- neuert wird, da die Tiere sonst die Fallen meiden. Mittels solcher Fischrässer wurde im Teiche „Podskalsky" bei Blatna in einer Nacht ein ganzes Nest Bisamratten und in 4 Wochen in 2 Fässern 18 Stück gefangen. In einem anderen, in der Nähe Blatnas gelegenen Teiche „Draschky" wurden in 2 Fischfässern in 28 Tagen 9 Ratten und im Teiche „Silnicky" in 1 Faß in 4 Wochen 10 Stück gefangen (Abb. 19). Nach dem System des Wasser- fasses erdacht ist die Buchal' sehe Falle, mit der 78 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 es auch schon eine größere Zahl von Bisamratten zu erbeuten gelang (Abb. 20). Bei der Abfischung von Fischwässern fangen sich gelegentlich auch Bisamratten in den Netzen ; man hat deshalb den Versuch unternommen, eigens zum Fang von Ondatras Reusen aufzustellen und man hat damit sehr gute Resultate erzielt. H. N. Maier teilt mit, daß bisher „in mit Fischen be- köderten Reusen die meisten Bisamratten in Bayern gefangen wurden". Auch in Böhmen hat sich der Reusenfang bewährt, wurden doch im auf starkem Eisendrahtgerüste zugestellte, der Fisch- reuse ähnliche Fangvorrichtung, welche demnach aus einem zylindrischen, durch kegelförmige Teile abgeschlossenen Netz besteht" (Abb. 22). Das Netz wird in etwa i m breite Durchhaue im Ufer- schilf in die Einmündungsgräben von Nebenarmen einer Wasserfläche angebracht, wo es die Ratten, welche an der Wasserfläche dahinschwimmen, am Fortkommen verhindert und zum Tauchen veran- laßt (Abb. 22a) '). Dadurch müssen die Tiere in den Apparat schlüpfen und werden dabei gefangen. Abb. 19. BisamraUenfallen ; links ein Wasserfaß, reclits eine Buchal'sche Falle. Nach Buchal. Jahre 191 3 im Satzawagebiet allein 350 Ratten in Reusen erbeutet. Gewöhnliche Fischreusen werden immer längs des Ufers aufgestellt, man wählt dazu am besten möglichst ruhige ,Wasserstellen, wie Abb. 20. ^^^- 21- Schematische Darstellung einer Günsüger Platz zur Aufstellung .chaTschen Falle. NachjBuchal. vonReusen bzw. derLhotsky- schen Falle am Ausgange emer Seitenbucht. Nach Horälek aus „Allge- meine Fischereizeitung". Altwasser, oder Buchten und Tümpel (Abb. 21). Das Beködern mit einem lebenden Fisch erhöht die Fängigkeit solcher Reusen. Andere Reusen wieder kommen unbeködert zur Anwendung, wie die von Horalek beschriebene und von dem k. u. k. Forstverwalter J. L h o t s k y (Kornporitschen bei Klattau) erdachte Reuse, deren Erfolge ganz ausgezeichnete sein sollen. Der Lhotsky'sche Apparat ist „ein aus gut verzinktem Drahtgeflecht weil die eingefügten kegelförmigen Netze ihren Wiederaustritt verhindern. „Die Aufstellung ge- schieht derart, daß das zylindrische Mittelnetz ganz unter die Wasseroberfläche zu liegen kommt, ein Teil der trichterförmigen Einlaufe aber über den Wasserspiegel hervorragt. In dieser Stellung wird das Netz durch 2 — 4 Pflöcke fixiert, welche zum Aufhängen des Netzes mit Nägeln oder Häkchen versehen sind." Die besten Erfahrungen sind mit dieser Reuse während der Paarungszeit gemacht worden, wo sich täglich durchschnittlich 2—4 Tiere darin fingen. Neuerdings ist noch eine andere Art von mit einem lebenden Fisch beköderten Reusen erprobt worden, welche nach Streibel's Angaben sich besonders für den Lebend fang von Bisam- ratten eignen (Abb. 23). Es sind dies „gewöhn- liche Reusen, welche oben an der Reusendecke, ungefähr über der Mitte der Kehle, eine Öffnung haben, die zu dem Kasten führt. Die Öffnung „C" muß nun so angebracht werden, daß es der Ratte möglich ist, zwischen der Kehle und der oberen Reusendecke durch in den Kasten „B" zu gelangen. Der Kasten ist am Fuße mit Falzleisten versehen, die ihrerseits in die auf der Reuse befindlichen ') Die Abbildung ist einem Prospekt der Siebwaren- und Drahtgeflechtefabrik Joh. Bukowansky- Budweis entnommen, der die Herstellung der Lh otsky 'sehen Fallen übertragen ist. N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 79 Einführungsleisten A. A. eingreifen, so daß er schlittenförmig eingeschoben und in der Pfeilrich- tung wieder herausgenommen werden kann". . . . Der Kasten wird stets über Wasser angebracht und mit Gesträuch maskiert. Nach den Angaben des Forschers ist der Fang am aussichtsreichsten in mondfinsteren Nächten, mondhelle Nächte da- gegen sind dem Fang nicht günstig. Die Bisamrattenjagd durch Abschießen und der Fang in Eisen, Fischfässern oder Reusen haben den gemeinsamen Vorteil, daß die Beute in den allermeisten Fällen auch in die Hände des Jägers oder Fallenstellers gelangt, für ihn also auch ver- wertbar bleibt. Bei der Bekämpfung der Ondatra Abb. 22. Lhotsky'sche Falle. Erklärung im Text. Nach HorSlek aus Allgemeiner Fischereizeitung. mittels Giften, bei der Ausräucherung ihrer Wohnbauten und Bruträume durch Gase, ist das meistens nicht der F'all. Nichts- destoweniger hat man in den gefährdeten öster- reichisch-deutschen Provinzen auch diese Methode versucht und besonders mit der Vergiftung durch die Meerzwiebel {Scilla maritima), deren starke Giftwirkung allen Nagern gegenüber bekannt ist, gute Erfolge nachweisen können. Smolian gibt für die Bereitung von Meerzwiebelpräparaten folgendes Rezept: „'/a fein zerhacktes süßes Gras, Abb. 22a. Durchschnitt eines Grabens mit fängisch gestellter L ho tsk y' scher Reuse. Vg gestoßenen Kalmus und ^s f^i^i geschabte Meerzwiebeln werden durch Zusatz von Eiweiß und Mehl gebunden, eventuell unter Beifügung von Glyzerin und Borax." Leichter herzustellen ist folgende Mischung, die derselbe Autor angibt; geschabte Meerzwiebeln zu gleichen Teilen, mit Muschel- und Krebsfleisch zu vermengen. Ein bis zwei kleiner Pillen, aus dieser oder jener Masse bereitet, töten die stärkste Bisamratte und werden gerne angenommen. „Man streut sie in die offenen trockenen Gänge oder die Luftlöcher der Nester, auf die Wechsel oder sonstigen Stellen, die aus irgendeinem Grunde (Fährten, Speisereste) auf die häufige Anwesenheit der Bisamratte schließen lassen — an die Ufer von Gewässern, an einen kleinen von Pflanzen befreiten Platz, der mit klein gehacktem Seggengras, Schilfrohr oder dergleichen bestreut wird — und im Winter auf das Eis nahe den Schlupflöchern der Burgen." Bei der Aus- wahl von Giften, mit denen die Bisamratte ver- giftet werden soll, muß man natürlich mit großer Sorgfalt zu Werke gehen, damit nicht auch andere Tiere und vornehmlich nicht die Fischbestände gefährdet werden. Alle wasserlöslichen Gifte und alle Stoffe, die vielleicht auch von den Frischen angenommen werden könnten, sind deshalb, darauf weist Neresheimer ausdrücklich hin, streng zu vermeiden, also „vor allem die gegen Ratten und Mäuse gut bewährten, mit Strychnin vergifteten Cerealien". In der kgl. bayr. Agrikultur- botanisch enAnstalt in München gelangen zurzeit nach H. X. Mai er einige Mittel zur Erpro- bung; über die dabei gewonnenen Ergebnisse dürfte wohl in absehbarer Zeit berichtet werden. Die Ausräucherung der Wohnbauten und Abb. 23. Falle zum Lebendfang von Bisamratten. Nach Streibel aus Allgemeine Fischereizeitung. AA: Führungsleisten. B: Fangkasten mit Nute zum Heraus- schieben. C : Öffnung in der Reuse zum Ausstieg nach dem Fangkasten. Nester der Bisamratten durch Gase ist in Amerika kaum in Gebrauch und ist auch bei uns noch wenig angewandt worden. Dieser Vernichtungsart stehen eben eine Reihe schwerwiegender Bedenken entgegen, über die sich Neresheimer eingehender äußert. Die Gase müßten dabei wohl durch die Ausführgänge der Bauten der Ondatra in die Wohn- kammer, als den eigentlichen Aufenthaltsraum der Tiere eingeleitet werden. Da diese Ausführ- gänge nun aber in ihrer überwiegenden Mehrzahl unter Wasser münden, so ist darauf zu achten, daß die Gase erstens im Wasser nicht löslich und dann leichter als Luft sind, damit sie auch tat- sächlich bis zur Wohnkammer, die immer etwas höher liegt, vordringen. Wollte man schwere Gase bzw. Dämpfe, wie etwa das Claytongas, erproben, so müßte man die Wohnräume anbohren und würde dadurch natürlich den fluchtartigen Abzug der Insassen bewirken. Aus all diesen Gründen kommt Neresheiner zu dem Schluß, daß „das 8o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVn. Nr. 6 Verfahren vielleicht in bestimmten Fällen lokale Erfolge zeitigen mag, im allgemeinen aber kaum von besonderem Werte sein dürfte". Von der- artigen lokalen Erfolgen berichten Kor ff und Mai er: sie erprobten in Nakri-Netolitz bei Frauenberg ein Räucherverfahren mittels der Citocidpatronen (Firma Hinsberg-Nacken- heim a. Rh.); dabei wrurde eine brennende Patrone „in einen der unter Wasser befindlichen Auslauf- gänge eingeschoben und die übrigen Auslaufgänge mittels vorgehaltener Netze abgeschlossen". Schon kurze Zeit nach der Einführung der Patrone flüchteten die Tiere aus ihrem Bau und „fingen sich, da ein Entweichen in das Wasser nicht möglich war, in den Netzen, wo sie lebend ge- borgen oder totgeschlagen werden konnten". Wenn auch das Verfahren gut zu wirken schien, so werden doch die verhältnismäßig hohen Kosten einer Anwendung im großen hinderlich sein. Des- halb rieten die beiden Autoren zu einem Räucher- verfahren mit anderem Material, wie mit Papier, Schilf oder anderen stark qualmenden Stoffen, was sich ebenfalls bestens bewährte. Allen diesen hier besprochenen Jagd- und Fang- und Vergiftverfahren werden nun zwar wohl im einzelnen beachtenswerte Resultate be- schieden sein, einen nachhaltigen Einfluß auf die Bisamrattengefahr, insofern als sie dem Menschen bei der Ausrottung der Schädlinge bemerkens- werte Dienste leisten, wird man ihnen allen wohl kaum zugestehen können. Eine vollständige Ver- nichtung der Ondatra wird nur möglich sein, wenn der Kampf des Menschen unterstützt wird durch die eingreifende Tätigkeit der natürlichen Feinde der Ratte. Deren gibt es natürlich auch bei der Bisamratte eine ganze Reihe und es scheint durchaus nicht ausgeschlossen, daß der oder jener tierische F"eind bereits heute an der Ausbreitungsrichtung bzw. bei der Siedlungsgebiets- wahl des Schädlings einen großen Anteil nimmt. So führt N e c h 1 e b a die im Gegensatz zu anderen böhmischen Gebieten geradezu auffallend geringe Zahl der Bisamratten in seinem Pürglitzer Forst- bezirk darauf zurück, daß in den weiten Wald- komplexen dieses Gebietes noch allerlei Haar- und Feder- Raubwild, darunter selbst der sonst so seltene Uhu, heimisch ist. Als Feinde der Zibethratten kommen nach seiner Ansicht außer Fuchs, Iltis und beiden Wieselarten unter den Raubvögeln außer dem Uhu wohl ehestens der Bussard und die Eulen in Betracht. Durch- geführte Gewölluntersuchungen ergaben das Vor- handensein von Überresten der Schädlinge. Auch von starken Hechten nimmt Nechleba an, daß sie wenigstens junge Bisamratten angreifen und ihrer Herr werden können. Einen noch wirksameren Schutz als durch diese dem Wirbeltierreiche angehörenden natürlichen Feinde der Ondatra können wir uns von den Vertretern aus dem Kreise ihrer Wiedersacher versprechen, die den niedersten Klassen des Pflanzenreiches entstammen. Es ist allgemein bekannt, welch durchschlagende Erfolge der Mensch im Kampf gegen die wilden Kaninchen, gegen die Ratten- und Mäuse- plage errang, als es ihm gelang, die sogenannte biologische Bekämpfungsart gegen diese Schädlinge anzuwenden. Diese bestand darin, daß unter den Bakterien Parasiten erkundet wurden, welche imstande waren, unter den Schäd- lingen weitumsichgreifende Seuchen zu verbreiten. In der richtigen Erkenntnis der großen Bedeutung, welche der Entdeckung eines der Bisamratte gegen- über ähnlich wirksamen Virus bei der Vernichtung des Schädlings zukommen könnte, haben sich Fachmänner schon seit mehreren Jahren mit diesem Problem beschäftigt. Es war ja nicht zum erstenmal, daß man versuchte, mit dem Löffl er 'sehen Typhusbazillus auch anderer Tiere Herr zu werden. So berichtet Adolf Gasch von dem gelungenen Versuche, den er bei einer großen Wasserrattenplage in seiner Reis- feldfischzucht in Mezzolara bei Budrio (Italien) unternommen hatte und der ihn wie mit einem Schlage von den lästigen Fischräubern erlöste. Die ersten Versuche mit dem Typhusbazillus im Kampfe gegen die Bisamratte, die W. J. St epan im Jahre 191 3 beschrieb, gelangen nicht, aber, wie Neresheimer glaubt, handelt es sich dabei wohl um Versuche, welche mit wenig zahlreichem Material und ohne die vollständige Ausnützung der modernen bakteriologischen Technik unter- nommen worden waren; infolgedessen durfte man ihretwegen die Hofi"nung auf ein späteres Gelingen noch lange nicht aufgeben. Im Jahre 191 5 nun konnte O. Broz von Versuchen berichten, welche von der k. u. k. landwirtschaftlich-bak- teriologischenVersuchsstation im Verein mit der k. u. k. tierärztlichen Hochschule in Wien ausgeführt worden waren und ein viel günstigeres Ergebnis zeigten. Leider standen auch bei diesen Versuchen nur wenig lebende Bisamratten zur Verfügung, so daß auch diese Arbeiten noch an den bei Laboratoriumsversuchen erklärlichen Mängeln kranken; immerhin aber be- rechtigen sie uns zu der Hoffnung, daß besonders wenn immer mehr Stellen in Zukunft sich mit derartigen Versuchen beschäftigen werden — neuerdings haben auch die kgl. bayr. Biolo- gische Versuchsstation und die kgl. bayr. Agrikulturbotanische Anstalt^) in Mün- chen und die Kais. Biologische Anstalt für Land- und F"orstwirtschaft in Berlin- Dahlem dem Problem ihre ganze Aufmerksam- keit zugewendet — im Laufe der Zeit gelingen >) Assessor Dr. G. Korff, Leiter der Abteilung für Pflanzenschutz an dieser Anstalt, zeigte anfangs 1917 anläßlich eines im „Verein für Naturkunde" in München gehaltenen Vortrages ein Liclitbild einer schwerkranken Ratte, die mit einem Typhusbazillus geimpft worden war — ein Beweis, daß es auf diesem Wege sehr wohl möglich ist, den Schädlingen beizukomraen. Es handelt sich eben noch darum, einen Modus zu finden , durch den das Virus unter dem Ratten- volke verbreitet' werden kann. N. F. XVn. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. wird, auch gegen die Ondatra ein Virus zu finden, das die Bisamrattenplage in den böhmisch-deut- schen Grenzgebieten ebenso plötzlich zu beseitigen vermag, wie sie damals vor lo Jahren auftauchte. Das k. k. Ackerbauministerium in Wien hat in der richtigen Würdigung der Bedeutung einer solchen Entdeckung im Jahre 1914 schon einen Preis von 2000 Kronen für ein zur Massen- vertilgung der Bisamratte geeignetes Mittel aus- geschrieben. Die Plinführung der Bisamratte in den Dobrischer Schloßteich mag für alle Zeiten ein warnendes Beispiel sein, mit welcher bis ins Kleinste über- dachten Vorsicht man bei der Verpflanzung fremder Tiere in andersartige klimatische und biologische Verhältnisse zu Werke gehen sollte. Wird nur ein einziger Punkt in der Kette der für das Tier notwendigen natürlichen Lebensbedingungen übersehen, so können daraus, das ergibt der Fall der Bisamratte mit aller wünschenswerten Deut- lichkeit, die unheilvollsten Folgen entstehen. Die Verantwortung darum, welche jeder auf sich lädt, der eine fremde Tierart in einem Lande mit andersgeartetem Klima und andersgearteten Lebens- verhältnissen anzusiedeln versucht, ist riesengroß. Dafür ist die Frage der „Bisamratte in Böh- m e n" ein treffliches Beispiel 1 Literaturverzeichnis. 1) J. Audubon und J. Bachmann, The Quadrupeds of North-America. 3. 1854. New York. 2) O. Broz, Versuche über die Bekämpfung der Bisam- raUen mit Bakterien. Öslerr. Fischereizeitung 1915, Nr. 4. *3) F. J. Buchal (Neustopovsky), Bedeutung der Bisam- ratte in der südböhmischen Fisch- und Krebswirtschaft. Prag 1914. 4I A. W. Butler, Observations on the Muskrat. Amer. Naturalist 5. 19. 1885. 5) Dr. H. W. Vrickhinger, Neuere Beobachtungen über die Bisamratte. Naturwissenschaftl. Zeitschrift f. Forst- und Landwirtschaft. 15. Jahrg. 1917 S. 367—72. 6) Adolf Gasch (Bielitz, Österr. Schlesien), Zur Be- kämpfung der Bisamratte. Allgemeine Fischereizeitung Jahrg. 1914- S 387. 7) Prof Dr. LudwigHeck, Die Nagetiere. In Brehm's Tierleben 11. Bd. 4. Aufl. 1914, S. 276 fr. 8) D. Heyking, Die BisamraUe (Fiber zibclhictis) in Böhmen und in Deutschland. Wild und Hund 1913, Nr. 27. 9) J. Hor.'ilek (Opitz, Böhmen', Zur Bekämpfung der Bisamratte. Österr. Fischereizeitung 1914, Nr. 25. *lo) Dr. Ferd. Kohl, Zur Biologie der Bisamratte. Prag. Selbstverlag. 1913. 11) Derselbe, Die Bisamratte in Böhmen. Österr. Kischereizeitung 1913, Nr. 13, 14, 15. *I2) Derselbe, Über die Biologie und Variabilität der Bisamratte. Prag 1914. •13) Derselbe, Beiträge zur Naturgeschichte der Bisam- ratte. Prag 19 15. 14) Dr. G. korff und Dr. H. N. Maier, Bericht über eine Reise zum Studium der Bisamratte in Bayern und Böhmen. Allgem. Fischereizeitung Jahrg. 191 7, Nr. 3 u. 4. 15) R. Kowarzik, Zum Auftreten der Bisamratte in Böhmen. Zentralbl. f. d. gesamte Forstwesen. Jahrg. 36. 1911. 16) D. E. Lantz, The Muskrat. U. S. Departement of Agricult. Farmers Bulletin 1910, Nr. 396. Washington. 17) Dr. H. N. Mai er, k. Landesinspektor für Fischzucht *) In tschechischer Sprache. im k. Staatsministerium des Innern, München, Die Gefahr der Bisamratte für die !• ischerei, Land- und Wasserwirtschaft. Allgem. Fischereizeitung 1914, S. 353 — 57. iS) Derselbe, Die Gefahr der Bisamratte für die deut- sche Fischerei-, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft. Praktische Blätter für Pflanzenbau und Pflanzenschutz. 14. Jahrg. 1916 Heft 5, S. 52—60. 19) Forstmeister Karl Mein hard (Frauenberg, Böhmen), Über die Bisamratte. Vereinsschrifl f. Forst-, Jagd- u. Natur- kunde. Organ d. böhm. Forstvereins. 1917/18. Heft I u. 2. 20) Forstrat Theodor Mokry (Schlüsselburg), Fischerei- bericht. Neue Erfahrungen mit der Bisamratte. Vercinsschr. f. Forst-, Jagd- u. Naturkunde. Prag 1913/14. 21) Ders elbe, Bericht über die Herbstabfischungen 1914; Schlüsselburg. Österr. Fischereizeitung 1914, Nr. 23. 22) Derselbe, Über durch die Bisamratte verursachte Schäden. Österr. Fischereizeitung 191^, Nr. II. 23) Derselbe, Bisam. Vereinss'chr. f. Forst-, Jagd- u. Naturkunde des böhm. Forstvereins Jahrg. 1915/16, Heft II. 24) Forstrat Alois Nechleba, Pürglitz in Böhmen, Von der Bisamratte. Forstwissenschafll. Zentralblatt 1916, S. 333—341- 25) Derselbe, Weiteres von der Bisamratte. Naturwiss. Zeitschr. f. Forst- u. Landwirtschaft 15. Jahrg. Heft 4/6, S. 165—176. 2b) Derselbe, Zur Hebung der Teichwirtschaft. Österr. Forst- u. Jagdzeitung 35. Jahrg. 1917, Nr. 23. 27) Derselbe, Beziehungen der Bisamratte zur Technik, insbesondere zum Wasserbau. Vereinsschr. f. Forst-, Jagd- u. .Naturkunde. 1917/18. 281 Dr. E. Neresheimer (Wien), Die Bisamratte in Böhmen. Naturwiss. Zeitschr. f. Forst- u. Landwirtschaft 14. Jahrg. 19 16, Heft 2, S. 54 — 72. 29) Dr. Konrad Ribbeck, Eine geglückte unglück- liche Einbürgerung. Kosmos 1916, Heft 4, S. III — 116. 30) S., Die Bekämpfung der amerikanischen Bisamratte in Böhmen. Allgera. Fischereizeitung 1914, S. 398 — 99. 31) Seh., Bekämpfung der amerikanischen Bisamratte in Böhmen. Allgem. Fischereizeitung 1914, S. 204/5 "- 2S5 — 87. 32) Seh., Die Bisamratte in den Deutsch-böhmischen Landesteilen. Allgem. Fischereizeilung 1914, S. 487. 33) Seh., Kampf mit einer amerikanischen Bisamratte. .'\llgem. Fischereizeilung 1915, S. 121. 34) Seh., Über die Gefährlichkeit der Bisamratte. Allgem. Fischereizeilung 19 15, S. 347., 35) Schbt., Dammschutz vor der Bisamratte. Allgem, Fischereizeitung 19 16, S. 85. 36) Dr. Kurt Smolian (München), Die Bisamratte. Forstwissenschafll. Zentralbl. 38. Jahrg. 1916, S. 122 — 131. 37) Prof. W'. J. Stepan, Die Nahrung der Bisam- oder Zibethralte. Österr. Fiscl ereizeitung 1913, Nr. 18. 38) Derselbe, Resultate der bakteriologischen Infek- tionsversuche mit Bisamratten. Österr. Fischereizeitung 1913, Nr. 23. 391 Str., Dammschutz vor der Bisamratte. Allgem. Fischereizeilung 1916, Nr. 6, S. loi. 40) Streibel, K. , Kreisfischereisachverständiger für Niederbayern (Landshut), Das Auftreten der Bisamratte in Nieder- bayern. Allgem. Fischereizeilung 19 15, S. 345/46. 41) Derselbe, Die Bisamratte. Allgem. Fischerei- zeilung . 1916, S. 156/57. 42) Oberverwalter Wenzel Susta, Die Schädigung der Fischerei und Forstwirtschaft durch die BisamraUe und deren Bekämpfung. Österr. Fischereizeilung 1914, Nr. 16. 43) Dr. Wohlgemut, Assistent der kgl. bayr. Teich- wirtschaftlichen Versuchsstation Wielenbach (Oberbayern), Zur Bekämpfung der Bisamratte. Allgem. Fischereizeitung 1915, S. 7/8. Während der Drucklegung der vorliegenden Arbeit er- schien noch: Dr. G. Korff, Die BisamraUe und ihre Bekämpfung. Flugblätter zur Förderung des Pflanzenbaues und des Pflanzen- schutzes. Herausgegeben von Oberregierungsral Prof. Dr. L. Hiltner, Direktor der Kgl. Agrikulturbotanischen Anstalt München. Nr. II. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 Einzelberichte. Botanik. Die Fiechtensymbiose. Die Auf- fassung der Beziehungen zwischen Pilz und Alge im Flechtenthallus als einer mutualistischen Symbiose ist in neuerer Zeit wieder auf Zweifel gestoßen. Nicht nur wurde die Ansicht vertreten, es handle sich um eine antagonistische Symbiose, nämlich um ein Schmarotzen des Pilzes auf den Algen, sondern auch die für tot gehaltene An- schauung der alten Lichenologen, die in den Algen (Gonidien) keinen selbständige Organismen, sondern von den Pilzen erzeugte Gebilde sahen, ist von E I f V i n g wieder auferweckt worden. Zu den Zeug- nissen nun, die gegen diese Auffassung und für die dualistische Theorie sprechen, gehört das Auf- treten eigenartiger Pilzhyphen, die dazu bestimmt scheinen, die eigener Bewegung nicht fähigen Algen nach bestimmten Stellen des Thallus zu schieben. Wenn die Hyphen selbst imstande wären, die grünen Zellen da zu erzeugen, wo sie gebraucht werden, so würde es ja keiner besonderen Organe für den Algentransport bedürfen. Bereits Frank hatte angegeben, daß bei der Krustenflechte Per- tusaria eine Hyphe bisweilen mit ihrer Spitze von hintenher an die Alge heranwächst und sie ein Stück vorwärts schiebt. Die Angabe war aber nicht un- widersprochen geblieben. Wilhelm Nienburg hat sie nun einer Nachprüfung unterzogen und auch bei einer Laubflechte, Evernia furfuracea, an- schließende Beobachtungen angestellt mit dem Ergebnis einer neuen Bestätigung des Dualismus der Flechten. Pertusaria hat, wie viele andere Krustenflechten, einen weißlichen Thallusrand, der schon mit bloßem Auge erkennbar ist und fast allein aus Pilzhyphen besteht. Da dieser Rand beim Weiterwachsen der Flechte annähernd dieselbe Breite (etwa i mm) behält, so müssen sich die dahinter befindlichen Algen in demselben IVIaße wie die Hyphen radial ausbreiten. Bei der Untersuchung radialer Schnitte durch den Thallus erkennt man nun in dem Rande, dessen Hyphen alle mehr oder weniger parallel nach außen wachsen, einzelne verstreute große Algen, die in der Richtung des Hyphenverlaufs eiförmig gestreckt oder elliptisch gestaltet sind. Vor einer jeden Alge (d. h. nach der Thallus- grenze hin) befindet sich ein schmaler, dreieckiger Hohlraum; hinter ihr aber ist ein dichtes Bündel plasmareicher Hyphen auffällig, die mit ihren Spitzen alle gegen die Hinterseite der Alge gerichtet sind. Offenbar dienen diese Hyphen als „Schiebehyphen". Die von ihnen vorwärtsgeschobenen Algen drängen die sie umgebenden Hyphen wie ein Keil ausein- ander und werden dabei von diesen zusammen- gedrückt. Die Schiebehyphen befördern die Algen bis in die IMitte des algenfreien Randes, also über die recht ansehnliche Strecke von 0,5 mm. Mit der Zeit wird der von ihnen ausgeübte Druck ge- ringer, die Algen, die sich häufig schon vorher durch Tetradenteilung vermehrt haben, kommen zur Ruhe, runden sich ab, der Hohlraum vor ihnen wird von Hyphen ausgefüllt und auch zwischen die durch Teilung gebildeten Algen drängen sich Hyphen. Die Ruhealgen sind beträchtlich kleiner als die Wanderalgen, stehen auch nicht wie diese in so intimer Verbindung mit den umgebenden Hyphen, die anscheinend die Lebenstätigkeit der Wanderalgen anregen. In den Schiebehyphen hat sich der Flechtenpilz besondere Organe geschaffen, die nur für die Symbiose mit den Algen Be- deutung haben. Bei der Laubflechte Evernia furfuracea, wo der breite, algenfreie Rand fehlt, wird an den End- zipfeln des Thallus durch das radiale Wachstum der den Algen benachbarten Hyphen die Rinde von den Algen abgehoben, so daß über diesen Hohl- räume entstehen, in welche die Algen durch hinter ihnen befindliche, in Bündeln zusammenstehende, plasmareiche Hyphen hineingeschoben werden. Auch hier also finden wir die „Schiebehyphen", und ihr Vorkommen in diesem wie in dem vor- erwähnten Falle würde nicht verständlich sein, wenn die Elfving'sche Auffassung richtig wäre. Es bliebe somit bei der dualistischen Natur der Flechten. Anderseits beschreibt Nienburg das Auftreten intrazellulärer Haustorien bei Evernia prunastri und bestätigt damit die Behauptung, daß der Pilz die Algen zu seiner Ernährung ausnutzt. Indessen hebt Verf hervor, daß die Algen ge- wöhnlich doch nur wenig geschädigt werden, da man bei den meisten Flechten die größte Mühe hat, Anzeichen des Parasitismus zu finden, und außerdem beweise das Auftreten der Schiebehyphen, daß die Flechtenhyphen nicht nur zur Vernichtung, sondern auch zur Förderung und Pflege der Algen Einrichtungen getroff'en haben. Nienburg möchte daher das Verhältnis des Pilzes und der Algen in den Flechten als eine Zwischenstufe zwischen Mutualismus und Antagonismus betrachten und empfiehlt, es als Helotismus zu bezeichnen, ein Name, der zuerst von Seh wenden er und dann von W a r b u r g (im Hinblick auf die Unterdrückung der Sexualität bei den Algen) angewendet worden sei. (Zeitschr. für Botanik. Jahrg. 9, 191 7, S. 529 bis 545.) F. Moewes. Meteorologie. Über den Wolkenbruch von Nürnberg am 3. Juli 1914 erschien kürzlich eine ausführliche Untersuchung von Dr. JosefHaeuser (Abhandlungen des Kgl. Bayer. Hydrotechnischen Büros, München 1917). In den Abendstunden des 3. Juli 1914 wurde die Stadt Nürnberg und ihre südliche Umgebung zum Schauplatz eines Hagel- und Regenunwetters von seltener Stärke und Aus- dehnung. Nach den genauen Witterungsaufzeich- nungen, welche bis auf das Jahr 1879 zurückreichen, kann dieses Unwetter nur annäherungsweise noch mit dem Wolkenbruch vom 2. Juni 1903 ver- glichen werden, hat aber diesen sowohl als Ge- samterscheinung als in seinen einzelnen Phasen an Heftigkeit und Ungestüm übertroften. Ein glück- N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 83 licher Umstand gestattete, dieses elementare Er- eignis besonders eingehend zu untersuchen, darin bestehend, daß der Höhepunkt der Erscheinung zufällig über einem mit Beobachtungsstellen dicht besetzten Gebiet eintrat. Die Stadt Nürnberg unterhält nämlich nicht nur bereits seit dem Jahre 1878 eine eigene Wetterwarte, sondern hat auch eine Reihe weiterer Stationen im engeren und weiteren Stadtgebiet eingerichtet, die sich besonders mit Niederschlagsmessungen befassen und meist mit selbstschreibenden Apparaten ausgestattet sind. Die meteorologischen Verhältnisse, aus denen heraus das Gewitter sich entwickelte, waren folgende: Vom 26. Juni bis i. Juli herrschte unter dem Einfluß eines ausgedehnten kontinentalen Hochdruckgebiets warmes, größtenteils wolkenloses Sommerwetter in ganz Deutschland mit nur ört- lich eng begrenzten Wärmegewittern. Am Morgen des 2. Juli war umfangreicher Tiefdruck nach den Britischen Inseln vorgedrungen, dessen Rand- störungen im südlichen Bayern bereits heftige Ge- witter mit starken Niederschlägen veranlaßten. Am 3. endlich erstreckte sich eine breite Furche tiefen Barometerstandes von Island über die Nord- see bis zu den Alpen und veranlaßte einen all- gemeinen Witterungsumschlag. Die Temperatur stieg an diesem Tag bei noch vorwiegend sonni- gem Wetter- stellenweise auf über 30" C an, er- möglichte somit einen hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Auch die oberen Luftschichten waren durch südlichen Wind kräftig erwärmt, so daß die Vorbedingungen für die Gewitterbildung alle er- füllt und die Verhältnisse dafür sogar außerordent- lich günstig waren. Das bei Nürnberg zur Entladung gekommene Gewitter bildete sich gegen 6 Uhr abends im Hersbrucker Jura und zog nach Westen mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 km in der Stunde. Es gehört also zur Gruppe der Ostgewitier, welche erfahrungsgemäß zu den gefährlichsten und nieder- schlagsreichsten zählen. Um 7 Uhr erreichte es die Linie Forchheim — Weißenburg i. B., um 8 Uhr Heilsbronn, um 8 Uhr 30 Min. Kitzingen — Rothen- burg o. T. — Gerolfingen. Der Regen setzte so- gleich im Hersbrucker Jura ein , erreichte aber zunächst nur stellenweise eine etwas größere Er- giebigkeit von 10 bis 25 mm in i bis i Vj Stunden. Erst mit dem Austritt aus den Juravorbergen und dem weiteren westlichen Vordringen gegen Nürn- berg wurde die Niederschlagstätigkeit über dem stetig an Ausdehnung zunehmenden Gebiete des Gewitters lebhafter. Bald wurden 30 mm in 1V2 Stunden, östlich von Nürnberg 40 mm in der gleichen Zeit erreicht. Die Hauptentladung er- folgte über der Stadt Nürnberg selbst und ihrer unmittelbaren südlichen Umgebung, wo die Nieder- schläge zu seltener, katastrophaler Stärke an- wuchsen. Noch die östlichen Vororte waren von der äußersten Gewalt des Unwetters verschont geblieben. Die Hauptfeuerwache in Nürnberg da- gegen hatte in 45 Minuten 62 mm Niederschlag. Im Gebiete des stärksten Regens fiel auf kurze Zeit auch starker Hagel, der sich von Nürnberg aus in südwestlicher Richtung bis gegen Eibach erstreckte und eine Fläche von etwa 25 qkm be- traf. Nach Überschreitung des Rednitztales nahm die Ergiebigkeit der Niederschläge rasch ab und erreichte nur noch örtlich eng begrenzt im Gebiet des südlichen Steigerwaldes höhere Beträge. Die größte Niederschlagsmenge überhaupt ver- zeichnete die Station Nürnberg Hauptfeuerwache, nämlich 78,3 mm in 24Stunden. Der daselbst während der beiden Gewitterstunden gefallene Regen allein entspricht etwa 12 v. H. der durchschnittlichen Jahresmenge und 86 v. H. des Mittelwerts für den Monat Juli. Die Intensität im zweistündigen Durch- schnitt betrug 0,54 mm in einer Minute, war aber zur Zeit der größten Heftigkeit des Unwetters viel größer: Hauptfeuerwache 2,48 mm, altes Gas- werk sogar 3,40 mm in der Minute während 10 Minuten. Es sind dies die weitaus größten, für Nürnberg bisher gemessenen Werte. Erst bei höheren Zeitstufen von mehr als i Stunde tritt der Gewitterregen vom 2. Juni 1903 an die erste Stelle. Der Verfasser untersucht sodann ausführlich den inneren Aufbau des Regens, insbesondere im Hinblick auf die den Wasserbautechniker an- gehenden Fragen: Welche Ausdehnung erreicht ein Starkregen von gewisser Dauer und Intensität im Höchstfall und im Durchschnitt?, ferner: Welche Gestalt nimmt die Niederschlagsverteilung bei solchen Starkregen an; zeigt sie eine Abhängigkeit vom Gelände und welcher Art ist diese? Diese Fragen spielen eine besondere Rolle für den Ab- wasseringenieur zur Berechnung der ungünstigsten Belastung eines geplanten Kanalnetzes, zur Fest- stellung des ungünstigsten Zusammentreffens der Flutwellenscheitel der einzelnen Kanäle im Haupt- sammler und ähnlichen Aufgaben, woraus sich dann die zu bewältigenden Größtabflußmengen und die nötigen Durchmesser von Straßenkanälen, Durchlässen usw. ergeben. Besondere Bedeutung für die Wasserbaupraxis hat der Wert der sog. Niederschlagsspende, das ist die in i Sekunde auf einen Quadratkilo- meter gefallene, in Kubikmeter ausgedrückte Niederschlagsmenge. Für den 2 Stunden 5 Min. währenden eigentlichen Gewitterregen ergab sich folgende Übersicht: Mittlere .Niederschlagsstufe Niederschlagshöhe Fläche 60 — 68 mm 63 mm 2,5 qkm 50—60 „ 55 „ 10,8 „ 40—50 „ 45 .. II 1.5 .. 30—40 „ 35 » 222,8 „ Gesamtanfall Niederschlagsspende 0,157s Mill. cbm 8,3 cbm/sec. qkm 0,5940 „ „ 7.5 5.0175 „ „ 6,2 7.7980 „ „ 5,0 Ferner wurde auf Grund der Aufzeichnungen der Regenschreiber die Verteilung des Nieder- 84 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 Schlags im engeren Stadtgebiet untersucht. Das Ergebnis ist a. a. O. in mehreren Tafeln und 6 Kärtchen niedergelegt, welche die örtliche Ge- samtmenge für verschiedene Zeitstufen entnehmen lassen. Der größte Anfall wurde bei allen Stufen im Inneren der Stadt erreicht. Die Niederschlags- spenden nehmen proportional der Dauer des Regens ab. Ein Vergleich der Regenkurven vom 3. Juli 1914 und 2. Juni 1903 zeigt, daß an ersterem Tag die Gesamtmenge während viel kürzerer Zeit er- reicht wurde, wogegen sich der Regenfall vom 2. Juni 1903 durch größere Dauer bei nahezu gleichbleibender Stärke auszeichnete. Die Folgen des Unwetters, welches in Nürnberg und Um- gebung schweren Schaden anrichtete, zeigten sich auch in einem außerordentlich starken Steigen der Flüsse, besonders der Rednitz und Schwarz- ach. In anderen Gegenden Süddeutschlands traten ebenfalls starke Gewitter auf, begleitet von wolken- bruchartigem Regen und Hagelschlägen. C. H. Palaeontologie. Jedermann kennt die bunte Färbung der Schalen lebender Mollusken. Ent- sprechend der Mannigfaltigkeit dieser Erscheinung werden Unterschiede in der Färbungszeichnung von den Conchyologen in weitgehendem Maße zur Artunterscheidung verwertet. Bei fossilen Mollusken, einschließlich der Brachiopoden, sind Reste dieser ursprünglichen Färbung nur in sel- tenen Fällen erhalten; diesbezügliche Notizen sind in der paläontologischen Literatur weit verstreut. In größerem Zusammenhang behandelt W. Deecke diesen Gegenstand in einer Arbeit über Färbungs- spuren an fossilen Molluskenschalen (Sitzungsberichte d. Heidelberger Akad. d. Wissensch. Mathemat.-naturwissensch. Klasse. Abteilung B, Jahrgang 1917, 6. Abhandig.). Die Färbung der ganzen Schale der Mollusken sowie die Zeichnung an den einzelnen Stellen der Schale wird hervor- gerufen durch einen von den randlichen Teilen des Mantels abgeschiedenen organischen Farbstoff. Die eigentliche F"arbschicht wird nach außen von einer dünnen Lamelle von nicht kohlensaurem Kalk bedeckt, während sie andrerseits noch den obersten P^aserschichten der Schale eingelagert ist. Die Buntheit der Färbung wird durch den verschiedenen Stärkegrad der Chitinausscheidung bewirkt. Das Auftreten von Färbungsflecken im Innern, an den Muskeleindrücken der Lamelli- branchiaten und um die Spindel der Schnecken, wird als Reservestoff gedeutet. Außen können sie Schutzfärbung darstellen oder auch eine Folge der Sonnenstrahlung sein. Die Erhaltung der Färbung ist in bedeutendem Maße von dem Sedi- ment des Meeresbodens abhängig. Kreidiger Boden und tonige Schlammböden schließen Fär- bung so gut wie vollkommen aus. Am häufigsten und intensivsten tritt eine Zeichnung bei den- jenigen Formen auf, die auf Korallenriffen lebten. Die Hauptrolle für die Erhaltung der Färbung spielt jedoch die epigenetische Umsetzung in den Ablagerungen. Beim Umkristallisieren der Schale wird jede Färbung gestört. In eisenschüssigen Schichten wird eine gewisse Konzentration eisen- haltiger Lösungen die Färbung ebenso vernichten, wie ein Überschuß von Bitumen in tonigen Ab- lagerungen. Am trefflichsten erhalten ist die Zeichnung in den silurischen, devonischen und carbonischen Riffkalken und namentlich im tria- dischen Esinokalk. Der Verf. gibt sodann eine Liste derjenigen Formen, bei denen Farbspuren vorkommen und leitet daraus einige Schlüsse ab. Im allgemeinen betrachtet, tritt Buntheit in der Färbung am häu- figsten bei den jüngeren, tertiären Formen auf Bei älteren Formen ist eigentlich nur eine dunkle Pigmentierung der Schale vorhanden. Die rote F'ärbung, die man bei ihnen gelegentlich antrifft, ist z. T. pseudomorph erhalten, indem eisen- und manganhaltige Verbindungen an die Stelle des zerstörten Farbstoffes traten. Unter den fossilen Mollusken sind Farbspuren am verbreitesten bei den Schnecken; bereits die silurischen Vertreter zeigen Färbungsreste. Meist sind es dunkle Spiral- bänder oder Streifen oder Punktreihen, mitunter unregelmäßig verteilte Flecken. Man findet sie bei den paläozoischen Capuliden, bei den Nati- ciden vom Kohlenkalk an, namentlich aber in der alpinen Trias. Die Neritinen des Tertiärs sind fast sämtlich bunt gezeichnet. Weiterhin sind von tertiären Gastropoden zu nennen Coniden, Volutiden, Fusiden, buntfleckige Cypraeiden und auch Terebriden. Bemerkenswert ist dabei, daß die Mehrzahl der gefärbten Schnecken Fleisch- fresser sind. Deecke hält es daher für möglich, daß an der Zusammensetzung des Pigments bei diesen Gruppen harnsaure Salze beteiligt sind, „deren Zersetzung durch Ammoniakentwicklung leicht kolloides Eisen an Stelle der organischen Substanz zur Ausscheidung bringen und damit die Zeichnung besonders leicht erhaltungsfahig machen könnte". Bedeutend seltener sind Farbspuren bei fossilen Lamellibranchiaten erhalten. Es sind namentlich die braunen Radialstreifen von Exogyra coluniba aus der oberen Kreide und die Färbung durch helle und dunkle Anwachsstreifen bei Pecti- niden und Cythereen anzuführen. Bei den Brachi- opoden werden Reste der Färbung in Form breiter, radial verlaufender, brauner Streifen verschiedent- lich bei Tcrehrafula vulgaris aus dem Muschel- kalk erwähnt. Auch Tcrcbratnla cariica aus dem Senon und die oligocäne Tercbratula graiidis weisen Farbspuren auf Wichtig ist die Angabe, daß die Art der Zeichnung bei manchen Familien der Mollusken sehr konstant ist, und schon bei dem ersten Auf- treten der Gruppen in gleicher Weise ausgebildet ist, wie bei ihren noch lebenden \'ertretern. Dies trifft auch für die Brachiopoden, insbesondere für die Terebratulaceen und Rhynchonelliden zu. Ein anderes Resultat ist, daß die Färbungszeichnungen fast durchweg nur bei glatten Gehäusen auftreten. N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 8S Dies gilt ebenso für die Gattungen Conus, Cypraea, Natica, Ncritina, wie für die paläozoischen Capuliden und stimmt auch für Exogyra coliiniha und Tcrcbratula vulgaris. Immer ist bei der Frage der Erhaltung von Farbspuren an Molluskenschalen zu beachten, daß bei einer ganzen Reihe Familien eine Färbung von vornherein ausgeschlossen ist. So bei den in Süß- und Brackwasser lebenden Arten der Unio- niden, Cypriniden, Isocardien, Astarten, Paludinen, Limnaeen, Planorben, bei denen die dicke Chitin- haut die darunterliegende Schale vor Auflösung schützen soll. Farblos oder eintönig in der Fär- bung sind ferner i. alle im Boden eingegraben lebenden Formen, wie Myen, Teredinen, Dentalien, 2. alle planktonischen Familien (Pteropoden), 3. alle mit einem inneren Gehäuse versehenen Gattungen (Sepia, Spirula). Sehr eintönig gefärbt sind ferner die festgewachsenen Formen, wie Austern, Chamiden, Vermetiden, bei denen zudem der lamellöse Bau der Schale eine Farbenzeichnung nicht zuläßt. Auffällig ist es, daß von den zahllosen fossilen Ammoniten Farbspuren einwandfrei nicht bekannt sind und ebensowenig auch von der wichtigen Familie der Pleurotomarien unter den Gastropoden. Ref., der über den behandelten Gegenstand selbst eine Reihe Beobachtungen angestellt und Literaturnotizen gesammelt hat, möchte den in- teressanten Ausführungen VV. De ecke's einige Ergänzungen und Einschränkungen hinzufügen, namentlich in bezug auf Färbungen bei fossilen Brachiopodenschalen. Die Liste der Formen mit Farbspuren, die De ecke gibt, ist, wie er selber betont, nicht er- schöpfend. Ich möchte sie um eine weitere Zahl vermehren unter Benutzung einer ähnlichen Zu- sammenstellung, wie sie vor einigen Jahrzehnten E. Kayser mitgeteilt hat (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1871, S. 289 ff.) . Cephalopoda. Ortlwccras anguliferuni Arch. ScdeVern. Paffrath. Mitteldevon. Braune Zickzackstreifen. Gastropoda. Platyostoma elaboratum Barr. Unterdevon. Böhmen. Radialstreifen. Pkitrotomaria Orbignyi Arch. & de Vern. Mitteldevon. Pleurotomaria rotiuida Sow. PI. conica Phil., PI. carinafaSow., mit hellen Zick- zackstreifen. Kohlenkalk von Belgien und England. Turbo rnpesfris, Unt. Silur von Irland, Turbo cryptograuimus de Kon. Kohlenkalk. Spiral- streifen. PJiasianella Panoriiiifaiia Gemmelaro. Tithon von Sizilien. Abgebildet von Gemmelaro in Fauna del Calcare a Tcrcbratula janitor. 1868 — • 76. Einzelne große Tüpfel in Längsreihen, die durch feine Querstreifen miteinander verbunden sind. Trochus. Verschiedene Formen aus dem Miocän von Kischinew, Bessarabien. Tr. procerus d' O r b., Tr. cordcrianus d ' O r b. Große Tüpfel in Spiralreihen angeordnet. Tr. noveincinctus v. Buch. Wolhynien. Rote Tüpfel. Tr. pidus Eichw. mit breiten, queren Streifen, auch im Zittel abgebildet. Pscudophorus Iwibafus Arch. & de Vern. M. Devon. Naficopsis plicistriata Phil. Kohlenkalk ; mit breiten, buntscheckigen Bändern. Älarmolata Dienert B 1 a s c h k e. Alpine Trias. Pachycardientuffe. Unregelmäßig angeordnete, braune Flecken. Mannolafa applanaia Kittl. und com plana fa Stopp. Esinokaik. Unterbrochene Längsstreifen. Ojicochilus chroinaü'cus Zittel. Tithon. Stram- berg. Sehr variable Zeichnung (s. u.). Onchochilus Xcuniaycri Zittel. Ebendaher. Zickzackförmige Streifen. Natica dccorata. v. M ü n s t. mit Zickzackstreifen aus der alpinen Trias von St. Cassian wird von Graf Münster abgebildet. A^atica Arduini Gemmelaro (1. c). Tithon. Sizilien. Dreieckige Punkte in Spiralreihen angeordnet. Natica dila- tata Phil. Oligocän. Mecklenburg. Patclla, verschiedene Arten aus Kohlenkalk und Tertiär. Radiäre Streifen. Turbonitclla suhcostafa Arch. 6c de Vern. Mittel- Devon. Paffrath. Große braune Tüpfel in Längsreihen. Pseudomclaiiia Hcddingtoncnsis Sow. Oxford- Stufe, Frankreich. Ist u. a. auch im Zittel abge- bildet; mit queren Wellenlinien. Ps. procera E. Desl., Ps. turris, condcusata E. Desl. mit braunen Querstreifen, Ps. coarctata E. Desl. mit unregel- mäßig gestalteten, verästelten Tüpfeln, alle aus dem Jura der Normandie, sind von E. Des Ion g- champs abgebildet (Mem, de la soc. Linn. de Normandie Bd. VII. 1843). Macroclicilus maculatus de Kon. Kohlen- kalk. Vise. Wenige dunkle, große und rechteckige Tüpfel. Avellania cassis d' O r b. Cenoman. Olivgrün, gefleckt. Bulla utriculus B r. Oligocän. Sternberg. Quer- streifen. Lamellibranchiata. Avictdopecten clalhra- tus M'Coy. Radiärstreifen. Streblopferia laevi- gata M'Coy mit wenigen, breiten, radial verlau- fenden Streifen. Entoliuiii- coloratuiii de Kon. mit Zickzackstreifen auf der linken Klappe. Ainu- siuni planicostatnin M'Coy. Pscudamusiuin Redesdalcnse Hind, dicke, radiale Farbenbänder. Pscudaviusiuin sublobatuin Phil, und cllipticum Phil., radiale Streifen. Alle aus belgischem und 'englischem Kohlenkalk. Einen großen Avicu- topccten- mit Farbenflecken auf den Rippen, nach Art rezenter Pectiniden (z. B. Acquipcctcn paUiuiii L.) führt F o r b e s , ebenfalls aus englischem Kohlen- kalk, an (Annais & magazine of Nat. History. 1854, Bd. XIV). Auf eine Alyoconcha mit Farbresten in Form von Zickzackstreifen aus der Bajeux-Stufe der Normandie macht E. Deslonchamps auf- merksam. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 6 Brachiopoda. Martima glabcr Marl. Schizophoria resupinata Marl. Beide mit feinen Radialstreifen aus dem Kohlenkalk. Über das Auftreten von Farbspuren bei den Terebratulaceen und Rhynchonellaceen sei auf die untenstehenden Angaben verwiesen. Bei den Färbungen der Molluskenschalen sind auseinanderzuhalten die allgemeine Färbung der Schale und die nur an einzelnen Stellen auf- tretende Zeichnung in Form von Punkten, Tüpfeln und Streifen oder Linien. Die allgemeine Färbung ist, wenigstens bei den Brachiopoden, bei vielen fossilen Formen erhalten. Von den Productiden gibt Waagen eine dunkelviolette bis rotbraune Färbung bei Prodiictiis Abichi Waag. aus dem Produciuskalk der Saltrange an. Von fossilen Terebratulaceen und Rhynchonellaceen, namentlich des Jura, liegen über die allgemeine Färbung der Schale zahlreiche Angaben in den größeren Ar- beiten E. E. Deslongchamp's vor. Daß es sich in diesen Fällen um primäre Färbung handelt, geht aus dem Vorkommen verschiedengefärbter Formen nebeneinander an dem gleichen Fundort hervor. Färbungszeichnungen sind demgegenüber bedeutend seltener. Die allgemeine Färbung der lebenden Tere- brateln ist wechselnd, auch innerhalb der Gattungen; weiße, gebliche und rote Grundtöne herrschen vor. Radiale Streifungen treten vornehmlich bei den Terebratelliden auf Flecken, in rötlicher Farbe, sind am bekanntesten bei Mcgcrlea saii- guinca Ch. und Lagiiais picfiis Ch. Alle diese Färbungserscheinungen, sowie auch violette und schwarze Allgemeinfärbung, sind auch bei fossilen Terebrateln nachweisbar. Am meisten interessieren, mit Rücksicht auf die Resultate W. De ecke's die Färbungszeichnungen. Radiale F'arbenstreifen sind am bekanntesten von Terebratida i'iilgaris Schloth. Oben am Wirbel sind die braunen Streifen schmal und verbreitern sich nach den Schalenrändern hin rasch; dabei sind gelegentlich die breiten Streifen in feinere Linien zerschlitzt. Die Streifen selbst sind beiderseits der Medianen schwach nach außen gekrümmt. Am schönsten erhalten kenne ich diese Farbenstreifen von Tere- bratida vulgaris bei Exemplaren aus dem oberen Muschelkalk von Saareinsmingen (Lothringen). Genau so sind die Farbenbänder bei Diclasiiia hasta/a aus dem Kohlenkalk. Radiale Farben- streifen werden weiterhin angegeben von Dielasma elo7igala (Devon), von Terebratida sidwvvidcs (ab- wechselnd dünne und breite gelbe Streifen auf braunem Untergrund), Terebratida Eudesi aus dem Jura und bei Terebratida biplicafa var. Bei Terebratida »laxillata verursachen die zahl- reichen hellen Radialstreifen auf der dunkelrötlichen allgemeinen Färbung eine giiterförmige Zeichnung. Fleckenzeichnung kommt bei einer devonischen, nordamerikanischen, und bei einer tertiären, bipli- katen Terebratel vor (nach Sueß: Über die Wohnsitze der Brachiopoden 1855, S. 242), sowie bei Terebratida itmbonella aus dem oberen Jura. Die lebenden Rhynchonelliden sind in ihrer all- gemeinen Färbung recht eintönig; dunkle Färbung ist für die in kalten Meeresgebieten wohnenden Rhynchonella psittacea und nigricans bezeichnend ; die japanischen Rhynchonelliden sind lichtgelb ge- färbt. Die fossilen Formen sind lebhafter gefärbt, z. T. rötlich und violett, wie RhyiiclioticUa siibobso- leta und Rhy/iclionelta spiitosa des Doggers. Fär- bungszeichnungen in Form von F'lecken und Punkten sind bei RJiyiicIwneUa octoplicata aus der Kreide und namentlich bei Rliyiicliouella fugniis aus dem Eifler Mitteldevon verschiedentlich beob- achtet worden (Kayser 1. c). Unter den re- zenten Arten sind derartige Zeichnungen nicht bekannt. Dies ist erklärlich , wenn wir uns vergegenwärtigen, wie geringfügig die Zahlen der lebenden Rhynchonelliden gegenüber den unter günstigen Bedingungen mächtig aufblü- henden Formen des Mesozoikums und Palae- ozoikums ist. Soviel scheint mir eine Betrachtung der Färbungsspuren fossiler Brachiopoden zu er- geben, eine Konstanz in den Färbungstypen ist bei ihnen nicht zu erkennen. Hingegen glaube ich für die Gastropoden in diesem Punkte Deecke zustimmenzu müssen, wenn- gleich auch bei den fossilen Schnecken manches zur Vorsicht mahnt. So z. B. die Ausbildung der Zeichnung von OiicocJdlits cJiro»iaticiis Zittel, die derart variabel ist, „daß nicht zwei Exemplare darin völlige Übereinstimmung erkennen lassen" (vgl. dazu die Abbildungen bei Zittel: Gastro- poden der Stramberger Schichten). Oder soll man die in ihren übrigen Merkmalen überein- stimmenden Exemplare von OiicpckdiiscJtroniaticiis mit Punktzeichnung, mit Längsstreifung, Quer- streifung, Farbenbändern, jeweils als Vertreter einer selbständigen Art auffassen? Bei den Pectiniden des Kohlenkalks treten alle möglichen I'^arben- zeichnungen auf: radial verlaufende Streifen, dünne uud breite, sowohl auf den Rippen, als auch in den Zwischenrämen zwischen diesen, zickzack- förmige Linien, und unregelmäßig angeordnete Tüpfel. Auch die weitere Angabe des Verf., daß P'ärbungserscheinungen durchweg nur bei glatten Gehäusen auftreten, ist ein wenig einzuschränken. Bei Rliynchoiiella piigmis überzeugte ich mich an zwei Exemplaren, daß die feinen P'arbpunkte so- wohl auf den glatten Teilen der Schale als auch auf den nur an dem Schalenrande auftretenden Rippen vorhanden sind. Unter den Gastropoden nenne ich in dieser Beziehung als Beispiele: TiirboJii- teUa siibcostata A r c h. & d e V e r n., verschiedene Troc/iHS-hrlzn, ColiimbcUa Wiiiimeri H. u. a. Von den oben angegebenen Muscheln sei auf das Auftreten von Farbflecken auf den Rippen von Avicidopecteii sp. bei Forbes hingewiesen. Leidhold. Medizin. Fremdkörper im Verdauungstraktus. Wie früher (Band XIII, 19 14, S. 253) berichtet wurde, finden im menschlichen Darmtraktus oft N. F. XVII. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 87 erstaunlich große Fremdkörper Raum für längeren Aufenthalt. In einer neuen Mitteilung in der Münchner Medizinischen Wochenschrift Nr. 4I 1917 berichtet Oberarzt Gerhard Hammer aus dem Reservelazarett München über zahlreiche Fälle, in welchen alle möglichen Fremdkörper den Magen und zum Teil auch den Darm passiert haben. Die Gegenstände gelangten in die Speise- röhre, den Magen und zum Teil auch in das Duo- denum, um entweder auf natürliche Weise mit dem Stuhl den Körper zu verlassen, oder nach Durchbohrung der Darmwand durch ein Abszeß oder durch eine Decubituswunde ausgestoßen oder endlich durch Operation aus dem Darmtrakius und der Bauchhöhle entfernt zu werden. Die Fremdkörper: Nägel, Eßlöffelstiele, Schrauben, Bleistifthalter, Konservenbüchsenöffner, Draht- schlingen, Blechstücke, bis 10 cm lange Nadeln, Stahlfedern, Knöpfe (einmal 1 1 Uniformknöpfe), sogar ein Rosenkranz, usw. waren von den Patienten in selbstmörderischer Absicht ver- schluckt worden; die Lage der Fremdkörper wurde röntgenologisch vor der operativen Entfernung festgestellt. ') Nur in einem Falle trat eine all- ') Man muß die Langmut des Chirurgen bewunde gemeine Peritonitis ein, welcher der Patient erlag. Wiederholt passierten Nadeln usw. die Darmwand, ohne daß eine Infektion der Bauchhöhle folgte; offenbar hatte sich die kleine Wunde durch Ver- klebung der Ränder und Vernarbung sofort wieder geschlossen. Mitunter wurden größere Fremd- körper durch Bindegewebe abgekapselt. Die meisten Schwierigkeiten bereiteten der Passage offenbar die Krümmungen zwischen Pars hori- zontalis und descendens des Duodenums. Wieder- holt blieben Nadeln usw. am oberen Teil des Duo- denums liegen und drängten mit ihrer Spitze die Darmwand weit vor, ohne sie indessen zu per- forieren. Bei längerem Liegenbleiben würde natürlich eine Drucknekrose und Peritonitis einge- treten sein, wie das auch in einem Fall geschah. Längere Fremdkörper passierten, wie die Röntgen- aufnahmen zeigten, den Darmtraktus mit dem dickeren Ende voran, offenbar, weil es das schwerere war. (gTc) Kathariner. wenn er, namentlich bei rückfälligen Selbstmordkandidaten, sich der größten Mühe unterzieht, dieselben von den Gegen- ständen zu befreien, deren Ungenießbarkeit, Unverdaulichkeit usw. ihnen doch schon von früher her bekannt war. Ref. Jahrbuch der Urania und Kalender für 1918. Herausgegeben von der Urania in Berlin. 162 S. mit 36 Abbild, und 6 Tafeln. Braunschweig, Fr. Vieweg u. Sohn. 191 8. — Preis 2,40 M. Zum ersten Male gibt die Berliner Urania mit dem vorliegenden Heft ein Jahrbuch heraus, das die segensreiche Wirksamkeit des Instituts für Volksbelehrung auch in wißbegierige Kreise außer- halb der Reichshauptstadt zu tragen bestimmt und geeignet ist. An der Spitze des Jahrbuchs finden wir ein allerdings vorerst noch etwas dürftiges astro- nomisches Kalendarium, das jedem Monate zwei Seiten widmet und außer einer Darstellung des Sternenhimmels und einiger Angaben über die Stellung der Planeten die wichtigsten Angaben über Sonne und Mond bietet. In fortlaufenden Anmerkungen wird nebenher die astronomische Zeiteinteilung erläutert und anschließend die Ver- wandlung der Zeiten erklärt. Ein Verzeichnis heller Fixsterne, Doppelsterne und Nebel, sowie ein Literaturhinweis schließen diesen Teil des Jahr- buchs ab. Ihm schließt sich noch ein reich illustrierter Aufsatz von Prof Schwahn über Himmelsphotographien an. Den weiteren Inhalt des Jahrbuchs bilden recht interessante und aktuelle Aufsätze aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Wir müssen uns hier mit der Auf- zählung dieser durchweg von Autoritäten der betr. Gebiete verfaßten Beiträge beschränken. Prof. Donath behandelt das Kapitel „Lichterzeugung und Lichtausbeute", Prof. Lassar-Cohn „Die Bücherbesprechungen. astronomischer Auswertung von Deutschlands Steinkohle und Kali in der chemischen Industrie", Reg. -Baumeister Watt mann zeigt in dem illustrierten Aufsatz „Ein Problem der Straße", welche dem Laien nicht bekannten Schwierigkeiten die Anlage und Erhal- tung der Straßenbahngeleise darbieten, Dr. Berndt zeigt und erklärt uns die „Waffen der Natur", während endlich Prof Mielke eine anregende „Deutsche Siedlungskunde" skizziert. — Das Jahr- buch wird zweifellos bei den Freunden der Urania viel Anklang finden und in kommenden Jahren auch im kalendarischen Teil noch weitere Aus- gestaltung erfahren. F. Kbr. Zimmer- und Balkonpflanzen. Von P. Dannen- berg, Kgl. Gartenbau-Direktor, Städtischer Garteninspektor in Breslau. Mit i Tafelbilde und 38 Abb. 3. Aufl. 191 7. 58. Bd. aus „Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens". Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. Daß während des Krieges eine, wenn auch unveränderte neue Auflage dieses praktischen Büchleins erscheinen konnte, ist ein Beweis für die erfreuliche Tatsache, daß es immer noch Leute gibt, die es nicht nötig haben ihre Blumen im Zimmer und auf dem Balkon zu pensionieren, um dafür Tomaten und Grünkohl heranzuziehen. Alles, was über die Anzucht von Blumen im Hause gesagt werden kann, hat der Verfasser in' übersichtlicher und verständlicher Weise seinen Lesern mitgeteilt. Das Kapitel über das „Schneiden" Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVn. Nr. 6 mag hier als besonders gelungen hervorgehoben werden, ebenso die Zusammenstellung von Pflanzen- gruppen, die dauernd im Wohnzimmer stehen können und die einer anderen Behandlung be- dürfen. — Anerkennenswert ist, daß theoretische Erörterungen möglichst unterlassen und nur Er- fahrungen als solche mitgeteilt werden. Auf diese Weise vermeidet es der Verf. in den Fehler zu verfallen, Probleme als gelöst hinzustellen, die noch wissenschaftlicher Erforschung harren. Wächter. Anregungen und Antworten. Berichtigung zum Aufsatze „Brasilianische Säugetiere und Vögel im naturhistorischen Museum zu Bern" in Nr. 42 des vorigen Jahrganges. Bei Midas grhcovtrlex GmIiU (S. 597) ist die betr. Stelle folgendermaßen umzuändern : Gehört zur Gruppe der Krallen- affen, im wesentlichen durch die Gattung Hapale repräsentiert und von welch letzterer sich Midas durch die längeren Eck- zähne des Unterkiefers, welche die Schneidezähne um ein Be- trächtliches überragen, unterscheidet. I-. E. Herrn Dr. H. H. in L. I. Gibt es ein Wörterbuch, in dem die wissenschaftlichen Namen von Tieren und Pflanzen und die wissenschaftlichen Fachausdrücke der Entstehung nach verdeutscht und erklärt sind? Ziegler, H. E., Zoologisches Wörterbuch. Erklärung der zoologischen Fachausdrücke. 2. Aufl. Jena 1912. Schneider, C. K., Illustriertes Handwörterbuch der Botanik. 2. Aufl., herausg. v. K. Linsbauer. Leipzig 1917. Schmidt, H., Wörterbuch der Biologie. Leipzig 1912. Roux, W., Terminologie der Entwicklungsmechanik der Tiere und Pflanzen. Leipzig 1912. — Bildet eine gute Er- gänzung zu den oben genannten Wörterbüchern. Guttmann, W., Medizinische Terminologie. Ableitung und Erklärung der gebräuchlichsten Fachausdrücke aller Zweige der Medizin und ihrer Hilfswissenschaften. 8. und 9. Aufl. Berlin und Wien 1917. — Dieses in medizinischen Kreisen viel gebrauchte Wörterbuch enthält auch die wichtigsten Fachaus- drücke der Zoologie und Botanik. Über die Etymologie der Tier- und Pflanzennamen geben am besten Auskunft: Leunis-Ludwig, H., Synopsis der Tierkunde. 2 Bde. 3. Aufl. Hannover 1883. Leunis-Frank, A. B., Synopsis der Pflanzenkunde. 3 Bde. 3. Aufl. Hannover 1883. 2. Welches sind die Titel der größten illustrierten zoolo- gischen Gesamtwerke, die das gesamte Tierreich behandeln und als Ergänzung zu Brehm's Tierleben dienen können? Bronn 's Klassen und Ordnungen des Tierreichs, wissen- schaftlich dargestellt in Wort und Bild. Leipzig und Heidel- berg. — Dieses seit 1859 erscheinende, umfangreiche Werk faßt unsere gesamten Kenntnisse vom Bau und der Entwick- lung der Tiere zusammen. Die ältesten Bände sind allerdings bereits veraltet. Von ausländischen Handbüchern der Zoologie seien genannt : Delage, Y. et Herouard, E., Traue de Zoologie concrete. Paris. — Erscheint seit 1896. Lankester, E. Ray, A Treatise on Zoology. London. — Erscheint seit :90o. 3. Welche Werke orientieren am besten über Schmarotzer- würmer f An erster Stelle sei empfohlen ; Braun und Seifert, Die tierischen Parasiten des Menschen, die von ihnen hervorgerufenen Erkrankungen und ihre Heilung. I. Teil: Braun, M., Naturgeschichte der tieri- schen Parasiten des Menschen. 5. Aufl. Würzburg 1915. Das klassische Werk der Parasitologie, das ebenfalls noch viel benutzt wird, ist: Leuckart, R. und Brandes, G., Die Parasiten des Menschen und die von ihnen herrührenden Krankheiten. 2 Bde. 2. Aufl. Leipzig 1879 — 1901. Außerdem sei noch hingewiesen auf: Fiebiger, F., Die tierischen Parasiten der Haus- und Nutztiere. Wien und Leipzig 1912. Neumann, R. O. und Mayer, M., Atlas und Lehrbuch wichtiger tierischer Parasiten und ihrer Überträger. (Lehmann's medizinische Atlanten, Bd. 11) München 1914. — Das Werk enthält 1300 farbige Abbildungen auf 45 Tafeln und über 200 Textfiguren. Wasielewski, Th. v., Wülker, G. und Schuck- mann, W. v., Pathogene tierische Parasiten. (3. Bd. 3. Abt. des Handbuches der Hygiene von Rubner, Gruber u. Ficker). Leipzig 1913. Nachtsheim. Druck 656 reizt zu folgenden Vorschlägen Wärmemesser in Zukunft. Die Anregung Unsere Enge in der Benützung kostbarer Rohstoffe wird auf längere Zeit hinaus zu Ersparnissen zwingen. Wäre es da nicht an der Zeit, vor- weg alle unpraktischen, unbrauchbaren oder in der Anlage verfehlten Quecksilberinstrumente von der künftigen Herstellung auszuschließen? Was nützt ein Thermometer von großer Unempfindlichkeit oder ein Barometer, bei dem die Kapillar- fehler 5 Millimeter betragen und das niemals auch nur im groben die so lehrreichen Druckänderungen unseres Luftkreises anzeigen kann? Man darf annehmen, daß von Tausenden ,, Dessins" der Thermometerlisten zwei Drittel überflüssig sind und ebenso alle Kölbchenbarometer, überhaupt alle diejenigen Quecksilberröhren, die unter etwa 8 — 10 mm Weite haben und nicht als Heberröhren mit gleicher Weite (zur Vermeidung der Kapillar-Depression) erzeugt sind. Ein richtiges Gefäßbarometer von 8 mm Weite gibt mir Ablesungen bis auf 0,05 mm zu- verlässig an ; es hat samt aufgcätzlrr Teilung in halbe mm und Brett rund 30 M. gekostet. Eine Heberröhre nach dem Vor- schlag S. 656 ließe bei gleicher Weite — und es möchte nicht empfehlenswert sein darunterzugehen — vielleicht höchstens 0,1 mm noch gewinnen. Bei Anwendung eines Gefäßes — wenigstens für ernstere Ablesungen . — wäre sein wissenschaft- licher Wert verdoppelt. Auch die belieble Angabe von Schön- Weiter bis Sturm ließe sich leichter und in weiteren Grenzen anbringen als bei der starren Heberröhre. Vielleicht schwingt sich aber unsere Industrie zu einer Anordnung auf, welche die etwa :o mm weile Heberröhre (oben und unten 10 mm weit, sonst enger) 'gleichweiter Schenkelöfl'nung mit einer Slangen- skala verbindet, die oben den Nonius und nnten über der Kuppe die Spilzcneinstcllung trägt. Das wäre eine Form, die Tausenden von Liebhabern einen sehnlichen Wunsch erfüllen, Resultate von hohem wissenschaftlichem Werte liefern und nur einen mäßigen Preis kosten würde: eine gerechtfertigte Anord- nung zur Massenherstellung also. Ph. Fauth. Hans Walter Frick hinger, Die Bisamratte in Böhmen. (26 Abb.) (Schluß.) S. 73. — Einzelberichte: W. Nienburg, Die Flechlensymbiose. S. 82. Josef Haeuser, Wolkenbruch von Nürnberg am 3, Juli 1914. S. 82. W. Deecke, Färbungsspuren an fossilen Molluskenschalen. S. 84. Gerhard Hammer, Fremdkörper im Verdauungstraktus. S. 86. — Bücherbesprechungen: Jahrbuch der Urania und astronomischer Kalender für 1918. S. 87. Zimmer- und Balkonpflanzen. Von P. Dannenberg. S. S7. — Anregungen und Antworten : Berichtigung zum Auf- satze „Brasilianische Säugetiere und Vögel". S. 88. Wörierliuch über wissenschaftliche Namen von Tieren und Pflanzen und wissenschaftliche Fachausdrücke. Titel der größten illustrierten zoologischen Gesamtwerke. Werke über Schmarotzer- würmer. S. 88. Druck- und Wärmemesser in Zukunft. S. 88. Manuskripte und Zuschriften werden an Prof. Dr. H. Mi ehe, Berlin N 4, Invalidenstrafle 42, erbeten. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Druck der G. Pätz'schen Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S, Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Sonntag, den 17. Februar 1918. Nummer 7. [Kachdruck verboten.] Die Permeabilität der Pflanzenzellen. Von Dr. Friedrich Weber (Graz). Der Bau einer typischen, erwachsenen Pflanzen- zelle ist bekannt. Die Zellwand (Membran) ist die äußerste Hülle; sie umschließt den Plasmaschlauch und dieser wiederum den zentral gelegenenVakuolen- raum, der von Zellsaft erfüllt ist und häufig den voluminösesten Teil der ganzen Zelle darstellt. Der Protoplasmaschlauch grenzt demnach gegen außen an die Zellmembran, gegen innen an den Zellsaft. An diesen beiden Grenzflächen scheint das Plasma, seiner kolloiden Natur entsprechend, relativ verfestigte Häutchen zu bilden, eine Er- scheinung, wie man sie ganz analog z. B. bei Eiweißlösungen beobachtet. Die äußere Plasma- grenzschicht nennen wir äußere Plasmahaut, die innere Vakuolenhaut. Sollen nun aus einer die Zelle umspülenden Flüssigkeit (etwa aus einer Nährsalzlösung) Stoffe (Salze) von der Zelle aufgenommen werden und bis in den Zellsaftraum vordringen, so müssen diese Stoffe eine Reihe von trennenden Wänden passieren, zunächst einmal die Zellmembran. Die Zellmembran — wenigstens insofern sie aus reiner Zellulose besteht — verhält sich in bezug auf ihre Durchlässigkeit ähnlich wie eine Pergamentmembran'): sie ist permeabel für alle Kristalloide, der Elektrolytaustausch geht durch sie ebenso schnell vonstatten wie bei freier Diffusion. In neuerer Zeit sind allerdings Tatsachen be- kannt geworden, die davor warnen, die Durch- lässigkeitsverhältnisse der Zellmembran gänzlich zu vernachlässigen. Die Zellulose ist ein Gel, be- findet sich also in kolloidem Zustande und ist überdies noch mit anderen kolloiden Substanzen gewissermaßen imprägniert; es müssen demnach die Zellwände in ihrem Verhalten anderen Stoffen gegenüber den Kolloidgesetzen Folge leisten und man hat es in dieser Beziehung mit den Erschei- nungen der Geladsorption zu tun. So findet die Färbbarkeit der Zellmembran mit verschiedenen Farbstoften ihre Erklärung in dem energischen Adsorptionsvermögen der Membrangele. Eine be- sondere Eigentümlichkeit der Geladsorption ist es, daß der zu adsorbierende Stoff (Adsorbendum) häufig nicht unverändert adsorbiert wird; speziell zeigt sich dies bei der Adsorption von Salzen; das Salz wird zerlegt in zwei Teile, davon bloß die Base adsorbiert, während das Säureradikal in F"reiheit gesetzt wird. Auch die Zellmembrangele vermögen auf diese Weise Sal/.e zu zerlegen. Es wurde das zuerst von Bau mann für das bekannte Torfmoos Sphagmim festgestellt. Die Zellwände der Sphagnen zerlegen die Salze des Torfbodens, adsorbieren deren Basen, dadurch werden die Säuren frei und auf diese Weise kommt der saure Charakter der Torfmoore zustande. Nach Wieler (1912) besitzen die Zellwände auch der höheren Pflanzen das gleiche Adsorptionsvermögen. Bei der Kolloid- adsorption, d. h. für den Fall, daß das Adsorbens ein Kolloid ist, werden häufig nur einige Substanzen adsorbiert oder nur einige Substanzen in bedeuten- derem Maße; derartige spezifische oder selektive Adsorption schreibt Hansteen Crannerin einer neueren Arbeit (19 14) auch der Zellenmembran zu und gelangt im allgemeinen zu der Überzeugung, daß die jugendliche Zellwand „nicht, so wie es noch allgemein angenommen wird, ein in physiologischer Hinsicht konstantes oder auf den Kristalloidaus- tausch indifterentes Medium sein könne". Eine Reihe von Autoren (Brown, Schroeder, Shull) experimentierten mit der toten Samen- hülle verschiedener Pflanzen (von Getreidekörnern, Xanthiuni- kxX.Qn). Diese Samenhüllen wurden iso- liert und über kleine Endosmometer gespannt. Es sollen sich dabei Permeabilitätsverhältnisse ergeben haben, wie man sie sonst nur dem lebenden Plasma und keineswegs der Zellmembran zuschreibt. ') So viel steht aber wohl auch heute noch fest, daß nicht die Zellmembran, sondern das lebende") Protoplasma für die Permeabilitätsverhältnisse der Zelle der Hauptsache nach maßgebend ist und zwar schreibt die herrschende Ansicht nicht dem ganzen Plasmaschlauch die Entscheidung über die diosmotischen Vorgänge zu, sondern einzig und allein oder zumindest vornehmlich den eingangs erwähnten Hautschichten, den Plasmahäuten. Welche Permeabilitätsverhältnisse weisen nun die Plasmahäute auf. Die beste Analogie ge- währen die zuerst von M. Traube dargestellten sog. semipermeablen Membranen. Solche halb- durchlässige Membranen entstehen bei der Be- rührung zweier Kolloide, z. B. von Gerbsäure und Leim ; auch die Ferrocyankupfermembran der be- kannten künstlichen Traube 'sehen Zelle ist eine derartige Niederschlagsmembran. Diese semiper- meablen Membranen lassen keineswegs nur das Lösungsmittel hindurch, alle gelösten Stoffe aber nicht, vielmehr sind sie nur für ganz bestimmte Kristalloide undurchlässig, sie wirken also selektiv, es wäre demnach auch die Bezeichnung „selektiv oder spezifisch" undurchlässige Membranen vor- ') Die verkot kte Membran verhält sich allerdings ganz anders; die Undurchlässigkeit des Korkes für Wasser und Gase findet ja praktische Verwertung. ') Vgl. auch Rippel, Biolog. Ztrbl. Bd. '■') Mit dem Tode verliert das Plasma seine charakteristischen diosmotischen Eigenschaften. 90 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. XVII. Nr. 7 zuziehen. Die Piasmahäute verhalten sich nun wie derartig semipermeable Membranen, sie sind für bestimmte Stoffe durchlässig, für andere dagegen nicht, es gibt alle Abstufungen in bezug auf den Permeabilitätsgrad für einzelne Stoffe. So dringen — um nur einige Beispiele zu geben — rasch ein: die einwertigen Alkohole, die anorganischen und orga- nischen Säuren, langsamer diosmieren : der drei- wertige Alkohol Glyzerin, der Harnstoff, sehr langsam, ja kaum nachweisbar: die Zucker, Amino- säuren, anorganischen Salze. Das Problem der Permeabilität ist nun das: Wieso kommt es, daß die einen Stoffe leicht, andere schwer, wieder andere so gut wie gar nicht permeieren können. Wieso vermag die Plasmahaut zwischen den einzelnen Stoffen auszu- wählen. Das Problem der selektiven Permeabilität besteht übrigens keineswegs für die lebende Plasma- haut allein, auch die Semipermeabilität der künst- lichen Membranen harrt noch immer einer be- friedigenden Erklärung. Eine für die Lösung des Problems jedenfalls unerläßliche Vorbedingung ist vor allem die Kenntnis, welche Stoffe zu perme- ieren und welche nicht zu permeieren vermögen. Eine Reihe von Methoden vermitteln uns diese Kenntnis. Am unmittelbarsten läßt sich die Durchlässig- keit der lebenden Plasmahäute für bestimmte Farbstoffe erweisen. Die grundlegenden Unter- suchungen Pfeffer's über die Aufnahme von Anilinfarben in lebende Zellen zeigten, daß ver- schiedene Farben ohne Schädigung in lebenstätige Zellen aufgenommen werden und Plasma und Zell- saft lebend zu färben vermögen. Derartige „Vital- farben" sind z. B. Methylenblau, Methylviolett, Fuchsin, Safranin u. a. m. Wegen der Giftigkeit der Farben können die Zellen nur in ganz ver- dünnte Farbstofflösungen eingelegt werden; doch wird der eindringende Farbstoff in der Zelle ge- speichert — indem er durch organische Säuren, namentlich Gerbsäure, in ein unlösliches Salz ver- wandelt wird, wodurch das Diffusionsgefälle auf- recht erhalten bleibt und immer wieder neuer Farbstoff einzudringen vermag — so daß mehr oder weniger rasch eine bisweilen sogar makro- skopisch sichtbare Färbung erzielt wird. Auf diese Weise wurde gefunden, daß die meisten basi- schen Farbstoffe vital färben, die Säure farbstoffe dagegen nicht. Da nun die basischen Anilinfarben leicht in fettähnlichen Substanzen sog. Lipo ide n löslich, die Säurefarbstoffe dagegen lipoidunlöslich sind, so war das Verhalten der Zellen hinsichtlich der Vitalfärbung eine wichtige Stütze für die von O verton begründete Li poidth eori e der Plas- mahaut. Nach dieser Theorie, die sich nicht nur auf das Verhalten der Farbstoffe, sondern ebenso auf das der verschiedensten anderen Stoffe, vor allem auch der Narkotika stützte, sollte die Plasma- haut aus einer fettähnlichen, einer lipoiden Sub- stanz bestehen und alle in dieser Lipoidsubstanz löslichen Stoffe sollten in die Zelle einzudringen vermögen, die lipoidunlöslichen Stoffe dagegen nicht. Demnach wäre die Permeabilität ein Löslich- keitsphänomen, die Stoffe, welche permeieren, würden ausgewählt durch die Löslichkeit in den Lipoiden der Plasmahaut, die Plasmahaut würde als Lösungsmittel fungieren und die Permeabilität nach dem Prinzipe der auswählenden Löslichkeit verständlich werden. Ein methodischer Fortschritt förderte neues Tatsachenmaterial über die Farbstoffaufnahme zu- tage, das mit der Lipoidtheorie keineswegs im Einklänge steht. Goppelsroeder und (in einer eingehenden Studie) Küster stellten intakte Pflanzen oder doch wenigstens größere Zweig- systeme, zumindest Blätter mit ihren Stielen in die Farblösungen ein und ließen sie so die Farbstoffe auf natürlichem Wege durch die Leitbündel aufnehmen. Zahlreiche Säurefarbstoffe, die bisher als nicht vital galten, erwiesen sich bei dieser Versuchsan- stellung nunmehr als leicht aufnehmbar. Durch diese Versuche Küster 's sowie dann besonders auch durch sorgfältige Untersuchungen Ruh- 1 a n d 's wurden schwerwiegende Widersprüche mit Overton's Lipoidtheorie aufgedeckt. Es gibt eine Reihe basischer Farbstoffe, welche nicht lipoid- löslich sind und doch leicht permeieren und um- gekehrt unter den zahlreichen lipoidlöslichen basi- schen Farbstoffen einige, die nicht permeieren. Auch das Verhallen der Säurefarbstoffe entspricht nicht immer der O vert on'schen Theorie. K ü s t e r 's Versuche haben ja ergeben, daß manche lipoidunlösliche Säurefarbstoffe Vitalfarben sind und andererseits gibt es wieder lipoidlösliche Säure- farbstoffe, die nicht permeieren. Die von O v e r t o n angenommene Parallelität zwischen Schnelligkeit der F"arbstoffaufnahme und Leichtigkeit der Lipoid- löslichkeit hat also keinenfalls Allgemeingültigkeit. Im Verlaufe seiner methodischen Untersuchungen gelang es Ruhland, das die Farbstoffaufnahme beherrschende Prinzip mit einer ungemein ein- fachen Methode ^) klarzulegen. 20 "/o Gelatine wird in dünner Schicht auf Glasplatten ausgegossen; auf die erstarrte Gelatine wird mit einer Platinöse ein Tropfen der o,i 7o Farbstofflösung gesetzt. Es wird kontrolliert, auf welche Entfernung hin und mit welcher Geschwindigkeit sich die Farb- lösung in die Gelatine hinein ausbreitet. Es zeigen sich bei dieser Geldiffusion der Farbstoffe weit- gehende Verschiedenheiten. Manche Farbstoffe breiten sich rasch in der Gelatine aus und bilden eine breite Diffusionszone, andere vermögen nur langsam, nur wenig oder gar nicht zu diffundieren. Es ergab sich nun die interessante Tatsache, daß das Diffusionsvermögen und die Diffusionsgeschwin- digkeit von Farbstofflösungen in Gelen besonders im Gelatinegel ausnahmslos der Fähigkeit der Farbstoffe in lebende Pflanzenzellen einzudringen parallel geht; Farbstoffe, die sich in der Gelatine ') Traube und Köhler änderten jüngst (igij) die Methode mit Erfolg dahin ab, daß sie Gelatine in Reagenz- gläser füllten und mit der zu prüfenden Farblösung über- schichteten. N. F. XVII. Nr. 7 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 91 leicht ausbreiten, vermögen auch leicht die Plasma- haut zu permeieren. Während die Diffusionsge- schwindigkeit von Stoffen durch wasserreiche, also nicht zu hochprozentige Gelatine nicht merklich beeinflußt wird, die Diffusion also in dieser ebenso vor sich geht wie in reinem Wasser, setzt kon- zentriertere Gelatine der Diffusion einen wesent- lichen Widerstand entgegen. Es gelingt — wie B e c h h o 1 d fand — durch Verwendung verschieden konzentrierter Gelatine sog. Ultra filter herzu- stellen, die vermöge der geringen Weite ihrer Poren bei Kolloiden eine Siebwirkung auszuüben imstande sind. Kolloide, deren Teilchen eine be- stimmte Größe übersteigt, vermögen den Ultrafilter nicht mehr zu passieren und es kann mit Hilfe der Ultrafilter eine Trennung der dispersen Phase vom Dispersionsmittel vorgenommen werden. Die Plasmahaut soll nun nach Ruhland den Farb- stoffen gegenüber, die ja ebenfalls den Kolloiden zuzurechnen sind, als Ultrafilter fungieren. Die- jenigen Farbstoffe, deren Teilchengröße so gering ist, daß diese noch durch die Poren einer 2o''/(, Gelatine hindurchgehen, diese vermögen auch den Ultrafilter Plasmahaut zu permeieren. Die Plasma- haut verhält sich demnach wie ein Gel von be- stimmter Porenweite, die Permeabilität ist ein Filtrationsprozeß. Die Ultrafiltertheorie vermag nur die Permeabilitätsverhältnisse der Kolloide zu erklären, seien dies nun zellfremde Kolloide wie die P'arbstofife oder zelleigene wie Inulin, Glykogen, Enzyme, Alkaloide u. a. Die Kristalloide, die sich von den Kolloiden ja gerade durch die geringe Größe ihrer Teilchen unterscheiden (molekular oder iondisperse Systeme), müßten ganz besonders leicht durch den Ultrafilter Plasmahaut hindurchgehen; da aber zahlreiche Kristalloide nur schwer oder gar nicht in die Zelle einzudringen vermögen, so muß eben die Aufnahmefähigkeit der Kristalloide durch ein anderes Prinzip beherrscht werden.